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Eine Legende wird vierzig Jahre alt - Die Textveränderungen in den Dorian Hunter-Büchern

Dämonenkiller zum 40.Eine Legende wird 40 Jahre alt
Zum Ersten: Die Textveränderungen ...

...in den Dorian Hunter-Büchern

Derzeit erscheint meine Artikel-Reihe „Kürzungen in der DK-Neuauflage“. Ich setze mich darin mal wieder intensiv mit den Romanen auseinander. Da fiel mir ein, dass Kurt Luif in einer E-Mail über Textveränderungen im Dämonenkiller (aber nicht bei Pabel, sondern bei Zaubermond) in der Buchausgabe beim Zaubermond Verlag mir folgendes schrieb:

 

„Zu Band 12 habe ich ohnedies ein gestörtes Verhältnis. Das habe ich ja schon ausführlich erzählt. Ich weigerte mich die Buchausgaben zu lesen, dann vor etwa 5 Jahren sah ich mir die ersten Bände flüchtig an, konnte mich aber nicht aufraffen, sie zu lesen. Dann kam ich zu Band 12, las den Anfang und bekam einen Wutanfall, eine der wenigen Szenen, die ich gern geschrieben hatte, war total entstellt worden, ich glaube,  da wird ein Kaufhaus gebaut und nicht die U-Bahn! Damit war für mich die Buchausgabe gestorben“.

Also suchte ich das DK-Heft Nr. 12 und das Zaubermond-Dorian-Hunter-Buch Nr. 3, in dem sich der DK-Roman Nr. 12 befindet, und blätterte ein wenig in beiden.

012In DK-Heft 12  „Das Mädchen in der Pestgrube“, Seite 5, 1. Spalte, 1. Absatz – Seite 6, 1. Spalte, 4. Absatz findet man folgenden Anfang:

Die riesige Baugrube vor dem Haupteingang des Stephansdoms war alles andere als ein hübscher Anblick. Die Touristen hatten einige Mühe, den Dom auf ihre Filme zu bannen, ohne allzuviel von den stö­renden Kränen und Baumaschinen draufzubekommen.
Es wurde Tag und Nacht gebaut. Der Lärm war ohrenbetäubend, Fritz Heller hatte sich jedoch schon seit vielen Jahren an ihn gewöhnt. Er hielt den vibrierenden Preßluftboh­rer in seinen riesigen Pranken und war mit seinen Gedanken nicht sehr bei der Arbeit.
Heller war ein bulliger Mann von etwa Fünfzig. Er trug einfache blaue Hosen und ein schmutziges weißes Leibchen. Auf seinem gewaltigen Schädel saß ein gelber Schutzhelm. Heller war ein einfacher Mann. Er liebte ein kühles Bier zum Essen, ging gern zum Heurigen und beschäftigte sich kaum mit Politik. Doch heute dachte er darüber nach, wie es möglich sein konnte, daß der Bürgermeister noch vor kurzer Zeit erklärt hatte, daß Wien keine U-Bahn benötige; und nun war er einer der unzähligen Arbeiter, die damit beschäftigt waren, sie zu bauen.
Er schüttelte den Kopf und bohrte weiter.
„Verdammt noch mal!“ rief er wü­tend, als er ein Stück eines Oberschenkelknochens freilegte.
Vor vielen hun­dert Jahren hatte sich rund um den Dom der soge­nannte St. Ste­phans Freithof be­funden. Das war in jener Zeit gewesen, als die innere Stadt noch eine Mauer umgab und sich je­der innerhalb der Stadtmauer hatte bestatten lassen wollen. Bei den Pestseuchen hatte man die Toten ganz einfach in riesige Gruben geworfen und zugeschüttet. Daher stieß man jetzt immer wieder auf Knochen und Schädel, die ge­sammelt und in den Katakomben des Dorns bestattet wurden.

003Im DH-Buch Nr. 3 findet man auf Seite 190:

Die riesige Baugrube ganz in der Nähe vom Haupteingang des Stephansdoms war alles andere als ein hübscher Anblick. Die Touristen hatten einige Mühe, den Dom auf ihre Filme zu bannen, oh­ne allzuviel von den störenden Kränen und Baumaschinen draufzubekommen. Hinzu kam der schier ohrenbetäubende Krach.
Fritz Heller hatte sich jedoch schon vor vielen Jahren an den Lärm gewöhnt. Er hielt den vibrierenden Preßluftbohrer in seinen riesigen Pranken und setzte ihn immer wieder an, ohne mit seinen Gedanken sonderlich bei der Arbeit zu sein. Er war ein bulliger Mann von etwa fünfzig Jahren, trug einfache blaue Hosen und ein schmutziges weißes T-Shirt. Auf seinem gewaltigen Schädel saß ein gelber Schutzhelm. Heller war ein einfacher Mann. Er liebte ein kühles Bier zum Essen, ging gern zum Heurigen und beschäftigte sich kaum mit Politik. Deshalb war es ihm auch egal, daß eine angeblich historische Häuserzeile mitten in der Wiener Innen­stadt zur Hälfte abgerissen worden war, um Platz für den Prunkbau irgendeines Versicherungskonzerns zu schaffen, für den er gerade mithalf, das neue Fundament auszuheben. Immerhin sicherte der Großauftrag seinen Arbeitsplatz in der angeschlagenen Baubran­che, und das war alles, was für ihn zählte.
»Verdammt noch mal!« rief er wütend, als er ein Stück eines Oberschenkelknochens freilegte.
Vor vielen hundert Jahren hatte sich rund um den Dom der so­genannte St. Stephans Freithof befunden. Das war in jener Zeit gewe­sen, als die innere Stadt. noch eine Mauer umgab und sich jeder innerhalb der Stadtmauer hatte bestatten lassen wollen. Während der Pestepidemien hatte man die Toten ganz einfach in riesige Gruben geworfen und zugeschüttet. Daher stieß man jetzt immer wieder auf Knochen und Schädel, die gesammelt und in den Kata­komben des Doms bestattet wurden. Schon als vor vielen Jahren die Wiener U-Bahn gebaut worden war, hatte es ähnliche Probleme gegeben, wie er aus den Schilderungen älterer Kollegen wußte.

Folgender weiterer Text stammte aus DK-Heft 12, Seite 15, 1. Spalte, 15. Absatz – Seite 16, 1. Spalte, 1. Absatz:

Das Frühstück verlief ziemlich schweigsam. Ich trank zwei Tassen Kaffee, während Helnwein ausgie­big aß. Kurz nach neun Uhr fuhren wir los. Helnwein saß hinter dem Steuer seines klapprigen Volkswagens. Er war ein überraschend siche­rer Fahrer, der sich nicht sehr an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt. Auf dem Parkplatz vor der Oper stellten wir den Wagen ab. Wir stie­gen aus und gingen die Kärtner­straße entlang, die direkt zum Ste­phansplatz führt. Wir sprachen nicht viel miteinander. Gelegentlich blick­te ich in eine Auslage und beobachte­te die Passanten.
Einige Minuten vor zehn Uhr er­reichten wir den Stephansplatz, und ich blieb überrascht stehen. Eine rie­sige Baugrube lag vor uns.
„Sieht nicht besonders schön aus, was?“ fragte Helnwein.
„Das kann man wohl sagen“, mein­te ich.
„U-Bahn-Bau“, sagte Helnwein er­klärend. „Wie alles in Wien kommt sie zu spät. Ich werde wohl kaum mehr erleben, daß eine Linie fertig wird. Unsere Stadtverwaltung ist so ziemlich das letzte, was man sich vorstellen kann. Würde man ein paar dressierte Affen ins Rathaus setzen, würde man keinen Unterschied mer­ken.“
Ich lachte.
„Sie können gut lachen, Hunter“, sagte Helnwein. „London hat seit vielen Jahrzehnten eine U-Bahn. Manchmal glaube ich tatsächlich, daß in Wien der Balkan anfängt.“ Helnwein seufzte. „Aber es hat kei­nen Sinn, sich aufzuregen. Bei den nächsten Wahlen wird sich auch nichts ändern. Da präsentieren alle Parteien tolle Programme, und wenn die Wahlen vorbei sind, verschim­meln die Pläne in irgendeiner Lade. Wenn ich etwas zu sagen hätte, wür­de man alle Politiker...“ Er winkte mit der rechten Hand resigniert ab. „Sehen Sie sich nur die Arbeiter an! Die stehen alle wie Denkmäler herum.“
Brummend ging er unter einem Bretterverschlag durch, und ich folgte grinsend.
Wir betraten den Dom. Ich hatte ihn schon einmal vor einigen Jahren besichtigt und fand ihn sehr ein­drucksvoll. Vor einer Stiege im lin­ken vorderen Seitenschiff des Doms blieben wir stehen. Auf einer Tafel stand: Nächste Führung zehn Uhr. Eintritt für Erwachsene acht Schil­ling.

Im Zaubermond DH-Buch Nr. 3 steht  auf Seite 204 folgendes:

Das Frühstück verlief ziemlich schweigsam. Ich trank zwei Tassen Kaffee, während Helnwein ausgiebig aß.
Kurz nach neun Uhr fuhren wir los. Helnwein saß hinter dem Steuer seines klapprigen Volkswagens. Er war ein überraschend sicherer Fahrer, der sich nicht immer an die Geschwindigkeitsbe­grenzung hielt. Auf dem Parkplatz vor der Oper stellten wir den Wagen ab. Wir stiegen aus und gingen die Kärntnerstraße entlang, die direkt zum Stephansplatz führt. Wir sprachen nicht viel mit­einander. Gelegentlich blickte ich in eine Auslage und beobachte­te die Passanten. Einige Minuten vor zehn Uhr erreichten wir den Stephansplatz. Eine Baugrube nahm eine Seite des Platzes ein.
Wir betraten den Dom. Ich hatte ihn schon einmal vor eini­gen Jahren besichtigt und fand ihn sehr eindrucksvoll. Vor einer Stiege im linken vorderen Seitenschiff des Doms blieben wir stehen. Auf einer Tafel stand: Nächste Führung zehn Uhr. Eintritt für Erwachsene acht Schilling.

