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Enthusiasmus, Dynamisches Laufen, Höllenseen, sterbende Fans und der Griff des Feuerriegel

Teestunde mit RolfHeute geht es um den Höhepunkt der „terrapres/Antares“-Filme. Satans Todesschwadron, der Film zur Professor Zamorra-Serie. Viele Mitwirkende, aber ein „fürchterliches“ Ergebnis und wie es dazu kam...

Enthusiasmus, Dynamisches Laufen, Höllenseen, sterbende Fans und der Griff des Feuerriegel

Der Magier war abgedreht, hatte seine Premiere hinter sich und die Begeisterung der Leute aus dem Fandom für diesen Filmen hatte uns mehr für weitere Taten beflügelt als die Kritiken eines Norbert Aichele und ähnlicher cineastischer Beckmesser.

 

Beim nächsten Mal wird alles besser. Und diesmal sollte alles nicht nur besser, sondern viel besser werden. Immerhin hatten wir genügend Fehler gemacht, aus denen wir lernen konnten.

 

Das Film-Team für das neue Projekt bestand vorläufig erst mal aus den beiden Herrn Lamont. Auch Regina und Christina sagten fest zu und  wollten wieder mit dabei sein. Und diesmal versprachen sie hoch und heilig, alles zu geben, was an Enthusiasmus und Schauspielkunst drin war.

Sandra mochte nicht mehr mitmachen. Dafür stieg aber eine ihrer Freundinnen namens Alexandra ein. Also ein Ersatz für die Sandra. Nur eben nicht dunkelhaarig, sondern eine blonde Schönheit mit graziler Figur in einer Mischung zwischen Teeny und erwachsener Frau. Hautenges T-Shirt und knapp sitzende Jeans – da konnte man schon mal abheben. Das Alexandra nie in ihrem Leben einen Horror-Roman gelesen hatte, das mussten wir eben in Kauf nehmen.  

"Wenn wir alle richtig mithelfen, dann wird es diesmal besser!" flötete Tinchen, die unbedingt die Rolle der Nicole Duval spielen wollte. Schon damals war erkennbar, da- sie für diesen Part eine absolute Fehlbesetzung war. Denn Christinas stämmiger Körper mit den üppigen Brüsten hat mit der zierlichen Französin der Romane nicht viel gemeinsam.  

Ich räume ein, dass die Alexandra für die Nicole der bessere Part gewesen wäre. Aber – wer von uns hätte es übers Herz gebracht, Tinchen ihre heißgeliebte Rolle weg zu nehmen. Auch wenn sie nun wirklich keine Bikini-Figur hatte, die für die Rolle der Nicole eigentlich Grundvoraussetzung ist.   

Denn wenn Tina Kummer hat, dann isst sie... und schon damals hatte sie offensichtlich viel Kummer. Wenn man also von diesem körperlichen Anti-Mangel und der Tatsache absieht, dass ihr Minenspiel sie für eine Rolle in 'Quo-Vadis' geeignet machte (auf dem obersten Rang des Circus Maxiumus) vermochte sie auch nicht, die Figur der Nicole Duval in den aus den Romanhandlungen bekannten Bewegungsabläufen überzeugend darzustellen.

Denn so zärtlich und anschmiegsam wie Zamorras Roman-Gefährtin ist Tinchen nur bei ganz bestimmten Typen. Bedauerlicherweise sehen diese Typen aber aus wie der BRAVO-Boy des Monats und nicht wie W.K. Giesa. Und der Ober-Lamont verkörperte selbstverständlich die Titelrolle.

Eigentlich wollte Werner mir ja den Part des 'Zamorra' zuschieben, von wegen der blauen Augen und blonden Haare. Allerdings war ich sicher, dass mein damaliger Vollbart bei einer überzeugenden Charakterisierung vom Typus des Bastei-blonden Romanhelden gestört hätte.

Mein Argument, die Rolle nicht zu spielen war, dass Zamorra ja Franzose ist - und das sind im Allgemeinen dunkle Typen. Also musste Werner diesmal den Helden spielen. Und ich konnte mich auf meinen besonderen Höllen-Liebling stürzen. Klar, damit ist der 'Assi' gemeint. Und ich konnte ihn eben so spielen, wie er damals in den Zamorra-Romanen beschrieben wurde.

Den Part des Asmodis zu spielen war deshalb so reizvoll, weil mich diese Figur in den Romanen fasziniert hat, als er noch richtiger Teufel war. Eine zwielichtige Gestalt wie der Mephistopheles aus Goethes „Faust“. Wenn ich mir den Streifen heute so betrachte, ist der Assi nicht mal schlecht verkörpert.

Allerdings musste in feierlichen Einstellungen wie z. B. der Höllenszene am Anfang des Filmes mit den übertrieben pathetischen Bewegungen eines Stummfilmstars der 20er Jahre gearbeitet werden. Max Schreck, der Nosferatu aus Murnaus altem Film, hat sicher in seiner Dimension Tränen gelacht...

Als wir den Zamorra-Film zu Drehen begannen, hatte das Projekt noch keinen Namen. Wir nannten es erst sehr viel später:

SATANS TODESSCHWADRON

Bevor ich mit dem Drama der Dreharbeiten beginne, erst ein kurzer Abriss der Handlung, die dem später geschriebenen gleichnamigen PZ-Roman Nr. 265 als Vorlage diente:

Wie beim Beginn eines damaligen Zamorra-Romans üblich hat Asmodis in der Hölle mal wieder ganz unten beim Chef anzutanzen und sich seinen üblichen Elfmeter abzuholen.

Sein Amtsleiter Lucifuge Rofocale will wissen, wie weit die Bearbeitung des Falles 'Zamorra' gediehen sei. Asmodis druckst rum wie ein Finanzbeamter, der bürgernahe Verwaltung betrieben hat. Immerhin kann die Akte „Zamorra“ noch lange nicht geschlossen werden, weil dann im BASTEI-Verlag der Teufel los ist. Denn der Fall 'Zamorra' liegt ja, wie wir alle wissen, in der Hölle auf 14tägiger Wiedervorlage.

Aber diesmal bekommt Asmodis nicht nur einen Rüffel vom Alten, sondern auch die Auflage, die Angelegenheit endlich zu Ende zu bringen. Und für diesen entscheidenden Schlag erhält Asmodis vom Höllenkaiser Luzifer höchstpersönlich Hilfe. Die Macht von Old Lucie fließt als Blitz aus Lucifuge Rofocales Hand durch das ausgestreckte Schwert des Asmodis. Und durch die Klinge dringen die schwarzmagischen Kräfte in die Substanz des Fürsten der Finsternis ein.

Durch diese geheime Kraft Luzifers bekommt Asmodis die Möglichkeit, seine Kraft zu teilen. Er selbst wird schwächer, doch aus seiner Energie entstehen sieben Dämonen, von denen er Zamorra angreifen lassen will. Aus der Entfernung vermag Asmodis diese Dämonen seiner eigenen Substanz zu steuern.

Der Fürst der Finsternis ruft ein dämonisches Siebengestirn und sendet die sieben Dämonen unkontrolliert auf die Welt. Dort sollen sie allen möglichen Unsinn anstellen sollen, damit Zamorra auf sie aufmerksam wird und sich ihnen zum Kampf stellt. Einem dieser Höllensöhne wird es wohl gelingen, Zamorra zu besiegen.

Um es kurz zu machen - es gelingt gar keinem der Höllensöhne. Denn Zamorra ist nicht alleine. Durch Colonel Odinsson aufmerksam gemacht, sucht er Merlin auf, der ihm zwar nicht helfen kann, aber dafür Gryf und Teri Rheken als Hilfstruppen mitgibt.

Und die beliebten Serien-Helden teilen sich die Dämonen brüderlich - nur Zamorra als Oberheld darf einen Dämon mehr killen. Asmodis, der durch die Abgabe der Dämonenenergie so menschlich wurde, dass er sich in ein hübsches Mädchen wirklich sterblich verliebte, spürt unter Schmerzen den Tod jedes einzelnen Dämonen. In der Gestalt eines Raben ist er bei jeder Dämonen-Vernichtung anwesend.

Bei der Liaison mit dem Mädchen wurde unbewusst die Figur des heute recht menschliche Sid Amos vorbereitet. Auch viele andere Dinge, die wir damals spontan als Abfallprodukte in den Film mit einbrachten, wurden später in der Serie wichtig und sind heute zu tragenden Säulen der Handlung geworden. Der Begriff 'Die Felsen von Ash-Naduur' war auch eine Blitz-Idee dieses Filmes. Als fester Bestandteil eines Ortes, wo sich das Schicksal erfüllt, wurden die Felsen von Ash-Naduur aber erst später als fester Bestandteil in der Romanserie ausgebaut.

Der PZ-Roman mit dem Titel "Entscheidung am Teufelsfelsen" trägt übrigens das Original-Titelbild für 'Satans-Todesschwadron' - weil unser spanische Titelbildzeichner damals aus dem Bastei-Geschäft ausstieg und viele angeforderte Bilder zu spät kamen. Also wurden noch vorhandene Horror-Motive auf die Romane gesetzt und für die nachgelieferten Bilder mussten noch einmal spezielle Romane geschrieben werden.

Das Titelbild auf dem Roman „Satans Todesschwadron“ mit den fliehenden Menschenmassen hätte vielleicht als Cover für einen Godzilla-Film gepasst.

Weiter mit der Handlung.

Also der Assi hatte sich verliebt... allerdings sehr unglücklich, wie sich das für eine tragische Figur gehört, wie sie Asmodis damals war. Da sich seine höllische Wesenheit in sieben anderen Körpern befindet, ist der Macht-Dämon menschlichen Gefühlen preisgegeben, die er sonst nicht verspürt. Und obwohl Asmodis den harten Macho spielt, spürt der Teufel hier erstmal mit voller Wucht die Kraft der Liebe.

Doch je mehr Dämonen des Siebengestirns vernichtet werden und ihre Teufelskraft wieder mit Asmodis verschmilzt, umso mehr wird Asmodis wieder ein Sohn der Hölle. Als das Mädchen ihn abweist, lodert der Zorn  des Höllensohnes empor und er sendet einen Dämon des Siebengestirns nicht zur Jagd auf Zamorra, sondern zur Rache an dem Mädchen. Aber weil das Ganze eine im Film aber nur unbedeutende Nebenhandlung ist, soll sie hier nicht weiter erzählt werden.

Vernimm denn, oh Unwissender, dass es in jedem Heftroman eine Nebenhandlung geben muss, um in der Haupthandlung die Spannung zu steigern und dabei gelegentlich bei der eigentlichen Action „fahrende Züge aufzuhalten“. Hauptsächlich dient eine Nebenhandlung allerdings dazu, um den Roman auf die erforderliche Seitenzahl zu strecken.

In unserem Film hatte diese Nebenhandlung den Zweck, erstens einen Dämon zu killen und zweitens Gryf aus der Szene zu nehmen, weil er für die weitere Handlung nicht mehr gebraucht wurde. Der Druide konnte dann mit dem vom Assi geliebten Girly abziehen, weil sein Vorhandensein in der weiteren Handlung einen Helden zu viel bedeutet hätte.

Den vorletzten Dämon des Siebengestirns killt Teri Rheken mit dem Zauberbogen. Da erscheint Asmodis, der durch den Tod des sechsten Dämons fast seine alte Stärke zurück gewonnen hat. Er besiegt Teri im magischen Duell und verschleppt sie zu den Felsen von Ash-Naduur. Hier findet sich auch Zamorra wieder, nachdem er den letzten Dämon per Amulett im wahrsten Sinne des Wortes zum Teufel geschickt hat.

Majestätisch erscheint Asmodis auf den Felsen von Ash-Naduur und bietet Zamorra den Zweikampf an. Teri ist der Preis für den Sieger. Durch einen Machtspruch des Asmodis wird die Druidin in einen magisch versiegelten Tempel gesperrt, aus dem sie Nicole erst nach mehreren vergeblichen Versuchen befreien kann. Sie ruft das Amulett und Merlins Stern siegt über die Zauberbande des Asmodis.

Zamorra hat Gwaiyur, das Schwert der Gewalten, gerufen und kämpft damit gegen Asmodis. Der Teufel kämpft erst fair, dann mit allen miesen Tricks. Lange wogt der Kampf hin und her. Als Asmodis erkennt, dass er Zamorra nicht mit dem Schwert besiegen kann, zaubert er zwei lebendige Totenschädel herbei. Er wirft sie Zamorra entgegen und sofort verbeißen sich die Zähne der Schädel in Zamorras Armen und machen ihn wehrlos. Mit schmerzverzerrtem Gesicht geht er zu Boden. Der Teufel triumphiert und will den Unterlegenen mit dem Höllenschwert enthaupten.

Doch als Asmodis sein Höllenschwert zum letzten Schlag erhebt, rennt Nicole heran, ergreift Gwaiyur und schlägt  Asmodis die rechte Hand ab. Das war auch ein Momenteinfall des Films mit weitreichender Wirkung in der späteren Romanhandlung. Denn dadurch bekommt Asmodis von Amun-Re seine künstliche Hand, die er einen Gedanken weit werfen kann.

Der Teufel ist besiegt und Zamorra will die Welt nun endlich von diesem Höllensohn befreien. Doch bevor Zamorra seinerseits Asmodis erschlagen kann, schiebt sich Merlins Bild zwischen sie. Er muss den dunklen Bruder retten – sonst kommt die Schicksalswaage aus dem Gleichgewicht.

Der Verlust der Hand zeugt für Asmodis vor Satans Thron für seinen Kampf. Und die Partie ist, wie bei jede Menge anderer Romane vorher, wieder mal unentschieden. Der Teufel verschwindet in die Hölle.

Der Rest ist reine Roman-Routine. Umarmung von Held und Heldin, Gekicher...Ich hab dein Scheckbuch, Zamorra. Teri und ich gehen einkaufen...Schluß. Aus. Feierabend. Abspann!

So weit die grob umrissene Handlung des Zamorra-Films. Zu kleinen Details komme ich bei der Beschreibung unserer Pleiten, Pech und Pannen bei den Dreharbeiten.

Ursprünglich  sollte der Film eine ganz andere Handlung haben. Denn Tinchen, unser Jedi-Ritter, wollte doch unbedingt auf einem Raumschiff mit dem Laserschwert wirbeln und ein Blaster-High-Noon mit den Meeghs ausfechten. Werner kam das voll entgegen, er hat ja eine Schwäche für Science-Fiction und die Einführung seiner Dämonen-Raumschiffe der Meeghs waren damals etwas völlig Neues in der Horror-Branche.

Die Maske einer Fliege für ein Alien als „Bestie aus dem Weltraum“  hatten wir und die langen, sterilen Gänge unseres Rathausneubaus sowie das Mischpult des großen Bürgersaales hätten eine improvisierte Raumschiffkulisse hergegeben. So hatten  wir es ja schon bei der Planung für einen Ren-Dhark-Film vorgehabt in dem  die Fliegen-Maske dann einen Nogk dargestellt hätte.

Aber obwohl wir schon einige Film-Szenen in dieser Richtung gedreht hatten, irgendwie erwies sich die Handlung mit Meeghs und Raumschiffen für uns als zu kompliziert und nicht ohne größeren finanziellen Anstrengungen machbar. Aber mit viel Glück gelang es uns, die bereits für dieses SF-Konzept gedrehten Szenen in anderer Deutung mit in den neuen Film einzubauen.

Frage mich bitte niemand mehr nach der ursprünglichen Meegh-Story...die ist im Wind der Vergangenheit verweht und ich habe sie vergessen. Aber die Szenen sind jene, die wir damals beim Marlos-Con in Nürnberg gedreht haben. Die haben dann nur eine andere Bedeutung bekommen.

