Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Paul Temple und das Genfer Rätsel

Paul Temple und das Genfer Rätsel

Den meisten Lesern des Zauberspiegels wird Paul Temple in irgendeiner Ecke ein Begriff sein, sei es durch das Fernsehen und die dortige Serie, als Hörspiel oder Hörbuch, von einer DVD von Pidax oder vielleicht sogar tatsächlich durch die Lektüre eines der Krimis, die Francis Durbridge über Paul Temple geschrieben hat.

Paul Temple und Francis Durbridge waren auch Thema eines Interviews, das ich mit Georg Pagitz führte.

Eine der Fragen, die ich Gerog Pagitz im Vorfeld stellte war die, welcher der Romane um Paul Temple wohl der Beste sein könnte, um ein Gefühl für den Protagonisten und seine Entourage zu gewinnen.

Er empfahl mir einige der Romane, die Durbridge über den Schriftsteller und Hobbyermittler geschrieben hat, unter anderem eben jenen um das Genfer Rätsel.

Das Buch besteht, wie alle Bände der Williams & Whiting Books, aus eigentlich zwei Teilen. Da ist zum einen der Textteil, in dem der Text des Romans erstmal ungekürzt in Deutsch erscheint, komplett neu übersetzt von Georg Pagitz. Zum anderen gibt es einen umfangreichen, detaillierten zweiten Teil, in dem Georg Pagitz jede Menge an Begleitinformationen liefert. 

Diese ausführliche Darstellung von Paul Temples Welt und des Romans, der als Hörspiel unter dem Titel "Paul Temple and the Geneva Mistery" zunächst bei der BBC produziert wurde, ist so großartig, dass man hier alles findet, was man braucht, um das Universum des Ermittlers kennenzulernen. 

Paul Temple, natürlich eine Kunstfigur, trat 1938 erstmals in Erscheinung. Da hat er der Polizei zwar bereits bei der Lösung von einem anderen Kriminalfall geholfen, wird jedoch in einen besonders mysteriösen Fall hineingezogen.

Über die Jahre hinweg altert der Detektiv nur geringfügig, wie bei solchen Helden eigentlich üblich. 1971, das Jahr in dem "The Geneva Mystery" in England als Roman erschien, haben Temple und seine Frau Steve (eigentlich Louise Harvey) offenbar noch kein Kind, das in späteren Romanen an einigen Stellen kurz erwähnt wird. 

Das Universum von Paul Temple ist in diesem Roman kleiner als in vielen anderen Romanen, da sich das kriminologische Ehepaar in die Schweiz reist, um dort das namensgebende "Genfer Rätsel" zu lösen. In den anderen Krimis tauchen die klassischen Charaktere auf, die in einem solchen Umfeld zu erwarten sind: Die Polizei bestehend aus einem leitenden Beamten und dem Inspektor, sowie verschiedenem Dienstpersonal der Temples, unter anderem der häufig als Sidekick fungierende Charlie. 

Wer bis hierher gelesen hat wird merken, dass es mir zunächst der Anhang angetan hatte, und ich dort schmökerte, bevor ich in das Genfer Rätsel eintauchte.

Wie bereits beschrieben, führt das Genfer Rätsel Paul Temple und seine Frau Steve in die Schweiz. Der Roman beginnt damit, dass der tragische Unfalltod des Londoner Verlegers Charles Milbourne für Paul Temple von Interesse wird. Es gibt Hinweise darauf, dass er noch lebt, vor allem seine trauernde Ehefrau Margret ist davon überzeugt, dass mit dem vermeintlichen Tod in der Schweiz etwas nicht stimmt, und ihr Mann noch am Leben ist.

Paul und Steve sind skeptisch, denn es gibt natürlich Beweise in Form des Körper des Toten, aber die beiden lassen sich davon überzeugen, dass mehr an der Geschichte sein muss, und sie nehmen Fähre und Zug, um quer durch Europa in die Schweiz zu reisen.

Paul Temple und das Genfer Rätsel war in der Tat der erste Krimi von Durbridge, den ich gelesen habe. Ich kannte zuvor nur die Namen des Protagonisten und des Autoren, und hatte darüber hinaus eine dunkle Erinnerung an die Serie um Paul Temple, die auch in Deutschland ausgestrahlt worden war.

Wer einen blutrünstigen Thriller erwartet, der wird hier natürlich nicht glücklich werden, sehr wahrscheinlich würde man den Romanen heute das Label "Cosy Crime" aufkleben, denn es handelt sich - wie bei allen Krimis von Durbridge - um eine klassische Krimigeschichte. Es ist kein "Who-done-it" in dem Stil der Poirot-Fälle, aber Durbridge war es immer wichtig, dass man dazu in der Lage sein sollte, den Fall durch Verfolgung der Schritte, die der jeweilige Ermittler macht, selbst zu lösen. Dies ist auch bei dem Genfer Rätsel der Fall. 

Es ist Georg Pagitz und Williams & Whiting Books zu verdanken, dass man die Möglichkeit hat, Durbriges Bücher in einer guten Übersetzung und ungekürzt/unverändert zu entdecken.

Ich hatte nicht erwartet, dass mir die Lektüre des Falls so viel Spaß macht, denn ich verbinde mit "diesen alten Geschichten" ein Bild der Gesellschaft und der Frau, mit dem ich mich so gar nicht identifizieren kann. Natürlich ist Paul Temple ein Mann seiner Zeit und geprägt davon, dass die Frau als das schwächere Geschlecht möglichst beschützt und bewahrt werden muss. Dennoch behandelt er seine Frau grundsätzlich als gleichberechtigt, und Durbridge achtet darauf, dass Steve immer wieder mit spritzigen, spitzbübischen und selbstbewussten Kommentaren in den Fokus rückt.

Den Roman zu lesen hat einfach Spaß gemacht, es ist eine wunderbare Lektüre für "nebenbei". Ich habe noch ein weiteres Buch von Durbridge hier, das etwas anders angelegt ist - und sehr spannend. Wartet es ab.

 

Paul Temple und das Genfer Rätsel
Autor: Francis Durbidge
neu übersetzt von: Dr. Georg Pagitz
Verlag: Williams & Whiting Books
243 Seiten
erschienen: 2. Juni 2025
ISBN: 978-1917798013
Preis: 17,11€  

 

 

 

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles