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Wikinger, die Sterne des Nordens

Teestunde mit RolfMoin Rolf, wieder öffnest du die Schatztruhe deiner Konzepte. Diesmal geht’s in die Welt der Wikinger. Dann erzähl mal. Der Tee ist serviert …

Wikinger, die Sterne des Nordens

Ich habe es damals nicht begreifen wollen, was Dr. Helmut Pesch mir damals sagte, als ich ihm Projekte für Germanen- und Wikinger-Romane vorschlug. »So was kann nur aus England oder Amerika kommen«, sagte er kategorisch. »Jeder deutsche Autor, der so was schreibt, wird automatisch als Nazi angesehen.«


Und so dauerte es sehr lange, bis irgendwann mal ein Verlag anfragte, ob ich denn einen ›Wikinger-Roman‹ schreiben könne. Es gab eine grobe Skizzierung für eine Fantasy-Handlung, weil ich ja Helmut Peschs Bemerkung noch im Hinterkopf hatte und keineswegs als ›Nazi‹ gelten wollte.

Die Antwort des Verlages war dann, dass man doch eher an etwas ›Historisches‹ gedacht hätte. Was dann zum Konzept der »Wölfe des Nordens« wurde. »Das würden wir gern lesen«, war die Antwort. Also wurde der Roman geschrieben. »Ja, wir haben ja nur gesagt, dass wir es gern lesen würden«, hieß es dann, und so hatte ich die ›Wölfe‹ mehr oder weniger für die Katz geschrieben - und die Konzepte für die drei Folgebände der ›Saga‹ wurden erst gar nicht im Detail ausgearbeitet.

Was übrig blieb, war ein Wikinger-Roman im Fantasy-Stil. Irgendwann habe ich das Konzept richtig ausgearbeitet und bot es allen möglichen Verlagen, auch den Kleinverlagen, an. Doch wie man gleich sehen wird, ist das Konzept so lang, dass es bei einem Verlag nicht beachtet wird. Ich war aber damals der Meinung, man müsste das alles etwas genauer wissen, weil die ›Rettung der Erde‹ oder der Götter - durch einen oder mehrere Helden auf eine Seite zusammengezogen - so banal ist, dass sie überhaupt nicht beachtet wird.

Danach geriet der ›Ansgar‹ erst mal in Vergessenheit. Es ist nun mal was anderes als ›Tolkien‹-Fantasy, die von den Verlagen gewünscht wurde. Und jetzt, wo ich mich mal aus gegebenem Anlass mit den ›alten Abgelehnten‹ beschäftige, ist der ›Ansgar‹ eben mal wieder aufgetaucht. Ich hatte natürlich nichts mehr davon in Erinnerung und war beim Überarbeiten selbst gespannt, was ich damals Anfang der 90er so ausgeknobelt habe.

Was für ein Roman hätte das nach meiner Meinung werden können! Selbst für einen Film wäre es der ideale Stoff. Aber was nicht ist, das ist eben nicht. Mir fehlen die zwanzig Jahre, in denen ich Romane dieser Art hätte schreiben können.

Ob es das Konzept wert ist, dass ich es noch mal aus der ›Mottenkiste‹ rausgezerrt und hier präsentiert habe? Lest es, wenn ihr mögt und urteilt selbst.

Ansgar - Das Schwert des Nordens
Vorbemerkungen
Das Konzept, das dem historischen Wikinger-Roman "Wölfe des Nordens" zugrunde lag, gehörte ursprünglich dem Fantasy-Genre an. Es wurde dem damaligen Wunsch eines Verlages entsprechend 'entmythologisiert' und den wissenschaftlich belegbaren Realitäten angepasst.

Anstelle einer 'Sword- and Sorcery'-Handlung wurde diese Wikinger-Saga in eine detailgetreue Story aus den Tagen des Sommers 793 ausgearbeitet, als die wilden Söhne Norwegens durch den Überfall auf das Kloster Lindisfarne zum ersten Male greifbar ins Licht der Geschichte rückten.

Mit "Ansgar - Das Schwert des Nordens" wird das neu durchdachte, ursprüngliche Fantasy-Konzept des Wikinger-Romans in einer verbesserten Fassung vorgelegt.

In ihm werden die Nordmänner nicht nur in ihrer romantisch-idealisierten Charakteristik geschildert, sondern auch die Götter- und Fabelwelt der 'Edda' und der Märchen- und Sagenwelt Skandinaviens wird darin Realität. Außerdem ist die Handlung vom Geist Richard Wagners geprägt, obwohl aus dem "Ring des Nibelungen" nur Anklänge vorhanden sind, ohne dass es eine Kopie gibt. Die Ring-Saga Wagners ist hier eher neu gedeutet und im Sinn der altnordischen Überlieferung erweitert.

Da die Story nun den abenteuerlichen Hintergrund der 'Heroic-Fantasy' hat, ist es ebenfalls nicht notwendig, sklavisch den historischen Hintergründen jener Zeit zu folgen. Denn 'unbequeme' Details der wissenschaftlichen Erkenntnisse bremsen eine flüssige Romanhandlung mehr, als es der Erwartung des Lesers auf eine rasante Action-Story entspricht.

Profane Erkenntnisse der Archäologie zerstören unnnötig das romantische Klischee-Bild der Wikinger-Zeit, das dem Leser von Comic und Film bekannt ist. In der Fantasy dominierten die rauen, wildverwegenen Nordland-Typen mit Bärenfell-Kleidung und Hörner-Helmen im Stil von 'Hägar dem Schrecklichen'.

Und in einer Fantasy-Story können Odin, Thor und die anderen Götter des Nordens mit all ihrer Macht persönlich in die Handlung eingreifen. Denn die alten Sagas der Nordens haben für einen Teil der heutigen Heroic-Fantasy Pate gestanden. Neben dem das Schwert schwingenden Helden und seinen Gefährten waren es vor allem Götter, Riesen, Zwerge, Elben oder Trolle, von denen die Handlung vorwärts getrieben wurde.

