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Infanteristen oder Raumschlachten? - ... über Gewaltbefindlichkeiten bei Perry Rhodan...

1Infanteristen oder Raumschlachten?
... über Gewaltbefindlichkeiten bei Perry Rhodan ...

...eigentlich sollte der Titel heißen: „über Befindlichkeiten der Perry-Rhodan-Leser beim Lesen von Gewaltszenen in der Serie“...

Aber das war mir dann zu lang. Heute soll es (wieder einmal) um die Gewaltdarstellung im Perry gehen. Eine solche Serie mit viel Action, interstellaren Konflikten (interuniversellen sogar) und dem „Ringen“ (in NEO) kann gar nicht ohne eine gewisse Gewaltdarstellung auskommen.


Seit dem Anbeginn der Serie existieren Kampfflotten, Raumschlachten, explodierende Planeten und Sterne. Ganze Planetenvölker werden (im MDI-Zyklus z.B.) von den Bösen ohne Wimpernzucken ausgerottet. Auch Kämpfe auf Planetenoberflächen werden beschrieben, manchmal dann leicht landserartig wie bei HGE im M-87-Zyklus oder gegen Maahks im MDI-Zyklus. Explodieren hier zwar öfter Roboter und Shifts, auch die Gegner setzen im persönlichen Kampf oft nur Maschinen ein, so werden Infanteristenkämpfe in der Serie des Öfteren geschildert. Fast immer kämpfen aber nur Kombattanten gegeneinander...anders wurde es kürzlich mit den Tiuphoren, die in Einzelkämpfen auf Planetenoberflächen auch Zivilisten angreifen und (in unserem Werte-sinne) ermorden.
 
Da hier einige Schilderungen recht ausführlich waren, ging ein Aufschrei durch das Perryforum und einige Foristen dort empfinden die Tiuphoren und ihre „Kriegerart“ als abartig und lehnen sie deshalb ab. Betrachtet man hingegen den Gesamtschaden, den diese „Tius“ in der Schilderung der Handlungsdarstellung bisher angerichtet haben, so ist er von der Größenordnung her zwar vergleichbar mit anderen Gegnern (ein Reich in der Southside der Galaxis wird ausgelöscht, die Larengalaxis wird angegriffen...), der Aufschrei kam jedoch nicht durch die Raumschlachten oder duch die Größe der Invasion, er entstand eher durch die Denkungsart der Tiuphoren, die einige Leser auch mit Terroristen der Wirklichkeit 0.1 verglichen.
 
Dass auch früher in Raumkämpfen Millionen Opfer auftraten, wurde nur am Rand geschildert...von den damaligen (und auch heutigen?) Lesern aber nicht so richtig wahrgenommen und einfach hingenommen. (In den Silberbänden wurde deshalb viel zensiert/korrigiert, etwa wenn die 80.000 von den Maahks vernichteten Raumer Akons im MDI-Zyklus in Robotschiffe verwandelt wurden). Die Gewaltdarstellung in Raumschlachten soll hier auch weder verherrlicht noch propagiert werden. Es fällt nur auf, dass die planetaren Infanteriekämpfe, die jüngst auf Planetenoberflächen geschildert waren, den heutigen Lesern zeitgeistmäßig viel mehr zusetzten, als die Raumschlachten von „damals“ den damaligen Lesern, die das beschreibende Geschehen größtenteils achselzuckend hingenommen haben...(“ist eben so...wo gehobelt wird...“).
 
Wird hier also mit zweierlei Maß gemessen...oder sind die Leser, von heute, die meist im Frieden aufgewachsen sind, empfindlicher geworden? Sind es andere Leser? Sind die Leser anders geworden? Raumschlachten werden ja auch diskutiert, und ihre Legitimität, etwa die Tätigkeit der Onryonen,den Flug  der terranischen Hilfsflotte! (Sanis und so...) zu unterbinden, oder die der Onryonen mit ihren HR-Torpedos gegen die Flotte der LFT, aber ist die ungesehene, sicher große Verlustrate an Menschen wirklich soviel ignoranter hinzunehmen, als wenn (einige wenige) Personen auf Planetenoberflächen kämpfen? Kriegerkasten oder -Völker, und das ihnen eigene „Bushido“-Denken hatten wir schon öfter in der Serie (nicht nur beim "ewigen" Krieger), warum also sollten die Tiuphoren etwas wirklich Neues sein? (Nur das Bannerdenken ist vielleicht neu...und das Seelensammeln als Kriegervolk). Wer Gewalt generell ablehnt, und das tun viele idealistisch geprägte Zivilisten ohne Ausbildung in praktischer Moraltheorie, sollte eben den Perry nicht lesen, wenn er sich über einige Gewaltschilderungen darin aufregt. Gewalt gehört zur wirklichen Welt, seit es den Menschen gibt...(und kontrollierte Gewalt kann moralisch legitimiert werden und notwendig sein) und ist eine nichtwegzuleugnende historische und aktuelle Tatsache...
 
Auch sollte man die Wirklichkeit 0.1. nicht mit dem PR vergleichend kurzschließen, selbst dann nicht, wenn auch die Autoren Kinder ihrer Zeit sind und dadurch geprägt und vielleicht auch eher unbewusst, solche realen Konflkikte einfließen lassen. Deshalb fand ich die Aufregung um die Tiuphoren, die einige Leser veranstalteten, doch etwas, nun, vielleicht „naiv“...und wurde richtig überrascht von dem einsetzenden Diskussions-Shitstorm (der zweifellos auch auf diesen Artikel folgen wird: also bitte, rationale Argumente, Leute). Die Tius sollen auch von mir hier nicht verteidigt werden...aber die Auseinandersetzung mit ihrer Kultur könnte tiefer erfolgen, falls die Expokraten/Autoren uns noch etwas mehr über die Denkweise dieses Volkes erzählen wollen...sie sind ja planetenlose Nomaden...,wie wurden ie so, wie sie sind?  Auch waren die planetaren Kämpfe oft erzähltechnisch gut geschildert, auch aus der Individualsicht heraus wirkten sie überzeugend...nur die terranischen Taras sollten weniger oft explodieren...
 
