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Dan Shocker-Porträt von Jürgen Grasmück aus dem Jahr 1982

Dan Shocker's Fantastik Club - Eine Fanzine - ChronikDan Shocker-Porträt 
aus dem Jahr 1982

Für die Dan Shocker's Fan-News aus Marlos (Club-Letter Nr. 24) seines Dan Shocker's Fantastik-Club schrieb Jürgen Grasmück alias Dan Shocker ein Porträt über sich selbst.

Hier hab ihr das Vergnügen nach fast vierzig Jahren seinen Text nochmals zu lesen.

Jürgen Grasmück aka Dan ShockerDATEN IM TELEGRAMM-STIL: geb. 23.01.1940 in Hanau/Main .Mit 12 Jahren erste schriftstellerische Versuche. Mit 16 erstes Buch, es ist ein SF-Roman. Schreibt jahrelang unter ver­schiedenen Pseudonymen. Seit 1968 unter dem Namen Dan SHOCKER. Damit leitet er in Deutschland die Grusel-Welle ein und wird heute als 'Vater des Grusel-Krimi' bezeichnet. Mit seinem Serienhelden LARRY BRENT beginnt einer der größten Heftroman-Erfolge der Nachkriegszeit.1973 läßt er MACABROS nachfolgen, eine Mischung aus Grusel-Krimi und Fantastik. 1981 erster MONSTER-FRANKENSTEIN-SPANNUNGSROMAN, in dem er die wirklich existierende BURG FRANKENSTEIN in den Mittelpunkt unheimlicher Ereignisse stellt und auf Anhieb mit dieser neuartigen 'Frankenstein-Mischung" großen Erfolg hat. Er baut darauf eine eigene Taschenbuch-Reihe auf.

DAN SHOCKER ist das Pseudonym von Jürgen Grasmück.

Doch lassen wir JG selbst erzählen:

"Wie hat alles angefangen? Diese Frage wird mir häufig gestellt.

Ich begann schon sehr früh zu schrei­ben und Bücher spielten in meinem Leben schon immer eine große Rolle. Vor allem solche mit merkwürdigen und ungewöhnlichen Abenteuern.

Bewußt und gezielt geschrieben habe ich dann mit meinem zwölften Lebensjahr. Schreiben und Fabulieren machte mir stets Spaß (noch heute!) und ich verfaßte am laufenden Band abenteuerliche Geschichten in Schulheften, was meine Lehrer damals gar nicht so gern mochten. Sie waren darüber oft ziemlich böse. Heute grüßen sie mich allerdings wieder.

Nun, eine besonders wilde und lange Geschichte tippte ich schließlich im Einfingersystem auf einer uralten klapprigen Schreibmaschine ab. In diesem 'Roman' spielten ein Wilderer und eine Gruppe Jugendlicher die Hauptrollen. Der Wilderer lebte in einer mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Erdhöhle mitten in einem finsteren Wald und wurde von den kleinen Helden beobachtet, bekämpft und schließlich festgenommen. Ich war so vermessen, das 'Werk' einem Verlag zur Prüfung vorzulegen .Nach einiger Zeit kam es zurück (wie später übrigens noch viele andere). Die Begründung: so etwas könne ein Jugendlicher nicht geschrieben haben. Es kämen Ausdrücke darin vor, die man in meinem Alter nicht benutze. Da ich den Roman allein geschrieben hatte, war ich über diese Meinung damals sehr bedrückt. Aber das nutzte auch nichts. Die Handlung war damals schon ziemlich gruselig und phantastisch und man hat mir auch übel genommen, daß ich Jugendliche den Fall klären ließ und nicht die Polizei einschaltete. Wenn ich mir da die heutigen Jugendbücher anschaue und lese, was Jugendliche alles erleben und aufklären, lag ich damals gar nicht so schlecht. Aber als Zwölfjähriger fehlt einem wohl noch das Durchsetzungsvermögen...

Jahre später dann schrieb ich meine ersten SF-Kurzgeschichten, nachdem ich meine Liebe zum Utopischen und Phantastischen erkannt hatte. Walter Ernsting (Clark Darlton) veröffentlichte meinen ersten Erguß in seinem ANDROMEMA-Magazin Nr. 6 (Juli/August 1956) unter dem Titel "Atomkrieg auf dem Mars". Ich war auf meine erste im billigen Hektographendruck veröffentlichte Geschichte mächtig stolz und habe sie immer wieder gelesen. Jetzt war ich ja schon fast berühmt...

Wenige Monate nach dieser Veröffentlichung schrieb ich meinen ersten SF-Roman. Wort für Wort erst mit der Hand, und dann wurde er noch abgetippt. Heinz Bingenheimer, der Gründer der Buchgemeinschaft TRANSGALAXIS (die noch heute besteht und von seinem Sohn Rolf weitergeführt wird), erkannte mein Talent und unternahm den schicksalhaften Versuch, das umfangreiche Manuskript zu lesen, mich zu beraten, es zu lektorieren. Was für eine Arbeit hat er sich mit mir gemacht. Heute weiß ich das zu schätzen, wenn ich selbst Arbeiten von Nachwuchsautoren vor mir auf dem Schreibtisch liegen habe und nach Talenten suche. Heinz Bingenheimer habe ich viel zu verdanken, er hat mir die ersten handwerklichen Kniffe beigebracht.

Er schaffte es auch das Manuskript beim Bewin-Verlag unterzubringen. Es erschien 1957 unter dem Titel DIE MACHT IM KOSMOS. Der Titel, den ich ihm damals gegeben hatte lautete ursprünglich GEISTERSCHIFTE ÜBER TERRA. Aber den wollte der Verlag nicht übernehmen. Schon damals leuchtete etwas von dem durch, was ich später mal mit Begeisterung machen sollte...

