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Yanks - Gestern waren wir noch Fremde - Amerikaner in Großbritannien

Yanks – Gestern waren wir noch Fremde

Amerikaner in Großbritannien

 

John Schlesinger war bekannt für seine präzisen Charakterdramen und ausgeklügelten Spannungsfilme. Am Ende der für ihn äußerst produktiven und erfolgreichen 1970er Jahre inszenierte er mit „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“ noch einen weiteren Meilenstein. Das prominent besetzte Liebesdrama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs ist bei Explosive Media nun erstmals auf BluRay erschienen.

Der in London geborene John Schlesinger (1926-2003) hat seit Mitte der 1960er Jahre einige zu Klassikern avancierte Filme inszeniert, die auch heute noch zu den besten und unterhaltsamsten Filmen ihrer Zeit zählen. Auf den Swinging-Sixties-Film „Darling“, der Hauptdarstellerin Julie Christie 1965 international zum Star machte, folgten „Die Herrin von Thornhill“, abermals mit Christie, und das schonungslose Stricherdrama „Asphalt Cowboy“, in dem Jon Voight und Dustin Hoffman in den Hauptrollen glänzten. Schlesinger begann die 1970er Jahre mit der polyamourösen und ihrer Zeit vorauseilenden Dreiecksgeschichte „Sunday Bloody Sunday“, um in Folge mit dem stargespickten Hollywood-Drama „Der Tag der Heuschrecke“ mit Donald Sutherland und Karen Black sowie der nervenzerrenden Romanadaption „Der Marathon-Mann“, erneut mit Dustin Hoffman, gänzlich andere Wege einzuschlagen. John Schlesinger beschloss die Dekade dann mit „Yanks – Gestern waren wir noch Fremde“, der einen ungewöhnlichen Blick auf Vorkommnisse während des Zweiten Weltkriegs wirft. Es geht nicht um die blutigen Auseinandersetzungen oder das persönliche Grauen angesichts von Verfolgung oder Bombenangriffen, sondern um die zarten Bande der Liebe, die auch in solch hoffnungslosen Zeiten zwischen den Menschen gedeihen können. Dazu ist Schlesinger gemeinsam mit seinen Drehbuchautoren Colin Welland und Walter Bernstein in die britische Provinz eingetaucht, in der US-Soldaten stationiert wurden.

Matt Dyson (Richard Gere) und sein bester Kumpel Danny Ruffelo (Chick Vennera) gehören zu einer US-Einheit, die 1942 im britischen Hinterland in Yorkshire stationiert wird, um von dort aus fit gemacht zu werden für die Invasion in Frankreich, das zu diesem Zeitpunkt bereits von der deutschen Wehrmacht unter Adolf Hitler besetzt ist. Die Soldaten sind Captain John (William Devane) unterstellt, der vor Ort eine Affäre mit Helen (Vanessa Redgrave) eingegangen ist, deren Mann bereits an der Front dient. Auch Matt und Danny machen im Dorf die Bekanntschaft mit aufgeschlossenen jungen Engländerinnen. Danny verliebt sich in Mollie (Wendy Morgan), während Matt ein Auge auf Jean Moreton (Lisa Eichhorn) wirft. Diese betreibt mit ihren Eltern Jim (Tony Melody) und der schwer kranken Clarrie (Rachel Roberts) den Lebensmittelladen der Ortschaft. Auch Jean ist eigentlich bereits vergeben, die Verlobung mit Ken (Derek Thompson) soll bei dessen nächstem Fronturlaub in der Heimat vollzogen werden. Dennoch sind die Sympathien zwischen Jean und Matt sehr groß. Matt gehört nicht zu den ungestümen Soldaten, die eine solche Situation zum eigenen Vorteil ausnutzen würden und bleibt bei Jean vornehm zurückhaltend. Die beiden gehen gemeinsam ins Kino und zu Tanzveranstaltungen, üben sich ansonsten aber in Zurückhaltung. Nichtsdestotrotz möchte Jean Matt ihren Eltern vorstellen, die von dieser Idee zunächst nicht sonderlich begeistert sind, da sie das als einen Verrat Ken gegenüber werten.

Auch ohne einschlägige Actionszenen hat John Schlesinger hier einen Kriegsfilm inszeniert, der trotz seiner Überlänge durchweg zu unterhalten versteht. Darüber hinaus ist es erfrischend, mal einen Kriegsfilm zu sehen, in dem sich nur die beiden Hauptdarsteller „kriegen“ und von den eigentlichen brutalen Auseinandersetzungen nicht viel berichtet wird. Genau diese andere Perspektive, in die man sich filmisch nur sehr selten hineinversetzt hat, macht den größten Reiz von Schlesingers Film aus. Auf interessante und einfühlsame Weise schildert er die Vor- und Nachteile dieser Beziehungen, zeigt Standes- und Rassenunterschiede auf und entwirft dabei insgesamt ein überzeugendes und detailreiches Zeitgemälde. Die BluRay-Erstveröffentlichung von Explosive Media (parallel ist der Film auch wieder auf DVD erschienen) bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) sowie einen der Entstehungszeit angemessenen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo, optional mit deutschen und englischen Untertiteln), der stets gut zu verstehen ist. Als Extras gibt es je einen englischen Trailer und Teaser sowie eine große animierte Bildergalerie mit internationalem Werbematerial zum Film.

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