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John Sinclair Revisited: Die 400er - Beginn einer neuen Ära (Teil 7)

John Sincalir revisitedDie 400er
Beginn einer neuen Ära
Teil 7

Die Detektivin Jane Collins war immer eine überaus beliebte Figur in der John Sinclair – Serie.

Während und nach ihrer Zeit als Hexe hat ihr Schöpfer sie durch so manche Hölle geschickt und der Leser fragte sich ein ums andere Mal, ob es das denn nun war mit der Figur.

 

Im Namen der Hölle Diese war und ist jedoch scheinbar nicht tot zu kriegen, und so werden die Fans wohl schon damals bezweifelt haben, dass es der guten alten Jane im JOHN SINCLAIR Band 416 „Im Namen der Hölle“ wirklich endgültig an den Kragen gehen würde.

Spätestens als man die Bekanntschaft mit ihrem Henker macht, welcher zunächst einmal einen Lockvogel – sinnigerweise eine Hexe – beschaffen muss, wird wohl selbst dem besorgtesten Leser klar, dass dieser Plan nur schief gehen kann. Nachdem sich die als Lockvogel auserkorene Person nämlich weigert, als ein solcher zu fungieren, und das obwohl man ihr schon mal beide (!) Arme gebrochen hat, um sie hilfloser aussehen zu lassen, wird sie kurzerhand selbst einen Kopf kürzer gemacht und übernimmt schließlich doch noch die ihr zugedachte Rolle – zumindest tut ihr Torso das. Ein ziemlich kopfloser Plan also, aber – wer hätte etwas anderes vermutet, er geht natürlich dennoch auf. Da mag die gute Jane noch so viel Erfahrung als Dämonenjägerin und als Detektivin haben, letztlich muss sie in die Falle tappen, da der „Plot“ es nun mal verlangt. Warum der Rezensent das Wort Plot nun wieder unbedingt mit Gänsefüßchen versehen muss? Nun – nach etwa 50 gelesenen Seiten liegt die Antwort auf diese Frage auf der Hand: Es gibt im Grunde keinen. Jane wurde also entführt, Sinclair verfolgt ihre Spur, erreicht am Ende zeitgleich mit Yakup Yalkinkaya die Gefängnisinsel Alcatraz, wo man die Detektivin gefangen hält (und mit der Hinrichtung selbstverständlich brav auf das Eintreffen der Retter gewartet hat), woraufhin der Richter und sein Henker sehr schnell Geschichte sind. Zwischendurch haben wir dann noch einen Geisterjäger, der von einer vergleichsweise harmlosen, da völlig handlungsunfähigen „Hexenpuppe“ massiv bedroht wird („Ich werde dich vernichten!“) und das war es auch schon…         

Wenn man diesem Roman, der in der Vorankündigung übrigens als „absolutes Highlight“ gepriesenen wurde, noch irgendetwas Positives abgewinnen will, dann dass der Autor keinen Doppelband aus dem Thema gemacht hat. Spannung kommt keine auf, auch wenn Dark sich redlich bemüht, es gelingt ihm nicht so recht, den Leser glauben zu machen, Jane Collins könnte in dieser Nummer ihren letzten Auftritt haben. Stattdessen schafft er es mühelos, diese einst so beliebte Figur völlig unglaubwürdig darzustellen, was ihr Verhalten in Stresssituationen betrifft. Die bloße Feststellung, dass der eben noch im Zündschloss steckende Autoschlüssel plötzlich fehlt veranlasst die Collins nämlich bereits, in wilder Panik loszukreischen (O-Ton: „Neeeiiinnn!“)'

Die Straße der GräberEtwas, wozu sich auch der Rezensent fast hätte hinreißen lassen, aber er konnte sich zusammenreißen, schließlich galt es ja noch den JOHN SINCLAIR BAND 417 „Die Straße der Gräber“ zu rezensieren…

In diesem Roman lässt Dark die bei den Fans sehr beliebten Horror-Reiter mal wieder auf die Menschheit los und verknüpft deren Auftauchen mit der Templer-Thematik, welche in den 400ern ja bekanntlich einen nicht unerheblichen Teil des Backgrounds ausmachte. Wobei man sich nach der Lektüre des Romans allerdings fragen muss, wo denn nun genau der Zusammenhang zwischen den Templern und den Horror-Reitern besteht. Letztlich scheint es dem Autor wohl wieder mal nur darum zu gehen, alle bekannten Namen irgendwie miteinander in Verbindung zu bringen, mag diese Verbindung auch noch so weit hergeholt sein. In diesem Fall lautet die Erklärung schlicht: Die Templer stehen auf der Seite des Guten, also werden sie von den Horror-Reiter gejagt.

Dass der Geisterjäger mal wieder zwischen die Fronten gerät, liegt natürlich auf der Hand und wundert den Leser denn auch weniger, als die Tatsache, wie das geschieht. Da haben wir nämlich zu Beginn des Romans eine Gruppe wiedergeborener Templer (die von ihrem edlen Vorleben noch nichts wissen), welche Sinclair – statt ihn einfach um Hilfe zu bitten – mal eben entführen, damit er das Rätsel ihrer Herkunft löst. Zu diesem Zweck fesselt man ihn dann noch – statt den erfahrenen Geisterjäger einfach sein Ding machen zu lassen – an eine Straßenlaterne (!) und macht ihn somit erst mal völlig handlungsunfähig. Zumindest so lange, bis er sich, geschickt wie er nun mal ist, befreien kann. Seinen Kopf (oder wie Horst immer so schön sagt, das „Polizistengehirn) hat er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht eingeschaltet, denn sonst hätte er längst einen Zusammenhang zwischen seiner Entführung und AEBA erkannt, zumal er bereits weiß, dass die Reiter in dem Fall eine Rolle spielen. Überhaupt wirkt die ganze Entführungsstory wenig durchdacht oder logisch und sollte am Ende wohl nur den Roman auf die richtige Länge bringen. Dass die Entführer dann mal eben sämtliche Bewohner eines Dorfes dazu bringen, ihre Häuser zu verlassen (mit der Begründung, man wolle einen Film drehen…) macht den Plot dann auch nicht gerade glaubwürdiger.

Einzig der Endkampf gegen die Horror-Reiter kann stellenweise überzeugen, zumal sogar einer der Horror-Reiter vernichtet wird – wenn auch auf nicht gerade spektakuläre Weise. Der Rezensent hätte indes nichts dagegen gehabt, wenn auch die übrigen drei Reiter das Zeitliche gesegnet hätten, denn seien wir doch mal ehrlich: Vier Reiter, welche die Anfangsbuchstaben der Namen ihrer Boss-Dämonen auf der Brust tragen… das ist schon ein bisschen lächerlich und zeigt, dass Dark auch zu Glanzzeiten – aus denen die Horror-Reiter ja stammen – schon ein paar sehr merkwürdige Ideen hatte…
 
Das Richtschwert der TemplerNicht unbedingt merkwürdig ist dagegen die Idee, den Themenkomplex um die Templer in die Serie einzubauen, allerdings muss man – gerade wenn man sich die spätere Entwicklung dieser Thematik anschaut – doch konstatieren, dass der Autor sich hier eindeutig übernommen hat. Zwar kann man den JOHN SINCLAIR Band 418 „Das Richtschwert der Templer“ für sich betrachtet stellenweise als durchaus gelungen bezeichnen, was ja schon für den Vorgänger (412) galt und sicherlich damit zusammenhängt, dass Dark bei diesem Thema mit etwas mehr Feuereifer bei der Sache ist, als bei den üblichen „Monster-der-Woche“ – Romanen. Andererseits kann man hier auch wieder sehr schön sehen, wie krampfhaft der Autor darum bemüht ist, alle seine Themen in einen großen Zusammenhang zu bringen, und seien sie noch so unterschiedlich. Die Templer, der (hier noch) ominöse dunkle Gral, Aibon, das Kreuz, alles hängt irgendwie zusammen, was zum Teil schon im Ansatz völlig unlogisch und an den Haaren herbeigezogen erscheint. Abgesehen von den sprachlichen Mängeln dürfte dies – damals wie heute – wohl das größte Problem der Serie sein: Dass hier jemand versucht, einen komplexen Hintergrund zu schaffen, obwohl er letztlich nicht wirklich das Talent dazu hat, einen solchen zu konstruieren, geschweige denn, die kläglichen Ansätze zu überblicken, was angesichts der „Alles in einen Topf“ – Methode auch kein Wunder ist.

