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Statt Schurkenstaat nun Schurkenseite?

In (Multi-)Medias ResStatt Schurkenstaat nun Schurkenseite?
›SOPA‹ und ›PIPA‹

»Schurkenseiten« - für mich ein heißer Aspirant auf Unwort des Jahres, und das schon am 18. Januar?! Als »rogue« werden im Zusammenhang mit den beiden Vorstößen (SOPA und PIPA) in der Gesetzgebung in den USA jene Seiten genannt, die in böswilliger Absicht den amerikanischen Staat (seine Bevölkerung und seine Industrie und Wirtschaft) schädigen wollen.

 

Es gibt noch weitere Themen aus den USA, die uns ›rot‹ sehen lassen. Schon bald erwartet uns der nächste Hammer! Wir schreiben darüber ...

Und auch wenn der "Schurkenstaat" mir in Englisch als "rogue state" nicht unterkam, als mir zum ersten Mal der Zusammenhang der beiden Begriffe (Schurkenstaaten und Schurkenseiten) auffiel, zuckte ich zusammen - und fühlte mich an jene Zeit erinnert, als die Angriffe begannen.

Die Diskussion über die beiden Gesetzesvorstöße wird heiß geführt, es geht offenbar nicht ohne Emotionen und gegenseitige Vorwürfe.

Sich in dieser Situation eine Meinung zu bilden, ist nicht einfach, wirklich objektiv kann man diese beiden Initiativen offenbar einfach nicht sehen - das stelle ich bei meiner Auseinandersetzung damit fest.

Aber ... worum geht es denn da eigentlich? Ich will keine Meinung haben, ohne zu verstehen, was wir hier eigentlich "bestreiten".

Die Autorin Janet Morris sagt dazu1
:

SOPA means Stop Online Piracy and PIPA means Protect Intellectual Property. These are good ideas. However, no single country can take it upon itself to do this. Censoring the worldwide web is the modern equivalent of book burning. Many of my books have been pirated; I have had enough IP stolen to have made me independently wealthy, and I still say that the free exchange of ideas is critical to the survival of the human race. Enforce the Berne Convention if you can. But don't use internet piracy as an excuse for internet tyranny. And most especailly do not allow any single country to take it upon itself to censor the internet. Every country that has tried to limit the access of its citizens to a free exchange of ideas online has suffered the hatred of its populace. The United States, of all countries, must not fall into the trap of imposing censorship by any other name. And if people like me can be protected for the thieves of ideas, if my work in fiction and nonfiction that has been stolen can be returned to me, and the money others have made off my work given back to me, that's great. But it's not worth it to me or any other creator to be protected if that protection brings with it a loss of basic freedoms for all. The internet is pan-national; it is the solvent that will wash away the unnatural limitations of nationalism as we enter this new age of ideas without boundaries. So perhaps we need new rules for the epoch of Ideas Without Boundaries, but they must be ideas that facilitate the exchange of information and not leave it to a few to decide what should be known by the many. We need to keep the information highway open so that ideas can travel where they must for the benefit of us all.
No Sopa - No PIPADerzeit wird in den USA um 2 Gesetzesentwürfe gefochten, die nicht ohne Auswirkung auf die gesamte Internetwelt bleiben werden. Diese heißen Stop Online Piracy Act (SOPA) und PROTECT IP Act (PIPA).

Die Titel der beiden Gesetzesinitiativen sagen schon ausreichend darüber aus, worum es bei ihnen geht.

Zum einen SOPA. Dieses Gesetz wird im Kongress verfolgt.

Es geht darum, ein System zu schaffen, durch das Internetseiten in ihrem Zugang blockiert werden können, wenn das Copyright amerikanischer Firmen, Künstler etc. bedroht ist.

Detaillierter: Sollte das Justizministerium (sowie seine Organe) oder der Besitzer eines Copyrights wissen oder auch nur vermuten, dass eine Verletzung des Copyrights erfolgt, droht oder auch nur wahrscheinlich scheint, können die juristischen Organe aktiv werden.
 
Wikipedai war down heute Ohne Urteil können Schritte gegen alle (!) ausländischen (!) Internetseiten eingeleitet werden, die diese auch nur verdächtigen (!), "nur geringfügig andere Ziele oder Nutzen [zu] verfolgen, als jene der Gesetzesverletzung "only limited purpose or use other than infringement (...)2" - und im Ganzen oder nur teilweise auf Internetseiten in den USA verlinken oder von US-Bürgern genutzt werden können.

