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Die Western von Peter Dubina (Teil 2)

Die Western von Peter DubinaDie Western von Peter Dubina - Teil 2

Bei meinen Recherchen zum Artikel »Die Western von Peter Dubina (aktualisiert)« bin ich auf eine Reihe interessanter Aspekte und auch Merkwürdigkeiten gestoßen, die sich nicht einfach in einer Werksliste oder kurzen Bibliografie darstellen lassen und auch deren Rahmen sprengen würden.

Ich möchte diese dem an Peter Dubina und seinen Western-Romanen interessierten Lesern allerdings auch nicht gänzlich vorenthalten.

Peter DubinaTitelwirrwarr ohne Ende
Die ersten Western-Romane von Dubina erschienen Anfang der 1960er Jahre als Leihbücher in den Verlagen Dörner, Karo und Heru. Hierbei hat sich letztgenannter einer wohl damals üblichen Praxis bedient, seine Veröffentlichungen mit erdachten "amerikanischen Orginaltiteln" zu versehen, um so den Lesern quasi die Übersetzung eines echten, amerikanischen Westerns zu suggerieren. So lesen wir heute beispielsweise mit einem leichten Schmunzeln, dass "Blutiges Gold" im Original "Black Law" geheißen habe, und "Trommeln des Todes" als "Smoke Signals" erschienen wäre. Paradoxerweise wird der eigentliche Autor dann im Zusatz ("Autorisierte Übertragung von Peter Dubina") doch noch genannt.

Das Finden sämtlicher Veröffentlichungen – mitunter auch der Erstveröffentlichung – eines Romans war aufgrund der zahlreichen Umtitulierungen im Genre Western mitunter sehr mühsam und zeitaufwendig. Aufwendig deshalb, da oftmals ohne Weiteres – sprich nur anhand des Titels – nicht erkennbar ist, um welchen Roman es sich im Einzelnen handelt. Oder – um die Arbeit der Bibliografin zusätzlich zu erschweren – verschiedene Romane unter identischen Titeln erschienen sind. So kann es sich bei dem Titel "Bis zum letzten Mann" um den später als "Sieben Revolverfalken" (Dubina-Werksnummer gemäß meiner Listung 55) veröffentlichten Roman handeln, oder um "Hölle am Little Bighorn" (DWN50). Klarheit bringt im Zweifelsfall erst ein Textvergleich.

Ein weiteres Beispiel ist "Duell im Morgengrauen". Der eigentliche Roman (DWN4) erschien nur bei seiner Erstveröffentlichung 1961 als Dörner-Leihbuch unter diesem Titel. Aktuell läuft er als "Gnadenlose Gegner". Unter dem Titel "Duell im Morgengrauen" erscheint heute üblicherweise der zuerst als "Der Marshal und der Spieler" (DWN63) erschienene Roman. Und, um die Verwirrung komplett zu machen, wurde der ursprüngliche Roman "Gnadenlose Gegner" (DWN17) zwischenzeitlich in "Sie kämpften sich durch" umbenannt.

Der Zweitausend-Dollar-MannLange Zeit verlor sich beispielsweise auch die Spur des Romans "Der Zweitausend-Dollar-Mann" (DWN35), erschienen 1965 als Rodeo-Western Bd. 147 (sogar mit P. Dubina als Autorennennung). Spätere Veröffentlichungen und Nachdrucke unter diesem Titel waren nicht auszumachen. Wo war dieser Roman abgeblieben? Erst eine intensivere Textanalyse führte dann zum Ergebnis, dass es sich bei diesem Roman um eine Frühfassung von "Tausend Dollar für einen Colt" handelt. „Frühfassung“ deshalb, weil später der Anfang komplett umgeschrieben und auf drei Seiten erweitert wurde, was im Rodeo-Western-Band nur etwa eine halbe Seite ausmachte.

Alles neu … machen die Redakteure
Apropos Textfassungen: Bei erwähntem Roman würde ich behaupten, hat Dubina selber die Überarbeitung vorgenommen hat, da zum einen weder ein Bruch in der Handlung noch im Stil erkennbar ist und zum anderen auch keine sonstigen Zwänge für eine Textrevision bestanden.

