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Der Kommissar und seine Mörder - Folge 30: Besuch bei Alberti

1Folge 30
Besuch bei Alberti

Firmeninhaber Alberti benimmt sich kurz nach Feierabend etwas merkwürdig gegenüber seinem Angestellten Sidessen, der Überstunden macht, weil seine Frau ihn später als gewöhnlich vom Büro abholt. So wird er beinahe Zeuge eines Mordes, kann aber den mutmaßlichen Mörder stellen. Die Kripo wird geholt, und Kommissar Keller rekonstruiert das Geschehen der letzten Minuten. 


Er erfährt eine Menge überraschender Dinge, die ihm schließlich das Gefühl geben, einem Phantom nachzujagen. (1)

Gut und spannend
Eine gute und spannende Folge, die allerdings auch viele Fragen hinterlässt. Reinecker versucht sich gewissermaßen als Durbridge, indem er eine Handlung entwirft, die zunächst verworren wirkt und nur einen Mann als Mörder möglich macht. Doch dieses wäre zu einfach. Das weiß nicht nur der Kommissar, sondern auch der erfahrene Zuschauer. Die Auflösung ist deshalb das mit Spannung erwartete Moment.


Fragen, nichts als Fragen
Natürlich steckt am Ende mehr hinter der Geschichte. Der Kommissar kann Frau Alberti stellen, die ein Verhältnis mit dem Neffen des Firmenbosses hatte. Gut und schön. Ende der Folge und die Musik setzt ein. Aber wie um Gottes Willen war das alles in so kurzer Zeit möglich. Ein User des Freundeskreises "Der Kommissar" hat einen Katalog mit den offenen Fragen entworfen:

  • Wie ist die Gattin ins Büro ihres Mannes gekommen? Der Buchhalter war doch die ganze Zeit da, er hätte sie doch sehen müssen, denn als er ging, war sie längst im Büro.
  • Wie sind Gattin und Neffe wieder aus dem Haus gekommen? Jedenfalls nicht durch die Tür und wohl auch nicht via Fahrstuhl durch den Keller, denn das hätte der Buchhalter und der Hausmeister bemerken müssen. Vor der Tür stand die Frau des Buchhalters, da konnten sie auch nicht raus, während die Verfolgungsjagd im Keller ablief. Also via Dachboden?
  • und die dritte Frage, nämlich warum der Kommissar nicht einfach die Hände des Bruders auf Schmauchspuren untersucht hat, sparen wir uns zu Gunsten der Dramaturgie.

Gedreht 1970, Erstsendung 29.1.1971
Arbeitstitel: Der letzte Besucher (2).

mit Carl Lange, Christine Wodetzky, Klaus Schwarzkopf, Herbert Mensching, Stephan Stroux, Angela Hillebrecht u.a.
Stab: Regie: Wolfgang Staudte - Buch: Herbert Reinecker - Titelmusik: Herbert Jarczyk, Musik: Peter Thomas, Mungo Jerry: In The Summertime; San Francisco Bay, Harmony Grass: Cecilia Neue Münchner Fernsehproduktion 1970 im Auftrag des ZDF

(1)= 3sat
(2)= Freundeskreis Der Kommissar

Foto: 3sat

© by author (Rezensionstext)

Vorheriger Fall: Der Kommissar und seine Mörder - Folge 29: Der Moormörder
Nächster Fall: Der Kommissar und seine Mörder - Folge 31: Ende eines Tanzvergnügens

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2014-10-04 13:01
Zitat:
•und die dritte Frage, nämlich warum der Kommissar nicht einfach die Hände des Bruders auf Schmauchspuren untersucht hat, sparen wir uns zu Gunsten der Dramaturgie
Also wenn es darum geht, wäre die Hälfte der Episoden nach 10 Minuten rumgewusel vom CSI zu Ende. :D Ist schon interessant, wie total sich der Krimi und seine Erzählweise in 45 Jahren verändert hat. Dieses ganze "Sie haben Spucke von der nur auf der Osterinsel vorkommenden Krawallechse hinterlassen, die Sie laut der Zolldatenbank als einziger Bürger Europas in den letzten 60 Jahren eingeführt haben" hat den empathischen Kommissar obsolet gemacht. Es sei denn, es geht um irgendein Sozialdrama, dann ist das alles plötzlich wurscht.

Jedesmal, wenn ich gerade in Ami-Krimis diesen selbstgerechten und hysterischen Anti-Raucherscheiß sehe, muss ich an Kommissar Keller denken, der mit Zigarette in der einen und einem Whiskey in der Hand den Bonzen in der - für heutige Verhältnisse so bescheidenen - Bonzenvilla des Mordes überführt. Das mag genauso unrealistisch gewesen sein wie der heutige Kram, aber es hatte Klasse.
#2 joe p. 2014-10-04 13:48
zitiere Andreas Decker:

Das mag genauso unrealistisch gewesen sein wie der heutige Kram, aber es hatte Klasse.

Das sieht man auch daran, dass "Der Kommissar" über die Jahre unzählige Male wiederholt wurde, mittlerweile liegt die Serie ja auf DVD vor. Das Publikumsinteresse ist -verglichen mit der Erstausstrahlung natürlich in Maßen- immer geblieben.
#3 Der Semmelblonde 2015-07-10 15:18
Der Vorhang zu, und alle Fragen offen! Aber ich hatte es eigentlich so verstanden, dass Klaus Schwarzkopf zumindest platonisch verliebt in Frau Alberti war. Meine Theorie ist: ja, er hat sie gesehen, aber aus Liebe hat er geschwiegen. Er hat sie absichtlich entkommen lassen. Aber einen Beweis gibt es natürlich nicht. Ist nur mein eigener Eindruck.
#4 G. Walt 2015-07-10 21:53
Kann sein, das Ende lässt Interpretationen zu.
#5 Schmidt 2024-03-11 15:41
Die Frise der Witwe ist auf alle Fälle sensationell!

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