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Der Alte - Erwin Kösters Fälle: Folge 10 - Erkältung im Sommer

Der Alte: Erwin Kösters FälleFolge 10
Erkältung im Sommer

Rolf und Renate Assenau leiten eine bedeutende Tanzschule, haben es als Turniertänzer zu Ruhm und Ansehen gebracht und sind, allem Anschein nach, auch glücklich verheiratet. Doch eines Tages geschieht etwas Unerwartetes: während eines gemeinsamen Auftrittes schießt jemand auf sie. Hauptkommissar Köster wird eingeschaltet. Er befragt das Ehepaar, stellt Recherchen an, lässt sie überwachen und kann sich schließlich genauso wenig wie das Ehepaar Assenau einen Reim darauf machen, wer den beiden ihr Glück missgönnt.

Köster ist krankDoch von da an ist es um die Ruhe der Assenaus geschehen, denn ein Unbekannter ruft regelmäßig an und droht mit Mord. Und eines Tages geschieht tatsächlich ein Mord. Da weiß Köster plötzlich, dass er einen Fehler gemacht hat. Er hat versäumt, hinter die strahlende Fassade der Ehe zu blicken ... (1)

Unglücklicher Titel
 
Der Titel "Erkältung im Sommer" ist recht einfallslos und ergibt sich lediglich dadurch, dass Köster zu Beginn der Folge eine Erkältung durchmacht, von der man aber im weiteren Verlauf des Films nichts mehr merkt. Es hat mit der Handlung rein gar nichts zu tun. Ein Titel wie "Doppeltes Spiel" oder "Die Pläne des Anderen" wäre passender gewesen.

Das Drehbuch schrieb Oliver Storz, der insgesamt 4 Folgen zur Serie beisteuerte und auch am ersten Fall "Die Dienstreise" beteiligt war. Storz schrieb viele Fernsehspiele und Krimis. Unter anderem auch den Haferkamp-TATORT "Der Mann aus Zimmer 22". Seine bekannteste Arbeit dürfte aber die Serie "Raumpatroullie - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes ORION" sein, die er unter dem Pseudonym W. G. Larsen schrieb. Storz wurde am 30.04.1929 geboren. Seine aktuellste Arbeit ist das Drehbuch zum Fim "Die Frau, die im Wald verschwand" (2009).
 
Gute Story im engen Rahmen (SPOILER!)
 
Die Geschichte beginnt etwas zäh, steigert sich aber im weiteren Verlauf zunehmend. Eigentlich wirkt die Folge etwas arg in den 60-Minuten-Rahmen gepresst. Vom Stil und der Machart her hätte es zum Beispiel mit 30 Minuten mehr Spielzeit auch ein guter TATORT werden können. So aber wird alles in 60 Minuten abgehandelt, was etwas wenig Raum für die recht komplexe Story bietet. Der Zuschauer ist stets mit dem Täter auf der Spur. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in Wahrheit ist es Assenau selbst, der einem Unbekannten den Auftrag gab, auf ihn zu schießen und ihn zu bedrohen. Alles soll so aussehen, als hätte es jemand auf sein Leben abgesehen. Am Ende soll dann seine Frau erschossen werden, und die Polizei soll glauben, er wäre eigentlich das Opfer gewesen. Darüber wird im Verlauf der Handlung kein Hehl gemacht.

Der Zuschauer erlebt auch mit, wie Frau Assenau vom Täter in ihrem Wagen überrascht wird. Der hat sich inzwischen in die aparte reife Dame verliebt und macht ihr ein unmoralisches Angebot: Anstatt sie soll ihr Mann sterben, damit sich Frau Assenau und der Killer ein feines Leben machen können. Denn Geld hat die Assenau ja. Frau Assenau spielt das Spiel mit. Doch wirklich lieben tut sie den Killer nicht. Sie versucht ihn am Ende mit allen Mitteln loszuwerden. Schließlich betäubt sie ihn und verbrennt ihn in seinem Wagen.

Köster weiß ebenfalls, wo der Hase langläuft. Er verdächtigt sofort Herrn Assenau, die Überfälle nur fingiert zu haben. Dies verschweigt er jedoch. Als Assenau ermordet wird, denkt er aber nicht um, sondern eben weiter und verdächtigt Frau Assenau, mit dem Killer gemeinsame Sache zu machen. Der Zuschauer weiß somit Bescheid, und Köster auch. Die Frage ist nur, wie Köster den Fall klärt. Die ganze Folge über ist Köster der Frau Assenau einen Schritt voraus, und der Zuschauer glaubt, die Lösung des Falles wäre ein Kinderspiel. Doch mit dem Tod des Killers kippt der Fall. Köster kann Frau Assenau nichts mehr beweisen und steht mit leeren Händen dar.

Dies ist der erste ungelöste Fall für Köster. Die Täterin entkommt am Schluss. Und Köster sagt nur: "Irgendwann sehen wir uns wieder, und dann kriege ich Sie. Fühlen Sie sich nicht so sicher". Die Folge zeigt deutlich, dass Köster kein fehlerfreier Ermittler ist, sondern durchaus Fehler während der Ermittlungen macht. Er fühlt sich zu sicher, die Frau überführen zu können. Daraus entwickelt sich zudem ein interessantes Psychoduell: Köster - Frau Assenau. Später in der Reihe wird Köster noch zweimal mit ungelösten Fällen konfrontiert. Er ist damit der TV-Ermittler mit den meisten ungelösten Fällen innerhalb von 100 Folgen. Zum Vergleich: Derrick hatte erst in Folge 200 seinen ersten ungelösten Fall.

Anaid Iplicjian spielte in Krimis stets die starke und überlegene Frau, die zunächst unscheinbar wirkt, aber am Ende von den Machenschaften der anderen profitiert. So auch in diesem Köster, der als sehr gelungen bezeichnet werden kann und nur durch den strengen 60-Minuten-Rahmen etwas leidet.
 
 
Darsteller:  Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Anaid Iplicjian, Christian Quadflieg, Helmut Lohner, Charlotte Kerr, Werner Schnitzer u. a.
 
Buch: Oliver Storz Titelmusik: Peter Thomas Produzent: Helmut Ringelmann, Regie: Alfred Vohrer. Eine Produktion der Telenova Film und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstausstrahlung: 27.01.1978 (ZDF)

Diese Folge ist enthalten auf der DER ALTE-Collector´s Box Vol .1
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(1) Quelle 3sat
(c) by author

 

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