Schwarzer FalkeAnders verhält es sich bei den von Dubina verfassten Romanen zur Serie TOMBSTONE – DIE BRÜDER KANE. Diese wurden für eine weitere, spätere Verwertung von dritter Hand – mutmaßlich den damaligen Redakteuren – zu Einzelromanen umgeschrieben. Dabei wurden die Hauptcharaktere umbenannt, alle sonstigen Bezüge zum Background der Serie TOMBSTONE gekappt und Beginn und Ende des Roman geändert, um die Handlung im betreffenden Roman zu einem Abschluss zu bringen. In selbiger Weise verfuhr man später auch mit dem Taschenbuch "Schwarzer Falke" (DWN80) aus der Serie SUNDANCE, welcher zudem noch auf Heftromanlänge gekürzt wurde.

Auch einige der ursprünglich von Dubina für die Reihe BILL ALAMO verfassten Romane wurden im Laufe der Jahre gerne und wiederholt umgearbeitet. So wurde aus dem Protagonisten Bill Alamo zunächst Ronco, später Lassiter (Vielen Dank an dieser Stelle dem User Finnewacker für den entsprechenden Hinweis!) und aktuell Miles Kerrigan. Ob Dubina zumindest anfangs in diese Umarbeitungen involviert war, lässt sich heute nicht mehr belegen.

Eine weitere Form der Bearbeitung von Dubinas Werken erfolgte bereits bei der Übernahme der ursprünglich als Leihbücher erschienen Roman in das Format des Heftromans. 64 bzw. 66 Seiten waren da die Vorgabe und so blieb es nicht aus, dass die Leihbuch-Romane entsprechend (in der Praxis zirka um ein Drittel) gekürzt werden mussten. Viele Passagen, die vor allem Stimmungen, Emotionen und Reflexionen der Charaktere zum Ausdruck bringen – eine unbestreitbare Stärke von Peter Dubina – fielen da leider dem Rotstift zu Opfer. Somit gibt es auch von diesen Romanen zwei Versionen: die Lang-Fassung (Text des Leihbuchs) und die gekürzte Fassung (die heute meist vertriebene Heftroman-Fassung).

Zeit zum SterbenInteressanterweise finden sich aber auch bei den gekürzten Texten der Heftromane unterschiedliche Textfassungen eines Romans. Beim Lesen der R.F.GARNER-Reihe bot sich für mich an, diese mit den entsprechenden Heften der JOHN KIRBY-Reihe zu vergleichen. Einen gravierenden Textunterschiede gab es bei GARNER Bd. 74 "Teufel der Roten Berge" und dem Pendant JOHN KIRBY Bd. 9 "Zeit zum Sterben".

"Zeit zum Sterben" ist anfangs stark gekürzt, u.a. fehlt die Schlägerei zwischen Ames und Brazos, und auch die Szene, nachdem Ames die Ermordeten beerdigt hat, gibt es in diesem Heft nicht. Im weiteren Verlauf bietet nun aber das KIRBY-Heft den längeren Text! Im GARNER-Band sind die Dialoge – wenn die Protagonisten von ihrer Vergangenheit erzählen – viel kürzer. Auch Szenen und Beobachtungen, die zur bedrohlichen Stimmung des Romans beitragen, sind nun gekürzt oder ganz entfallen. Einmal ist auch der Szenenübergang nicht ganz schlüssig: Erst liegen drei Soldaten noch völlig bewegungslos im Hof rum, stehen aber in der nächsten Szene, die nur kurze Zeit später spielt, bei ihren Pferden und sind bereit zum Wegreiten. Im KIRBY-Band liest man, dass die Soldaten sich vorher im Hof beraten und dann die Entscheidung treffen, abzurücken.

Ich fand es sehr interessant, wie unterschiedlich doch zwei Verlage an die Kürzung des Original-Leihbuchtextes herangegangen sind.

