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Ein Jahrbuch des Grauens - Horror-Legionen 2

Horror-Legionen 2Ein Jahrbuch des Grauens
Horror-Legionen 2

Jahrbücher oder auch Almanache haben einen lange Tradition.

Im Bereich Horror hat der Amrun-Verlag auf diese zurückgegriffen.

Mit den Horror-Legionen soll jeweils eine Übersicht über die ganze Bandbreite des Genres innerhalb eines Jahres geboten werden.


Einführung
Der Amrun Verlag von Jürgen Eglseer hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von hochinteressanten Anthologien auf den Markt gebracht. Dazu gehören z.B. die Bände der Reihe "Mängelexemplare", die jeweils thematisch ausgerichtet sind. Ein anderes Konzept wird in den Horror-Legionen verfolgt. In der Einleitung macht der Herausgeber Christian Sidjani deutlich, was den Leser erwartet.

"Bevor du dich in die Geschichten stürzt, möchte ich dich etwas fragen:
Was ist Horror für dich? Aus welchen Elementen muss eine Geschichte bestehen, damit sie für dich zum Genre gehört? Bedarf sie übersinnlicher Phänomene oder doch eher eines realen, menschlichen Grauens? Muss sie unheimlich oder mit viel Blut und anderen Körperflüssigkeiten angereichert sein? Historisch, aktuell oder futuristisch? Mit einer knallharten, modernen Sprache oder doch eher im traditionellen Schreibstil?
Damit du es gleich weißt: In diesem Buch findest du all diese Elemente und noch mehr."

Insgesamt 18 Geschichten sind dem Grauen gewidmet. Unter den Autoren finden sich sowohl bekannte Namen als auch neue aufstrebende Talente. Markus K. Korb, Malte S. Sembten, Arthur Gordon Wolf, Michael Schmidt und Tobias Bachmann sind den Lesern seit Jahren ein Begriff, Michael Dissieux, Rona Walter, André Wegmann und Melissa Schwermer werden dagegen nicht jedem bekannt sein. Die Geschichten stehen aber nicht wahllos nebeneinander, sondern Christian Sidjani hat sie so angeordnet, dass sie die seiner Meinung nach größte Wirkung entfalten. Ziel des Herausgebers ist es, einen aktuellen Überblick über das Genre Horror zu geben und einen Querschnitt der dort tätigen Autoren zu zeigen.

Das ansprechende Cover wurde von Mark Freier gestaltet.

Die Geschichten
Tobias Bachmann und Markus K. Korb eröffnen mit "Das Zimmer in Venedig".  Die Lagunenstadt Venedig in einem frostigen Januar ist die Kulisse für ihre Erzählung. Marco aus Deutschland versucht seine Trauer hinter sich zu lassen. Nach dem Tod seiner Frau Sabine sucht er neuen Lebensmut. Er mietet ein Zimmer mit Blick auf die Lagune. Den Tip hat er von einer Frau im Hotel bekommen. Doch sein neues Zuhause hat eine Vorgeschichte. Dort hat sich eine Frau aus Liebeskummer umgebracht. Und schon bald plagen Marcus Träume und Visionen.

Vincent Vosss macht uns in "K9K" mit der Welt der Hundehalter, der Hundehasser und der militanten Tierschützer bekannt.

Arthur Gordon Wolf zeigt in "Quids" eine Probe seines Könnens. Der australische Busfahrer Robert Diefenbach fährt seine übliche langweilige Tour. Doch an diesem Tag passieren ungewöhnliche Dinge. Zuerst ist eine Brücke gesperrt, ein Kollege hat dort offensichtlich Schwierigkeiten gehabt. Wie sich herausstellt, ist einer seiner Fahrgäste unter merkwürdigen Umständen von der Brücke gesprungen. Doch es kommt noch schlimmer. Ein Mann rennt auf die Fahrbahn genau vor den Bus. Die Vollbremsung kommt zu spät. Der Mann ist schwer verletzt. Der geschockte Diefenbach wird abgelöst und soll am nächsten Tag zur psychologischen Begutachtung. Nachts hört er merkwürdige Geräusche. Und am nächsten Morgen hat die Welt sich ziemlich verändert. 