Selbstverständlich wird in der Schilderung von Ansgars Abenteuern nicht bewusst die Historie so großzügig ausgelegt wie z.B. in Comics wie 'Prinz Eisenherz' oder klischeehaft gearbeitet wie bei 'Sigurd'. Doch wo eine wissenschaftliche Erkenntnis die romantische Vorstellung jener Zeit (Hörner am Helm und mächtige Schwerter) oder die Spannung beeinträchtigt, wird mit den Mitteln dichterischer Freiheit dafür gesorgt, dass der im Sinne der Fantasy logische und rasante Ablauf der Story nicht gebremst wird.

Der Name des Helden 'Ansgar' ist eigentlich ein friesischer Name und der Name einer historischen Gestalt, die von 8O1 bis 865 lebte. Dieser Ansgar war der erste Bischof von Hamburg (und erlebte vielleicht die Zerstörung der Hammaburg durch die Wikinger selbst mit). Als 'Apostel des Nordens' hat man ihm den Beinamen 'der Speer Gottes' gegeben. Da der Name jedoch nordisch ist, leicht zu behalten ist und schon vom positiven Klang her einen 'Helden' symbolisiert, wurde er für die Hauptfigur der Story ausgewählt.

Historie, Saga und Fantasy
Dem Leser wird sehr schnell klar, dass er keinen historischen Roman liest, sondern eine rasante Abenteuergeschichte vor dem Hintergrund der Wikingerzeit.

Ansgar, der Held der Erzählung, wird nach der Plünderung eines Klosters in England mit der Besatzung des 'Seeschäumers' durch einen Fluch Odins gestraft. Doch ist dieser 'Fluch' für Odin mehr ein Selbstzweck. Denn auf seiner Fahrt als "Verfluchter Allvaters" wird Ansgar zum Helfer der Asen, die sich für den Endkampf der 'Götterdämmerung' rüsten müssen.

Gemeinsam mit seinen Gefährten wird Ansgar durch historische wie mythologische Zeiten getrieben, um dort seine Aufgabe zu erfüllen. Wie der Halbgott Herkules einst den Göttern Griechenlands helfen musste, die Giganten zu stürzen, so kann nur ein Halbgott durch kühne Taten erreichen, dass Ragnaröck, die Götterdämmerung, vorerst verhindert wird.

Und Ansgar ist ein Sohn Odins und damit dieser Halbgott, der dem Rad des Schicksal in die Speichen fällt und vorerst noch einmal das Verderben von den Göttern des Nordens ablenkt. Denn Ansgar ist ein Sohn Odins und wurde wie einst der Wälsung Siegmund von ihm mit einer Menschenfrau gezeugt.

Nach dem die handelnden Personen während der Schilderung des Wikinger-Überfalls auf ein englisches Kloster vorgestellt sind, berichtet der Hauptteil der Story von der Reise Ansgars und seiner Freunde durch die Zeit.

Es ist ihnen bestimmt, in verschiedene Epochen der Geschichte und der Mythen zu segeln, um Odins Speer, Thors Hammer und Tyrs Schwert aus der Vergangenheit zurück nach Nordland zu bringen. Für diese Reise leiht ihnen der Gott Freyer 'Skidbladnir' das von den Zwergen gefertigte Wunderschiff, das man in einer Hand aufbewahren kann. Wenn man es anbläst, entfaltet es sich und man hat stets günstigen Wind.

Ansgars Weg führt jedoch nicht nur in verschiedene Zeiten der Menschheits-Geschichte, um die Götterwaffen zu finden. Mit seinen Gefährten muss er durch das Reich der Totengöttin Hel hinab bis in den Ur-Grund unter die Wurzeln der Weltesche steigen, wo Nidhöggr, der Neiddrache haust und die Nornen am Urd-Brunnen das Schicksal der Götter und der Welt weben. Denn in ihrem Faden haben die Schicksalsschwestern den Untergang der Asen und Wanen eingewoben.

Zwar ist der Tod und das Ende der Götter unabänderlich, wie selbst die Steine einst vergehen, doch besteht die Möglichkeit, durch Entwirrung der Schicksalsknoten diesen Teil des seit Ewigkeiten vorbestimmten Geschicks aus dem Gewirk zu entfernen. Danach geht es dann darum, diesen "Schicksals-Knoten" so zu legen, dass er erst am 'Ende aller Tage' durch die Finger der grauen Schwestern gleitet.

Erst wenn es Ansgar gelungen ist, das Schicksalsgespinst der Nornen so zu verändern, dass die Götterdämmerung abgewendet wird, ist der Fluch erfüllt und der 'Seeschäumer' wird Norwegens Küste wieder finden.

Der größte Teil der Erzählung spielt sich auf zwei Ebenen ab. Während Ansgar und seine Freunde sich durch turbulente Ereignisse der Real- und Legenden-Zeit sowie durch die Unterwelt der Nordlande kämpfen, beginnt vor Walhall die letzte Schlacht.

Es ist im weitesten Sinne der in der 'Edda' geschilderte Endkampf der Götter und Einherier gegen die von Loki angeführten Riesen, das Totenheer der Hel und verschiedener Ungeheuer. Siegen die Feuerriesen Surts, dann wird nicht nur Asgard und Walhall, sondern auch die Welt von Midgard in Surts unlöschbaren Flammen vergehen.

Die Götter müssen mit dem Bewusstsein in den Kampf gehen, dass sie nicht gewinnen können. Denn Odins Speer, Thors Hammer und Tyrs Schwert sind nur Kopien der einstigen Wunderwaffen, vor denen Riesen und Ungeheuer zitterten. Kopien, in denen keine Zauberkräfte wohnen.

