Triumph des Geistes - Boxen zum Überleben
Triumph des Geistes
Boxen zum Überleben
Robert M. Young (1924-2024), der in den 1980er Jahren mit dem Psychothriller „Extremities“ mit Farrah Fawcett und dem Brüder-Drama „Dominick und Eugene“ mit Ray Liotta und Tom Hulce noch zwei thematisch völlig andere Filme inszenierte, die die Zeit überdauert haben, erhielt für „Triumph des Willens“ sogar die Genehmigung, vor Ort im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz/Birkenau zu drehen. Diese Möglichkeit blieb sogar Steven Spielberg drei Jahre später bei „Schindlers Liste“ verwehrt. Offensichtlich hatten die Verantwortlichen seinerzeit erkannt, dass Robert M. Young und seine Drehbuchautoren mit der Verfilmung der härtesten Jahre im Leben des jüdischen Griechen Salamo Arouch ein hehres Ziel verfolgen. Sie wollten das Grauen der Nazidiktatur aus Sicht der Gefangenen in einem Konzentrationslager aus nächster Nähe und in all den unangenehmen Details sichtbar machen. Kaum einem anderen Film davor oder danach ist das auf ähnlich mitreißende und zugleich abstoßende Weise gelungen. Wer Filme wie „Triumph des Willens“ gesehen hat, dürfte ein für alle Mal wissen, wie widerwärtig und menschenverachtend es während des Zweiten Weltkriegs fernab der eigentlichen Kriegsfronten tatsächlich zuging. Für die Hauptrolle griff Produzent Arnold Kopelson erneut auf Willem Dafoe zurück, mit dem er kurz davor bereits das Vietnamkriegsdrama „Platoon“ realisiert hatte, und der auch dank seiner Titelrolle in Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ gerade zu den führenden Filmstars zählte.
Nachdem die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg auch Griechenland besetzt haben, dauert es nicht lange, bis sie auch dort die jüdische Bevölkerung ins Visier nehmen. Judensterne werden verteilt, es folgen Restriktionen im Alltag und schließlich die Deportation in den Norden, wo die Nazis schon zahlreiche Konzentrationslager gebaut haben, in denen die Gefangenen Strafdienste leisten müssen, wenn sie nicht direkt aus dem Weg geräumt werden. Auch Salamo Arouch (Willem Dafoe) gehört zu den griechischen Juden, die ins Konzentrationslager Auschwitz/Birkenau verschleppt werden. Mit ihm sein jüngerer Bruder Avram (Costas Mandylor), der gemeinsame Vater (Robert Loggia), Salamos Verlobte Aleka (Wendy Gazelle) und etliche weitere Familienmitglieder und Freunde. Nachdem es bei der harten Schufterei zu einem Zwischenfall mit einem Aufseher gekommen ist, erkennt Major Rauscher (Hartmut Becker), dass Salamo ein ausgezeichneter Boxer ist. Er erfährt, dass dieser früher sogar Mittelgewichtsmeister war. Da in den Kasernen immer wieder „bunte Abende“ zur Unterhaltung der deutschen Soldaten organisiert werden, soll Salamo nun künftig gegen andere Gefangene in den Ring steigen. Gekämpft wird nicht über eine bestimmte Anzahl an Runden, sondern so lange, bis einer der Kontrahenten nicht mehr aufsteht. Für Salamo beginnt ein gefährliches Spiel ums Überleben.
Auch wenn der Boxaspekt des Films immer wieder herausgestrichen wird (in Deutschland lief der Film im Fernsehen auch als „Triumph des Willens – Ein Boxer in der Hölle“), hat Robert M. Young hier wesentlich mehr zu bieten als das. Unbarmherzig schildert er in seinem Film den harten Überlebenskampf im KZ, der die Gefangenen zwingt, um den kleinsten Krümel Brot oder Kleidungsstücke zu kämpfen. Der Film wird fast ausschließlich aus der Perspektive der Insassen geschildert, das Leben der deutschen Kommandanten wird nur am Rande gestreift und dabei trotzdem in all seiner verabscheuungswürdigen Überheblichkeit deutlich gemacht. Der rundum beeindruckend gespielte Film zieht einen rasch in seinen Bann und kann seine Spannung die vollen zwei Stunden aufrechterhalten. Dass er zudem auf die Originalkulissen zurückgreifen konnte, verstärkt diese Wirkung umso mehr. Die BluRay-Erstveröffentlichung (parallel ist er auch wieder neu auf DVD erschienen) bietet ein exzellentes Bild von einer brandneuen HD-Abtastung (im Widescreen-Format 1,85:1) sowie einen der Entstehungszeit angemessenen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo, optional mit deutschen und englischen Untertiteln), der nicht zu beanstanden ist. Als Extras hat man den englischen Trailer und eine kleine animierte Bildergalerie mit aufgespielt.