Bemerkung: auf den anderen Artikel zu diesem Thema »
Zu nah an unserer Realität? - Tiuphoren« von Mike Rennicke vom 22.09 2015 in der PR-Kolumne über die Tiuphoren sei hiermit hingewiesen...Sorry, dass ich dieses Thema noch einmal aufgriff, aber es beschäftigte mich eben...

Kommentare  

#1 Larandil 2015-12-08 13:57
Es gibt da ein Zitat, das die Leute gern Stalin zuschreiben: "Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik." Als Luke Skywalker den ersten Todesstern in die Luft sprengte, da tötete er zugleich auf einen Schlag die anderthalb Millionen Mann starke Besatzung.
#2 Peter Glasmacher 2015-12-08 21:22
Nicht die Tiuphoren, nicht die Existenz von Konflikten und Gewalt schreckt mich in Friedenszeiten aufgewachsenen. Mich hat ein bisschen erschreckt, mit wieviel Sinn für Einzelheiten und wie hmmm, teilweise süffisant Gewaltszenen (übrigens nicht nur im Tiuphorenkomplex) ge- und beschrieben wurden. Da war diese virtuelle Folterung Perrys über ein Heft hinweg etwa für mich ein Tiefpunkt. Jemand anderes mag das komplett anders sehen.Für mich ist die Schilderung derartiger Szenen unnötig.
Ich finde auch nicht, dass die Vernichtung der LFT Flotte als 'Exempel' und die minutiöse Schilderung von Tiuphorengreueln gleichwertig sind. Ersteres war nötig, um der Leserschaft aufzuzeigen, dass trotz allerSäuselei diese Typen nichts als eine Bande Fundamentalistischer Massenmörder ist. Letzteres ist einfach nur unappetitlich.
#3 AARN MUNRO 2015-12-09 11:39
@Peter Glasmacher: Süffisante Gewaltsezenen hatte es aber auch schon früher in der Serie fefeben: Zugegebenermaßen nnicht zwischen selbsternannten"Kriegern" und Zivilisten als terror, sondern auschließlich zwischen Kombattanten (außer auf Eysal, als die Terraner das erstemal auf die "Huldvollen",Blues/Yülziish trafen). Exzessiv war es doch z.B. bei HGE im Uleb-Zyklus in den ersten 25 Bänden gegen die Perlians oder im MDI-Zyklus gegen die Maahks. aber auch später: die Mundänen usw. Insofern ist die Gewaltdarstellung in ihren verschiedenen Arten im Perry eigentlich nichts Neues...deshalb wunderte mich die etwas übersteigerte Reaktion mancher Leser...das soll ja nicht heißen, das man die Tiuphoren mögen muss...in der Realgegenwart (ohne den Zeitriß zu betrachten) scheint es sie nicht mehr zu geben...,wie Sparta...
#4 Larandil 2015-12-09 12:23
zitiere AARN MUNRO:
@Peter Glasmacher: Süffisante Gewaltsezenen hatte es aber auch schon früher in der Serie fefeben: Zugegebenermaßen nnicht zwischen selbsternannten"Kriegern" und Zivilisten als terror, sondern auschließlich zwischen Kombattanten (außer auf Eysal, als die Terraner das erstemal auf die "Huldvollen",Blues/Yülziish trafen). Exzessiv war es doch z.B. bei HGE im Uleb-Zyklus in den ersten 25 Bänden gegen die Perlians oder im MDI-Zyklus gegen die Maahks. aber auch später: die Mundänen usw.

Ganz knallhart schlugen damals die Dscherro zu. Und Terraner fielen dabei reihenweise in Ohnmacht.
#5 Andreas Decker 2015-12-09 15:20
zitiere Larandil:

Ganz knallhart schlugen damals die Dscherro zu. Und Terraner fielen dabei reihenweise in Ohnmacht.


Das war auch so ein echter Rohrkrepierer, die Dscherro.

Die Serie war immer gut darin, aus Krieg nur eine Statistik zu machen. Ob nun bei Feldhoff im Reich Tradom oder bei Scheer das Ende der Uleb. Aber das wurde nie personalisiert, also hat sich auch nie jemand drüber aufgeregt.

Ein schön krasses Beispiel gibt es auch in den Abschlussbänden des Schwarm-Zyklus, die HGE so grandios versenkt hat. Da killt Nostradamus mal eben 50000 Cyno-Rebellen per handwedeln, und unsere Helden haben dafür nicht einmal eine Randbemerkung übrig.

Ich kann weder den Tiuphoren noch Duce-Molaud was abgewinnen. Aber das liegt nicht an der Gewaltdarstellung, sondern an den Konzepten und ihrer Durchführung an sich.
#6 AARN MUNRO 2015-12-10 11:31
Schwarmzklus:...ganz zu schweigen vom Tabora und den Karduuhl...das war auch Handwedeln...eine Million Jahre Herrschaft, im Handumdrehen ausgelöscht...Handwedeln!
#7 Jonas Hoffmann 2015-12-10 12:03
Raumschlachten gehören zur SF und sind relativ "antiseptisch".

Expliziter Splatterhorror dagegen ist ein anderes Genre, nämlich Horror und der Kram hat in PR nix verloren.

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