Schwert, Hammer und Speer wurden eines durch die Schmiedekunst der Zwerge geschaffen. Doch ihre magische Kraft bekamen sie durch Schwarz-Alberichs geheime Künste und durch die Zauberkunst König Oberons, des Herrn der Lichtalben, d.h. Elben. Und durch diese Zauberei der Licht- und Schattenwelt sind sie verderbenbringend für Riesen und Ungeheuer.

Doch ist es Ansgar und seinen Gefährten nicht gelungen, Speer, Hammer und Schwert vor dem Beginn der Schlacht nach Asgard zu schaffen. Und so ist der Ausgang des Kampfes offen.

In Abwandlung der Edda fallen Odin, Thor und die anderen bekannten Götter nicht im Kampf. Zwar wird Odin fast vom Fenris-Wolf verschlungen, doch sein Sohn Widar rettet ihn im letzten Augenblick, indem er mit dem Schwert den Wolf in die Zunge sticht. Und der Hammerschlag Thors gegen den Schädel der Midgard-Schlange ist so kräftig geführt, dass der Riesenwurm flüchtet. Garm, der Hel-Hund wird von Tyrs Schwert so getroffen, dass er winselnd hinter dem flüchtenden Fenris-Wolf her hetzt. Diese Bestien müssen überleben, um 'am Ende aller Tage' die Weissagungen der Edda doch noch zu erfüllen.

In der Roman-Handlung enden die Götter des Nordens im Stil Richard Wagners. Kämpfend werden sie in den hohen Saal von Walhall gedrängt, den Surt, der Herrn der Feuerriesen, selbst anzündet.

In Todesverachtung, das sichere Ende vor Augen, nehmen die Götter noch einmal auf ihren Hochsitzen Platz, um in Würde zu sterben. Loki, der Feuergott, beschwört die Flamme, dass ihre Macht auch die Götter zu töten vermag.

Doch bevor Loki seine Worte vollenden kann, tauchen von der Urmutter Erda gesandt, Ansgar mit zwei seiner Gefährten auf. Mit Tyrs Schwert schlägt Ansgar Loki die Hand ab, mit der er das letzte Zeichen der Vernichtung machen wollte. Thors Hammer, den Ansgar dann schleudert, zerschmettert Lokis Schädel und dann stößt ihm Ansgar als Odins Sohn Gungnir, Odins Herrscher-Speer, ins Herz.

Durch das zerrissene Schicksalsband und aus dem zwingenden Bann von Lokis Willen erwacht, kommen die Riesen zu Bewusstseein und der Angriff der Stein-, Eis- und Feuer-Riesen und ihrer Ungeheuer bricht zusammen. Sie versinken im Boden oder vergehen im Nichts.

Fassungslos steht Ansgar vor dem brennenden Walhall. Durch die geöffneten Türen sieht er die Götter des Nordens in all ihrer Majestät von Flammen umloht. Und zum ersten Male lächelt Odin.

Seine Stimme dringt zu Ansgar und verkündet, dass die Flammen Lokis, die jetzt Walhall umlodern, die gleiche Macht haben wie einst das Feuer, das Brünnhildes Walkürenfelsen umlohte. In diesen reinigenden Flammen werden die Götter des Nordens in ewigen Schlaf fallen, der erst am Ende aller Tage endet.

Erda, die Ur-Mutter und Ur-Wala, steigt empor und verkündet, dass die Welt nun einem Lichtgott gehört, der frei von aller Schuld und Fehl ist, wie es einst die Götter in den Tagen des Anfangs waren. Ein lichtheller Gott der Liebe und Versöhnung, der sterben musste, damit das große Verhängnis abgewendet wird.

Als Erda wieder versinkt, erscheint Balder aus dem Nichts heraus. Er ist aus dem Reich der Totengöttin Hel wieder erstanden und bietet Ansgar den Friedensgruß.

Im gleichen Augenblick sind die Ansgar und seine Freunde wieder auf der Erde, auf ihrem alten Schiff "Seeschäumer" und den Gefährten, mit denen sie zusammen das Kloster von Lindisfarne geplündert haben.

Ansgar glaubt, in Balder den Christengott erkannt zu haben, von dem ihm einer der sterbenden Mönche berichtet hat. Erzählte dieser Sterbende nicht von diesem 'hellen Christ', der sterben musste, damit die Menschen weiter leben können?

Ansgar beschließt, einen der im geplünderten Kloster gefangenen Mönche nach der Lehre ihres Gottes zu fragen, wenn sie Norwegen wieder erreicht haben.

Die Zeit der Handlung
Die Handlung spielt ungefähr die Zeit um das Jahr 800, in der Karl der Große zum Kaiser gekrönt wurde. Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne hat vor ungefähr sieben Jahren statt gefunden. Überfälle der Nordmänner auf Klöster sind also nicht mehr ungewöhnlich.

Nach der religiösen Vorstellung der Wikinger ist in dem Frankenkönig Karl der 'Schwertführer' Lokis entstanden. Denn die Wikinger setzen in ihrer Gedankenwelt vorerst einmal Christus, den Lichtgott, mit Loki, dem arglistigen Feuergott, gleich.

In Karls blutigen Sachsenkriegen, die der Ausrottung des alten germanischen Volksglaubens dient, sehen die Wikinger die ersten Scharmützel der beginnenden Götterdämmerung. Das Massaker von Verden an der Aller zeigt den Nordmännern, dass sich der Frankenkönig vom Ehrenkodex der Germanen abgewandt hat, den wehrlosen Feind nicht zu töten.

