Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Guyana-Massaker: Tor zur Hölle - Ein guter Mann wird zum Teufel

Guyana-Massaker: Tor zur Hölle

Ein guter Mann wird zum Teufel

 

Die Vorkommnisse in der Siedlung Jonestown im südamerikanischen Guyana erschütterten 1978 die ganze Welt. Ein Sektenführer hatte dort seine gesamte Anhängerschaft in den kollektiven Selbstmord getrieben. Auch die Filmindustrie griff die tragischen Ereignisse mehrfach auf, u.a. in dem Fernsehzweiteiler „Guyana-Massaker: Tor zur Hölle“ aus dem Jahr 1980, der ab dem 28.5. erstmals auf DVD und damit hierzulande erstmals ungekürzt zu haben ist.

1978 fand sich das kommunistisch regierte südamerikanische Land Guyana in bislang ungekannten Ausmaß in den Schlagzeilen der internationalen Presse und in den täglichen Nachrichtensendungen wieder. Nicht die eigenen politischen Aktivitäten hatten für diese weltweite Aufmerksamkeit gesorgt, sondern die Vorkommnisse in einer autarken Siedlung im Nordwesten des Landes, die im Jahr 1974 vom amerikanischen Prediger Jim Jones gegründet worden war. Der hatte den Anhängern seiner sektenähnlichen Gemeinde „Peoples Temple“ dort ein geheiligtes Land versprochen, in dem es weder Rassismus noch soziale Ausgrenzungen geben sollte. Dass die Situation vor Ort innerhalb kurzer Zeit ins genaue Gegenteil kippte und kaum eines der rund 1000 Gemeindemitglieder wieder lebend aus der Sache herauskam, diente in Folge immer wieder spannenden medialen Aufarbeitungen als Grundlage. Einen der ersten Versuche, das Unsagbare zu bebildern, wagte bereits ein Jahr nach dem Massenselbstmord der Mexikaner René Cardona Jr., der mit großer internationaler Starbesetzung (Stuart Whitman, Joseph Cotten, Yvonne de Carlo, Gene Barry) den Film „Trip in die Hölle“ in die Kinos brachte. Zwei Jahre nach der Katastrophe drehte William A. Graham (1926-2013; „Rückkehr zur Blauen Lagune“) für den amerikanischen Fernsehsender CBS den Zweiteiler „Guyana-Massaker – Tor zur Hölle“, der erst im Jahr 1985 deutsch synchronisiert wurde und in einer um rund 50% geschnittenen Version als einteiliger Film auf Video herausgebracht wurde. Nach weiteren vierzig Jahren ist es nun dem Label Pidax zu verdanken, dass man den kompletten Zweiteiler nun auch bei uns ungeschnitten zum ersten Mal erleben kann.

Jim Jones (Benji Wilhoite) wächst in den 1930er Jahren im US-Bundesstaat Indiana in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Alltag ist vom Rassismus des Ku-Klux-Klans geprägt, bis er durch die streng religiöse Myrtle Kennedy (Colleen Dewhurst) Zugang zum Glauben und den hehren Idealen der Menschen findet. Der erwachsene Jones (Powers Boothe) ist zu einem Prediger geworden, dem es spielend gelingt, die Gräben zwischen Schwarz und Weiß zu überwinden, da er keinen Unterschied zwischen den Rassen macht. Seine Gottesdienste werden von Mitgliedern beider Ethnien besucht, die in dem willensstarken und selbstherrlichen Mann bald selbst eine Art Gott sehen, zumal er mit billigen Tricks die Heilung von Schwerkranken vortäuscht. Immer mehr Anhänger formieren sich um Jim Jones, der seiner Gemeinde nun den Namen „Peoples Temple“ gibt und zunächst mit dieser nach Redwood Valley in der Nähe des kalifornischen Ukiah zieht, um schließlich in San Francisco zu landen, wo sich seine Anhängerschaft nochmals verdoppelt und Jones auch einen wichtigen Posten in der Stadtverwaltung annimmt. Seine Methoden wecken derweil bei etlichen Außenstehenden Misstrauen, dem Sektenführer wird u.a. vorgeworfen, dass er die weiblichen (und auch einige männliche) Gemeindemitglieder zum Sex mit ihm zwingen würde. 1974 wandert Jones mit einigen hundert Getreuen ins südamerikanische Guyana aus und gründet dort Jonestown, das fernab jeglicher Zivilisation im Urwald liegt und komplett selbstverwaltet und selbstversorgt ist. Als Jones zu immer strengeren Mitteln greift, informiert sein vormals engster Mitarbeiter Clayton Richie (Randy Quaid) den Kongressabgeordneten Leo Ryan (Ned Beatty), der sich mit einer Delegation Reportern vor Ort selbst ein Bild von der Situation machen will.

Dadurch, dass William A. Graham hier gut drei Stunden zur Verfügung hat, gelingt es ihm, die ganze Entwicklung der Ereignisse detailliert aufzurollen. So erfährt man als Zuschauer auch Einiges aus der Zeit von Jim Jones‘ Heranwachsen und kann zumindest ansatzweise nachvollziehen, wie der zunächst ehrenhafte Mann nach und nach seiner Machtposition erliegt und zu einem Teufel in Menschengestalt wird. In der Darstellung ist Grahams Zweiteiler noch zurückhaltender als Cardonas oftmals als Exploitationsprodukt bezeichneter Film, kann aber die Spannung dennoch gut aufrechterhalten. Da der Film bislang so stark gekürzt gewesen war, wechselt die Fassung aber teilweise von Szene zu Szene zwischen Synchronton und Original mit deutschen Untertiteln, was den Genuss deutlich schmälert. Trotzdem ist es natürlich toll, nun erstmals die ungekürzte Fassung vorliegen zu haben. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist sehr mäßig, da unrestauriert und deswegen mit etlichen Verschleißerscheinungen, Verschmutzungen und unruhigem Bildstand. Der Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0) ist soweit in Ordnung und entspricht den Möglichkeiten zur Entstehungszeit. Deutsche Untertitel sind nur für die Passagen erstellt, in denen es keinen deutschen Synchronton gab. Extras sind keine vorhanden.

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.