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Mehr Stabilität für Halbvampire?

Vampira - Die WiederholungMehr Stabilität für Halbvampire?

Ein Haus, ein Kleid und ein Dolch – bis auf letzteres hören sich die Gegenstände relativ harmlos an. In den ersten Bänden der Serie „Vampira“ sind alle drei jedoch mindestens einmal Retter in letzter Not. Warum das so ist, weiß der Leser nicht. Wie die Hauptperson ist der Leser nämlich in den Romanen ebenfalls eher getrieben als verstehend.

Das sorgt dafür, dass die „Vampira“-Romane einen gewissen Lesesog entwickeln. Das Tempo ist hoch, gefühlt wartet an jeder Ecke eine neue Gefahr, eine neue Wendung.


Der MolochDem Autor gelingt es, selbst einen „Einführungsroman“, der viele Informationen vermittelt, mit hohem Tempo zu versehen. Die beiden folgenden Romane bauten jedoch auf einem ähnlichen Prinzip auf. Sowohl „Der Moloch“ als auch „Besessen“ bauten eine gefährliche Situation auf, aus der es für Lilith eigentlich keinen Ausweg gibt. Im letzten Moment rettete jedoch ein Gegenstand, von dem das so nicht unbedingt erwartet wurde, Lilith das Leben.

In „Der Moloch“ war es Liliths Kleid. Es war klar, dass es über besondere Fähigkeiten verfügt. Schließlich ist es schon etwas ungewöhnlich, wenn ein Kleid regelmäßig das Aussehen verändert. Dass es in einer Kampfsituation jedoch in der Lage ist, einen alten und mächtigen Vampir zu töten, ist dann doch überraschend. Denn dadurch wirken die australischen Gegner Liliths etwas schwach, wenn es einer gerade erst erweckten Halbvampirin mithilfe eines Kleides sofort gelingt, den Anführer zu töten. Eine Flucht wäre hier vielleicht die bessere Lösung gewesen, um die Drohkulisse aufrecht zu erhalten.

BesessenZu einer Flucht kommt es dennoch. Denn Lilith nutzt die Verwirrung der Anhänger des Getöteten, um sich in eine Kirche zu flüchten. Der darauffolgende Roman „Besessen“ macht deutlich, dass auch die Vampire in „Vampira“ mit sakralen Symbolen und Ritualen ihre Probleme haben. Außerdem wird ein noch immer fanatisches Bild der katholischen Kirche gezeichnet. Der Priester der Gemeinde hält die Inquisition nicht nur für eine gute Idee, sondern sieht in Lilith sofort den Satan, den es zu bekämpfen gilt. Den ganzen Roman über versucht er sich also an einem Exorzismus, an dessen Ende eigentlich nur Liliths Tod stehen könnte. Liliths Alternative, das Verlassen der Kirche, wäre allerdings auch nicht viel besser, denn vor der Kirche wartet eine Horde von Vampiren, die auf Rache sinnen. Die Lösung ist diesmal, dass die Vampire den Lehrling des Priesters davon überzeugen, Lilith mit einer magischen Waffe zu töten. In der Kirche entscheidet er sich jedoch anders, hilft Lilith und sorgt mit dem Dolch dafür, dass eine Reihe von Vampiren ihre Entscheidung, Lilith töten zu wollen, bitter bereuen. Das alles geschieht wieder auf den letzten Seiten, wodurch Lilith durch eine Kummulation von Zufällen (reformorientierter Lehrling und magische Waffe von Vampiren) gerettet wird.

Lilith ist zu früh aufgewacht. Daher war es von Anfang an klar, dass sie erhebliche Schwierigkeiten haben würde sich durchzusetzen. Im bisherigen Verlauf der Serie hat sie es allerdings noch nicht einmal zustande gebracht, etwas aus eigenem Antrieb zu erreichen. Das Haus und das Kleid, von dem sie zunächst beschützt wurde, wurden ihr von ihrer Mutter gegeben. Die Rettung aus der Kirche erfolgte, wie bereits erwähnt, von einem Pristernovizen, der zudem von Liliths Gegnern aus Versehen mit einer mächtigen Waffe ausgestattet wurde. Dass Lilith nicht durch eigene Kraft Fortschritte erzielt, ist realistisch. Es ist eigentlich schon ein Wunder, dass sie nicht noch immer desorientiert durch eine ihre fremde Welt läuft. Aber nach nun mehr sechs Wochen ist es im nächsten Roman langsam Zeit, dass Lilith selbst etwas erreicht.

Im nächsten Roman, der den Titel „Landrus Ankunft“ trägt, harren einige Fragen einer Antwort. Erst einmal wird es interessant sein, wie Landru vorgeht. Er wurde als böser, mächtiger und kluger Vampir geschildert. Es ist daher nun an ihm, das bisherige Bild der echten Vampire zu korrigieren. Die wirkten bisher nämlich eher tollpatschig und willkürlich als planend und gefährlich. Für Lilith wird entscheidend sein, ob Luther ihr in Zukunft zur Seite steht. Mit einem Vampirjäger an ihrer Seite hätte sie eine realistische Chance, gegen die (bisher eher trotteligen) Vampire vorzugehen. Interessant – und in diesem Artikel vermutlich zu unrecht nicht beachtet – werden auch die Nachforschungen des Polizisten Warner sein. Er untersucht die Morde der Vampire und hat sich mittlerweile zusammengereimt, dass da ein Zusammenhang dahinter steht. Die Reaktionen des Polizeipräsidenten und verschiedene Mordanschläge auf ihn machen jedoch deutlich, dass die Polizei von den Vampiren unterwandert ist. Warner wurde jetzt auf eine Mission zu Liliths altem Haus geschickt. Bisher endeten solche Erkundungen für Menschen tödlich. Es bleibt zu hoffen, dass der Polizist Warner jetzt nicht auf so unnötige Weise (relativ) aussortiert wird wie der Parapsychologe Brian Secada im zweiten Roman. Denn gerade diese Storyline hat bisher am meisten überzeugt und bietet noch einiges an Potential.

Warner könnte dem Leser in den nächsten Romanen mehr Informationen über die Unterwanderung menschlicher Institutionen durch Vampire bringen. Luther könnte an Liliths Seite dafür sorgen, dass ihr zukünftiger Weg durch etwas mehr Stabilität geprägt ist und sie somit die Möglichkeit bekommt, selbst etwas zu erreichen und sich somit auch zu profilieren. Denn bisher ist sie die ahnungslose, sexbedürftige Halbvampirin, die eher als Typ denn als Charakter bezeichnet werden kann. Natürlich lebt der Heftroman von Typen, dennoch wird meist mindestens die Hauptfigur zu einem Charakter ausgebaut. Bei Lilith würde sich das durchaus lohnen.

Anmerkung: Wie im ersten Teil der Kolumne erwähnt, habe ich die Serie bisher nicht verfolgt. Die Kolumne ist also absichtlich so aufgebaut, dass über die zukünftige Handlung spekuliert wird, obwohl die Hefte bereits einmal erschienen sind.

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