Bis zum Jahre 1961 erschienen insgesamt 23 Leihbücher und einige Heftromane‚ sowie zwei Kurzgeschichten in der Anthologie LOCKENDE ZUKUNFT, die Heinz Bingenheimer zusammenstellte und herausgab.

Dann trat eine längere Pause ein. Und im Jahr 1966 trat ich dann mit einem neuen Pseudonym an die Öffentlichkeit. Hatte ich mich damals "Jay Grams" genannt (in Anlehnung an meinen wirklichen Namen), nannte ich mich jetzt - "Jürgen Grasse". Ebenfalls wieder in Anlehnung an meinen Namen. Unter diesem Namen schrieb ich eine andere Art SF und außerdem konnte man inzwischen auch mit deutschem Namen auftreten, was die Verleger Mitte und Ende der fünfziger Jahre nicht so sehr mochten. Beim Zauberkreis-Verlag in Rastatt wurden in rascher Folge insgesamt l9 "Jürgen Grasse-SF-Romane" veröffentlicht. Einige in letzter Zeit wieder im Nachdruck.

Dann sattelte ich abermals um. Ich merkte selbst, daß das, was ich schrieb, noch immer nicht ganz genau das war, was ich eigentlich schreiben wollte.

Der Zufall kam mir zu Hilfe.

Was auf dem Markt zu kaufen war, ging nicht mehr so recht. Und bei einem Gespräch mit meinem Verleger kam heraus, daß man mal 'etwas ganz anderes' suche. Ich suchte dieses 'ganz andere' und entwickelte den Helden Larry Brent und die PSA, schrieb mit einer wilden Begeisterung das erste Grusel-Abenteuer und merkte: d a s ist es! Diese Art zu schreiben lag mir, kam meiner Natur am nächsten. Der erste LARRY-BRENT-Roman war entstanden, und er erschien 1968 als Nr. 747  in der damaligen Silber-Krimi-Serie des Zauberkreis-Verlags.

In einem früheren SF-Roman ("Das Testament des Grauens", Bewin, 1961), hatte ich bereits einen ersten Vorstoß in diese Gefilde unternommen: SF und Grusel, das liegt dichter zusammen, als manch einer wahrhaben will. Beim Publikum kam das Buch seinerzeit so gut an, daß ich Monate später einen zweiten Band nachfolgen ließ. Er hieß "Die Angst geht um" und schließt an das "Testament des Grauens" an. Warum ich damals dieses Konzept nicht weiterverfolgte, weiß ich nicht. Wahrscheinlich spielte mit eine Rolle, daß die Honorare für Leihbücher zu einem Hungerleider-Honorar abgesunken waren. Das Fernsehen machte sich breit, immer mehr Leihbüchereien schlossen ihre Pforten, die Auflagen sanken...

Als ich die Exposés für LARRY BRENT entwarf, entsann ich mich wieder an diese Mischung zwischen SF und Grusel und machte bewußt Gebrauch davon.

Fünf Jahre später, am 20. August 1973, folgte MACABROS nach. Hier verlagerte ich die Gewichte. Mehr Phantastisches kam ins Spiel. MACABROS schildert die Abenteuer eines Mannes, der sich verdoppeln kann, auf einer unsichtbaren Insel lebt und weiß, daß er schon einmal gelebt hat. Damals hieß er KAPHOON und lebte rund 20.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung auf einer Insel namens Xantilon.

Die unsichtbare Insel Marlos zwischen Hawaii und den Galapagos ist ein Teil dieses Urkontinents. Von Marlos aus kann Björn Hellmark alias Macabros seine Abenteuer in der ganzen Welt bestehen.

Ja, mir macht das Schreiben noch genau so viel Spaß wie am ersten Tag. Ich arbeite an jedem Roman mit der gleichen Begeisterung. Da mischt sich Erlebtes mit Erfundenem, da wird die Wirklichkeit phantastischer als das Irreale... Lesen und Schreiben... Lesen ist nichts anderes als ein großes Abenteuer, ein Entführtwerden in fremde Länder, unerforschte Welten, rätselhafte und geheimnisvolle Gefilde... Gerade der heutige Alltag verlangt den Menschen mehr ab als den Generationen zuvor. Der Mensch von heute braucht zum Entspannen diese Art Literatur. Nach dem Ausflug in andere Welten kehrt er gerne in seine persönliche Wirklichkeit zurück - und er hat teilgenommen an einem Abenteuer, das seinen normalen fünf Sinnen sonst zugänglich ist. Alles was jenseits dieser Sinne liegt, hat die Menschen von jeher jedoch fasziniert und in Bann gezogen. Egal, welcher Zeit sie angehörten...

Ich hoffe, noch lange und viel schreiben zu können. Ob ich nochmal etwas Neues entwickeln werde? Ich bin ständig dabei...Denn es gibt Dinge, von denen ich noch nicht gesprochen und geschrieben habe.

 

Kommentare  

#1 Laurin 2021-11-24 21:30
Ist schön mal was von Jürgen Grasmück über sich selber zu hören, auch wenn natürlich so ein kleinerer Artikel trotzdem immer noch ziemlich an der Oberfläche kratzt (seine allgemeine Neigung und was ihn hierbei reizte hinsichtlich der etwas düsteren Phantastik auch, aber nicht nur, hinsichtlich z.B. der Science Fiction usw.). Da hätte Jürgen auch ruhig mal ein paar Seiten mehr riskieren können, um mal so richtig in die Tiefe gehen zu können.

Na ja, ist schon schade das man ihn da Heute nicht mehr in aller Ruhe zu befragen kann. Wäre vielleicht das eine oder andere interessante Detail bei hervorgetreten.

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