Operation Kleiner Bruder - Connery muss ran
Operation Kleiner Bruder
Connery muss ran
Der phänomenale Erfolg der James-Bond-Verfilmungen mit Sean Connery (1930-2020) in den 1960er Jahre ließ Klone nach demselben Erfolgsrezept wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die Vielzahl der thematisch und stilistisch ähnlich gestalteten Filme führte dazu, dass man diese später unter dem Schlagwort „Euro-Spy-Filme“ zusammenfasste. Mit am bekanntesten und erfolgreichsten sind hier sicherlich die „Kommissar X“-Filme mit Tony Kendall und Brad Harris, aber auch Filme wie „Der Mann mit den tausend Masken“ (von Alberto De Martino) mit Paul Hubschmid, „L – Der Lautlose“ mit Rod Taylor, „Agent 505 – Todesfalle Beirut“ mit Frederick Stafford oder dessen Auftritte als „OSS 117“ fanden seinerzeit ein begeistertes Publikum. Einer der sicherlich ungewöhnlichsten und spannendsten Vertreter jenes Genres ist „Operation Kleiner Bruder“, der nach seiner Kinoaufführung Ende der 1960er Jahre weitgehend von der Bildfläche verschwunden und weder im frei empfangbaren Fernsehen noch auf physikalischen Medien ausgewertet worden war. Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass man für die Hauptrolle Neil Connery (1938-2021), den jüngeren Bruder Seans, in seinem Leinwanddebüt verpflichtete. Erstaunlich ist aber darüber hinaus auch, dass man nicht nur die beiden italienischen Bond-Veteranen Adolfo Celi („James Bond 007 – Feuerball“) und Daniela Bianchi („James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau“) für größere Rollen besetzen konnte, sondern auch deren britische Kollegen Bernard Lee („M“ in elf Bond-Filmen), Lois Maxwell („Miss Moneypenny“ in 14 Bond-Filmen) und Anthony Dawson (ebenfalls in drei Bond-Filmen dabei, u.a. als „Ernst Stavro Blofeld“).
Während eines Fachvortrages von Kosmetikchirurg Dr. Neil Connery (Neil Connery) kommt es in Monte Carlo zur Entführung einer seiner Patientinnen. Der internationale Gegenspionage-Commander Cunningham (Bernard Lee) und seine Mitarbeiterin Fräulein Max (Lois Maxwell) weihen Connery, den Bruder des bekannten Geheimagenten, in die Hintergründe ein. Ward Jones (Nando Angelini) wollte überlaufen und Informationen über die Gangsterorganisation Thanatos an Cunningham weitergeben, wurde aber zuvor von anderen Thanatos-Mitgliedern ermordet. An der Spitze der Organisation kommt es deswegen zu Veränderungen, Gamma wird aus dem Weg geräumt, woraufhin Alpha (Anthony Dawson) und Beta alias Thair (Adolfo Celi) zusammen die Doppelspitze bilden. Widerwillig lässt sich Dr. Connery auf den Agentenjob ein, der ihn zunächst nach Malaga und schließlich nach Marokko führt. Überall begegnet er den hübschen Damen Mildred (Agata Flori) und Maya (Daniela Bianchi), die offensichtlich ebenfalls mit Thanatos in Verbindung stehen. In Marokko erfährt Connery, dass Thair radioaktiv verseuchte Orientteppiche exportiert und dass die Organisation mit Hilfe einer elektromagnetischen Superwaffe plant, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen. Connery kann unter Beweis stellen, dass seine Fähigkeiten zur Tiefenhypnose, zum Lippenlesen, zum Bogenschießen und zur handfesten Selbstverteidigung den vielfältigen Talenten seines berühmteren älteren Bruders in nichts nachstehen.
Alberto De Martinos Film ist bunt, wartet mit hochkarätiger Besetzung, übertrieben einfallsreichen Kostümen, internationalen Locations und ordentlichen Actionsequenzen auf. Rein technisch und in Bezug auf den Aufwand steht er den echten Bond-Filmen jener Ära kaum in etwas nach. Das Drehbuch hingegen ist schon ein wenig einfältig, und der Humor beschränkt sich auf die immer wieder eingestreuten Anspielungen auf Ian Flemings Doppel-Null-Agent, dessen Name nur ein einziges Mal wirklich genannt wird. Unter den unzähligen weiteren James-Bond-Plagiaten und -Parodien jener Zeit ist „Operation Kleiner Bruder“ fraglos dennoch einer der unterhaltsamsten und gelungensten Beiträge. Zumindest Fans der klassischen Connery-Bond-Ära sollten sich diese wieder ausgegrabene Rarität nicht entgehen lassen. Das Bild der BluRay (parallel ist auch eine DVD erschienen; im Widescreen-Format 2,35:1) ist gestochen scharf und weist sehr kräftige Farben auf, auch der Ton (Deutsch, Italienisch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) ist nicht zu beanstanden und durchweg gut zu verstehen. Als Extras gibt es den englischen Kinotrailer in einer Grindhouse-Version sowie eine größere animierte Bildergalerie.




Kommentare
Sean Connery, der zu diesem Zeitpunkt längst kein Bond mehr sein wollte, gab dem jüngeren Bruder vor Drehbeginn, aufgrund seiner eher unguten Erfahrungen mit Broccoli und dessen Partner Harry Saltzman dann wohl auch noch den Rat, sich beim Film alles schriftlich geben zu lassen. Vor allem sollte er keine längerfristigen Verträge eingehen, die ihn zu lange an ein Projekt binden würden.
Aber weil dieser Film kein großer Erfolg war blieb eine große Karriere ja eh aus. Damit war so ein Rat natürlich auch umsonst.