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Ach, wie flüchtig: Storyformate

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneAch, wie flüchtig
Storyformate

Snapchat war zuerst. Der immer noch existierende Dienst fing damit an. Instagram zog nach. Dann Facebook und mittlerweile gibt es wohl kein Dienst, bei dem Storys nicht existieren. Demnächst übrigens: Slack. Warum ein Kollaborations-Dienst zur Zusammenarbeit unbedingt Storys braucht wissen nur die Programmierer. Aber Storys sind überall. Und sie sorgen dafür, dass wir uns intensiv in das Leben von Anderen einklinken können.

Wobei: Müssen wir das wirklich alles wissen?

Das Smartphone ist immer dabei. Da wir mittlerweile auch immer always-on sind - sofern das in Deutschland möglich ist, der Ausbau des Internets steht ja seit Jahren immer mal wieder auf der Liste der Regierung, aber tut sich was … Also sofern wir gerade Netz haben, ist das Erstellen von Inhalten recht einfach geworden. Da Jeder das tun kann, tut es auch Jeder. Und Jede. Mal eben ein Photo machen, ein Textposting, einen Hashtag. Das geht einfach und schnell. Daran haben wir uns mittlerweile auch gewöhnt und denken kaum drüber nach. Dass der Chef eventuell unsere Inhalte mitlesen kann, weil wir irgendwann mal eine Freundesanfrage beantwortet haben - nun - heutzutage ist ja Privatsphäre sowieso ein Konzept, auf das wir zwar generell immer schwören und pochen, aber individuell kaum beachten. Insofern: Was soll denn schon groß dabei sein? In der Anfangsphase war das noch anders: Da waren wir etwas vorsichtiger. Wir haben überlegt: Muss ich diesen Inhalt ins Netz stellen? Wer hat was davon, wenn lustige Katzenphotos auf meinem Profil zu sehen sind? Wer kann eigentlich was sehen? Und warum zum Teufel posten Leute ihr Essen? Mir ist egal, was die essen. Damit machen die mich nur hungrig. Verdammt, jetzt will ich was essen … 

Medienkompetenz ist ja so immens wichtig, dass wir da ganze Klassenseminare zu abhalten … Nein, natürlich nicht. Wäre Medienkompetenz uns wirklich wichtig, müssten wir schon im Kindergarten damit anfangen. Und ständig Nachschulungen für die Kinder, Teens und Erwachsenen abhalten, weil man Dinge halt vergisst. Wie zum Beispiel, dass Kinderfotos im Web eventuell nicht so eine coole Sache sind. Aber nun ja. Wenn ich aber jetzt doch ein Photo ins Web stellen möchte … dann sind doch Storys das geeignete Format dafür. Anstatt dass Inhalte ständig im Internet stehen, sind diese Dinge doch vergänglich. Nur sichtbar für einen Tag. Perfekt. Prima.

Nun, jedenfalls denken wir, dass die Inhalte verschwunden sind. In erster Linie landen die aber ja auf den Servern der jeweiligen Dienste. So wie alle anderen Inhalte auch, irgendwo müssen die ja hochgeladen werden. Jetzt wäre die entscheidende Frage, die wir uns im Alltag aber nicht stellen: Werden Inhalte komplett gelöscht oder werden die Inhalt nur auf unsichtbar geschaltet? Das ist schon ein Unterschied. Im ersten Fall wären die Storys wirklich wieder weg. Im zweiten Fall wären die Inhalte noch vorhanden, aber nur nicht sichtbar. Eine interessante Frage, die die Anbieter allerdings nicht endgültig geklärt haben. Beziehungsweise wird diese Frage überhaupt nicht erwähnt. Und man wird auf den meisten Webseiten der Anbieter auch nichts dazu finden. Insofern: Ist das wirklich so, dass die Inhalte gelöscht werden?

Wenn Inhalte das Kapital sind, dann ist es nicht einsehbar, dass dieses Kapital verschwendet wird. Zum Beispiel dadurch, dass man Inhalte automatisch einfach wieder löscht. Das wäre nicht die Logik eines Anbieters. Da wir aber nicht wissen können, ob Inhalte gelöscht werden oder nur als nicht sichtbar markiert sind, müssten wir gerade bei Storys eigentlich noch vorsichtiger sein als sonst. Denn Storys verleiten zu einem Verschwimmen von Persönlich und Privat noch mehr als es sonst im Social Web der Fall ist. Denn Storys sind in der Regel nicht geplant. Der normale Anwender - ich rede nicht von Marketing-Profis oder Firmen - reagiert aus dem Augenblick heraus. Schnell ein Selfie, schnell mal die Katze photographieren, lustige Sticker dazu und fertig. Wir überlegen in der Regel nicht, ob solche Inhalte für uns Nachteile erbringen  könnten, weil der Chef auf Instagram, Facebook oder sonst welchen Diensten in unserer Freundesliste natürlich auch alles Inhalte theoretisch sehen kann. Also wenn er ständig die Storys abruft.

Was natürlich ein Caveat ist, denn wer Storys nutzt, der stellt schnell fest: Man schaut nicht immer alles an. Der Drogeriemarkt hat mal wieder eine ellenlange Strecke von Produktneuvorstellungen? Meh. Ich sitze in der Bahn und die Story hat keine Untertitel aber ich weiß, dass Der- oder Diejenige enorm viel spricht? Meh. Vielleicht hole ich die später nach, aber schon ist die nächste Story da, die nächste Neuheit, ist der nächste Kreis erschienen und natürlich bin ich neugierig, was die Bekannten so treiben. Was wohl auch der Grund sein dürfte, warum dieses Format so populär ist. Ich habe einen Ausblick in das Leben eines Anderen.

Nur: Ob das wirklich authentisch ist, das frage ich mich dann auch selten. Wir glauben auch selbst im Zeitalter von Photoshop noch Bildern mehr als uns gut tun würde. Wir beachten auch nicht, dass Bilder natürlich ebenfalls nicht die Wirklichkeit abbilden, obwohl sie das versprechen. Denn hinter den Bildern steht ein Mensch, der sich dafür entschieden hat genau diesen Ausschnitt an diesem Punkt zu machen. Später eventuell noch mal Filter drüber, etwas aufhellen und erst dann stellt ihn das Ergebnis vielleicht zufrieden. Authentizität? Auf Instagram eh generell fraglich. Und selbst, wenn es aus dem Moment gemacht wird: Zeit für einen Filter, einen Sticker, einen witzigen Spruch ist ja Immer noch. Immer ist da ein Mensch, der entscheidet, was er filmt, was er fotographiert, wann er was wo einstellt.

Sicherlich sind Story eine schöne Sache, wenn ich kurz mal mitteilen möchte, wo ich mich aktuell befinde - die Frage ist nur: Muss ich das wirklich unbedingt immer? Und müssen andere Leute immer alles von mir wissen? Besonders: Müssen die Anbieter von solchen Formaten wissen, was ich wann wo treibe? Daten sind ein Kapital und je mehr Daten, je mehr Dinge sich auf einem Haufen befinden, desto besser kann man Profile erstellen, um Werbung anzubieten. Letztendlich liegt es mal wieder in der Verantwortung des Einzelnen: Eine Sekunde des Nachdenkens bevor ich etwas online stelle hat eigentlich noch nie geschadet. 

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