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Die drei Gesichter der Tamara Bunke - Genossin in Südamerika

Die drei Gesichter der Tamara Bunke

Genossin in Südamerika

 

Eine junge Frau wird Mitte der 1960er Jahre in Kuba von Mitgliedern des KGB als Agentin eingesetzt und soll Ernesto „Che“ Guevara bei seinem Befreiungskampf in Bolivien unterstützen. Das von Hellmut Andics geschriebene Dokumentarspiel aus dem Jahr 1971 ist in der Reihe „Pidax Historien-Klassiker“ nun erstmals auf DVD erschienen und im Handel erhältlich.

In der ehemaligen DDR ist der Name Tamara Bunke sicherlich um einiges bekannter als unter den Bewohnern der ehemaligen BRD. Denn die mit gerade mal 29 Jahren als Guerillera gefallene Bunke (1937-1967) war als überzeugte Kommunistin ein Aushängeschild des SED-Regimes, weswegen zu ihren Ehren über 200 Schulen, Jugendbrigaden und Kindergärten ihren Namen trugen. Ihre Biografie ist in der Tat einzigartig und wahrlich filmreif, weswegen es kaum verwundert, dass nur vier Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod bereits ein Dokumentarspiel für das Zweite Deutsche Fernsehen entstand, das ihre Jahre in Südamerika dicht an der Realität nacherzählte. Dazu hatte man das Drehbuch einmal mehr vom sachkundigen Hellmut Andics (1922-1998) verfassen lassen, der in den Jahren zuvor schon die Vorlagen zu den historischen Miniserien „Bürgerkrieg in Russland“ und „Der spanische Bürgerkrieg“ geschrieben hatte. Auch Regisseur Helmuth Ashley (1919-2021) war genreerprobt, immerhin hatte er erst zwei Jahre zuvor mit „Kim Philby war der dritte Mann“ schon einmal die wahre Geschichte eines legendären Spions nacherzählt. Tamara Bunkes filmreife Lebensgeschichte sollte auch später immer wieder in Büchern und Filmen aufgegriffen werden. José A. Friedl Zapata schrieb beispielsweise 1997 die Biografie „Tania. Die Frau, die Che Guevara liebte“, auch in Volker Skierkas „Fidel Castro. Eine Biographie“ aus dem Jahr 2014 findet Bunke Erwähnung. Der Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh („Ocean’s Eleven“), der sich 2008 in einem zweiteiligen Kinofilm des Lebens von Revolutionär Ernesto „Che“ Guevara annahm, besetzte die deutsche Schauspielerin Franka Potente im zweiten Teil in der Rolle Tamara Bunkes.

Im Jahr 1964 hat Fidel Castro nach erfolgreicher Revolution auf Kuba die Macht übernommen. In der Hauptstadt Havanna gehört die Deutsche Tamara Bunke (Andrea Jonasson) zu den gesellschaftlich anerkanntesten Personen des Landes. Die in Argentinien geborene junge Frau wird daraufhin von einem Sowjetmajor (Karl Walter Diess) als Agentin rekrutiert. Unter dem falschen Namen Laura Gutiérrez Bauer reist sie nach Bolivien, wo sie den Revolutionsführer Ernesto „Che“ Guevara dabei unterstützen soll, auch dieses südamerikanische Land von seinen Unterdrückern zu befreien. Regelmäßig soll sie per Funk den KGB-Funktionären auf Kuba Bericht über die Fortschritte erstatten. Um offiziell in den Besitz eines bolivianischen Passes zu gelangen, heiratet Bunke Mario Alvarez (Jörg Benedict). Vor Ort in Bolivien kommt es zu Auseinandersetzungen mit dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei des Landes, Mario Monje (Hans Helmut Dickow). Darüber hinaus gerät Bunke in das Visier der Militärs des Landes. Ein General (Richard Lauffen) setzt Capitan Vargas (Peter Ehrlich) darauf an, die einzige Frau in der Guerillatruppe der Widerstandskämpfer ausfindig und unschädlich zu machen.

Die Aussagen, die Helmuth Ashley und Autor Hellmut Andics in „Die drei Gesichter der Tamara Bunke“ aufgreifen, sind auch heute noch relevant. Es geht um die Revolution der Unterdrückten, die sich gegen die Ausbeutung durch die Mächtigen stellen. Außerdem vermittelt die Geschichte ein für die Entstehungszeit noch eher ungewöhnliches Frauenbild. Die Macher haben sich trotz des Dialogreichtums bemüht, auch Actionelemente nicht zu kurz kommen zu lassen. Erstaunlich sind beispielsweise Sequenzen, in denen die Kamera eine Art First-Person-Shooter-Perspektive einnimmt, was 1971 höchst innovativ war. Mit Interesse an der Materie kann man aus diesem Fernsehfilm durchaus auch heute noch Gewinn ziehen. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein passables Bild (im Vollbildformat 1,33:1), das noch etliche Verschmutzungen und Altersspuren aufweist. Der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist durchweg gut zu verstehen. Bonusmaterial ist keines vorhanden.

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