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Karl May in Georgien - »Das Magische Tor im Kaukasus«

Karl Mays magischer OrientKarl May in Georgien
»Das Magische Tor im Kaukasus«

Karl Mays Magischer Orient ist der Versuch, die klassischen Abenteuer Kara Ben Nemsis auf eine zeitgemäße Art fortzuführen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem fantastischem Element.

Das Konzept scheint aufzugehen. Mittlerweile liegt schon Band 9 der Reihe vor. Verfasser von Bd. 8 "Das magische Tor im Kaukasus" ist Friedhelm Schneidewind.

Karl Mays magischer OrientVorbemerkung
Karl Mays Magischer Orient (KMMO) startete 2016. Der Verlag wollte die klassischen Karl-May-Romane durch eine moderne Reihe ergänzen. Die ersten Bände verfasste Alexander Röder, der sich zunächst auf den Spuren des klassischen Orientzyklus bewegte. Danach kamen auch andere Autoren zum Zuge.

Diesmal ist es Friedhelm Schneidewind. Er verfasste bereits einen Beitrag für den Episodenroman "Sklavin und Königin" KMMO Bd.5 und die Kurzgeschichte "Senitzas wahre Befreiung" für den Anthologieband "Auf phantastischen Pfaden".

Das Magische Tor im KaukasusDer Roman
Marah Durimeh, die Königin des Geisterreiches, gibt Kara Ben Nemsi den Auftrag im Kaukasus nach dem Rechten zu sehen. Dort hat sich ein magisches Tor gebildet, das eine Verbindung zur Anderswelt gebildet. Unterwegs begegnen den Abenteurern die Friedensaktivistin Bertha von Suttner und der Prinz von Mingrelien, der sein Land an die Russen verloren hat. Kara Ben Nemsi und Halef bekommen es aber auch mit einem Mitglied der Familie Vanderbilt zu tun, das sich für die einheimischen Bodenschätze interessiert. Sie gewinnen außerdem zwei junge Frauen als weitere Reisebegleiterinnen: Lady Ann Lindsay und Sofie Nelson aus Kanada. Die Nichte von Sir David Lindsay strebt die Mitgliedschaft im Travellers Club an. Deshalb ist sie auf der Suche nach dem verschollenen Grab der georgischen Königin Tamar.  Die Kanadierin Sofie interessiert sich dagegen für den georgischen Wein und die Geschichte des dortigen Weinanbaus.

Als besonderer Clou taucht plötzlich auch noch der bekannte Old Firehand auf. Diese Figur stammt aus dem Romanen über den Wilden Westen und wird hier erstmals in den Orient versetzt. Er hat sich besonders mit einem Rudel Wölfe und einem Tiger angefreundet. Zwischen ihm und Kara Ben Nemsi kommt es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten.

Zwischen Sofie Nelson und einem Einheimischen bahnt sich sogar eine Lovestory an.

Der werte Leser muss sich an ungewohnte Bilder gewöhnen:

"Ich entschied mich für Kleidungsstücke, die mich an meine gewohnte Trapperkleidung erinnerten; Halef schloss sich mir an. Gleich mir trug er nun wildlederne Leggins und über einem Lederhemd eine vorne offene Lederweste mit mehreren praktischen Taschen und eine dicke Lederjacke." (S.21)

Die Abenteurer ziehen auch nicht durch die heiße Sandwüste, sondern durch das winterlich kalte Georgien.

Natürlich gibt es auch wieder etliche magische Momente. So stößt Kara Ben Nemsi z.B. auf einen verwunschenen Turm, Marah Durimeh tritt als Erscheinung auf und der Musaddas erweist sich als hilfreich. Der georgische Prinz Dadiani überreicht der Gruppe zwei magische Gegenstände, eine Brosche und eine Tonflöte, die die Kommunikation über große Entfernungen möglich machen. Und schließlich betritt man noch die magische Anderswelt.

Dazu gibt es noch jede Menge Informationen über die georgische Geschichte, die georgische Kultur, die einheimische Religion, das Essen und die Tischsitten.

"Ich bin immer froh, Deutsche zu treffen. Die haben eine alte, ehrwürdige Kultur, fast so alt und ehrwürdig wie die von uns Georgiern. Nicht wie diese amerikanischen Glücksritter, die hier nach Öl suchen und vor allem eines haben: Geld!" (Ein georgischer Bürgermeister, S.234)

Meine Gedanken
Der Roman von Friedhelm Schneidewind fügt sich nahtlos an den Vorgängerband an. Der Autor betritt aber gewissermaßen Neuland, indem er mit Old Firehand eine Figur aus dem Wilden Westen in den Orient versetzt. Auch die Kleidung der Protagonisten weicht von dem gewohnten Orientbild ab. Die Wandlung Old Firehands vom Tierjäger zum Umweltschützer mutet ein wenig sehr gewollt an. Mit Ann Lindsay wird eine bereits eingeführte Figur eingesetzt. Sofie Nelson ist dagegen eine neue Protagonistin, die durchaus stimmig eingeführt wird. Beide Frauen sind allerdings sehr jung. Zum Zeitpunkt der Handlung galten ja noch andere Volljährigkeitsgrenzen als heute. Bis zur Gründung des Deutschen Reiches lag diese Grenze in Deutschland meist bei 25 Jahren und wurde erst 1870 auf 21 Jahre gesenkt. Als Identifikationsfiguren für junge weibliche Leser eignen sich die beiden jedoch hervorragend. Und auch die Lovestory dürfte diese Leserinnen erfreuen.

Irgendwie wirkt der Roman auf mich wie eine Mischung von Gewohntem und neuen Elementen. Es geht einerseits wie so oft darum, die gewissenlosen Machenschaften von Verbrechern und Geschäftemachern zu vereiteln. Andererseits tauchen natürlich auch magische und Übernatürliche Elemente auf.   

Das magische Tor im Kaukasus
Karl Mays Magischer Orient Bd. 8
von Friedhelm Schneidewind
Cover: Elif Siebenpfeiffer
479 Seiten
ISBN 978-3-7802-2508-5
EURO 20.-
Karl-May-Verlag 2019

Kommentare  

#1 Rüdiger 2021-01-09 11:45
Lieber den guten alten Karl May im Original lesen als sowas. Hab's 1 x versucht. Ist nicht meins.
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#2 matthias 2021-01-09 17:06
zitiere Rüdiger:
Lieber den guten alten Karl May im Original lesen als sowas. Hab's 1 x versucht. Ist nicht meins.

von welchem "Original" sprichst Du? Bamberg, Fehsenfeld oder die frühen Kolportage Ausgaben?
Ich habe den obigen Text (o.ä.) auch nicht versucht, mache ich auch nicht, aber die frühen Originale von Karl May sind auch nicht so gut lesbar. Besser als die Verballhornung von heute sicherlich. Naja, sagen wir mal: Anders!
Was gefällt, sollte jeder für sich entscheiden!
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#3 Rüdiger 2021-01-09 18:45
zitiere matthias:

von welchem "Original" sprichst Du? Bamberg, Fehsenfeld oder die frühen Kolportage Ausgaben?

Nicht Bamberg.
Daß es auch bei Pustet und möglicherweise auch bei Fehsenfeld Eingriffe gab (bei Fehsenfeld eher nicht), weiß ich.
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