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»Dorian Hunter« revisited - Teil 34 - Zwischen den Zeiten

»Dorian Hunter« revisited»Dorian Hunter« revisited
Teil 34 - Zwischen den Zeiten

Im September 2018 wurde die legendäre Dämonenkiller - Serie im Bastei - Verlag unter dem Namen Dorian Hunter neu gestartet. Die ersten 50 Bände sind erschienen und ein Ende ist nicht in Sicht. In dieser Artikelserie werfe ich einen kritischen Blick auf die alten Romane im neuen Gewand und begleite den “Dämonenkiller” auf seinem Weg in jene Gefilde, die bislang nur in Buchform erreicht wurden…

Sturm auf das HexenhausDie Folterkammer“Die Folterkammer” / „Sturm auf das Hexenhaus”
Dorian Hunter Band 83/84
von Ernst Vlcek
(EV: DK TB 22 / 1976)
Sabrina Becker, die Tochter des Vorsitzenden der Magischen Bruderschaft Thomas Becker, besucht Freunde in der deutschen Stadt Velchen, die ein altes Gebäude gemietet haben, in dem zur Zeit der Inquisition Hexenprozesse stattfanden. Dass über dem Haus auch ein Fluch liegen soll, scheint sich zu bestätigen, als es bei ihrer Ankunft zu einigen mysteriösen Vorfällen kommt, bei denen ihre Freundin Ursula verschwindet. Als man dem hinzugezogenen Hunter ein Bild von ihr zeigt, erinnert er sich an sein Leben als Michele da Mosto, der sich im Jahr 1568 in Velchen aufhielt und ihr bei dem Versuch, seine Geliebte, die Gräfin Sidonie vor dem Hexenjäger Erasmus von Keittel zu retten, im Haus begegnet ist. Tatsächlich ist von Keittel ein Dämon, der es auf Sidonie abgesehen hat, weil diese weiß, wie man ihn vernichten kann. Als Hunter das Haus betritt, gerät auch er in die Vergangenheit, macht Ursula ausfindig und mit Cocos Hilfe können sie in die Gegenwart zurückkehren. Dort erfährt er, dass Sidonie es war, die damals den Fluch über das Haus verhängte, wodurch der Dämon in eine scheintote Starre verfiel. Erst in der Gegenwart kann er mithilfe einer ihm nachgebildeten Statue vernichtet werden.

Mit diesem Roman, der damals als Dämonenkiller - Taschenbuch und nun in Heftform als Doppelband erschienen ist, beschert Vlcek dem Leser eine weitere Vergangenheits - Episode aus dem Leben des Michele da Mosto, welche noch vor seiner Zeit als Alchimist angesiedelt ist.

Im Grunde rechtfertigt hier also nur ein kurzes Gespräch zwischen Hunter und Coco die Einordnung in den “Stein der Weisen” - Zyklus, welches aber für die Handlung des Romans gar keine Rolle spielt.

Bei Bastei hat man sich nun dazu entschlossen, den Roman als Doppelband zu bringen, anstatt das Taschenbuch zu kürzen, was nach Meinung des Verfassers dieser Zeilen die bessere Lösung gewesen wäre, und das nicht nur, weil die Nummerierung der “dritten Auflage” nun völlig von der ursprünglichen aus der Erstauflage abweicht.

Wirklich spannend wird es nämlich erst im späteren Verlauf der Handlung, was dem zweiten Teil des Doppelbandes entspricht. Im ersten Teil darf der Leser sich noch durch eine extrem in die Länge gezogene Nebenhandlung arbeiten, bevor endlich Hunter und Coco auftauchen. Das mag in einem Taschenbuch funktionieren, im Heft eher nicht, da die Story schließlich nicht für einen Heft - Mehrteiler konzipiert wurde.

wirklich interessant wird die Handlung dann auch erst mit den in der Vergangenheit angesiedelten Abschnitten um Michele da Mosto. Von diesem Zeitpunkt an gibt es weniger Längen, aber erst im zweiten Band schafft Vlcek es, den Spannungsbogen bis zum leider etwas abrupten Ende zu halten.

Zwar wird die Jagd auf den Dämon durchaus packend geschildert, allerdings ist sein Ende dann spätestens als die ihm nachgebildete Statue ins Spiel kommt vorhersehbar und seine Vernichtung geht mittels eines Voodoo - Effekts auch viel zu schnell und mühelos über die Bühne.

Dass Hunter seiner damaligen Geliebten noch einmal begegnet und sich ihr zu erkennen gibt, ist zwar ebenfalls vorhersehbar, allerdings hätte man, statt den blassen und völlig uninteressanten Nebenfiguren im ersten Teil so viel Platz einzuräumen, dieser Figur und ihrer Verbindung zu von Keittel durchaus mehr Beachtung schenken können.

Auch leidet die Spannung in den Abschnitten um da Mosto ein wenig an der bekannten Tatsache, dass dies für ihn nur eine mehr oder weniger unbedeutende Zwischenepisode sein konnte, da man über die anschließenden Ereignisse ja bereits im Bilde ist.

Abgesehen von der langatmigen ersten Hälfte (respektive dem ersten Teil des Doppelbandes) bleibt unterm strich ein nicht uninteressanter aber aufgrund der künstlichen Längen nicht wirklich spannender Roman, der hier zwar berechtigt seinen Platz in der Heftserie bekommen hat, dem aber eine Kürzung der Nebenhandlung und somit der Verzicht auf einen neubetitelten zweiten Teil sehr gut getan hätte. Zumal der Roman dem früheren Band um die “Vampirin Esmeralda” inhaltlich doch sehr ähnelt.

Kommentare  

#1 Toni 2021-11-25 15:46
Deine Vorahnung hat sich wohl bestätigt. Hört sich sich so an, als wäre der Doppelband nicht Halbes und nichts Ganzes gewesen. :sad:
Ob es beabsichtigt war, dass der Dämon Keit(t)el hieß? Würde passen.

Habe das Taschenbuch damals in einem Rutsch, im Schwimmbad, durchgelesen. Eine recht flüssige Geschichte im flotten Luif-Stil. Danke für die noch flüssigere Auffrischung. :-)
#2 Cartwing 2021-11-25 17:40
Zitat:
Hört sich sich so an, als wäre der Doppelband nicht Halbes und nichts Ganzes gewesen
Den Eindruck hatte ich auch.
Habe damals auch das TB gelesen und es mehrmals zur Seite legen und wieder neu beginnen müssen.
Bei den ebooks musste ich jetzt der Versuchung widerstehen...
#3 Heiko Langhans 2021-11-25 17:52
Ernst Vlcek war sicher vielseitiger, als viele annahmen, wenn er so ohne weiteres einen "flüssigen Luif-Stil" liefern konnte ...
#4 Cartwing 2021-11-25 18:35
Wahrscheinlich hat Toni im Schwimmbad wirklich einen Luif gelesen... ;-)
#5 Toni 2021-11-25 20:32
Okay, ihr habt recht. Habe jetzt, nach langer Recherche und einen kurzen Blick in den Oberen Teil des Artikels, den wahren Autor des Zweiteilers ausfindig gemacht. Werde mir eure Kommentare ab jetzt genauer ansehen und nach unbedeutenden Fehlern suchen :D
Ne, der Roman im Schwimmbad war tatsächlich der Vlcek. Ich fand ihn damals kurzweilig.
#6 Toni 2021-11-25 20:33
...oberen Teil...
#7 Robert Martschinke 2021-11-26 08:16
Na gut, war mein erster "Dämonenkiller" seit gut sechs Monaten, und in erster Linie hab´ ich den ersten Teil bloß wegen des Titels gekauft. :-* (... & weil Vlcek eigentlich nie wirklich schlecht ist.)
Unterm Strich fand ich´s okay. Den Text zu kürzen wäre für Dennis Ehrhardt als erklärten Fan und "Nachlassverwalter" der Serie wohl eh nicht in Betracht gekommen. So gab´s denn immerhin noch einen extralangen Mystery-Press-Mittelteil zu Dorians zahlreichen Inkarnationen. War ja auch mal ganz lehrreich.
Die drolligste Szene war auf alle Fälle die, in der Uschi durchs unsichtbare Haus schwebt und Dorian aber noch ganz genau weiß, dass an ebenjener Stelle damals die Kommode stand ...
#8 Andreas Decker 2021-11-26 09:35
Den habe ich auch als zäh in Erinnerung. Die Vergangenheitsebene war ganz nett, die Hunter-Ebene blah.

Irgendwie schade, dass sie die Original-Nummerierung jetzt endgültig ungültig gemacht haben. Die 99 hätte sich als 100 gut gemacht, von der Story her war es der bessere Roman als der 100er.
Aber man kann verstehen, dass das Material später überhaupt nicht mehr reingepasst hätte nachdem der gute und viel zu spärlich eingesetzte Michele das Zeitliche gesegnet hatte.
#9 Cartwing 2021-11-26 12:55
@Robert : Stimmt, aber Erhard hat ja als Fan und Nachlassverwalter auch schon einiges an den Texten und Titeln geändert. Kürzungen sind aber beim DK sicherlich ein No - go

@Andreas : Der Roman erschien ja auch in der Hardcover - Ausgabe, ansonsten glaube ich nicht, dass ihn jemand vermisst hätte, wäre er in der Heftserie nicht erschienen.

Den 100er habe ich noch als sehr gut in Erinnerung. Mal schauen wie er mir heute gefällt...

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