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Der Medicus II - Erkenntnisse aus dem Orient

Der Medicus II

Erkenntnisse aus dem Orient

 

Zwölf Jahre, nachdem Philipp Stölzl mit „Der Medicus“ den gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon für die Leinwand adaptiert hatte, ließ er 2025 mit „Der Medicus II“ eine Fortsetzung folgen, die auf einem Original-Drehbuch basiert. Der groß angelegte Historienfilm ist bei Leonine nun erstmals fürs Heimkino erschienen, neben der hier vorliegenden BluRay-Version parallel auch in einer DVD-Ausgabe.

Für den US-amerikanischen Schriftsteller Noah Gordon (1926-2021) markiert sein erstmals 1986 erschienener Roman „The Physician“, der in Deutschland den Titel „Der Medicus“ erhielt, den größten Erfolg seiner Karriere. In Deutschland (und in Europa insgesamt) war der Roman erfolgreicher als in den USA, allein hierzulande verkaufte er sich über sechs Millionen Mal. Umso erstaunlicher, dass es Jahrzehnte dauerte, bis sich die Filmindustrie des Stoffes annahm. Weniger verwunderlich ist die Tatsache, dass „Der Medicus“ 2013 dann als rein deutsche Produktion realisiert wurde. Regisseur Philipp Stölzl („Ich war noch niemals in New York“) hatte dafür aber eine internationale Besetzung (Tom Payne, Stellan Skarsgård, Sir Ben Kingsley, Olivier Martinez) zusammengetrommelt und auf Englisch gedreht, um sich einen internationalen Markt zu erschließen. Mit mehr als dreieinhalb Millionen Besuchern allein in Deutschland wurde die zwar stark gekürzte, der Vorlage aber dennoch treu bleibende Adaption zu einem großen Erfolg. Gordon selbst hatte zu „Der Medicus“ zwar zwei Fortsetzungen („Der Schamane“ und „Die Erben des Medicus“) geschrieben, aber diese spielten zu anderen Zeiten und mit anderen Protagonisten. Philipp Stölzl wollte mit seiner Filmfortsetzung aber wohl unmittelbarer an das Original anknüpfen und zumindest einige seiner Darsteller wieder aktivieren, weshalb er sich entschloss, für „Der Medicus II“ ein eigenständiges Drehbuch verfassen zu lassen, das das Schicksal Rob Coles unabhängig von Noah Gordon weiterspinnt. Diese Strategie ging nicht so recht auf, denn das Sequel blieb finanziell hinter dem ersten Teil zurück und stieß eher auf negative bis verhaltene Kritiken.

Nachdem Rob Cole (Tom Payne) im 11. Jahrhundert in Isfahan in die neuesten Erkenntnisse der Medizin eingewiesen wurde, möchte er sein neu erlangtes Wissen in seine alte Heimat England zurückbringen. Gemeinsam mit einer Reihe neugieriger muslimischer und jüdischer Hakims (Ärzte) segelt er mit seiner schwangeren Frau Rebecca (Emma Rigby) gen England. Kurz vor der Ankunft gerät das Schiff in einen Sturm und kentert, Robs Frau stirbt, nachdem sie ihm kurz davor einen Sohn geboren hat. Der verzweifelte Witwer wird von seinen Freunden, insbesondere Izak (Jaouhar Ben Ayed), dazu gedrängt, trotzdem weiter nach London zu reisen und ihr Wissen der medizinischen Gilde anzubieten. Die Leibärzte des Königshauses, Leofric (Francis Fulton-Smith) und Hunne (Aidan Gillen), sind den Neuankömmlingen gegenüber skeptisch eingestellt, insbesondere wegen deren Religionszugehörigkeit. König Canute (Liam Cunningham) dämmert bereits seit über einem Jahr sterbenskrank in seinen abgedunkelten Gemächern vor sich hin, dessen zweite Gattin Mercia (Emily Cox) hat als Königin die Regierungsgeschäfte übernommen. Nachdem es Rob Cole gelungen ist, die ebenfalls schwer kranke Frau Aemma (Anne Ratte-Polle) des Oberbefehlshabers Godwin (Owen Teale) zu heilen, vertraut man dem orientalischen Medicus auch die Behandlung des Königs an. Zu diesem Zeitpunkt weiß Rob allerdings noch nicht, dass die Erkrankung des Königs auf ein Komplott der Königin und des Leibarztes Hunne zurückzuführen ist…

Die Geschichte dieser Fortsetzung ist nicht ganz so ausgeklügelt und detailreich wie die Verfilmung des Noah-Gordon-Romans ausgefallen, führt dessen Geschichte aber glaubwürdig und weitgehend kurzweilig weiter. Die Ausstattung, das Production Design und die Kameraführung sind auch hier wieder exzellent geraten, lediglich in einigen Totalen erkennt man das gegenüber von Hollywoodfilmen etwas bescheidenere Budget an den digitalen Hintergründen. Auch darstellerisch kann „Der Medicus II“ wieder überzeugen, insbesondere die Österreicherin Emily Cox („Die Rettung der uns bekannten Welt“) spielt verabscheuungswürdig böse und verleiht dem Film seine spannendsten Momente. Wem schon Stölzls erster Ausflug ins 11. Jahrhundert gefallen hat, dem sei auch diese Fortsetzung wieder empfohlen. Die BluRay-Erstveröffentlichung wartet mit einem sehr guten Bild (im Widescreen-Format 2,39:1) und einem ebensolchen Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital Atmos, optional auch als deutsche Audiodeskriptionsfassung und wahlweise auch mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte) auf, der keine Wünsche offenlässt. Die Extras umfassen Promo-Interviews mit den Darstellern Tom Payne (5 Minuten), Áine Rose Daly (2 Minuten), Malick Bauer (3 Minuten), Liam Cunningham (4 Minuten), Aiden Gillen (2 Minuten) und Regisseur Philipp Stölzl (4 Minuten), einen Premieren-Clip aus Köln (2 Minuten), ein B-Roll (7 Minuten) sowie den Trailer zum Film.

Kommentare  

#1 Andy 2026-05-15 15:14
Ich habe beide Teile gesehen und fand eine gewisse Gemeinsamkeit. Mir waren beide Filme viel zu lang, das hätte man alles in kürzerer Form erzählen können. Wenn ich davon absehe bin ich aber gut unterhalten worden, wobei der 2. Teil für mich eigentlich nicht mehr als Abenteuerfilm war.

Ich könnte mir vorstellen, dass man noch einen dritten Teil dreht, in dem sich herausstellt dass die Frau des Medicus gar nicht ertrunken ist. In der Filmbranche ist ja alles möglich. Man lässt ja immer wieder Figuren auferstehen, die eigentlich verstorben sind. Da würden dann aber knappe zwei Stunden ausreichen.

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