Zwar gab es im alten Germanien wie in Skandinavien Menschenopfer für die Götter - doch die Opfer waren Missetäter und Landesverräter. Das Urteil von Verden lautete zwar nach dem Recht des Franken-Königs auf 'Hochverrat', es ist jedoch nach nordischem Verständnis juristisch unkorrekt, da Sachsen nicht unterworfen war und die 'Rebellen' nur von ihren eigenen Edlen und nicht vom Herrscher ener fremden Macht abgeurteilt werden konnten.

Als Kaiser Karl nach 800 tatsächlich Kriegsschiffe bauen lässt, um die räuberischen Dänen König Göttriks in ihre Schranken zu verweisen, ist für die wilden Krieger aus Norwegens Fjorden klar, dass sich Lokis Heere unter der Führung Kaiser Karls nun anschicken, auch den Norden von Midgard zu überrennen.

Also muss man die "Heere des hellen Christ" bekämpfen, wo es geht. Denn überall dringen sie siegreich vor und zwingen die unterworfenen Völker, in die christlichen Steinkirchen zu gehen und den Göttern in Hainen und Wäldern, bei Quellen oder auf Bergeshöhen nicht mehr die schuldige Ehre zu geben.

Für die Kämpfer der alten Götter gilt es, die "Vorposten des Feindes" einzunehmen. Und damit sind nach den Vorstellungen der Wikinger die Klöster in England, Irland und Schottland gemeint.

Als die Handlung unseres Romans einsetzt, sind die Wikinger-Züge bereits in vollem Gange. Doch sind es zu dieser Zeit noch kleine Aktionen einzelner Sippenverbände mit einem oder auch mal drei bis fünf Schiffen. Die großen Invasionen, zu denen hunderte von Drachenschiffen über die Meere zogen, lagen zur Zeit Karls des Großen noch in der Zukunft und wurden erst durch seine schwachen Nachfolger ermöglicht.

Der Fjellarholm-Fjord in der Gegend von Trondheim ist genau wie das St. Gangulfs-Kloster an der Küste im Süden Englands frei erfunden. Dennoch werden die Beschreibungen der Landschaft und der Gebäude in Süd-England und Norwegen den Realitäten der damaligen Zeit entsprechen.

Ansgar - der Held und seine Legende
Ansgars Herkunft liegt im geheimnisvollen Dunkel. Als er fünf Jahre alt war, fanden ihn die Männer von Fjellarholm während einer Jagd. Das Kind lebte zusammen mit seiner fast wahnsinnigen Mutter in einer Höhle zusammen mit Wölfen.

Aus den wirren Worten der sterbenden Frau geht hervor, dass die Wölfe wie auch die Raben im Geäst der Bäume ihren Sohn schützen. Denn Odin, der Herr aller Wölfe und Raben, sei der Vater ihres Kindes.

Diese Szene wird in einer erzählenden Rückblende berichtet. Ansgar trägt an einer Lederschnur die Feder eines der Odins-Raben als Amulett, daher ist sein Beiname "Rabenfeder". Durch diese Feder können ihn Hugin und Munin jederzeit orten und Odin den Platz nennen, wo er seinen Sohn finden kann.

Odin, der oberste Gott des Nordens, ist tatsächlich Ansgars Vater. Als Wanderer zieht er durch die Lande und hofft, den Helden zu zeugen, die einst seine Schuld und die Schuld der Götter tilgen wird. Denn aus den Weissagungen der Ur-Mutter Erda hat er entnommen, dass nur ein Sohn des Geschlechtes von Midgard die Götter entsühnen kann, wenn er freiwillig darauf verzichtet, die Herrschaft über die Welt anzutreten.

Die absolute Macht aber liegt in einem goldenen Ring, in dessen Oberfläche kaum sichtbar feinste, ineinander geschlungene Gravuren zu erkennen sind. Sie dienten den Schicksalsschwestern, den Nornen, als Vorlage, wie sie ihre Fäden zu drehen und ihr Gespinst zu wirken hatten. Wer diesen Ring besitzt, vermag die Nornen und das Geschick zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

In den alten Tagen, als die Nornen noch keine alten Frauen, sondern hübsche junge Mädchen waren, nahte sich ihnen Alberich, der Herr der Schwarzalben. Er schäkerte mit den Nornen, die ihm arglos vom Ring des Schicksals erzählten. Alberich vergaß die weiblichen Reize und raubte den Ring, der ihm Macht ber die Schöpfung gab.

Als Gegenstück zu sich selbst und seinen kleinen Zwergen-Körper erschuf Alberich Ymir, den Eisriesen. Oberon, der König der Elben, erkannte die Gefahr. Er überlistete Alberich und nahm ihm den Ring der Macht ab.

Als Gegenkraft zu Ymir, dem Eisriesen, ließ Oberon Buri, den ersten Asen entstehen, dessen drei Söhne Odin, Hödur und Loki unter Odins Führung Ymir töteten und die Welt erschufen.

Odin nimmt an, dass sich der Ring noch in Oberons Besitz befindet, der Elbenherrscher jedoch kein Interesse daran hat, die Dinge der Welt in seinem Sinne zu verändern. Die Nornen, ihrer Vorlage für die Arbeit an den Schicksalsfäden beraubt, knüpften seit dieser Zeit nach eigenen Vorstellungen und brachten dadurch Unheil über die Welt.

Niemand ahnt, dass es Alberich gelungen ist, mit Sigurds (Siegfrieds) Hilfe in die von einem Drachen bewachte Schatzhöhle Oberons einzudringen und sie auszurauben. Während Sigurd den 'Nibelunge-Hort' entführte, nutzte Alberich die Zeit, den Schicksalsring zu rauben. Mit dem Ringe kann er auf Gedankenbasis die Arbeit der Nornen beeinflussen und sorgt so dafür, dass Lokis tückische Pläne gelingen.

