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Farscape wird Zwanzig: Herzlichen Glückwunsch

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneFarscape wird Zwanzig:
Herzlichen Glückwunsch

Herzlichen Glückwunsch, Farscape: Seit zwanzig Jahren begeistert die Serie ihre Fans. Und wenn man sich zwei Folgen Farscape anschaut und zwei Folgen der unsäglichen zweiten Staffel von Discovery, der wird verstehen, warum sich die Faszination für diese Serie trotz der Hindernisse hier in Deutschland gehalten hat. ›Ach, Discovery ... seufz.‹ Brian Henson, der die Serie verantwortete, der arbeitet ja derzeit an dem Prequel des Dunklen Kristalls für Netflix.

Es gibt zwar noch nicht mal den Ansatz eines Gerüchtes, aber vielleicht ... vielleicht ... nach dem Drehen für Netflix ... wer weiß. Jedenfalls ist Farscape in den letzten zwanzig Jahren erstaunlich gut gealtert. - Okay, bis auf die Weihnachtsfolge. Aber erstmal der Reihe nach ...

Die turbulente Geschichte einer SF-Serie zu erzählen, die nach Star Trek die größte und erfolgreiches Rettungskampagne der Seriengeschichte aufzuweisen hat ist nicht einfach. Deswegen mache ich das auch nicht - außerdem findet man bestimmt im Internet noch Bilder von mir, wie ich in Köln für Farscape demonstrierte, anschließend deutsche Farscape-Fans kennenlernte, sich daraus dann eine Fanconventions namens TBFC entwickelte, die bis heute noch existiert übrigens... Jedenfalls: Ja, die Geschichte von Farscape ist eigentlich ein eigenes Buch wert und ist bis heute Vorbild für alle Serien, die mitten im Erzählen eines Handlungsbogens abgesetzt werden. Den nämlich besitzt Farscape durchaus.

Allerdings ist es auch vergebene Liebesmühe jetzt alle vier Staffeln und die Handlung des Zweiteilers Peacekeeper Wars nacherzählen zu wollen. Denn Farscape ist halt - um den Protagonisten John Crichton zu zitieren - weird, amazing and in Technicolor. Der Ausgangspunkt: Genau dieser John Crichton, der ein Experiment mit seinem Shuttle ausführen möchte und dabei von einem Wurmloch verschluckt wird. Das spuckt ihn am anderen Ende des Universums aus - wohlgemerkt, nur der Raum wird gekrümmt, nicht die Zeit. Er findet sich in einer Schlacht zwischen einem riesigem Raumschiff und mehreren Schiffen wieder, die sich später als zur Flotte der Peacekeeper gehörig herausstellen. Dummerweise beseitigt Crichton unabsichtlich den Bruder des Offiziers Crais, der die Aktion befehligt. Vom Regen in die Traufe: Das riesige Schiff - ein sogenannte Leviathan, die Bibel lässt grüßen - ist ein Gefangenentransporter, der von eben diesen gerade gekapert wurde. Kurzerhand setzen diese John auf dem Schiff fest und sperren ihn zur Peacekeeperin Aeryn Sun in eine Zelle. So weit, so der Auftakt.

Aus diesem Auftakt entwickelt sich allerdings nach und nach eine Geschichte, die bis Staffel Vier dauert - ja, liebe deutschen Fans, ich weiß, Sat Eins zeigte uns in den Nachtwiederholungen immer nur Eins bis Drei bis zum Abwinken also SPOILER ab hier - und im Zweiteiler dann abgeschlossen wird. Klar: Aeryn und John erfüllen das Klischee des Liebespaares, das zueinander kommen wird - oder auch nicht - oder mit dem Klon des Anderen erstmal herumreist... Ähm. Ja. Es ist kompliziert. Als neuer Feind taucht Scorpious auf, der einen Chip in Johns Gehirn setzt, weil John unabsichtlich das Geheimnis für die Reise durch die Wurmlöcher von einer Alienrasse vermacht bekommt. Moya ist schwanger und gebiert ihren Sohn, der ausgerechnet nur auf Crais hört. Weil Peacekeeper mit der Genetik rumgepfuscht haben. Es gibt eine Cartoon-Folge, bei der Tex-Averys Roadrunner-Filme als Vorliebe dienten. Wie war das mit dem Weird und Psychotic? Und das alles noch in Technicolor... Oh, habe ich die Virtual-Reality-Spiel-Folge in Staffel Vier...

Farscape ist nicht Star Trek und vielleicht hat und hatte es Farscape in Deutschland so schwer. John Crichton ist kein Captain Kirk, der im Handumdrehen Probleme löst. Es gibt nicht DEN Captain an Bord des Schiffes. Es gibt auch keinen Resetknopf am Ende der Folge, der alles auf Null setzt. Farscapes Charaktere treffen Entscheidungen und wenn die Serie ganz gemein ist, dann kommen die Konsequenzen dann, wenn man sie nicht erwartet. Statt der guten Föderation haben wir das Regime der Peacekeeper, deren Ästhetik deutlich an faschistische Regime erinnert. Wir haben Charaktere, die manchmal gute, manchmal schlechte Entscheidungen treffen. Charaktere, die sich entwickeln. Während in Staffel Eins Crais noch als Hauptgegner gehandelt wird, verbündet er sich später mit Crichton und Co. Aus Anfangs einer Fraktion, die Crichton hinterher jagt - Wurmlöcher sind enorm wichtige Technologie, wenn man sich gerade im Krieg befindet - werden zwei. Drei. Vier. Den Überblick über die Handlung zu behalten ist nicht unbedingt einfach.