MenschenjägerWo sind sie geblieben?
Einen für mich noch nicht endgültig zu klärenden Punkt der Bibliografie stellt der Roman "Menschenjäger" (DWN26) dar. Dieser Roman ist nach meinem jetzigen Stand zuerst als Kelter-Western Bd. 500 im Jahr 1966 erschienen. Kurioserweise gibt es diesen Roman aber auch als Star Western Taschenbuch ("Menschenjagd" von Matt Nichols, 160 Seiten) aus dem Jahr 1979. Eine Taschenbuch-Veröffentlichung nach(!) einer Heftroman-Veröffentlichung? Ist der Romantext für die Taschenbuch-Ausgabe erweitert worden? Oder gibt es eine noch unentdeckte Lang-Fassung, die vor 1966 irgendwo erschienen ist? Die Frage dann: Wo und unter welchem Titel?

Ein weiteres Kuriosum stellt der Roman "Spuren der Rache" (DWN2) dar. Nach seiner Erstveröffentlichung als Yersin-Leihbuch (vermutlich Anfang der 1960er Jahre) konnte ich bisher überhaupt keine weitere Veröffentlichung dieses Romans ausfindig machen. Der Roman scheint in der Tat bei Autor und Verlagen völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Ich bezeichne ihn daher auch gerne als "Dubinas vergessenen Roman".

In Tombstone ist der Teufel losDas »Kuckucksei«
Nun möchte ich noch eine These meinerseits vorstellen, die auf den ersten Blick sicherlich provokant wirkt. Ich werde im Anschluss kurz erläutern, was mich zu dieser, meiner Überlegung brachte.

Ich behaupte nämlich, der ihm zugeschriebene Roman "In Tombstone ist der Teufel los" (Tombstone Bd. 26) stammt nicht von Peter Dubina!

Bezüglich Peter Dubinas Wirken an der Serie TOMBSTONE (Titellisten: TOMBSTONE - DIE BRÜDER KANE) verweise ich auf einen Artikel von Thomas Martner:

Peter Dubina schrieb die ersten 12 Bände, bevor dann weitere Autoren in die Serie einstiegen. Nichtsdestotrotz erschienen anfangs die Romane ausschließlich unter dem Sammelpseudonym Peter Burnett. Ab Band 14 lässt sich die Serie gut in Mini-Zyklen unterteilen, in denen über jeweils vier Romane ein Handlungsstang intensiver verfolgt wird: Band 14 – 17: Konflikt Conroy vs. Mercer; Band 18 – 21: Jagd auf El Malo, Band 22 – 25: El Tigre. Mit Band 27 beginnt dann der Zyklus um Fort Gamble und den Krieg gegen den Apachen Diablito.

Auffällig ist, dass "In Tombstone ist der Teufel los" als Band 26 hier ohne weiteren Bezug zu einem Handlungskomplex eingeschoben wurde. Der Roman selbst unterscheidet sich zudem stilistisch von den zuvor veröffentlichten Bänden der Serie erheblich. Mehr noch: Weder das Verhalten der Protagonisten (u.a. ist Marshal Monroe hier ein Feigling, der Angst vor Saloon-Schlägereien hat), noch die Dialoge, und schon gar nicht der vordergründige "Humor" und die allgegenwärtige Fröhlichkeit passen zu Dubina oder generell in die TOMBSTONE-Serie. Der Roman mutet für mich fast schon wie eine Western-Persiflage an.

Dies alles zusammen führt mich zu dem Schluss, dass der Roman von einem anderen Autor stammen muss.

In Tombstone ist der Teufel losDer Roman ist später unter R.F. Garner und anderen Dubina zugeordneten Pseudonymen nachgedruckt worden, dann allerdings unter dem Titel "In Prescott ist der Teufel los". Zuletzt erschien er sogar als Ebook in der Reihe Cochise County (Bd. 20), in der ausschließlich Dubina-Romane veröffentlicht wurden. Dies würde zwar Peter Dubina als Autor implizieren und wäre auch der Punkt, der gegen meine These sprechen würde. Es stellt sich hier allerdings die Frage, inwieweit die jeweiligen Verlage überhaupt die Herkunft des Romans (sprich den eigentlichen Autor) verifizieren konnten. Wie gesagt, "In Tombstone ist der Teufel los" ist ursprünglich unter einem Sammelpseudonym erschienen. Erst die späteren Veröffentlichungen weisen auf Peter Dubina als Autor hin bzw. schreiben ihm die Autorenschaft zu.