Dan Shocker bekam die Rolle Merlins. Wir nahmen sein Gesicht ca. 3O Sekunden vor einer schwarzen Wand (mein Vampir-Umhang) auf, weil wir diese Aufnahmen in den laufenden Film später einkopierten. Ich hatte die Asmodis-Maske samt meinem schwarz-roten Vampirumhang dabei...und bei der Szene auf der Nürnberger Rathaustreppe sieht man das dunkelblaue Western-Hemd darunter nicht so sehr. Hexen-Hermanns Fellmantel war auch an Bord (den hatte er beim Zelten in Wallenstein vergessen – ja, Hermann gehörte damals schon zum inneren Kreis) und selbstverständlich war das ganze Sammelsurium der Dämonen-Masken vorhanden. Was lag also näher, als beim Marlos-Con in Nürnberg einige Szenen zu drehen.

Natürlich sollte etwas schwarzer Humor in den Film mit einfließen, wie er damals beim Zamorra gut ankam. Und die Götter waren uns hold, dass nicht nur der 'Dämonenkiller' damals wieder anlief, sondern gleichzeitig der größte Dämonenkiller-Fan des Universums und der umliegenden Ortschaften anwesend war. Sonderbar, ihr könnt fragen, wer  das ist. Na klar, Uwe Schnabel natürlich. Die ihm zugedachte Szene planten Werner und ich bereits auf der Autobahn. Denn bei welchem Marlos-Con wäre Dan Shockers Butler nicht anwesend?

Der liebe Uwe Schnabel durfte also innerhalb unserer Dreharbeiten zuerst sterben. Denn in seiner Filmszene las er jenes Heft mit der Head-Line "Dämonen-Killer". Und auf so einen Schriftzug reagieren Dämonen so allergischer wie ein Amtsrat auf Beamtenwitze.

Welcher Höllensohn mag schon einen 'Dämonenkiller' - es sei denn jenen Drink aus Schwefel und Kaliumpermanganat mit einem Schuss flüssiger Lava, der ganz unten in der Taverne 'Zum fröhlichen Pferdefuß gemixt wird.

"Das da mögen wir nicht!" Die Kralle einer mächtigen Latex-Klaue weist im Film auf den Namenszug der leider zu früh von uns gegangenen Horror-Serie. Und bevor Marlos-Uwe noch den Versuch einer schauspielerischen Leistung erbringen kann, gehts ihm schon an den Kragen.

Uns Uwe bekommt den Hals rumgedreht. Und wenn es damals einigen Leuten im Fandom nach gegangen wäre, hätte diese Szene völlig echt gedreht werden müssen. Doch weil Uwe damals für Marlos so unersetzlich war wie heute für seine Sabine, mussten wir die Szene etwas türken. Und so sorgten wir durch einen kleinen Trick dafür,  dass weiterhin die Einnahmen der Aktionäre von Coca-Cola konstant bleiben und die Milch von glücklichen Kühen einen Abnehmer findet.

Das „Halsumdrehen“ war sehr einfach. Uwe Schnabel zog nur das Hemd aus und entblößte seinen Revue-Körper, der damals mehr einem Bettelmönch als einem Sumo-Ringer glich. Dann zog er das Hemd verkehrt rum an und durfte sich mit so umgedrehtem Hals wieder als Leiche auf den Tisch legen.

Die Sache sah täuschend echt aus. Klappe zu...Uwe tot ... Als Hilfs-Dämon durfte er in einer späteren Einstellung noch mal sterben. Hexen-Hermann in der Rolle des Werwolfs hatte vorzügliche Arbeit geleistet.

Das nächste Opfer von Nürnberg war die seinerzeit im Fandom allseits beliebte Mechthild Weichel. Ein Dämon sollte sie anfallen und würgen. Dabei sollte sie  gefälligst recht malerisch sterben.

Aber Mechthild ist ja nicht nur absoluter Dan-Shocker-Fan, sondern auch Zamorra-Leser. So hat sie seit Jahren Erfahrung und Wissen gesammelt, was zu tun sei, wenn ihr ein Schwarzblütiger an die Wäsche will.

Nur wusste das weder Hexen-Hermann mit der Insektenmaske noch W.K. Giesa als Regisseur und Kameramann dieser Szene.

Mechthild wartete also brav, bis Hermann nach Regieanweisung einem Kastenteufelchen gleich um die Hausecke sprang und sie wie ein Sittenstrolch anfiel. Doch als der Werwolf von der Waterkant hinter der Hauswand mit hoch erhobenen Armen hervor preschte, zückte Mechthild Weichel mit unglaublichem van-Helsing-Charme ein Kreuz.

Da sich aber auch Hexen-Hermann seit Jahren durch einschlägige Literatur auf diese Rolle vorbereitet hatte und außerdem seinerzeit bei irgendeinem Kehdinger Bauerntheater den jugendlichen Liebhaber oder so was (wer hat hier was von 'Dorfdepp' gemurmelt) darstellte, wurde diese kleine Panne sofort Bestandteil des Films.

Hermann tat das, was seit Bram Stoker jeder Vampir tut, wenn er ein Kreuz sieht. Er drehte bei, ging auf Gegenkurs und setzte sich ab. Zurück blieb Mechthild mit reichlich belämmerten Blick. Immerhin wusste sie nicht, wie es nun weiter gehen sollte... Wir fanden den Gag gelungen und beschlossen, die Szene so zu übernehmen.

Die Einstellung auf der Rathaustreppe, die Hexen-Hermann in einer ihm zwar ziemenden, aber leider von ihm selten geübten Rolle sah, war die letzte Aufnahme, die wir in Nürnberg machten. Gemäß senier Rolle dienerte Hexen-Hermann als Werwolf vor Asmodis, d.h. vor mir selbst unter der Latex-Maske. Eine Szene wie eine Audienz   von Sekretär Winzig beim Oberamtsrat Großkotz. Hach wie habe ich das genossen – wo ich doch sonst im Amt der kleine Sekretär war...

Wieder gingen einige Wochen ins Land und Werner wurde ungeduldig. Ich hatte eigentlich schon gar kein Interesse mehr an dem Projekt... und die Girlies hatten auch vergessen, dass sie im Frühjahr alle Feuer und Flamme für einen neuen Spiel-Film  waren. Es gab ja so viel Wichtiges wie die Wochenend - Disco, den neuen Freund und ähnliche Teenager-Zerstreuungen. Original-Zitat Adenauer: Was schert mich mein Geschwätz von gestern...!

Aber Werner kann die Leute schon motivieren, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat. Und irgendwann rauschte er in Kassel an, machte mit Tina und Regina einen Spaziergang im Park Wilhelmshöhe und dabei natürlich auch einige Aufnahmen.

Ich musste dann am nächsten Tag ran. In schwarzer Klamotte mit Schwert, Umhang und Teufelsmaske mimte ich auf den Treppen der Herkules-Kaskaden den besten Fürsten der Finsternis, den es je gegeben hat.

Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir an jenem Tage muntere 30 Grad Celsius auf dem Thermometer und ich fühlte mich in dieser Hitze unter Gewandung und Gummimaske tatsächlich wie Asmodis in der Hölle. So mag es einer Weihnachtsgans gehen, die im eigenen Saft geschmurgelt wird. Eigentlich bin ich ja nur die Treppen hinunter gegangen, aber das war schon höllisch warm. I

Ich weiss – wenn ich mich mal von dieser Welt verabschiedet habe, werde ich unten in der Hölle die Szene rückwärts spielen müssen  und bei dieser Affenhitze die Kaskaden hoch laufen. Ich bin sicher, dass es so kommen wird, weil Verzeihen nun mal nicht zu des Teufels Generaltugenden gehört...

Die ganze Szene mit Asmodis, der durch glühende Lavaströme hinab zum tiefsten Grund der Hölle steigt, wurde unter Rot-Filter aufgenommen. Und als Werner am Sonntag die Wassermassen aufnahmen, welche die Kaskaden herabrauschten, war der Höllenhintergrund perfekt.