Ich habe das DK-Heft Nr. 12 und das DH-Buch Nr. 3 nicht weiter durchgelesen, aber ich nehme man an, dass noch weitere Textzeilen in Bezug auf den U-Bahn-Bau geändert worden sind.

020Im DK-Heft Nummer 20 „Bei Vollmond wird gepfählt“  hatte ich einen groben Fehler „Hawaii“ statt „Haiti“ von Walter Appel gefunden und dieser war in DK-Neuauflage auch nicht korrigiert worden. Also dachte ich mir, schaue mal nach, was Zaubermond daraus gemacht hat:

Im DK-Heft Nr. 20, Seite 7, 1. Spalte, 2 – 4. Absatz steht folgendes:

An sich hätte Dorian Hunter zu­frieden sein können. Sein Kampf gegen die Schwarze Familie war von großem Erfolg gekrönt gewesen, als er auf Hawaii Asmodi, den Herr­scher aller Dämonen, vernichtete. Zuvor hatte Dorian zwar im Kampf gegen den Moloch, Asmodis schreck­lichstes Geschöpf, seine Unsterblich­keit verloren, doch daran lag ihm wenig. Der Tod nach einem langen, erfüllten Leben ist eine Gnade, und ein Fluch ist es, dem Ewigen Juden Ahasver gleich durch die Zeitalter zu streifen.
Der Dämon Olivaro, der Dorian ein paarmal geholfen, in Wirklichkeit aber Dorians Kampf gegen die Schwarze Familie für seine Zwecke ausnutzte - er wollte als Magus. VII der Fürst der Finsternis werden - hatte in Moment genug mit den üb­rigen Mitgliedern der Schwarzen Familie zu tun, die ihn nicht aner­kennen wollten und ihn versteckt und offen bekämpften.
Die Inquisitions-Abteilung hatte daher im Augenblick wenig Arbeit, wenn es auch nur eine Atempause im Kampf gegen die Mächte der Fin­sternis sein konnte.

005Folgenden Text fand ich auf Seite 180 im Dorian Hunter-Buch 5:

An sich hätte er zufrieden sein können. Olivaro hatte im Moment genug mit den übrigen Mitgliedern der Schwarzen Familie zu tun, weshalb die Inquisitionsabteilung zur Zeit ohne große Arbeit war - wenn es auch nur eine Atempause im Kampf gegen die Mächte der Finsternis sein konnte.

Nun, sie haben den Fehler korrigiert, aber auf eine Art, die mir nicht besonders gefällt.

Sie haben den Text einfach um zwei Absätze gekürzt, ob sie wichtig für die Handlung sind, sei dahin gestellt, aber ich glaube mich dran zu erinnern, dass ich in einer Zaubermond-Werbung etwas von „ungekürzt“ gelesen habe.

Sollte ich mal Lust und Zeit haben, werde ich mal die DK-Hefte mit den Zaubermond-Büchern vergleichen.

Mal sehen, was ich dann so finde…

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2014-06-21 12:01
Die erste Änderung legt den Finger auf ein Problem, das man immer häufiger bei Neuausgaben findet, gerade auf dem E-Book-Sektor. Die Manie, Handlungen an die Zeit anzupassen.

Also stecken die Helden manchmal (heute)das Handy statt (damals) der Taschenuhr in die Tasche. So gesehen bei Nancy Collins' Sonja Blue Kindle-Ausgabe. Das ist ziemlich albern, weil man bewusst ignoriert, dass unsere heutige Technologie gerade krimiähnliche Handlungen oft obsolet macht. DNS-Analyse macht den Plot des Erben, der vielleicht unehelich ist oder auch nicht und darum seinen Anspruch nicht beweisen kann - in zig Krimis gelesen -, ungenießbar. Einfach Requisit A durch B zu ersetzen wirft nur mehr Fragen auf, als es löst.

Die Zaubermond-Romane haben mit dem Zahn der Zeit schwer zu kämpfen gehabt und da ausgesprochen kleinkarriert gearbeitet. Man kann lange und kontrovers darüber diskutieren, ob es wirklich dem Roman dient, aus Sullivans Fernschreiber ein Fax-Gerät zu machen und aus der U-Bahn eine beliebige Baustelle, und zugleich bei den neuen Romanen die veränderte Welt beharrlich zu ignorieren, statt das als Sprungbrett für bessere Geschichten zu begreifen.

Die zweite Änderung ist aber ein anderes Problem. Genau wie bei den Rhodan-Silberbänden wollte man einen möglichst glatten Text daraus machen. In einer Buchausgabe will man nicht 5mal die gleiche Zusammenfassung der DK-Story lesen. Auch in einer "ungekürzten" Ausgabe muss man so etwas glätten. Sonst hast du einen Wühltischsammelband und kein Buch für 19.95.
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