Melisa Schwermer nimmt uns in "Das glitzernde Ding" mit in die Welt von Jonathan. Der Junge ist auf dem Weg nach Hause. Aus dem Zugfenster sieht etwas im Wald glitzern. Eigentlich hat er Hausarrest, aber als seine allein erziehende Mutter weg muss, macht er sich auf den Weg, um den Schatz zu bergen. Unterwegs begegnet er zwei Mädchen aus der Nachbarschaft, die er jedoch abwimmeln kann.

Mit einem alten Fluch bekommen wir es bei Michael Disseux in "Das verlassene Dorf" zu tun. Zwei Freunde besuchen ein aufgegebenes Dorf in der Nähe von Gloucester. Laut einer alten Legende soll sich dort alle paar Jahre "Das Böse" zeigen. Tatsächlich finden sie in den Häusern überall Pentagramme. Sie beschließen die Nacht dort zu verbringen.

Malte S. Sembten macht uns in "Der Gott der Tränen" mit Tlatloc bekannt. Sein Name ist ein Künstlername, der auf den aztekischen Gott der Tränen zurückgeht. Der sadistische Eigenbrötler hat sich einen Folterkeller unter seinem Haus eingerichtet. Eines Tages bekommt er Besuch von einem Glühbirnenhausierer. Er kauft gleich einen ganzen Karton. In einer der Birnen steckt ein merkwürdiger Falter. Durch Zufall entdeckt er, dass diese Birnen Seelenfänger sind. Jede Seele sieht anders aus. Das weckt seinen Forschungsgeist. Schließlich macht er sich auf die Jagd nach einem Serienmörder.

Mit Dinosauriern bekommen wir es bei Oliver Susami zu tun. In "Tyrannosaurus Rex"  hat der Schüler Tim nicht nur mit garstigen Mitschülern zu kämpfen, sondern auch mit dem langweiligen Unterricht der Frau Speckhaus. Er vertreibt sich die Zeit damit, mit seinem Zirkel Figuren in seinen Tisch zu kratzen. Besonders stolz ist er auf seinen Tyrannosaurus Rex. Eines Tages findet er einen zweiten Saurier auf dem Tisch.

In die Welt der Wissenschaft geht es bei Xander Morus. In "Projekt März" stößt die Studentin auf ungeahnte Widerstände als sie sich an die Auswertung alter Unterlagen machen will. Doch sie bleibt hartnäckig. Damals ging es um die Erforschung der menschlichen Seele.

Daniela Herbst taucht in "Noras Baby" in die Welt einer asozialen Familie. Die Tochter wird von Vater und Bruder mißbraucht. Jetzt ist sie schwanger.

Bei Sönke Hansen geht es in "Baba Yaga" ebenfalls um Schwangerschaft. Weil sie sich mit ihrer Unfruchtbarkeit nicht abfinden will, sucht Sarah eine Hexe auf. Tatsächlich wird sie schwanger, doch die Alte fordert ein Kinderleben als Ausgleich. 

Bei Malar Wintar wird es in "Das Lächeln meiner Schwester" psychologisch. Nach dem Tod ihrer Schwester ist Frauke aus dem Gleichgewicht gebracht. Ihre egoistische Mutter trägt mit ihren Vorwürfen nicht dazu bei, sie wieder aufzurichten. Als der Nachbar dann auch noch ihre Avancen zurückweist, bricht sie zusammen. Doch alles ist ganz anders als man denkt.

In die Tiefen des Weltalls geht es mit Fred Ink in "Omega Tau 3". Auf der Erde herrscht Krieg. Eine der Fraktionen hat eine Expedition in ein fremdes Sonnensystem geschickt. Dort sollen wertvolle Rohstoffe abgebaut werden, mit denen der Sieg ermöglicht werden soll. Einer der Teilnehmer tauscht Botschaften mit seiner linientreuen Frau aus. Die Verluste durch Unfälle sind von Anfang an hoch, doch dann stößt man auf außerirdische Artefakte.