Zu der schon in anderen Horror-Filmen für den musikalischen Hintergrund genutzen Orgelgelmusik „Toccata und Fuge in B-Mol“  von Johann Sebastian Bach fließen die Feuerströme der Hölle, durch die Asmodis zu seinem Gebieter schreitet. In diese Aufnahmen hinein schnitten wir dann unseren wie üblich recht reichhaltigen Vorspann. Frage beispielsweise niemand, wer 'W. R .Wolf' ist... ich weiß aber, wer es geworden wäre, wenn... aber wir wollen ja hier nicht über verblichene Horror-Serien weinen.

So gut es ging (unter der Maske sieht man so schlecht und zudem musste ich als Asmodis den Kopf stolz hochhalten) schritt ich die Kaskaden des Herkules hinab bis zum Standbild des Neptun. Das war damals leider von irgendwelchen Banausen, im Rahmen der Documenta "Künstler" genannt, mit Graffitti besprüht.

Aber da in der geheimen Offenbarung des Johannes auch steht, dass der Teufel und das Tier mit allerlei Zeichen und Symbolen beschrieben sind (z.B. die Zahl 666) ließ sich dieser Ausbruch von krankhaftem Kunst-Dilletantismus mit der Handlung vereinbaren.

Ich vollzog also einige Verbeugungen vor der Statue und keuchte dann mit Werner die Treppenstufen der Kaskaden wieder empor, wo wir ganz selbstverständlich im piekfeinen Kaskaden-Restaurant ein Bierchen trinken gingen. Natürlich wurden wir wie Onkel Erichs Götter-Astronauten angestarrt. Ich hatte zwar die Teufelsmaske abgenommen, aber der Umhang, die Ehrenkette und das gegürtete Schwert war selbstverständlich nicht abgelegt worden.

Sonderbar, was die Leute immer für Augen machen, wenn man in einer Gewandung erscheint, die nicht den Richtlinien der Mode-Zaren von C & A entspricht. In der Welt  MAGIRA hätte niemand von meiner Erscheinung Notiz genommen...

Immer noch galt das alte Film-Konzept mit den Meeghs. Als Werner dann am Donnerstag der nächsten Woche wieder in  Ahnatal anrauschte, hatte er die fertigen Filmteile dabei und drängte drauf, am folgenden Wochenende den Film fertig zu stellen.

Er hatte sogar jeden in der Crew dazu persönlich telefonisch vergattert und die Zeiten abgestimmt, wann jeder einzelne zum Dreh kommen konnte. Denn natürlich hatte jeder am Samstag und Sonntag etwas Anderes vor, das viel Wichtiger war als 'Werners Film', der doch ursprünglich 'Unser Film' war.

So weit so gut und aus der Not musste eine Tugend gemacht werden. Von unserer Koordination für den Einsatz der Schauspieler hätte jedes Personalbüro eines beliebigen Großkonzerns nur lernen können.

Am Freitag bekamen wir keinen unserer männlichen Darsteller - aber da konnten Tina und Regina. Am Samstag konnte die Regina...und die Alexandra, eine Freundin von Tina. Tinchen konnte am Sonntag, aber nicht am Samstag. Und da ohne Wenn und aber – es ging nicht. Schluss! Aus! Und wir mussten froh sein, dass sie überhaupt mitmachten.

Ich beschwor Thor, mit Blitz und Wetter dreinzuschlagen. Alles erinnerte an die Story mit dem Wolf, der Ziege und dem Kohlkopf, die der Fährmann ans andere Ufer bringen soll.

Die Crew der Mannersleute wurde angeführt von  Michael Müller. Damit ist nicht jedes an Kater Garfield erinnernde Marlos- und RUM-Verschnitt-Wesen gemeint, das von unzähligen Cons bekannt ist, sondern unser „Mülli“, der schon im 'Draculord' die Kamera führte. Uwe Schnabel, überall dabei, wo es Horror-Action zu erleben und kleine Geheimnisse zu erschnüffeln gibt, war auch angereist. Unser im Fandom unbekannte Freund Gerhard Giebel, auch „der alte Joey“ genannt, war auch mit dabei. Joey ist immer da ist, wenn man ihn braucht und eine echte Allzweckwaffe, die man in fast jeder Situation einsetzen kann.

Mein Bruder Peter übernahm die Rolle des Druiden Gryf. Leider war er damals bei der Bundeswehr und somit musste das „von keinem Kamm zu bändigen lange Blondhaar“ Gryfs entfallen.

Regina spielte die Teri Rheken, obwohl sie mit Begriffen wie 'Druiden' etc. nicht viel anfangen konnte. Aber da wir ihr klar machten, dass Teri Theken eine wunderschöne Frau mit langem Blondhaar ist, war sie einverstanden. Nur an die für Teri typischen Garderobe wollte Regina absolut nicht ran.

Zamorra-Leser wissen ja, dass die hübsche Duidin vorzugsweise nichts anhat, weil die dann auch nichts waschen muss. Klar, im Sauna-Outfit die Rolle spielen, das wollte Regina nicht. Gemein war bloß, dass und Regina dann was von ihrem goldfarbenen Bikini erzählte, sich aber dann beharrlich weigerte, das gute Stück stilecht im Film zu tragen. Das wäre es doch gewesen, was hier eine „werksgetreue Verfilmung“ gegeben hätte. Schicksal, was bist du so hart...so seufzt auch der Betrachter des Filmes...

An Requisiten hatten wir ohne die Visage des Asmodis sieben Dämonen-Masken und notfalls sieben Gewänder, falls man einige Umhänge mal anders rum dreht. Drei der Umhänge sind übrigens die zerschlissenen Roben von Standesbeamten, die ich seinerzeit mal aus dem Müll gefischt habe. Und selbstverständlich hatten wir ein Arsenal archaischer Waffen, das für einen mittleren Krieg gereicht hätte.

Aber um jetzt noch irgendwelche Raumschiff-Kulissen zu bauen oder andere Star-Wars-verdächtigen Szenen zu drehen, dazu  hatten wir jetzt keine Zeit mehr - und schon gar kein Geld. So saßen Werner und ich mit einem Kasten Bier und einem Raben zusammen und kamen zur der Erkenntnis, das wir in dieser Nacht ein anderes, realisierbares Konzept für den „Zamorra-Film“ finden mussten.

Und nun kam das, was man als die legendären „Bier-Konferenzen“ bezeichnet. Ein Brain-Storming, wie es aus dem Fandom eigentlich nur Hexen-Hermann einmal richtig erlebt hat.

Der Ausgangspunkt unserer Überlegungen waren die bereits vorhandenen Szenen, die auf jeden Fall verwendet werden mussten. Die waren die Grundlage für eine völlig neue Handlung, die wir jetzt einfach aus dem Boden stampfen mussten, weil am Wochenende der Dreh angesetzt war und der Film am Sonntag Abend fertig sein sollte .Dazu sollten unsere vorhandenen Gewänder und Waffen optimal zum Einsatz kommen.

Es dauerte gar nicht lange und die 'Gehirn-Stürme' begannen. Werner und ich warfen uns die Ideen wie Bälle zu. Jeder baute auf den Vorschlägen und Erkenntnissen des Anderen auf.

Werner saß auf der Couch, schlörte seinen Hopfenblütentee und machte auf einem gelben A-4-Blatt seine Notizen. Ich tigerte links die Bierflasche in der Hand und rechts den Raben auf der Faust im Wohnzimmer umher, weil ich dabei besser nachdenken kann.

Die Zeit ging weit nach Mitternacht und die Ideenpotetiale unserer Großhirne rasten wie ausbrechende Vulkane. Selten haben die beiden Lamonts unter Zeitdruck einen ebenso logischen wie spannenden Handlungsaufbau mit weitreichenden Folgen erfunden. Halt – Korrektur! Der 8bändige Dynastie-Zyklus entstand in ca. 1,5 Stunden, weil wir die Nacht vorher ordentlich einen geladen hatten und am nächsten Tag die Zeit für Werner bis zur Rückfahrt knapp wurde.