Dies würde zur Folge haben, dass aufgrund einer richterlichen Anordnung alle Suchmaschinen, soziale Netzwerke und DNS-Firmen den Zugang zu einer solchen Seite unterbinden müssen.

Das Betreiben von unerlaubtem Streaming von Material, das unter Copyright steht, würde als eine schwere Straftat mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden können.
 
Der Autor Jay Lake sagt dazu3:
SOFA and PIPA represent a significant overreach by entrenched corporate and political interests here in the United States, very much against the traditions of Internet freedom and the direct interests of individual content creators and consumers.
The problem with SOPA is it is an overengineered solution. Like setting fire to your house to get rid of ants in the kitchen.
It makes it effectively possible for a wealthy entity (MPAA, Disney, etc.) to shut down almost any Web site, and to censor linksharing etc. So no, it's not better than piracy, in the sense that the cure is worse than the disease
Screenshot von Lamar Smith Homepage Würde dieses Gesetz in Kraft gesetzt, würden mehrere Dinge gleichzeitig "geschehen":
 
Zunächst käme es zu einer Beweisumkehr, und bereits dies stellt einen erheblichen Eingriff dar. Jegliche - auch nur verdächtige - Website kann gesperrt werden, wenn nicht innerhalb von fünf Tagen nach der Benachrichtigung die fraglichen Texte von der Seite entfernt wurden bzw. ein Agreement erreicht wurde.

Hier ist nicht die Firma in einer Bringschuld, die den Zugang unterbinden möchte, sondern der Webmaster oder Webseitenbetreiber, der verdächtigt wird, muss Nachweis seiner Unschuld erbringen.

Hierbei ist es vollkommen unerheblich, ob die Gesetze des Landes, in der die Seite gehostet wird (z. B. Deutschland), anderes in einem solchen Fall vorsehen.

Chairman Smith, einer der für die Gesetzesinitiative Verantwortlichen, über die angebliche "Unfähigkeit" der Gegner von SOPA, die wahre Zielsetzung des Gesetzes zu verstehen4:
It’s disappointing that some SOPA critics appear not to have read the bill. The Stop Online Piracy Act only targets foreign websites that are primarily dedicated to illegal activity. It does not grant the Justice Department the authority to seek a court order to shut down any website operated in the U.S.
SOPA würde sich schließlich nur gegen außeramerikanische Internetseiten richten (polemisch: Warum machen die also so einen "Stress"?) und es würde nur darum gehen, Seiten außerhalb der USA schließen zu können, die in illegale Aktivitäten verwickelt seien.

Screenshot Reporters without Border Smith kann sich offenbar überhaupt nicht vorstellen, dass es um mehr geht, als um die Interessen einer US-Website.

In dem Protest, der sich formiert, wird etwas sichtbar, das sich auch in dem "arabischen Frühling", in "Gutten-Wiki" gezeigt hat: Im weltweiten Netz hat sich ein Netzwerk geformt, das als eigenständige Macht wahrgenommen werden muss. Höchst heterogen, höchst ambivalent in Zielen und Motiven, bei Weitem nicht immer nur rein und klar in ihren Motiven - aber ernst zu nehmen. Es sind nicht immer die gleichen Aktivisten, die sich für das jeweilige Thema "in die Schlacht werfen", aber nirgendwo lassen sich Widerstände und große Mengen von Menschen schneller und leichter aktivieren als im Internet. Diese amorphe Masse, die sich in keiner Weise irgendwie beschreiben lässt, muss sich stark machen angesichts dessen, was SOPA bedeuten wird.

Zum anderen geht es um amerikanische Interessen, die Smith durch SOPA sichern möchte. Er sagt zur Kritik von Wikipedia an SOPA:
"Das Gesetz will das Internet nicht zensieren. Aber es wird amerikanische Arbeiter, Erfinder und jene, die Arbeitsplätze schaffen, vor ausländischen Dieben beschützen, die unsere Produkte, Technologien und intellektuellen Besitz stehlen."
Ein absolut ehrenwertes Motiv. Firmen werden gerne sozial und menschlich relevante Industrien genannt wie medizinische Produkte, Nahrungsmittel und eben jene Bereiche, in denen größere Mengen an Arbeitsplätzen in Frage stehen. Wie auch bei uns in Deutschland zieht als entscheidendes Argument: Es gehen Arbeitsplätze verloren.