Odin weiß durch eine Weissagung der Erda, dass er das Gleichgewicht der Kräfte zerstört, wenn er in seiner Allmacht von Oberon den Ring fordert. Nur ein freier Mensch kann für ihn den Ring gewinnen und ihn zu den Nornen zurück bringen, damit sie die Fäden des Schicksals wieder nach vorheriger Bestimmung knüpfen.

Schon einmal wollte Odin durch einen seiner Helden-Söhne das unausweichliche Schicksal der Götter abwenden. Siegmund hatte alle Fähigkeiten, den abenteuerlichen Weg zu Oberons Palast zu gehen und den Ring zu fordern, um das Geschick der Welt wieder ins rechte Lot zu bringen.

Doch Siegmund und Sieglinde, das Zwillingspaar, fanden zueinander, ehe es Odin gelungen war, die Heldenkraft Siegmunds und sein stürmisches Wesen mit Weisheit und Einsicht so zu beeinflussen, dass er den Weg der Rettung von Asgard beschreiten konnte. Durch den bewussten Inzest mit seiner Zwillings-Schwester wurde Siegmund schuldig und war nicht mehr der "reine Tor", der alles zum Guten wenden und die Götter retten konnte. Ohne Bedauern sah Odin ihn im Kampf gegen seinen Gegner Hunding fallen.

Sigurd (Siegfried) , den Sohn von Siegmund und Siglinde, war zwar ein kräftiger Kämpfer, aber auch ein kurzdenkender, nur auf seinen Vorteil bedachter Narr.

Odin vermochte Sigurd nicht auf seinen Weg zu ziehen. Von Walhall aus musste der Gott zusehen, wie Sigurd Oberons Schatzhöhle ausräumte und so töricht war, Alberich den Macht-Ring zu überlassen.

Der Herr von Wallhall wurde Zeuge, als Sigurd von Högni (Hagen) und Gunnar (Gunther) tückisch getötet wurde und so das Helden-Geschlecht der Wälsungen erlosch. Das geschah in den Tagen, als König Atlis (Attila) Hunnenheere die Lande verheerten. Dieser Teil der Handlung ist im Ursprung an die 'Jüngere Edda' sowie Wagners 'Ring des Nibelungen' angelehnt, bringt jedoch die bekannten Fakten in einer anderen Deutung.

Indem sich Odin noch einmal mit einer Menschenfrau verband, hoffte er, noch einmal einem Helden das Leben zu geben, der kühn genug ist, in den Ur-Grund der Nornen hinab zu steigen und das Gewebe der Schicksalsfäden zu verändern.

Denn die Herren von Asgard sind in tiefe Schuld verstrickt. Das beraubte sie eines Teils ihrer Götttlichkeit und weihte sie dem unabänderlichen Untergang.

Schon zwei Mal fiel ein Schatten über das Göttergeschlecht der Asen. Sie brachen dem Riesenbaumeister, der Walhall errichtete, den Eid und töteten ihn. Auch einen anderen Riesen, dem sie für einen Trunk Gastrecht in Walhall zusicherten, erschlugen sie, als er sie in trunkenem Zustand beleidigte. Sollten sie noch einmal gegen die Weltordnung verstoßen, ist das Ende da.

Odin weiß, dass nach dem dritten Frevel gegen die Ewigen Gesetze die Gottheit von ihnen weichen wird. Dann aber werden die Riesen, die Ungeheuer und die Heere der Toten hinauf nach Walhall ziehen, um die Asen zu vernichten und ihre Weltordnung zu zerstören. Ragnaröck, die von Erda lange verkündete Götterdämmerung, ist nach dem dritten Schuldspruch unausweichlich.

Denn Erda, die Ur-Wala in den tiefen Klüften von Helheim, hat Odin alles berichtet. Nur ein Sterblicher, der dem Willen der Götter folgend selbst auf die Herrschaft über die Welt verzichtet, indem er den Schicksalsring zu den Nornen zurück bringt, kann den Fluch von den Göttern nehmen. Sie werden nicht sterben, sondern in den tiefen Schlaf des Vergessens sinken, aus dem sie dereinst geläutert und gereinigt erwachen werden.

Von Erda weiß Odin, dass seine Macht nicht ewig dauern wird. Ein neuer, heller Licht-Gott wird kommen, dem die alten Götter der Menschheit weichen mussten. In den Südlanden wurden bereits Zeus, Jupiter, Baal, Mithras und Marduk von ihren Thronen gestoßen. Und auch die Götter des Nordens werden nicht verschont werden.

Odin glaubt in dem verkündeten Licht-Gott seinen Sohn Balder, den Gott des Friedens und der Versöhnung, zu erkennen. Am liebsten würde er hingehen, und sich dem "ewig Jungen" freiwillig unterwerfen. Doch ist er durch seine eigenen Gesetze gebunden und eingewebt in das Schicksalsgespinst der Nornen. Ein Gewebe, das nur verändert werden kann, wenn die drei grauen Schwestern durch den Ring auf die Fehler in ihrer Arbeit aufmerksam gemacht werden können.

Walhall und die Welt der Götter, der Riesen und sonstiger Fantasy-Wesen liegt in einer Dimension, die von normalen menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden kann. Nur wer gestorben ist findet den Weg in diese Sphären. Und so splittet sich nach dem Überfall auf das schottische Gangulfs-Kloster die Handlung des Romans, weil das weitere "Schicksal" der "gefallenen Helden" in Walhall und ihr Kampf an der Seite der Götter in der letzten Schlacht in einer Nebenhandlung mit erzählt werden.

Wie allgemein bekannt ist, werden die im Kampf gefallenen Helden von den Walküren direkt in die Götterhalle geführt, um im Endkampf um die Herrschaft das Heer der Asen zu verstärken.

Auf einem Lichtstrahl, der Regenbogenbrücke Bifröst, gelangt man nach Walhall. Kein Mensch aus Fleisch und Blut vermag diese Brücke zu überschreiten. Nur wen Odin selbst mit seinem Ross Sleipnir über diese Brücke bringt oder Thor mit seinem Widder-Gespann herüber fährt, vermag mit sterblichen Augen die Wunderwelt der Asen zu erblicken.

Und so gelangt Ansgar mit einigen seiner Gefährten im Verlauf der Handlung auch nach Walhall um dort vom Rat der Götter selbst seine Aufträge zu erhalten.

Ansgar wächst als Findelkind bei den Wikingern am Fjellarholm-Fjord auf. Odin will warten, bis sich zum Feuer der Jugend auch die Reife des verständigen Mannes gesellt. Dann will er sich seinem Sohn nahen und ihn auf seine Aufgabe vorbereiten. Doch das unkontrolliert gesponnene Schicksalsgewebe der Nornen entscheidet es anders.

Vor den Toren von Walhall wird Balder von dem blinden Hödur getötet. Hödur übte trotz seiner Blindheit das Speerwerfen und an der Spitze der Waffe befand sich durch Lokis Tücke anstelle des Eisenblatts der spitze Zweig einer Mistel. Loki nannte ihm das Ziel, auf das Hödur warf.

Der Blinde ahnte nicht, dass er durch seinen von Loki gelenkten Wurf den stets freundlichen Balder tötete. Durch dieses Blut, das in Asgard geflossen ist, geschah der dritte Frevel, der den Göttern ihre Macht raubt.

Der Schrei des Hahnes Goldkamm aus dem Gipfel der Weltesche, beantwortet vom Roten Hahn aus dem Reich der Feuerriesen und dem Schwarzen Hahn aus den Gefilden der Totengöttin Hel zeigen den Beginn von Ragnaröck an. Das ist der Ausgangspunkt des Romans, der in der Haupthandlung die Abenteuer von Ansgar und seinen Gefährten berichtet, in einer Nebenhandlung jedoch von den Kriegsvorbereitungen in Walhall und schließlich vom großen Kampf der Asen, Riesen und Dämonen selbst berichtet.

Ansgar ist ungefähr zwanzig Jahre und hat eine hochgewachsene, muskulöse Statur. Er hat schulterlanges, goldblondes Haar, das von einem Lederband gebändigt wird und keinen Bart. Meist trägt Ansgar nur einen Lendenschurz aus Seehundfell und einen breiten Gürtel.

Er führt ein Schwert namens 'Eiserner Skalde', versteht sich aber auch auf den Kampf mit anderen Wikinger-Waffen. Durch seine Kindheit als 'Wolfsbruder' vermag sich Ansgar durch Knurrlaute Wölfen, Bären und anderen Raubtieren leidlich verständlich zu machen, wenn man diese 'Kommunikation' auch nicht als 'Sprache' bezeichnen kann.

Zwei weitere Gefährten Ansgars spielen eine wichtige Rolle. Denn so wie Ansgar den Speer seines Vaters Odin führen muss, so sind auch Thorven Bärenfang (er hat einen jungen Bären mit blosen Händen lebendig niedergerungen) und Tyrkir Schwertmeister (mit seinem Schwert 'Todeswind') für die beiden anderen Götterwaffen - Hammer und Schwert - bestimmt.

Thorven und Tyrkir sind entfernte Abkömmlinge der Götter Thor und Tyr, denen es bestimmt ist, Thors Hammer und Tyrs Schwert zurück zu bringen. Denn diese drei Waffen werden unbedingt gebraucht beim letzten Kampf um Walhall.

Schwert, Speer und Hammer haben ihre eigene Geschichte, bei der zu den bereits geschilderten Fakten der 'Edda' und Richard Wagners Bühnenwerk noch ein Teil der germanischen Mystik gehört, die nur in Andeutungen in der "Germania" des Tacitus erhalten ist. Da die tatsächliche Religion der Wikinger wie auch der Germanen in ihren Urgründen weitgehend nicht nachzuweisen ist, wird der Versuch einer Synthese unternommen, diesen Glauben nachzuempfinden. Es geht hierbei um den Verbleib der Götterwaffen, die Ansgar und seine Freunde aus Vergangenheit und den Legenden-Zeiten zurück bringen sollen.

Und das ist die "Legende". Am Anfang wollten die Götter den "perfekten Menschen" schaffen, zu dem jeder etwas beitrug. Odin die Weisheit, Thor die Kraft, Tyr die Kühnheit u.s.w.. Loki jedoch brachte für den Menschen die Zwietracht und den Verrat. Und so schufen die Götter Walhalls Twisto, den erdgeborenen Gott von dessen drei Söhnen Ingo, Irmin und Isk alle germanischen Völker abstammen.

Durch Lokis Erbe verfeindeten sich alle germanischen Stämme sofort miteinander und führten im Verlauf ihrer ungeschriebenen Vorgeschichte stets blutige Kriege. Da riefen die Götter die Könige der Nordvölker zu sich und befahlen den Stämmen, sich zu teilen und neues Land zu suchen. Und sie gaben ihnen ihre heiligen Waffen als Symbol der Stärke mit.
Die Söhne Irmins zogen mit dem Schwert Tyrs nach Osten über Persien bis nach Indien und kamen als Indogermanen zurück. Das Schwert Tyrs brach ihnen überall Bahn und Ansgar findet es in der Vergangenheit als Schwert des Achilles. Jedoch findet er es nicht beim Kampf um Troja, da die Handlung hier im Widerstreit mit den zu bekannten homerischen Epen treten könnte. Troja ist bereits gefallen als die 'Seevölker', wissenschaftlich immer noch undefinierbare "Indogermanen", mit einer Kriegsflotte gegen Ägypten fahren, aber durch Pharao Ramses III im Nildelta geschlagen werden. Da auf einem bekannten Relief einer der fremden Krieger einen Helm mit Hörnern trägt, ist eine Parallele zu den "Nordvölkern" gegeben.