Es wurde gegen 3 Uhr Morgens (mein Wecker klingelte um 5,30 Uhr) und der Bierkasten war alle, als das Konzept für den Zamorra-Film 'Satans Todes-Schwadron' fertig war. Ich war fix und fertig mit den Nerven und innerlich total ausgelaugt.

"Und was macht der siebente Dämon?" rief mir Werner nach, als ich schon halb in meinem Schlafgemach verschwunden war.

"Den schicken wir ins Finanzamt!" gab ich zurück. Immerhin kenne ich Werners negative Vorliebe für die im Volke so beliebte Fiskalbehörde sehr wohl - zumal er damit nicht alleine auf der Welt ist.

Mit diesem letzten Gag war für jeden der sieben Dämonen in der Filmhandlung eine Teufelei erfunden. Und natürlich war auch ein ordentliches und heftromangerechtes Ende ausgedacht, bei dem der Dämon  recht malerisch sterben durfte.

Sogar Wotan, der Rabe, bekam seine Rolle als Tarnexistenz des Asmodis. Der Vogel saß auf dem Freisitz auf der Stange und ich zog ihn an der Fußleine, so dass er ärgerlich wurde. Für seinen Part reichte diese Art der Schauspielerei  vollständig. Der selige Hitchcock hat in seiner Dimension sicher bittere Tränen geweint.

Durch den Film 'Satans Todesschwadron' kam auch das Mini-Modell meines damaligen Mercedes endlich zu Ehren, das  Werner mal mit der Bemerkung: "Wenn du deinen Wagen suchst...er ist hier!" auf den Tisch stellte. Nun durfte also Joey das Mini-Auto traurig betrachten, nachdem meine 'Glarelion' in  W.K.G.'s gemalter Trick-Explosion verging. Und so kann ich mir auf dem Film noch mal meine alte Bonzen-Schleuder betrachten und der Tage gedenken, als ich noch ein 'Auto' fuhr...(Heute fahre ich ja einen VW-Golf – und das war in Werners Augen nun mal kein Auto – das fing bei der „Stern-Klasse“ an. Aber dafür transportiere ich Tiger damit...ahem...)

Energieblitze, Laserstrahlen und Explosionen waren in den Film nachträglich einkopierte Zeichnungen. Werner malte eine Explosion und filmte darüber den Teil des Filmes noch mal ab. Das sah zwar reichlich primitiv aus, aber  das Budget reichte nun mal nicht, um die George-Lucas-Firma 'Industrial-Light-and-Magic' zu bemühen. Also mussten Zeichnungen ran, um Energieblitze und Explosionen zu simulieren. Es wäre vielleicht besser gewesen, bei diesen gemalten Szenen die Schnitte kürzer zu machen. Aber das ist heute nicht mehr zu ändern.

Joey durfte unseren Kamera-Mann angreifen, weil Michael Müller auch mal mit schauspielern wollte. Unsere 'Allzweckwaffe' musste Mülli als Dämon anfallen und würgen.

Beim Geiste von Gustav Gründgens. Die beiden lieferten sich einen Kampf fast wie in den alten Tagen von Helleböhn und hätten sich sicher in aller Freundschaft ernsthaft die Fresse poliert, wenn nicht das 'Aus' von der Regie gekommen wäre.

Und dann durfte Joey in seiner Stellung verharren, während unser Gaststar Willibald (zum dritten Mal sei sein Dieb verflucht, das ist wirkungsvoller) das Shirt von Michael Müller übergezogen bekam und seine Position einnahm. Die Skelettierung wirkt mit Überblendung im Film gar nicht schlecht.

Ein Teich mit einer Art Zwinger im Schloss Wilhelmstal wurde Merlins Burg. Irgendwo war es Regina gelungen, ein weißes Abendkleid zu beschaffen. Tinchen musste aufpassen, dass ja keiner zusah, als sie sich in dem Gemäuer umzog. Sehr ärgerlich, diese Sache. Und diese Umzieh-Orgie lief noch einige Male, weil Teri im Film ja mehrfach ausprobiert, was sie zur Dämonenjagd anziehen kann.

Peter hatte das einfacher, weil Gryf immer im Jeans-Anzug rumrennt und Werner besaß schon vorher diverse persilfarbene Anzüge. Tina trug das, was sie für modisch hielt und was Nicole Duval nie getragen hätte. Aber das Shirt und die Hose übertünchten etwas, dass wir aus ihrem Körpervolumen notfalls die Peters-Zwillinge hätten machen können.

Glühend wurde Christina von allen männlichen Wesen der Film-Crew beneidet, dass sie als Nicole Teri - Regina bei der Begrüßungsszene auf Merlins Burg umarmen durfte. Ha, wer wollte da von den stärkeren Rechten des männlichen Geschlechts reden. Zamorra durfte da nur mit der rechten Hand winken...

Leider ist Dan Shockers Kopf als Merlin in der Einblendung kaum zu sehen. Aber von unserem primitiven Trick-Kasten habe ich ja schon berichtet. Nur die Konturen vom Gesicht des Grusel-Papstes sind zu erahnen und der im Hintergrund erklingende Trauermarsch aus der 'Götterdämmerung' sorgt für einen Hauch des Geheimnisvollen, der früher im Zamorra die Figur des Merlin umgab.

Überhaupt - die Musik..!

In jenen Tagen wurde in der nachempfundenen Klassik durch 'Rondo Veneziano' neue Akzente gesetzt. Und diese Musik diente zum größten Teil der Untermalung unserer Film-Handlung. Allegro-Stücke im Mozart-Stil für Szenen mit Action und Bewegung und das ruhige 'Notturno in Gondola' als Hintergrund für die Ruhephasen der Handlung auf Chateau Montagne.

Zamorras Domizil wurde von Schloss Wilhelmsthal, bekannt von der früheren 1 DM- Briefmarke, recht hübsch gedoubelt. Zu der leicht an Tschaikowsky erinnernden Musik sieht man Zamorra und Nicole beim Spaziergang über gepflegten Rasen und am Schwanenteich, wo Tinchen gar zu gerne eine Ente gefangen hätte.

Der Kameramann und Regisseur dieser Szene in einer Person (na, ratet mal, wer das war) hoffte nur, dass so ein Lohengrin-Vogel unsere jugendliche Heldin über die Prärie jagen würde oder dass Tinchen in ihrem Eifer, einen entfernten Verwandten Donald Ducks zu fangen, in dem See plumpste.

Aber wenn es mal Pleiten, Pech und Pannen geben soll, dann passiert nichts. Und so gehören diese Einstellungen mit romantischer Musik untermalt eigentlich zu den Schönsten des Films.

Die Szenen auf Chateau Montagne beginnen allerdings mit einer Einstellung, die im Publikum immer wieder ungetrübte Heiterkeit hervorrufen. Zamorra kommt von einer Reise zurück und läuft Nicole entgegen. Zamorra läuft in den Heften ja bekanntlich immer kraftvoll und elastisch.

Aber bedauerlicherweise ist Werner Kurt Giesa eben doch kein echter Zamorra. Und von ihm, nicht von Carsten Möbius, stammt die Theorie, dass Laufen gesundheitsschädlich sei und der Herrgott dem Fuß des Menschen in allweiser Voraussicht die Form des Gaspedals gegeben hätte.

Werners Laufstil ist einfach mit Worten unbeschreiblich und der unvoreingenommene Betrachter fühlt sich in das Kintopp der frühen Jahre zurückversetzt, als die Bilder laufen lernten.
 
Selbstverständlich gab es keine richtige Umarmung zwischen Zamorra und Nicole, weil Werner eben nicht wie Robin Hood, alias Michael Praed, Tinchens damaliger Bildschirm-Schwarm, aussah.