Streikaufruf Niemand soll aufgrund der bestehenden Anarchie des Internet (und die damit möglichen und täglich erfolgten Copyrightverletzungen) seine Lebensgrundlage verlieren. Kein Mensch soll sterben, weil ein Chemieunternehmen ein wichtiges Heilmittel nicht weiterverfolgen kann.

Diebstahl bleibt Diebstahl, egal ob geistig oder virtuell. Und ob ich Texte eines Journalisten übernehme, ohne dies zu kennzeichnen, oder ob ich Dateien illegal aus "Tauschbörsen" herunterlade ... ob und was dabei Diebstahl ist, das ist im Grunde nicht diskutabel - oder?

Insofern ... klar, Smith hat recht. Jetzt komme ich mit jedem weiteren Satz ins Zögern. Beim Recherchieren der Informationen zu diesem ganzen Vorgang stieß ich auf die Frage: Wer sind denn eigentlich jene Interessenten aus Industrie und Wirtschaft, die wirklich (WIRKLICH !!) diesen Gesetzesentwurf verfolgen und entsprechend "pushen"?

Der Autor David Gerrold sagt dazu5:

██ ████████ ██████ ██████████ ██ ████ ██ ████ ██████████ ██. ███ ███

SOPA soll Folgendes erreichen: Bisher gibt es in den USA Gesetze, welche die Rechte amerikanischer Neuerer durch das Verbot illegalen Verkaufs und des Vertriebs der Produkte durch inländische Webseiten verhindern sollen. Allerdings sei durch die derzeitige rechtliche Situation keine entsprechende Regelung für internationale Seiten vorhanden. So sei Online-Kriminalität Tür und Tor geöffnet.

SOPA will dies verhindern. Nicht nur der US-Verbraucher soll vor illegalen ausländischen Verkäufen und Online-Kriminalität geschützt werden, auch die US-Firmen sollen entsprechend geschützt werden.

Wieder zurück zur Frage: Wer hat diese Gesetzesinitiative lanciert? Dabei gerät man rasch an die "Liste 301", einer vom Handelsbeauftragten der US-Regierung in den USA erstellten Liste. Diese führt Länder auf, die nach US-Auffassung nicht genug für den Schutz geistigen Eigentums tun6.

Der Autor Scott Perkins8 sagt dazu:

Our lives are a collage of shared experiences, a patchwork of the culture that unites us. Our conversations are peppered with movie quotes, our events are back-dropped by the songs playing on the radio or piped through restaurants and coffee shop speakers.
Yet if we try to reflect that part of our lived online, we are "pirates".
SOPA is unnecessarily broad. It breaks the relationship between the providers of service and the users of the services. It puts the onus on the owner of the house for all that happens within. All in the interest of taming the net, in the interest of forcing it to fit a business model that was created before the computer was invented. Rather than evolve to meet the new model, certain powerful elements of our society are seeking to force the rest of us to backtrack to meet them.
And it's not necessary.
I am a huge fan of copyright. The creation of copyright laws fundamentally changed the lives of creative individuals everywhere. They changed the world from a place where Charles Dickens was the most popular author in America, but never saw a dime of revenue from the US printings of his stories, to a world where authors, artists, and inventors could benefit from their own creations and use those revenues to devote their time to creating more.
But those laws were intended to also champion innovations and advancements that built upon a previous work to create something new. SOPA and similar laws stifle that, and many creative ideas and advancements are smothered in their cradle.
If the world had been a place where riffing on existing music was illegal, we would not have jazz. If variations on a theme were illegal we would not have a great deal of classical or modern music. Likewise, if the world had been a place where cracking open your car and tinkering with the engines was illegal, we'd still be driving the Model T and auto racing would not exist.
As a copyright holder, I understand the frustration felt by other copyright holders and I understand the kneejerk lashing-out that can ensue. Likewise do I like to think that there's room for reasoned response and discourse. There has to be a middle ground where the artforms can prosper, the citizens of the world can incorporate their culture into their lives (and thereby spread by word-of-mouth how great your material is) and do it all without throwing open the gates and making it so that artists simply cannot support themselves by their efforts.
Censorship is never the answer and therefore, SOPA cannot be.