Etwas, was der Autor ebenfalls nicht beherrscht, zumindest nicht so gut wie einige seiner Kollegen, sind bestimmte Stilmittel, welche die Spannung erhöhen sollen, wie zum Beispiel den Höhepunkt des Romans vorwegzunehmen, um den Leser dann mit Rückblenden bis zu diesem Handlungszeitpunkt zu geleiten. Bei Maddrax sieht man so etwas häufig und da funktioniert es auch meistens. Im Falle des vorliegenden Romans sieht es eher so aus, dass man sich – nachdem man bereits einen Teil des Finales gelesen hat, dazu zwingen muss, die Rückblenden nicht zu überfliegen, denn in diesen wird im Grunde nicht viel mehr geschildert, als die Reise des Helden an den Ort, an dem der besagte Showdown stattfindet…

Sind jedoch erst einmal beide Handlungsebenen verknüpft, kommt doch noch so etwas wie Spannung auf, immerhin geht es hier um ein wichtiges Artefakt der Templer, und immerhin geht es einem Erzgegner an den Kragen: Akim Samaran. Das liest sich durchaus flott und kommt, wenn man einmal von ein paar Merkwürdigkeiten absieht, wie etwa einem mit Sprengstoff gefüllten Wecker, welchen der davor gefesselte Oberinspektor umzupusten (!) versucht, ohne größere inhaltliche und sprachliche Kapriolen aus. 

In diesem Roman erfährt der Geisterjäger dann auch, dass er schon einmal gelebt hat, was damals sicher den einen oder anderen Gelegenheitsleser an den Dämonenkiller erinnert haben dürfte (wohingegen die Fans es wohl nicht gemerkt haben, denn die kannten den Däki ja nicht…). Im Gegensatz zum DK, wo dieser Aspekt ein wichtiger Baustein des gesamten Serien-Hintergrunds darstellte, wirkt diese Idee in der Sinclair – Serie allerdings einfach nur deplatziert und aufgesetzt, vor allem wenn man sich die Figur des Helden vor Augen führt, zu der ein solcher Hintergrund einfach nicht passt. Ein Umstand, den auch Jason Dark irgendwann eigesehen haben muss, da er das Thema Wiedergeburt später sang und klanglos unter den Tisch fallen ließ ...
Kleine Zitate - Grosser Meister

Wer die Wahl hat …
„Du wirst dort dein Leben verlieren, wo schon viele vor dir gestorben oder einfach krepiert sind.“
(JS Band 416 / S. 22)
Offenes Geständnis …
„Ich weiß, dass ich die Schuld an diesen Dingen trage. Aber ich kann nichts dafür, tut mir leid …“
(JS Band 416 / S.25)

Fleischgewordenes Romanheft …?
Optimistisch waren wir nicht, eher verbissen, wirkten irgendwie spannungsgeladen und kantig.
(JS Band 416 / S.45)

Vorsicht, Sinclair kommt …
Auch Dämonen können geschockt werden.
(JS Band 416 / S.60)

Geht mir auf die Augen …
Blicke die sprachen und gleichzeitig Fragen enthielten, aber keine Antworten wussten.
(JS Band 416 / S.64)

Is it a bird? Is it a plane …?
Ein Wesen oder eine Wolke, ruhig, dunkel, aufgequollen, in Bewegung und allmählich niedersinkend.
(JS Band 417 / S.5)

Vielleicht hilft ein Suspensorium?
„Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber was man mir da präsentierte, das hat mich tief getroffen. Ich würde sagen unterhalb der Gürtellinie.“
(JS Band 417 / S.8)

Alkohol im Dienst?
Vor uns lagen die Wiesen. Von oben aus hatten sie auf mich eben gewirkt. Jetzt erkannte ich den Irrtum. Sie waren wellig, auch schräg.
(JS Band 417 / S.14)

Mit einem Bein im Grab …
Er war alt, eigentlich schon tot, und trug die Kutte eines Mönchs.
(JS Band 418 / S.38)

Besondere Kennzeichen: Keine
Ein Körper, ein Gesicht, ein Mann.
Es war Suko!

(JS Band 418 / S.40)

Benzin im Blut …
Irgendwo in meinem Körper musste sich eine Tankstelle befinden, die noch Reserven besaß.
(JS Band 418 / S.44)

Edle Verwandlungskunst…
Am Boden lag ein goldener Klumpen. Eine Mischung aus Schwert und Mann.
(JS Band 418 / S.64)

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