Und leider ist ihr gackerndes Lachen auch nicht festgehalten, als ihr Zamorra den kleinen 'Roth-Händle'-Aufkleber als neuen Bikini schenkt. Das war nämlich nicht abgesprochen und Tinchen  wusste nichts von diesen kleinen Attentat. Christinas Minenspiel zwischen Unschuld und aufkommender Lust kommt im Film leider nicht so recht zum Tragen, weil der Ton nicht mitgeschnitten werden konnte.

Uwe Schnabel, Geheimsekretär und erster Diener von Dan Shocker, spielt übrigens Raffael Bois, den alten Butler. Im Film sieht er auch ohne Maskenbildner so alt aus, wie wir hoffen, dass er mal wird. In jenen Tagen hatte seine Kalorien-Diät noch nicht in dem Ausmaße eingesetzt, dass er Zamorras alten Diener gut darstellen konnte.

Als Dämon durfte Uwe Schnabel dann noch zwei Mal sterben und beide Male macht er eine recht hilflose Figur. Er geistert herum, zuckt hilflos mit den Schultern weil er nicht weiter weiß und rollt sich dann wie ein müder Büffel auf die Erde, als er von Zamorra bzw. von Gryf per Amulett oder Silberstab den Fangschuß erhält.

Zurück zur Musik im Zamorra-Film.

Das sturmdurchtoste Thema aus dem 'Fliegenden Holländer' kündigte das Erscheinen des Asmodis an und der 'Walkürenritt' diente als Untermalung für die Hölle, in der Asmodis Untergebene, die versagt haben, bestraft.

Das 'Zamorra'-Thema hatte Werner irgendwann mal während seiner literarischen Nachtschichten zufällig aufgenommen. Wir wissen weder Titel noch Interpreten. Aber Werner wollte diese Musik unbedingt haben.

Wie immer hatte das Zamorra-Team der Gebrüder Lamont kleine augenzwinkernde Bezüge zu aktuellen Ereignissen mit eingebaut. In diesem Falle ist es ein Western-Stetson, den Asmodis in seiner Tarn-Existenz als Geschäftsmann kurzzeitig trägt und der selbstverständlich an J.R. Ewings Dallas-Oper erinnern soll.

Der dahinter mit sprühender Gischt aufrauschende Brunnen des Kasseler Rathauses (heute einem sogenannten Kunstwerk gewichen) mag dem hintersinnigen Betrachter als Symbol für eine  Seifenoper erscheinen.

Der Friedhof mit den wunderschönen Grabmalen, auf dem wir drehten, liegt mitten in Kassels Innenstadt, stammt aus dem 18. und beginnenden 19 Jahrhundert und die Leichen sind schon längst umgebettet worden. Es liegt also kein Toten-Frevel vor, da- wir dort einige Einstellungen abdrehten. Und es hat sich auch kein Schwein um uns gekümmert, als ich mit Teufels-Maske hinter der „Geliebten des Teufels“ die Alexandra darstellt, her hechelte.

Als Arbeitsgebiet des Asmodis bot der aufgelassene Friedhof mit den uralten Grabsteinen die beste Dekoration. Ich hatte mich in meinen dunkelblauen Anzug gezwängt, der mir mit zwanzig Lenzen mal gepaßt hat, jedoch dann auch noch Anno 1984 meine Hochzeit erleben durfte. Dazu kam ein feuerroter Schlips, das passte zwar nicht, gilt hier aber als Zeichen der Hölle. Werners berühmtes Diplomaten-Köfferchen mit dem Pentagramm dazu und fertig war der Teufel. Bei der Kampf-Szene mit Teri Rheken wurde nur die Maske übergestülpt und der Umhang über die Schultern gezogen. Ansonsten – nun ja, „der Teufel trägt Prada“ ....oder wenigstens C & A.
 
In dieser Szene schießt Teri einen Pfeil auf Asmodis ab, den dieser zurück schleudert. Die Druidin fängt ihn und windet ihn zum Armreif.

Gut, dass ich Regina aus Amsterdam (von jenem berüchtigten, versoffenen Perry-Rhodan-Con) ein Spiral-Armband in Form einer Schlange mitgebracht hatte. Das konnte gleich eingesetzt werden. Und da die Schlange die Druidin beißt, bricht sie zusammen und landet in den Armen des Teufels, der sie davon trägt.

Regina Stübgen auf Händen tragen - wer träumte damals nicht davon. Und im Film sieht das alles so einfach aus, wenn der Held die geknickte Unschuld wie eine Feder über die Szenerie trägt.  Wie hat es Clark Gable damals bloß geschafft, auf dem Filmplakat Vivian Leigh im Arm zu halten, ohne dass man ihm die Anstrengung anmerkte.

Ich wäre mit meiner süßen Last fast umgefallen, als sich Regina, wie üblich voll in die Szene gehend, in meine Arme sinken ließ. Die Einstellung musste noch mal gedreht werden, weil ich fast mit ihr nach vorn umkippte  und Regina schwor sich die nächste Diät. „Einen Joghurt und einen Apfel“ war ihr üblicher Spruch. Und mit diesen Worten habe ich dann auch mal einen Liebesroman angefangen, weil mir einfach kein passender Anfang einfiel...

Der Schwertkampf zwischen Zamorra und Asmodis leidet sehr stark darunter, dass wir angenommen haben, dass die Kamera schneller eingestellt war. Michael Müller, unser Kameramann, hatte sie jedoch mit Normalgeschwindigkeit laufen. Und da wir verständlicherweise mit den Schwertern vorsichtig schlugen, da ich durch die Teufels-Maske kaum etwas erkennen konnte, wirkt der ganze Kampf so lahm, als hätten wir auf dem Mond gefilmt.

So wurde der Schwert-Kampf eher ein Schwert-Krampf, der durch einige Einfälle aufgelockert werden sollte, die jedoch durch falsche Kameraeinstellung und ungeschickte Dialoge nicht zum Tragen kamen. Beispielsweise wird das Schwert des Asmodis zur Peitsche, mit der Zamorra gewürgt wird. Besser gelang die Einstellung, in der Asmodis Totenschädel schleudert, die sich in Zamorras Arm verbeißen und ihn wehrlos machen. Die Gummi-Skulls machen sich recht nett in der Handlung.

Eine Krönung der Esoterik gelang Christina als Nicole Duval in der Szene, als sie Teri aus ihrem magischen Gefängnis befreien soll. Der sogenannte 'Merkur-Tempel' liegt auf einer Anhöhe und ist eigentlich ein Säulenkreis. Naja, einige Einfälle hatten die Girlies ja, als sie vergeblich versuchten, die unsichtbare Wand zu zerschlagen. Der Spruch 'Bring mir die magische Kreide', den Alex während der Dialog-Aufnahme zu früh sagt, versaut die ganze Atmosphäre. Aber er ließ sich aber in der Hektik nicht mehr löschen.

Denn wie beim 'Magier-Film mussten auch hier die Dialoge improvisiert werden. Bei der Synchronisaton war Regina nicht mehr dabei. Unmittelbar nach den Dreharbeiten (Crom sei gepriesen, dass es nicht vorher war oder während des Dreh) hatte sich die erste große Liebe gefunden. Regina hatte damit das Interesse an dem Film verloren, und bis heute hat sie ihn nicht in seiner endgültigen Fassung gesehen.

Alexandra Mahanek, kurz Alex genannt, die als 'Geliebte des Teufels' in ihrer ersten Rolle dilettieren durfte, sprach Reginas Dialoge dermaßen leiernd, dass es schon weh tat. Aber wir mussten die letzten verwehenden Spuren des Enthusiasmus ausnutzen, um die Dialoge auf den Film zu bekommen. Denn plötzlich hatte niemand mehr Interesse an diesem Projekt.

Ich wollte aber von Tinches Esoterik berichten.