Das Logo der IIPA Und über diesen Bericht der Liste 301 gerät man an einen immer wieder auftauchenden Begriff, der gerade in seiner Undifferenziertheit besonders interessant ist: "interested others". Diese anderen sind niemand anderes als die International Intellectual Property Alliance (IIPA)7. 1984 gegründet, ist sie ein Zusammenschluss der wirklich Großen in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Es geht, das macht die Webseite klar, um die Verfolgung der Handelsinteressen dieser Firmen. Der Schutz (ihrer!) Produkte, die als Waren und Produkte unter Copyright stehen, soll durch bilaterale und multilaterale Bestrebungen geschützt werden. Sie ist also die Lobbyorganisation der Unterhaltungsindustrie. Über 1.900 Firmen der USA sind durch die sieben Gesellschaften beteiligt, die aktiv in der IIPA sind.

Dies umfasst die Bereiche Software (Geschäfts- wie Unterhaltungssoftware), Filme und Audio, Bücher, Zeitschriften und Magazine ... Also die Branchenverbände der Unterhaltungsindustrie, denen Firmen wie Sony, Warner oder Universal angehören. Genau sind dies:

  • Association of American Publishers (AAP)
  • Business Software Alliance (BSA)
  • The Entertainment Software Association (ESA)
  • The Independent Film & Television Alliance (IFTA)
  • The Motion Picture Association of America (MPAA)
  • National Music Publishers’ Association (NMPA)
  • Recording Industry Association of America (RIAA)

Sie sind es, die in hohem Maß an der SOPA-Gesetzesvorlage beteiligt sind.

In einem US-Forum fiel mir eine Diskussion ins Auge, bei der ein User fragte, wie die Nutzer es mit dem illegalen Erwerb von Software, Unterhaltungsmedien etc. halten würden.

Die Autorin Jaqueline Lichtenberg sagt dazu:

The USA has fine copyright, trademark, and patent laws, but the Internet/Web has blindsided legislators. We don't (yet) have a way to enforce intellectual property laws that is up to the 21st Century challenge and that also preserves our necessary individual and business liberties which make it worthwhile to own intellectual property. The roaring argument you are hearing raging around the world is about how to craft such a touchy and difficult law.

Die Antworten reichten von "Was soll die Scheißfrage" oder "Du bist ja auch hier, hast du kein Problem?" über "Ich mach doch nur, was alle machen" bis zu differenzierteren Auseinandersetzungen und Versuchen einer Antwort.

Welche Position kann man beziehen? Wie definiert man Bruch des Copyrights? Ist es ok, wenn man Firmen wie Microsoft schädigt, indem man ein Office zieht? Wie geschädigt ist eine Firma, die Spielbulliden verkauft, wenn man sich eine Version runterlädt? "Muss" ich erst dann Bedenken haben, wenn ich einer aufstrebenden deutschen Autorin ihren einen Euro Anteil am Buch wegnehme, weil ich das Buch nicht kaufe, sondern als pdf klaue?

Ist es dann kein Diebstahl, wenn ich als "Freund" einem anderen "Freund" eine Kopie mache, um diesem zu zeigen, wie toll die CD ist? Mit diesem Argument begründen ja gerne "Tauschbörsen" ihr Dasein.

Fanfiction wird da auch immer wieder gerne als Kritikpunkt genommen. Namen der Helden, Geschichten, ganze Welten stehen unter Copyright. Da bewegt man sich mit einem Wimpernschlag in der Illegalität. Nicht ohne Grund verzichten viele Magazine grundsätzlich auf Fanfiction. Wir veröffentlichen Fanfiction nicht häufig, holen bei diesen Themen die Erlaubnis ein, diese bringen zu dürfen und geben das auch in unserer "FAQ" seit mehr als einem Jahr kund und zu wissen. Denn nur wenn Fanfiction vom Halter des Copyrights erwünscht und erlaubt wird, bringen wir dies. Deshalb haben wir auch so wenig davon. Und ja, in Copyright-Fragen bewegen auch wir uns immer wieder auf einem Drahtseil - mit nackten Füßen. Aber etwas anderes als höchstmöglicher Schutz des Copyrights käme auch für uns nicht infrage. Einfach nur sagen "passiert uns nicht", würden wir uns - das zeigten auch die Erfahrungen der vergangenen fast fünf Jahre - nicht anmaßen.