Wie konnte es zu diesem "Kuckucksei" kommen? Eine Absicht würde ich keinem der Verlage und Redakteure unterstellen. Dazu würde auch jegliches Motiv fehlen. Genauso lässt sich auch die Frage, warum man diesen Roman überhaupt als Einzelepisode zwischen zwei Zyklen in die Serie einschob, nicht beantworten. Ich denke, dass man im Moewig-Verlag, der 1967/68 die Serie TOMBSTONE veröffentlichte, seinerzeit einfach das Manuskript in die falsche "Autorenmappe" abgelegt und somit den Roman fälschlicherweise Dubina als Autor zugeordnet hat. Dies ist dort und auch später niemandem aufgefallen und wenn die Rechte an Romanen von Peter Dubina weitergegeben wurden, war auch "In Tombstone ist der Teufel los" von nun an immer, sozusagen "Im Paket", mit dabei.

Mir ist bewusst, dass meine These sicherlich kontrovers ist. Trotzdem wollte ich sie an dieser Stelle darlegen. Wenn auch der endgültige Beweis für meine Mutmaßung (noch) fehlt, so sprechen die Indizien doch sehr dafür.

Damit endet mein kleiner Einblick in die Ergebnisse meiner Recherche-Arbeit der letzten Jahre zu einem in meinen Augen herausragenden Autor, dessen Western-Romane damals wie heute auf einzigartige Weise faszinieren. Es bleibt auch für mich spannend, ob sich zu dem einen oder anderen Punkt seiner Bio- und Bibliografie neue Erkenntnisse ergeben werden.

 

Kommentare  

#1 oliver 2018-08-07 11:40
Grandiose recherche und Hintergrundwissen liebe Carola!
Danke!
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#2 Finnewacker 2018-08-07 20:59
Es kann schon sein, dass Heftromane nachträglich in Taschenbuch-Länge "gestreckt" bzw. umgeschrieben wurden. So wurde ja auch Tombstone Nr. 11 zum Lobo-TB Nr. 30. Und Auch das Lobo TB 17 war zuvor als Star Western TB um 20 Seiten dünner! Und von Lobo TB 53 ist auch bereits Jahre zuvor eine Heftroman-Version als Star Western 340 erschienen...
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#3 Andreas Decker 2018-08-08 09:28
zitiere Finnewacker:
Auch das Lobo TB 17 war zuvor als Star Western TB um 20 Seiten dünner! .



In dem Fall liegt es aber nur am Satz. Ich habe die beiden mal verglichen. Lobo 17 hat den identischen Text wie das Star-Tb. Es hat sogar dieselben auffälligen Schreibfehler wie das Original. "Spenzer-Karabiner" statt Spencer, usw. Da ist keiner noch mal drübergegangen.
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#4 Finnewacker 2018-08-08 11:23
Ich hab es jetzt nicht Satz für Satz verglichen. Zumindest das letzte Kapitel wurde aber umgeschrieben (und um 3 Seiten verlängert). Im Star Western TB erschießt Lobo den Super-Bösewicht eiskalt aus dem Hinterhalt, während im TB 17 er ihn stellt und in einem fairen Duell erledigt.

Übrigens: Die Indianer sind im Star TB Komanschen mit K und im Lobo TB Comanchen mit C...
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#5 Andreas Decker 2018-08-08 12:06
zitiere Finnewacker:
Zumindest das letzte Kapitel wurde aber umgeschrieben (und um 3 Seiten verlängert). Im Star Western TB erschießt Lobo den Super-Bösewicht eiskalt aus dem Hinterhalt, während im TB 17 er ihn stellt und in einem fairen Duell erledigt.

Übrigens: Die Indianer sind im Star TB Komanschen mit K und im Lobo TB Comanchen mit C...



Du hast recht. Da hat der Jugendschutz zugeschlagen.


Die Selbstjustiz ist zum verlängerten Duell geworden, ein paar andere Stellen sind auch entschärft worden. Hier mal einen Satz oder da mal zwei.

Was 2 Jahre für einen Unterschied machen.
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