Als durch eifriges Zamorra-Studium in den Rang einer Wissenden einzustufenden Mitarbeiterin sollte Christina  vor laufender Kamera impulsiv magische Symbole mit Kreide auf die Steine rund um den Merkur-Tempel zeichnen, in der unsere blonde Schönheit von unsichtbaren Wänden gefangen war.

Was sie jedoch an magischen Symbolen auf die Steine kritzelte, dient in der Hölle sicherlich zur Verschärfung der Witz-Seite der höllischen BILD-Zeitung, welche die Teufel lesen müssen. In anderen Spähren müssen sich die Dämonenwesen mit vergnügtem Wiehern auf die Schenkel geschlagen haben, als sie Tinis Interpretationen von Pentagrammen und ähnlichen Bann-Symbolen sahen.

Bei den einschlägig vorgebildeten Zuschauern rufen die Malkünste unserer Nicole immer lautschallende Heiterkeit hervor und es hat sich noch kein intellektueller Geist gefunden, der hier vielleicht eine Art Documenta-Kunst heraus interpretiert. Ja, wenn Joseph Beuys diesen undefinierbaren, symbolhaften Schwachsinn gemalt hätte. Dann hätte sich niemand gewagt, in Heiterkeit auszubrechen.

Es gäbe noch vieles zu berichten und von der Vielzahl der Erinnerungen kommt man etwas durcheinander. Pleiten, Pech und Pannen. Wir hatten zwar sieben Dämonenmasken, jedoch bedauerlicherweise zu wenig Leute, um das Siebengestirn in seiner Gesamtheit zu zeigen. Daher sind in der Einstellung, als Asmodis die sieben Dämonen ruft, immer nur höchstens vier Dämonen mit dem Assi im Bild.

Joey, Kameramann Michael Müller, mein Bruder Peter und Uwe Schnabel als die wandelnde Allzweckwaffe stellten das dämonische Siebengestirn  dar. Die Gewänder waren nicht nur unsere gewendeten Vampir-Umhänge und Hexen-Hermanns Fell-Mantel, sondern auch drei Amtsroben von Standesbeamten, die ich schon Jahre früher aus dem Müll des Kasseler Rathauses gewühlt hatte. Dass unter den Walle-Klamotten die unvermeidliche Jeans mit den Turnschuhen rausguckten, war nur einer der vielen Schönheitsfehler, mit denen 'Satans-Todesschwadron' reichhaltig gesegnet ist.

Selbst der Auftritt unseres 'Gaststars' von der Kehdinger Bauern-Oper konnte eigenen Angaben zufolge das Niveau des Filmes nicht mehr retten. Hexen-Hermann war bei ca. 35 Grad Wärme mit Vollbart und Norweger-Pullover die Idealbesetzung für Colonel Balder Odinssohn, den alte Zamorra-Leser sicher noch kennen.

Hermann schmolz unter seiner Kostümierung genau so dahin wie ich unter meiner pechschwarzen Asmodis-Kleidung. Und weil wir Sadisten sind, wurde auch Manfred Feuerriegel in eine dunkle Uniform mit Mütze geklemmt. Und so spielten die beiden größten intellektuellen Fandoms-Gegner der damaligen Zeit in einer unvergesslichen Szene.

Hermann als Colonel Balder Odinsson, der allgewaltige Geheim-Chef im Pentagon und Manni Feuerriegel (der Clubleiter, dem es dank seiner Überredungskünste seinerzeit gelang, sogar einem Jason Dark eine exclusive Short-Storys für sein Fanzine abzuluchsen und der sogar einen echten ‘John Sinclair’ aus London unter seinen Clubmitgliedern hatte) mimte einen Sergeant, der als Amtsbote eine Nachricht überbringen darf. Aber so hatte Manfred Feuerriegel die Möglichkeit, in meine heiligen Hallen einzudringen, die ich normalerweise vor Fans sorgsam verschließe. Und was tut ein Clubleiter nicht alles, um seine natürliche Neugier über die Privatsphäre eines Autoren zu befriedigen.

Aber Manfred Feuerriegel, die Kampfkugel von Bremen, hatte noch einen anderen großen Auftritt. Denn es war das Wochenende, an dem in Ahnatal der Zelt-Con stattfand, der die Blüte des damaligen Horror-Fandoms vereinigte. Wenn man so viele in Sachen Zamorra vorgebildete  Anti-Schauspieler parat hat, dann nutzt man das, um folgende Szene daraus zu machen. Ein Dämon erscheint auf einem Zeltplatz und metztelt mit Hieben seiner Teufels-Klauen die Leute dahin. Ein Mädchen macht per Sofortbildkamera noch ein Bild des Dämons. Seit wann sich Dämonen fotografieren lassen, ist der Heftroman-Logik überlassen. Jedenfalls bringt dieses Bild Balder Odinsson auf die richtige Spur. Er greift zum Telefon – und nun endlich wird Zamorra mit der Lösung des Falles beauftragt.

Den angreifenden Dämon spielte niemand anderes als kleines, dickes Manni Feuerriegel selbst. Schwarz gekleidet wie ein Sartre-Jünger war er schon und der Umhang samt der Maske machten den Dämon vollständig.

Leider verrutschte die Maske ständig, dass der liebe Manni sie während der Action immer wieder gerade rücken musste. Vorsichtig schlich sich der fannische Ober-Guru an, während die versammelten Fans demonstrativ in ihren eigenen Fanzines oder 'John-Sinclair'-Heften blätterten. Barbaren – nicht einer hatte einen „Zamorra“-Roman dabei.

Auf Kommando legte Manni los und flegelte sich wie ein Bowling-Kugel durch die fallenden Clubleiter. Sterben durfte die ganze damals anwesende Fan-Prominenz und ich bin sicher, dass Manfred Feuerrriegel ganz gern dem einen oder anderen seiner Gegner lifehaftig den Hals umgedreht hätte.

Am besten 'starb' Martin Dembowsky, der sich kompromißlos rückwärts fallen ließ, als ihn die Klaue des Dämons berührte. Er ging in seiner kleinen Rolle so richtig auf.

Angela Dembowsky, Martins hübsche Schwester, durfte zuletzt sterben und noch das Foto machen. Und als sie da in süßer Unschuld lag und sich ihre weiblichen Rundungen unter dem engen Shirt nur zu plastisch abzeichneten, konnte sich Dämonen-Manni eine „typische Handbewegung“ nicht verkneifen. Eine Handlung, die er als optische Täuschung nach der Szene heftig bestritt und die dennoch von der gnadenlosen Kamera festgehalten wurde.

Gut, dass Angela so viel Disziplin aufbrachte, „tot“ liegen zu bleiben, als zu erwachen und ihm für diese Frechheit, über ihre straffen Brüste zu streicheln, eine runter zu hauen. Aber Manni hat sicher nicht viel von seinem 'Erlebnis' gehabt. Denn er trug die Latex-Klauen des Dämons und hatte deshalb höchstens 'Pariser-Feeling'.

Die letzten Szenen, die gedreht werden mussten, spielten in der Hölle und wurden mit Rot-Filter aufgenommen. In einem Lava-See werden die verdammten Seelen gefoltert und so ist Norbert Aichele, der Ober-Gruru der cineastischen Kritik, dort zu sehen, wo ihn Filmemacher der Phantastik sicher hinwünschen... im flammenden Sündenpfuhl der Hölle.

Norbert ahnte allerdings nichts davon, weil er ohne von der Kameraaufnahme zu wissen ahnungslos im See plantschte. Vorher durfte auch Norbert Aichele nach einem Hieb des Feuerrriegel-Dämons sterben. Mag der Chef-Nöhler des Kino-Generes auch noch so viel über Schauspieler lästern -  gegen seine Sterbe-Szene gehören selbst die negativen Leistungen eines Miles O'Keefe (Ator-Herr des Feuers) ins Charakterfach.