Der Autor James Owen9 sagt dazu:

I think that vigilance is essential, especially in industries where piracy of intellectual material is widespread. But adopting poorly-worded legislation, with lots of loopholes for abuses to occur, to try to control it isn't the answer. It reminds me too much of a policy the Kinko's copy chain used to have. I used to go make photocopies of my Starchild comic book pages at a Kinko's, until a manager told me they had a policy that no copyrighted material could be photocopied - and he demanded proof that I had the owner's permission to photocopy pages I had drawn myself. It was a huge waste of time, energy, and money just to try to prove I actually owned something I had created - and the current possibility of these stupid bills being made into laws generates the same feelings of frustration.

SOPA weht gerade der "Wind von vorn" entgegen. Die Gegner haben sich aufgestellt - und gerade auch US-Seiten laufen Sturm. Ich bin ein Verfechter des Copyrights, aber bei SOPA wird mir anders.

Ich stehe in Verdacht - in dem Moment, wo ich etwas ins Internet stelle, das für einen US-Bürger zugänglich ist. Also im Grund immer. Ich muss alles, was ich tue, entweder felsenfest durch schriftliche Erlaubnis absichern lassen, oder darf nur eigenes Material nehmen. Im Grund selbstverständlich. Ich darf kein Google verwenden, keine Wikipedia, kein Facebook, kein Twitter, kein ... kein Nichts, das in irgendeiner Form Material nutzt oder darauf verlinkt, das auch nur in den Verdacht geraten könnte, illegale Inhalte im Sinn von SOPA zu nutzen. Ich kann das nicht - auch wenn ich mich um eine möglichst große Zitierfreudigkeit und Quellennennung bemühe.  

Es steht zu hoffen, dass SOPA nicht in Kraft gesetzt werden wird. Auch der oben zitierte Mr. Smith hat mittlerweile verkündet, dass die geplanten Filtermechanismen der DNS, die für die Erreichbarkeit von Webseiten auf die gewohnt einfache Domaingebung erfolgt, nicht weiter von ihm gefordert wird.

Und doch, da muss ich alle Interessenten an dem Thema enttäuschen, auch wenn der Kongress sich dazu entscheidet, das Gesetz nicht zu befürworten, liegt die nächste "Fliegenklatsche" schon bereit: PIPA

"Preventing Real Online Threats to Economic Creativity and Theft of Intellectual Property Act of 2011" oder "PROTECT IP Act of 2011". Diese Gesetzesinitiative ist im US-Senat unterwegs - dem 2. Haus des Kongresses. Hierüber soll bereits am 24. Januar abgestimmt werden.
Auch hier geht es darum, über die DNS Seiten zu blockieren bzw. ihre Erreichbarkeit zu erschweren. Was dies bedeutet und welchen Mechanismus es anwendet, würde noch weiterführen. Im Wesentlichen geht es darum, dass über das DNS (Domain Name Server) Seiten über einen "einfachen" Namen aufgerufen werden können: Zauberspiegel-online.de und nicht über die komplizierte Nummernfolge, die eigentliche Adresse.

Noch gibt es allerdings weiterhin Hoffnung: Gesetze in den USA müssen vom Präsidenten unterzeichnet werden. Und es geistern Statements und Meldungen durch das Netz, dass Obama sein Veto gegen das Gesetz einlegen wird. Murdoch wirft Obama übrigens bereits vor, "Raubkopierer-Sympathien" zu hegen. Einer der Berater Obamas: Man brauche das freie Internet zum Entwickeln von Ideen. Hoffentlich kommt es so. Seine Berater erläutern hier die gegenwärtige Position der Obama-Administration (Stand: 19. Januar 2012).

Es ist also im Wesentlichen "pupsegal", ob SOPA oder PIPA umgesetzt werden - im Wesentlichen kann in beiden Fällen das Gleiche geschehen, und in beiden Fällen sind es die gleichen Interessenten.