Die Söhne von Isk gingen nach Westen über das Meer und mit Thors Hammer eroberten sie das "verlorene Lande von Lyonesse". Das ist ein Legenden-Reich der keltischen Sage, das jenseits von Cornwall in den Fluten des Atlantik versunken sein soll. Ansgar und seine Freunde erleben die letzten Tage des sterbenden Inselreiches. Es gelingt ihnen gerade noch, den 'Mjöllnir' vor dem Versinken zu bewahren. Da das Thema 'Atlantis' bereits "abgedroschen" ist wurde darauf verzichtet, den Thor-Hammer von dort holen zu lassen.

Ingos Söhne blieben in Nordeuropa und sie behüteten Gungnir, Odins Herrscherspeer. Das Gotengeschlecht der Amaler war der Bewahrer der alten Tradition. Und mit Gungnir eroberten die Goten fast das ganze heutige Russland und siedelten dort. Doch dann kam Bischof Wulfilas und brachte den Goten das Christentum. Der Odins-Speer wurde vergessen.

Als dann die Hunnen stürmten, waren König Ermanarichs Goten nicht mehr durch die Kraft Gungnirs geschützt und wurden zu Untertanen der Hunnen. Da sie die Götterwaffe nicht während ihrer Kämpfe vor sich her trugen, unterlagen die Goten dem wechselnden Kriegsglück.

Beim "Kampf um Rom" fiel die Blüte des gotischen Volkes. Erst König Totila vernahm die Legende des Speeres, fand ihn im geheimen Schatz Theoderichs von Ravenna und errichtete mit Hilfe des Speeres das gotische Reich in Italien noch einmal neu. Doch auf dem Schlachtfeld von Tanginae wurde Totila von Alboin, dem Langobardenkönig, der Speer entrissen. Und so verlor Totila das Leben und das Reich.

Ansgar und seine Gefährten kämpfen in dieser Schlacht jedoch auf Seiten der Goten, weil sie sich des Speeres bemächtigen wollen. Es gelingt Ansgar, im Kampf den Speer zu erbeuten. Alboin hat jedoch einen Splitter vom Schaft abgeschnitten und ihn später in seinen Kronreif, die eiserne Krone der Langobarden, gefügt - hier gilt er jedoch als Splitter vom Kreuz Christi. Doch dies ist (im Roman) der Grund, warum das Reich der Langobarden noch zur Zeit Karls des Großen als letztes Germanenreich in Italien besteht. Immerhin setzte Karl der Große sich die "Eiserne Krone der Langobarden" selbst aufs Haupt.

Schwert, Hammer und Speer müssen die Götter zurück haben, wenn sie ihr Geschick wenden wollen und den eindringenden Feinden trotzen. Zwar führen sie Duplikate der Waffen, doch in ihnen ruhen nicht die Zauberkünste Alberichs und Oberons.

Als Odin an Ansgar den Auftrag erteilt, mit seinen Gefährten durch die Zeit zu fahren und die Waffen zurück zu holen, glaubt er, dadurch die Heere der Unholde zu schlagen. Vom 'Ring der Macht' erfährt Ansgar erst durch die Ur-Mutter Erda selbst.

Die Handlung
Am Beginn des Romans steht zur actionbetonten Vorstellung des Helden, seiner Zeit und seiner Umgebung eine Bärenjagd. Ansgar will alleine in den Bergen den Bären jagen, der seit vielen Nächten die Viehherden der Thing-Gemeinschaft überfallen hat.

Während Ansgar der Spur der Bären folgt, ist es Nacht geworden. Aus dem dunklen Dickicht bricht der Bär hervor und greift Ansgar an, dessen Speer zerbricht. Der Pelz des Bären ist so fest wie eine Rüstung und Ansgar erkennt, dass Zauberei im Spiel ist.

Es ist jedoch Vollmond und der Bär ist kein Tier, sondern ein "Bärenhäuter", der sich durch Zauberei die Gestalt und die Fähigkeit eines Bären gab. Dieser altnordische Mythos ist in der Figur des "Werwolfs" bekannter geworden.

Obwohl seine Waffen gegen den Körper des Bärenhäuters nicht viel taugen gelingt es Ansgar doch, ihn durch viele Verwundungen zu schwächen. Die rohe Kraft des Bärenhäuters gleicht er durch Wendigkeit und Raschheit aus. Der Hilfeschrei des Bärenhäuters gellt durch die Nacht und aus dem Gebüsch brechen Trolle, die Ansgar überwältigen. Über sich hört er das Rauschen von Rabenflügeln und ahnt sein Schicksal.

Der Bärenhäuter ist in Wirklichkeit ein Priester Lokis, der die Heere der Trolle zum Sturm auf Walhall sammeln will. Lachend, nun wieder zum Mensch gewandelt, erzählt er dem gefangenen Ansgar von der bevorstehenden Götterdämmerung und erwähnt, dass er selbst oder auch die Trolle nur mit dem Schwert erschlagen werden könnten, das er selbst am Gürtel trägt.

Die Trolle binden Ansgar mit Ketten an einen Pfahl und umlegen ihn mit Reisig. Sie wollen ihn auf diese Art lebendig rösten und dann verspeisen, denn so mundet ihnen Menschenfleisch vortrefflich. Die Flammen lodern auf und kriechen langsam auf Ansgar zu.

