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Der Portland-Ring - Der falsche Kanadier

Der Portland-Ring

Der falsche Kanadier

 

Während des Kalten Krieges waren die Spionageaktivitäten auf einem besonders hohen Niveau. So schmuggelte sich ein KGB-Agent mit einem kanadischen Pass in die britische Wirtschaft ein, um heimlich Informationen über die Atom-U-Boote der Briten nach Moskau weiterzureichen. Der authentische Fall rund um den „Portland-Ring“ ist bei „Pidax Historien-Klassiker“ nun erstmals auf DVD zu haben.

Dass die Deutschen ein Faible für das Krimigenre haben und dieser Vorliebe seit Jahrzehnten in unzähligen Fernsehproduktionen Rechnung getragen wird, ist sicherlich kein Geheimnis. Dass es aber auch eine Phase gab, in der Spionagegeschichten geradezu wie am Fließband von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten produziert und zu Straßenfegern wurden, ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Die Hochphase dieses Genres lag in Film und Fernsehen in den 1960er Jahren, als die klar abgegrenzten Machtspiele zwischen den USA und der UdSSR politisch für Aufsehen sorgten und auch dementsprechend häufig fiktional verarbeitet wurden. Auf den Leinwänden hatte hier natürlich James Bond die Nase vorn, inspirierte darüber hinaus aber auch jede Menge anderer, meist billiger gemachter Agentenfilme. Auf den deutschen Fernsehschirmen sorgte ab 1963 die von Helmut Ringelmann produzierte Anthologieserie „Die fünfte Kolonne“ für Aufsehen. Darin waren tatsächliche Spionagefälle zwischen West und Ost die Grundlage für fiktionale Nacherzählungen, die mit wechselnden Schauspielern und in sich abgeschlossenen Episoden am Ende immer von der bundesdeutschen Abwehr aufgedeckt werden konnten. An den 23 gut einstündigen Folgen, die im Laufe von sechs Jahren produziert wurden, war als Regisseur viermal Helmuth Ashley beteiligt, zwei der Drehbuchvorlagen stammten aus der Feder von Stefan Gommermann. Diese beiden waren zwei Jahre nach Einstellung der Reihe „Die fünfte Kolonne“ dann auch an „Der Portland-Ring“ beteiligt, einer weiteren spektakulären Spionagegeschichte. In diesem Fall hielt man sich aber so weit wie möglich an die tatsächlichen Fakten und Details und rekonstruierte den Fall als realitätsnahes Dokumentarspiel.

Im Zweiten Weltkrieg stirbt in Finnland ein kanadischer Staatsbürger. Die Russen gelangen in den Besitz seiner Papiere, die sie bis zum geeigneten Zeitpunkt verwahren. Dieser tritt im Jahr 1953 ein, als Oberst B. (Siegfried Wischnewski) einen seiner besten KGB-Agenten als Spion nach Großbritannien entsenden will. Kapitän Conon Molodij (Heinz Bennent) schlüpft in die Identität des gefallenen Kanadiers Gordon Lonsdale. An dessen Heimatort verschafft er sich zunächst legale Papiere, um daraufhin bei einem britischen Kaugummi-Hersteller (Hermann Lenschau) als Betriebsleiter einzusteigen. In dieser Funktion gelingt es Molodij/Lonsdale, den Hafen der Insel Portland in Bristol auszuspionieren, wo die NATO einen strategisch wichtigen Stützpunkt unterhält und an den Plänen eines Atom-U-Bootes arbeitet. Lonsdale gewinnt das Vertrauen zweier Mitarbeiter der Einrichtung für Unterwasserwaffen der Admiralität (AUWE), Harry Houghton (Arnold Marquis) und Ethel Gee (Renate Heilmeyer), die er mit üppigen Entlohnungen dazu anstiften kann, ihm Geheimdokumente auszuhändigen, die er dann mittels eines anderen Agentenpaares in Großbritannien an seine russischen Kollegen in Moskau weiterleitet. Bald gerät Lonsdale aber ins Visier des MI5.

Wie schon in der Serie „Die fünfte Kolonne“ wird auch in diesem in Schwarz-Weiß gedrehten Fernsehfilm aus dem Jahr 1970 der Spionagealltag in Zeiten des Kalten Krieges detailreich und realitätsnah rekonstruiert, ohne dass die Spannung dabei auf der Strecke bliebe. Helmuth Ashley ist es gelungen, die feinen Komplotte und Verästelungen der Geschichte abwechslungsreich und verständlich aufzubereiten, so dass man ähnlich gut wie in einem Kriminalfilm unterhalten wird. Das renommierte Darstellerensemble trägt ebenfalls dazu bei, dass „Der Portland-Ring“ auch heute noch für einen angenehmen Filmabend sorgt. Wer ganz genau hinschaut, kann übrigens Heinz Bennents damals gerade einmal dreijährigen Sohn David („Die Blechtrommel“) in seinem vermutlich ersten Auftritt vor der Kamera entdecken! Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein ganz ordentliches Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0). Extras sind keine vorhanden.

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