In einem hervorragenden Vortrag macht Clay Shirky (TED.com) auf youtube deutlich, worum es bei PIPA und SOPA geht: Geld. Jene Unternehmen und Konsortien, die das Gefühl haben, ihnen schwimmen die Felle davon, wenn Menschen im Internet Inhalte teilen, zu etwas Neuem verarbeiten und weitergeben.

Und die wahre Bedrohung ist diese bereits erwähnte Internetgesellschaft, jene amorphe Gruppe, die auf der einen Seite immer weniger kontrollierbar wird, und auf der anderen Seite immer mehr Macht erhält, nämlich die der Masse. Bleibt die Hoffnung, dass sie sich nicht als Lemminge entpuppen.

Es geht nicht um den Schutz von Menschen, Menschenleben - und nur eingeschränkt um Arbeitsplätze. Es geht um die Abschaffung der Unterscheidung von legalem und illegalem Weitergeben von Copyright-Material.

Im Moment muss die Industrie nachweisen und Zeit und Geld darin investieren ... Gelingt es SOPA oder PIPA in Kraft gesetzt zu werden, sind wir alle potenzielle Betrüger.

(Übrigens ... auf wie vielen Rechnern läuft bei euch in der Familie eigentlich das eine legale Office? 2? 3? Achtung ... ILLEGAL! Soeben seid ihr Copyright-Verbrecher geworden.
)

Zitat- und Quellenangaben:

1/3/5/8/9/10 Janet Morris, Jay Lake, David Gerrold, Scott Perkins, Jaqueline Lichtberg via facebook
2 Opencongress.org/
4 Judiciary.house.gov/
6
Ustr.gov/webfm_send/2841
7
Iipa.com/aboutiipa.html

Kommentare  

#1 Jonas Hoffmann 2012-01-19 08:31
Global gesehen gibt es im zwei deutliche Trends. China entwickelt sich immer mehr zu einem kommunistischen Amerika und die USA zum kapitalistischen China....
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#2 karl 2012-01-19 10:32
Wieder einmal sieht man, daß einige Dinge, die einem vor Jahren noch in Filmen und Büchern als Science Fiction erschienen, immer mehr zur Realität werden.
Riesengroße Weltkonzerne bestimmen und kontrollieren Gesellschaftsleben und Finanzwelt, die Politiker haben sich nur noch zu fügen.
Der Masse wird zur Ruhigstellung Brot und Spiele zur Verfügung gestellt. Willfährige Idioten, die auf kurzen Ruhm und schnelles Geld hoffen, sperren sich in Container oder fiktiven Dschungelwelten ein, singen in Duellen um den ersten Platz und das sind dann die wahren Diskussionsstoffe am nächsten Tag.

Der gläserne Mensch ist längst Realität geworden und mit diversen sozialen Netzwerken hat sich der Großteil der Individuen sogar freiwillig in diese Geiselhaft begeben.
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#3 Andreas Decker 2012-01-19 12:25
Ich fand den Wikipedia-Protest schon recht eindrucksvoll gemacht. Man kann nur hoffen, dass solche Aktionen auch stattfinden, wenn in anderen Ländern mal wieder versucht wird, das Internet "in den Griff" zu kriegen.

Aber wenn ich da an hiesige Verhältnisse denke, sehe ich da schwarz. Ich erinnere mich noch gut an die Novelle des Jugendmedienschutzgesetzes, die lediglich wegen Parteiengezänk verhindert wurde und nicht weil den Befürwortern klar wurde, dass es eine üble Idee ist.

Aber das ist ja lange noch nicht vom Tisch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis da der nächste Vorstoß kommt. Und machen wir uns nichts vor. DAS Thema findet in Deutschland in der Öffentlichkeit und vor allem den offiziellen Medien nicht die geringste Resonanz. Sollte SOPA durchkommen, ist das nur Wasser auf die Mühlen unserer regelungswütigen Ministerialbeamten.
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#4 Harantor 2012-01-19 13:41
Und so langsam beginnt das politische Washington nachzudenken: www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,810010,00.html

@Andreas Decker: Der JMStV war ein Papiertiger und letztlich für uns (und viele andere) völlig ungefährlich. Ich verweise hier auf Zitat:
. Aber man wird sehen womit die politischen Damen und Herren aus Berlin als nächstes aus dem Busch kommen. man erinnere sich auch bitte an Ursula von der Leyen und ihre Stoppschilder (der Einführung ja auch unter einem löblichen, wenn auch untauglichen Vorwand geplant war) ...
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#5 Jonas Hoffmann 2012-01-19 16:35
Der Punkt ist einfach, dass viele, wohl die meisten, Politiker nicht mit dem Internet aufgewachsen sind und noch immer versuchen das Internet als "staatlichen" Raum zu sehen. Das tut aber nicht und das ist das Problem. Sie setzen völlig falsche Maßstäbe an, dazu kommen Lobbyisten denen eh nur Ihr Vorteil der wichtigste ist. Ich denke die Zeit wird dies von alleine Regeln, wenn bis dahin das Kind nicht bereits in den Brunnen gefallen ist.
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#6 Lefti 2012-01-19 21:22
Bettina Zitat:
Fanfiction wird da auch immer wieder gerne als Kritikpunkt genommen. Namen der Helden, Geschichten, ganze Welten stehen unter Copyright. Da bewegt man sich mit einem Wimpernschlag in der Illegalität. Nicht ohne Grund verzichten viele Magazine grundsätzlich auf Fanfiction. Wir veröffentlichen Fanfiction nicht häufig, holen bei diesen Themen die Erlaubnis ein, diese bringen zu dürfen und geben das auch in unserer "FAQ" seit mehr als einem Jahr kund und zu wissen. Denn nur wenn Fanfiction vom Halter des Copyrights erwünscht und erlaubt wird, bringen wir dies. Deshalb haben wir auch so wenig davon.
Das erinnert mich sehr an die Marotte von Warner Broth., als die weltweit sämtliche Harry Potter-Fanclubs abgemahnt haben sämtliche Harry Potter-Fanfiction einzustellen. Ja, die Clubs selber mußten sogar den Namenszug Harry Potter aus ihrem Clubnamen streichen. Diese Kinder-Harry Potter-Fan-Clubs wurden sogar von Eltern unterstützt.
Das ging sogar so weit, daß Warner Broth. dem Carlson Verlag vorschreiben wollte nur Bildmaterial von ihrem Harry Potter zu verwenden. Erinnert sich einer von Euch vielleicht noch daran? :-?

Die Harry Potter-Filme von Warner Broth. waren/sind bestimmt nicht schlecht, doch bleiben sie genauso gut in Erinnerung wie die Buchvorlage? :-?
Ich glaube nicht. - Zumindest nicht bei mir. - Ist allerdings auch egal, denn Warner Broth. und Rowling haben mit ihrem Deal Milliarden geschäffelt.

Natürlich ist dieser Bericht über SOPA und PIPA von Bettina für uns Internetuser wichtig und gehört auch hier in den Zauberspiegel hinein, obwohl er ja mit den Themen des Zauberspiegels (Spannungs-Genre usw.) nichts zu tun hat und darüber hinaus hochpolitisch ist. Gar keine Frage!

Aber ob Wikipedia einen Tag aus dem Internet verschwindet oder sogar komplett aus dem Netz genommen wird ist für mich genauso (un)interessant wie ein Fliegenpups.
Ich habe (das deutsche) Wikipedia kaum genutzt.
Bei den Themen, die ich dort nachgeschlagen habe, weist Wikipedia mindestens 50 % Fehlinformationen auf. Da es sich hauptsächlich um triviale Unterhaltung handelte ist das für mich nicht weiter schlimm. - Ist ja nicht mein Wikipedia! :P

Allerdings merkt man (dem deutschen) Wikipedia eine bestimmte politische Ausrichtung an (die ich hier jetzt nicht nennen möchte), statt politisch neutral zu sein.
Berichtigungen entsprechender Texte wurden von den Wikipedia-Leuten wieder falsch rückkorrigiert! :o
Darüber hinaus haben Leute, die nachweisliche Fehleintragungen korrigieren wollten Abmahnungen seitens Wikipedia erhalten.