Hexen-Hermann dagegen bewies, was ein Kehdinger Fußball-Torwart so drauf hat. Von Asmodis gepeitscht stürzte er wie ein Stunt-Man einen Hang herunter. Da er den dicken Pelzmantel und die Maske trug, konnte ich mit den beiden Tiger-Peitschen ganz ordentlich drauf los prügeln. Gelitten haben wir aber beide unter den warmen Klamotten und den Masken, denn es waren damals weit über dreißig Grad.

Der Film 'Satans Todesschwadron' fand im Fandom geteilten Beifall und ich hoffe, dass dieser Artikel dazu beiträgt, über gewisse Schwächen großzügig hinweg zu sehen, falls der eine oder andere Leser dieser Zeilen zu den Auserwählten gehört, die ihn mal zu sehen bekommen.

Geplant war ein weiterer Zamorra-Film. Wir wollten die „Dynastie der Ewigen“ verfilmen, bevor der Roman geschrieben wurde. Und dieser Roman-Zyklus  hätte danach, bedingt durch die Film-Handlung. eine völlig andere Fassung bekommen.

Treibender Motor beim 'Dynastie'-Projekt war damals nicht nur Werner, sondern hauptsächlich eine gewisse Petra Wrobel aus Hannover. Eingeweihte wissen, dass ich diese Petra dann am 4. Mai 1984  geheiratet habe, wir aber bereits wieder in beiderseitigem Einvernehmen und ohne Krieg und Zank glücklich geschieden sind.

Petra war damals echter Zamorra-Fan und schrieb ein korrektes Drehbuch mit Dialogen für den geplanten Film. Und die Handlung des 'Dynastie-Films' wurde nicht nur von Werner und mir sondern auch maßgeblich von Petra mit entwickelt.

Zufällig wurde das Drehbuch zum niemals gedrehten Film 'Die Dynastie der Ewigen' wieder aufgefunden und sollte eigentlich mit Petras Erlaubnis auch im 500er Jubilämsband des EDFC erstmalig veröffentlicht. Aber leider ist daraus nichts geworden - warum, wissen nur Crom und Gustav Gaisbauer. Und heute ist das Drehbuch nicht mehr auffindbar. Petra hat es nicht. Sie will mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben, weil sie inzwischen ganz andere Interessen hat.

Der Stoff für die Gewandung der Dynastie war gekauft worden und Petra hatte auch schon die Schnalle eines Kampfgürtels mit leuchetendem Dhyarra-Kristall entwickelt. Das war eine kleine, handtellergroße Obstschale aus Plastik, blau angestrichen und mit einer kleinen Batterie und Taschenlampenbirne im Inneren versehen, die per Schaltung zu leuchten oder zu pulsieren begann. Ideen muss man eben haben, dann kann man viele Requisiten einfach und billig herstellen. Und Petra hatte Ideen – verdammt gute Ideen sogar.

Leider winkte unser altes Filmteam für diese Produktion ab. Regina mochte nicht mehr und Tinchen hatte auch andere Interessen. Vergeblich versuchten wir, Angela Dembowsy als Nicole Duval zu bekommen, die diese hübsche und zierliche Französin sicher besser dargestellt hätte als Christina. Angela musste in den Ferien jobben und hatte keine Zeit, den Filmstar zu spielen.

Dann aber änderte sich alles, als Werner und seine jetzige Frau Heike zusammen kamen und das Geld des Film-Budgets für die Gründung eines Hausstandes benötigt wurde.

Also wurde die Handlung der 'Dynastie der Ewigen' in die bekannte Romanfassung geändert und der Film sang- und klanglos abgeblasen. Irgendwann murmelte Werner, wenn man wieder Geld da sei, wolle er Kurzfilme im Stil der 'Creep-Show' drehen. Aber  das wurde nichts mehr – und jetzt brauchen wir wohl nicht mehr drüber zu reden.

Inzwischen hat die verfeinerte Video-Technik die Super-Acht-Kamera längst überholt. Und dieses Medium bietet dir, liebe Leserin und lieber Leser, die Möglichkeit, es unserem Film-Team gleich zu tun.

Die Camcorder wie auch die Schneidegeräte sind heute erschwinglich oder lassen sich kurzfristig leihen. Sammelt eine Crew begeisterungsfähiger Leute aus eurem Freundes- und Bekanntenkreis und macht euer eigenes Hollywood auf.

Lasst eure Phantasie spielen und versucht euch einmal selbst als Kameramann, Regisseur oder Schauspieler. Und dann werdet ihr schnell merken, dass es einfacher ist, über ein fertiges Produkt zu lästern als es besser zu machen.

Ich bin sicher, dass es auf Parties oder Phantastik-Cons genügend Möglichkeiten geben wird, eure fertigen Fantasy- oder Horror-Streifen per Fernseher zu zeigen. Vielleicht kommen mal im organisierten Fandom Film-Festivals mit Prämierung der besten Werke heraus, wie man es heute schon mit Short-Storys macht.

Zeigt euch einfach kreativ. Tut selbst etwas und konsumiert nicht nur die Dinge, die euch literarisch oder cineastisch vorgesetzt werden. Notfalls bringt den Camcorder zu einem Fan-Treffen mit und dreht die vorher ausgetüftelten Szenen vor Ort mit Besuchern des Cons. Mit etwas Requisite und Theaterschminke  könnt ihr vielleicht  direkt beim Con eine Phantastik-Atmosphäre einfangen und das Werk dann am Abend im Rahmen des gemütlichen Teils präsentieren.

Und wer mir da als impulsiv gedrehte Filme mit unbedarften Schauspielern bessere Produkte vorführt als unsere cineastischen Werke, dessen Lästern will ich gern ertragen.

Denn gelästert haben viele! Besser gemacht hat es noch niemand.
    
Möge die Macht der Zelluloid-Götter mit euch sein!

 

Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2009-03-26 13:02
Zitat:
Die Crew der Mannersleute wurde angeführt von Michael Müller. Damit ist nicht jedes an Kater Garfield erinnernde Marlos- und RUM-Verschnitt-Wesen gemeint, das von unzähligen Cons bekannt ist, sondern unser ?Mülli?, der schon im 'Draculord' die Kamera führte.
Woher der Garfield kam muss aber erklärt werden. Meine Haare waren damals nicht etwa orange, ich schickte auch keine "Nermals" per Packet nach Abu Dabi- es war meine Vorliebe für Pasta und Lasagne (etwas rundlich war ich damals auch schon), die mir den Spitznamen Garfield einbrachte.
An die RUM-AG werden sich auch nur die "alten" Hasen erinnern! ;-)
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#2 G. Walt 2009-03-26 14:35
Ja die gute RUM AG. Ralf, Uwe und Michael. Was macht eigentlich der Ralf?
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#3 Mikail_the_Bard 2009-03-27 19:54
zitiere G. Walt:
Ja die gute RUM AG. Ralf, Uwe und Michael. Was macht eigentlich der Ralf?


Hmm, das ist ne gute Frage. Ich habe Ralf seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, geschweige denn etwas von ihm gehört. Hatte mal Uwe angefragt, zu dem ich noch lokeren Kontakt hab', aber auch der weiß nix genaueres. Ralf ist irgendwann mal "verschwunden". Leider wird es damit auch keine RUM AG Geschichten geben... obwohl ich noch eine Angefangene habe und auch noch fertigschreibe (allerdings nur proforma und für den Ordner!).
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#4 G. Walt 2009-03-30 23:03
Schade - du schöne alte Zeit.
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#5 c.r.hays 2009-03-31 05:15
Es war eine liebe Zeit, die gute alte Zeit vor anno '90 - im Fandom gleich gar...
Gerne denke ich an diese Zeit zurück, zu der die Zeltcons 1983 (Zamorra-Film) und auch 1984 (legendäres Fußballspiel...) mit Sicherheit gehören. Wer damals dabei war, weiß vovon ich rede. Ich hoffe, daß (wie Rolf bereits angedeutet hat) die WKG-Filme demnächst vielleicht für alle zur Verfügung stehen können. Sie sind teil der Geschichte des Fandoms und des Heftromans - sie sind Kult!
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