Um die romantische Urlaubsreise von Max und Helena nach Kroatien und die Folgen geht es in "Max" von Michael Schmidt.

"Des Henkers Notizbuch - Highwayman" von Rona Walter führt die Leser in ein schottisches Dorf. Dort taucht eines Tages ein Fremder auf. Und in der Nachbarschaft befindet sich ein Moor. Außerdem gibt es noch Feen.

Mit einem romantischen Abend für Clara und Lucien beginnt "Das Ding aus einer ganz anderen Welt" von Tony Lucifer. Während er sich noch im Bad frisch macht, wartet sie schon im Bett. Tja, und dann hört sie ein merkwürdiges Geräusch unter der Schlafstatt und macht den Fehler nachzuschauen.

In "Albino Devil" von André Wegmann machen drei Pärchen Urlaub in Rumänien. Abends am Lagerfeuer vor den Zelten erzählt Dominik eine alte Legende. In dieser Gegend soll vor langer Zeit ein unheimliches Albinobaby geboren worden sein. Dieses Kind wuchs auf und wurde ein richtiger Menschenfresser. Seitdem verschwinden in der Gegend immer wieder Menschen. Nachts hören  Carsten und Natalie unheimliche Geräusche.

In "Der Soldat und sein Henker" von C. Auguste lernt der brutale Jack in einer Bar die aufregend schöne und willige Pamela kennen.

In "Zirkusmädchen" von Isabell Schmitt-Egner geht es Kindesmißbrauch. Ein Zirkus gastiert in der Stadt. Ein Geistlicher sieht darin seine Chance, ein scheinbar zurückgebliebenes kleines Mädchen in sein Haus zu locken. Dort will er ihr Drogen verabreichen und sich an ihr vergehen.

Fazit
Wie man sehen kann, geht es äußerst abwechslungsreich zu in Horror-Legionen 2. Das Ziel eine Übersicht über die ganze Breite des Genres zu geben wird voll und ganz erreicht. So ist für jeden Geschmack etwas dabei. Es fällt schwer sich da einzelne Geschichten besonders herauszugreifen. Melissa Schwermer hat es mit ihrer Story bis in die Endauswahl des Vincentpreises 2014 geschafft und auch die Legionen selbst sind dort zu finden. Meine Ausgabe des Bandes nennt als Erscheinungsjahr allerdings 2015, bei Amazon wird jedoch Dezember 2014 angegeben. Mich hat Horrorlegionen 2 gut unterhalten.

Horror-Legionen 2Die Beiträge

  • Tobias Bachmann/Markus K. Korb, Das Zimmer in Venedig
  • Daniela Herbst, Noras Baby
  • Michael Schmidt, Max
  • Mala Wintar, Das Lächeln meiner Schwester
  • Vincent Voss, K9K
  • Fred Ink, Omega Tau 3
  • Tony Lucifer, Das Ding aus einer ganz anderen Welt
  • Rona Walter, Highwayman
  • Oliver Susami, Tyrannosaurus Rex
  • C. Auguste, Der Soldat und sein Henker
  • Xander Morus, Projekt März
  • André Wegmann, Albino Devil
  • Melisa Schwermer, Das glitzernde Ding
  • Arthur Gordon Wolf, Quids
  • Sönke Hansen, Baba Jaga
  • Michael Dissieux, Das verlassene Dorf
  • Isabell Schmidt-Egner, Zirkusmädchen
  • Malte S. Sembten, Gott der Tränen

Horror-Legionen Band 2
Christian Sidjani (Hrsg.)
Umschlaggestaltung: Mark Freier
ISBN 978-3-944729-70-1
Euro 12,90
392 Seiten
Amrun Verlag 2015

Kommentare  

#1 Des Romero 2016-01-07 00:36
Ich hoffe, das Buch ist erfolgreich, obwohl ich nur in Band 1 vertreten bin ;-)
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