Gewollte Falschinformationen und politische Ausrichtungen, statt Neutralität zu wahren...
Was für Schlagworte fallen mir da gerade ein... :-*
Falschinformation, Meinungsmache, Propaganda, Volksverdummung, Volksverhetzung, Schurkenseite...
Ich beginne gerade damit, mich fremdzuschämen... :oops:

So viel zum allgemeinen, freien, für Jedermann nutzbaren Internet-Lexikon.
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#7 Harantor 2012-01-20 00:03
Zitat:
Das erinnert mich sehr an die Marotte von Warner Broth., als die weltweit sämtliche Harry Potter-Fanclubs abgemahnt haben sämtliche Harry Potter-Fanfiction einzustellen.
Ich erinnere mich daran und die Paramount hat auch mal Star Trek Fanseiten verfolgt (wenn ich das recht erinnere). Wir hatten damit noch keine Probleme. Insbesondere die Mass Effect macher von BioWare haben mit Fanfiction überhaupt keine Schwierigkeiten. Man wies mich gar darauf hin, dass ich bei der Fanfiction auf die Copyrights des Autors der Fanfiction zu achten haben (was gar kein Problem war, denn der Autor hat die ja übersetzt).

Und was die Wiki angeht. Ich ahbe zahlreiche Korrekturen angebracht (in Sachen Shocker und anderen) und hatte gar kein Problem. Es hängt wohl immer davon ab auf wen man bei Wikipedia trofft. Grundsätzlich ein gutes Unterfangen, dass aber noch viel Arbeit erfordert und dessen Köpfe (zum Teil noch Zusammenarbeit zu lernen haben). Aber ich denke, in Fällen wie SOPA und Pipi ah PIPA muss man sich aus Prinzip erstmal vor alle stellen, um einen solchen Unsinn zu verhindern. So nach dem Motto. Right or wrong? It's my internet ... :lol: ;-)
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#8 Larandil 2012-01-20 08:56
Ich hab' da noch ein verwandtes Thema: wissenschaftliche Fachzeitschriften. Universitäten stellen ihren Wisenschaftlern Geld zur Verfügung, damit die forschen können. Die Forscher schreiben wissenschaftliche Aufsätze und schicken sie an die relevanten Fachzeitschriften - die nichts dafür bezahlen. Schließlich bemißt sich der "Marktwert" eines Wissenschaftlers daran, wie viel er publiziert und wie oft er zitiert wird.
Und anschließend bezahlen die Universitätsbibliotheken den Fachzeitschriftverlegern noch mal viel Geld, damit die Studenten auch lesen dürfen, worüber ihr Dozent geforscht hat.[/]
Bei wissenschaftlichen Fachzeitschriften sind Steigerungen von 10% pro Jahr beim Preis des Abonnement nichts Ungewöhnliches.
www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/aug/29/academic-publishers-murdoch-socialist

Die "open access"-Bewegung möchte dem ein Alternativmodell entgegensetzen. Aber in so einem Fall kann man sich ja Gesetze machen lassen, nicht wahr?
www.wired.com/wiredscience/2012/01/congress-considers-paywalling-science-you-already-paid-for/ handelt von genau diesem Versuch.
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#9 Mikail_the_Bard 2012-01-20 23:07
Zitat:
(Übrigens ... auf wie vielen Rechnern läuft bei euch in der Familie eigentlich das eine legale Office? 2? 3? Achtung ... ILLEGAL! Soeben seid ihr Copyright-Verbrecher geworden.)
Tja, deshalb habe ich Freeware und OpenSource auf allen Rechnern... LibreOffice kann alles was MSOffice kann und ist kompatible... und wer ganz vermeiden will das er (unabsichtlich) zum Bösen User wird: Linux... :-)
Aber wo wir gerade beim Thema sind: ich lasse mir jetzt das lateinische Alphabet (mit Umlauten) patentieren. Dann verklage ich Alle die diese Buchstaben benutzen... :D
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#10 McEL 2012-01-22 13:23
Zitat:
Aber ob Wikipedia einen Tag aus dem Internet verschwindet oder sogar komplett aus dem Netz genommen wird ist für mich genauso (un)interessant wie ein Fliegenpups.
Laut Berliner Zeitung vom letzten Freitag zeigt die Aktion Wirkung, denn die US-Politik sind deswegen erst mal ein Stück (!) von ihren Plänen abgerückt und haben versprochen, die geplanten Gesetze noch mal zu überdenken und der Realität anzupassen. Warten wir mal ab, was dabei herauskommt. (Wahrschienlich - wie meistens in solchen Fällen - nicht allzu viel.)
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