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Zakary

Zakary - Szenarium für einen Kinothriller

Francis Durbridge war Autor einer großen Anzahl von Romanen, Hörspielvorlagen, und eben auch einem Szenarium für einen Kinothriller für niemand anderen als Dino de Laurentiis. 

Leider wurde aus diesem Szenarium nie ein Film - sehr schade, der hätte mich wirklich interessiert. Umso schöner, dass Williams & Whiting Books die Übersetzung ins Deutsche von Georg Pagitz veröffentlicht hat. 

Georg Pagitz (das Interview mit ihm über Durbridge hier) übersetzt die Werke von Durbridge ins Deutsche, übersetzt neu, wo es alte Übersetzungen bereits gab, und achtet genau darauf, dass auch Teile, die in früheren Übersetzungen herausgenommen wurden, in den neuen Ausgaben enthalten sind. 

Oliver Sheldon hat gerade seine Studien in Oxford abgeschlossen, als ihn sein Onkel unerwartet einem Mann vom Secret Service vorstellt.

Es ist der Sommer 1914, kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, der die Welt verändern wird.

Oliver soll vom Secret Service als Agent angeworben werden, und der junge Mann, der hier die Chance seines Lebens sieht nach Japan zu kommen, stimmt zu. Seine Aufgabe soll es nämlich offiziell sein, dort ein Buch über eines der Lieblingsthemen Olivers zu schreiben. Inoffiziell würde er Informationen für den Geheimdienst sammeln, diese weitergeben und unter dem Decknamen Zakary (daher der Titel des geplanten Thrillers) agieren.

In Japan kann er durch die Bekanntschaft mit einem ehemaligen Studienkollegen aus Oxford, der selbst Japaner ist, in die dortige Gesellschaft eintauchen. 

Sein erster Auftrag besteht darin, Informationen über ein geheimes U-Boot der Japaner zu beschaffen, das schwer bewacht an Ufer liegt. Tatsächlich muss Oliver alles riskieren, um an die gewünschten Daten zu kommen.

Während des Verlaufs des ersten Weltkrieges bleibt Oliver in Japan, dank der Freundschaft zu dem Sohn eines japanischen hohen Militärs kann er sich weiter frei bewegen und Informationen in die Heimat schicken.

Die Geschichte Olivers spannt sich weiter. Nach dem Krieg hält er sich weiterhin in Japan auf, sein Buch ist inzwischen erschienen, und die Familie Yamanashi steht weiterhin mit Oliver in engem Kontakt. 

Langsam wird deutlich, dass sich die Welt verändert. Auch Oliver hat sich verändert. Er sieht sich weiterhin seiner britischen Heimat verbunden, hat jedoch auch Wurzeln in Japan gefunden. Sein Gewissenskonflikt wird offensichtlich, als sich der zweite Weltkrieg anbahnt, und Oliver sich entscheiden muss.

Wie schon die Zusammenfassung zeigt, reicht das Szenarium über ein paar Wochen oder Monate hinaus. Insgesamt sind es 30 Jahre, die in dem Film erzählt worden wären. Es wäre ein Film geworden, der sich von einer Spionagegeschichte zu einer Erzählung über Krieg wandelt, von Ereignissen berichtet wie beispielsweise dem Erdbeben in Japan 1923, und mit dem Zwiespalt, in dem sich Oilver während der zweiten Weltkrieges wiederfinden wird. 

Tatsächlich geht Durbridge in dem Szenarium andere Wege als in seinen bekannten Detektiv-/Kriminalgeschichte, aber gerade das hat für mich den Reiz an dem Buch ausgemacht.

In über 200 Szenen spannt Durbridge die Geschichte auf, teilweise bin hin zu konkret formulierten Dialogen, die den Film bereits im Kopf ablaufen lassen. Es wäre unglaublich interessant gewesen den Film zu sehen. Warum genau es nicht zu der Umsetzung des Projektes gekommen ist, bleibt unklar. 

Pagitz schreibt in seinem Vorwort, dass das Manuskript wahrscheinlich "über mehrere Jahre hinweg durch viele Versionen ging", die Familie gab an, dass er bereits 1960 an dem Szenarium arbeitete, 1962 erhielt er Zahlungen für seine Vorarbeiten zu Zakary.

Mich hat das Buch fasziniert. Es zeigt eine ganz andere Seite von Durbridge als beispielweise Paul Temple oder seine anderen Detektivgeschichten, aber auch sein Können als Komponist von Spannungsbögen, Handlungsfäden und als Erzähler. Dieser Blick "hinter die Kulissen" macht den spannenden Verlauf und Inhalt von Zakary für mich nochmal spannender. Wirklich ein empfehlenswertes Schmankerl.

 

Zakary
von Francis Durbridge
Vorwort, Nachwort, Übersetzung: Dr. Georg Pagitz
Verlag: Williams & Whiting Books
Seiten: 159
Erschienen: März 2025
ISBN: 978-1915887979 
Preis: 11,76€

 

 

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