Und wie war das jetzt mit den Schweinen im Weltall? Richtig, der Jim-Henson-Workshop hat bei der Serie die Aliens und einen Hauptcharakter - den Hynerianer Rygel - entwickelt. Mit kindlich-niedlichen Muppets hat ein Flammen pisssender Rygel aber nun wirklich nichts zu tun. Und vom Charakter her ist er gierig, egoistisch und dann doch immer letzten Endes bereit, sich dem Willen der Anderen zu beugen - sofern er einen Vorteil daraus ziehen kann. Während in anderen Serien Aliens meistens irgendwie menschähnlich aussehen - Höcker hier, Wulst da  -  sind Rygel und Pilot, der das Schiff steuert, ebenso wie die anderen Kreationen des Workshops tatsächlich fremd.

Sicherlich, die Hauptrollen werden auch von menschlichen Darstellern gespielt oder gesprochen. Daneben bietet Farscape aber eine Fülle von Lebewesen, die sonst nicht so darstellbar wären. Im Zeitalter von CGI können wir natürlich diese Aliens wie kürzlich erst im Film Auslöschung auf Netflix zu sehen durchaus auch sehr realistisch darstellen. Und auch wenn CGI bei Farscape eingesetzt wird: So weit waren die Computer damals noch nicht. Zudem liegt eine gewissen Ästhetik, ein gewisser Realismus vor, wenn wir Rygel oder Pilot oder eine der anderen fremden Rassen sehen. Ähnlich wie wenn im aktuellen Mission Impossible die Stunts eben nicht mit CGIs-Effekten hergestellt werden, sondern sich Tom Cruise selbst in den Ring wirft, um seine Knochen zu brechen...

Zugegeben, die erste Staffel von Farscape braucht eine Weile um in Gang zu kommen, was aber an der Ausgangslage liegt: Die Gefangenen an Bord von Moya müssen erstmal lernen miteinander umzugehen. John muss sich an die Situation gewöhnen - Zahnpflege an Bord des Leviathans ist etwas, nun, ungewöhnlich, ebenso wie Türen sich auch nicht sofort öffnen bisweilen. Am Ende der Staffel aber öffnet sich allmählich der Storybogen - Scorpius - und dann dreht die Serie auch mit einige schrillen und ungewöhnlichen Folgen ab. Überhaupt: Was Farscape am Budget sparen muss, macht die Serie mit Bilderwelten wieder wett, die man sich komplett einrahmen möchte. Dazu Regie-Entscheidungen, die innovativ sind. Und es gibt moralische Fragen, bei denen man selbst überlegt, was genau man tun würde.

Dass die deutschen Fans nicht über Staffel Drei im Free-TV gekommen sind, liegt am Produzenten der Serie, dem SCIFI-Channel. Heute mit schickem Y übrigens. Der setzte ohne weitere Warnung die Serie nach Staffel Vier ab. Eine Flut der Entrüstung ergoss sich dann über den Sender, die eingefleischten Fans starteten eine Rettungskampagne, die originell und durchschlagend war: Immerhin gab es einen Zweiteiler der - einigermaßen hastig, leider - die Handlung zu Ende brachte. Aber: Da schon bekannt war, dass die Serie nach Staffel Vier abgesetzt worden sein würde, hatte niemand in Deutschland ein Interesse daran, die Staffel zu kaufen und zu synchronisieren. An einem sogenannten EVENT-MOVIE - Peacekeeper Wars - allerdings schon. Nur: Wer in Deutschland kein Englisch konnte und keine Gelegenheit hatte sich Staffel Vier zu importieren, wird wenig vom Zweiteiler verstanden haben. Auch, wenn er sich bemühte eine Art Einführung in die Handlung zu geben. Zudem: Das Budget für den Zweiteiler war dann auch schon deutlich eingeschränkter...

Während Doctor-Who-Fans zur Zeit sich über alte Folgen mit neuer Synchro freuen können, wird das bei Farscape wohl nie passieren. Immerhin: Es gibt offizielle deutsche Untertitel für Staffel Vier und die ganze Serie auf Blu-Ray auch in Deutschland. Und auch, wenn die Serie wohl nie die Popularität anderer Serien erreichen wird: Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wer die Wunder teilt, die die Serie zu bieten hat - und wer Staffel Eins über sich ergehen lässt, hey, Babylon Fünf ist noch schlimmer zu Beginn... Dem jedenfalls eröffnet sich ein rares und wunderschönes Juwel mit allen Facetten und Emotionen. Schön, später werden sich die Hauptdarsteller von John und Aeryn bei Stargate wiederfinden, aber das ist eine andere Geschichte und gehört definitiv NICHT in diese Kolumne...

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