Da sieht er wie zwischen Wahn und Wirklichkeit eine hohe Gestalt in dunkelblauem Mantel mit Schlapphut und Speer, den weder die Trolle noch der Bärenhäuter wahrnehmen. Es ist Odin selbst, dem es zum letzten Male gelingt, wie einst vor Brünhildes Walkürenfelsen Lokis Flammen Befehle zu geben. Das Feuer verliert innen seine Hitze, so dass Ansgar nicht verbrennt. Die Flamme kriecht jedoch am Pfahl empor und bringt einige Glieder der Kette so zum Glühen, dass Ansgar sie zerbrechen kann.

Er springt durch die Flammenwand, entreißt dem Bärenhäuter das Schwert und erschlägt ihn selbst mit allen Trollen, die nicht entfliehen können. Doch seinen sonderbaren Retter findet Ansgar nicht. Das Schwert, das er "Eiserner Skalde" nennt, behält er.

Zurück zur Siedlung gekehrt erfährt Ansgar, dass Geirröd, der Meerkönig und Jarl von Fjellarholm eine Kriegsfahrt befohlen hat. Da Ansgar zwar keinen Bären, aber jede Menge Beutewaffen der toten Trolle mitbringt, wird er mit ausgewählt, die Fahrt des "Seeschäumers" mitzumachen.

Niemand weiß jedoch, dass Meerkönig Geirröd ein Sohn Lokis ist und von diesem angestachelt wurde, Kirchen und Klöster zu überfallen, damit von dort nicht durch Gebete im letzten Augenblick Kräfte herbeigerufen werden, die Lokis Pläne durchkreuzen können. Für diese Fahrt melden sich hauptsächlich jugendliche "Schlagetote", die auf diese Art der unangenehmen Feldarbeit oder dem öden Fischfang entgehen wollen.

Zwischen Ansgar und Geiröd gibt es einen Streit, weil der Jarl Ansgars Schwert für sich beansprucht. Während beide um die Waffe kämpfen, erscheinen unsichtbar Loki und Odin, um ihre Söhne zu schützen. Doch Ehartrudis, die Wala von Fjellarholm, die Runenpriesterin, wird von Odins Gattin Frigga dazu getrieben, Frieden zu stiften. Ein Kampf der beiden Götter hätte das Verhängnis herbei gerufen.

Bei der Erstürmung des Gangulfs-Klosters in England erkennt Ansgar, dass sich die Mönche nicht zur Wehr setzen, sondern sich gottergeben töten lassen. Die meisten Wikinger wenden sich von solchen "Feiglingen" ab und plündern im Kloster die Wertgegenstände. Nur Geirröd, Lokis Sohn, hat seine Lust daran, die Wehrlosen zu erschlagen, die sich in die Kirche flüchten.

In Ansgar erwacht das Erbe Odins, der einst auch mit dem Speer der Verträge die Schwachen gegen die Starken geschützt hat. Er tritt Geirröd entgegen und kämpft mit ihm für das Leben der Mönche. Als Sohn Lokis war Geirröd stets gegen Waffen so gefeit wie Balder gegen alle Gefahren, außer der Mistel.

Das Schwert Ansgars aber war einst "Nothung", Sigurds Schwert, das im Drachenblut gehärtet ist. Und dagegen ist Lokis Sohn nicht gefeit. Im gleichen Augenblick, als Ansgar Geirröd tötet, stirbt in der Parallelhandlung auf dem Feld vor Walhall auch Balder. Deshalb kann Loki seinen Sohn nicht schützen, wie es Odin vermag, als die Wikinger trotz des ehrlichen Kampfes Ansgar sofort als Königsmörder aufhängen wollen.

Loki verlangt von Odin, dass er Ansgar der Rache der Wikinger nicht entzieht. Man beschließt, ihn auf hoher See zu ertränken. Thorven und Tyrkir, Ansgars Freunde, die sich weigern, den Verurteilten anzuspucken, sollen mit ihm sterben.

Gefesselt wirft man sie ins Nordmeer. Doch das gehört zu Odins klugem Plan, damit der Feuergott nicht erkennt, dass Ansgar und seine Freunde von den Göttern dringend benötigt werden. Bevor die drei Wikinger ertrinken, eilen Nixen-Wesen herbei. Bei der Berührung mit den Meer-Geistern können sie im Wasser atmen und werden zum unterseeischen Palast des Meergottes Ägir gebracht. Hier stehen für Ansgar Odins Pferd Sleipnir und für Thorven und Tyrkir das Widder-Gespann Thors bereit, um sie über die Regenbogenbrücke nach Walhall zu bringen.

Dort erhalten Ansgar, Thorven und Tyrkir von Odin den Auftrag, die Götter-Waffen aus der Vergangenheit zu holen. Mit Freyers Schiff können sie durch die Zeit nach dem Kurs ihrer Gedanken segeln, d.h. sie konzentrieren sich beispielsweise auf dem Speer und landen an der nächsten Küste, wo sich der Speer befindet. Doch die Zeit können die Wikinger nicht bestimmen und da sie sich in der Weltgeschichte nicht auskennen, wissen sie nichts vom Ausgang der Kämpfe.

Über den Speer und seine Eroberung in der Schlacht von Tanginae ist bereits in den vorangegangenen Kapiteln geschrieben worden. Als Totila den Odins-Speer verliert, ist das Ende der Goten besiegelt.

Die 'verlorenen Inseln von Lyonesse' sind ein matriarchalisches Königreich, in dem nur Frauen leben. Verirren sich fremde Seefahrer an den Strand, dann werden sie einige Zeit zur Zeugung von Nachwuchs benötigt, um danach der Vulkangöttin Properia geopfert zu werden.

Im Zentrum der Insel Lyonesse ist ein Vulkan, in dessen Krater die Männer geworfen werden, wenn sie in hundert Frauen neues Leben gesenkt haben. Doch dürfen sich die Frauen nicht in die Männer verlieben - sonst zürnt die Göttin und sendet fürchterliche Strafe.

Da weder Ansgar noch seine Gefährten an irgendwelche Frauen gebunden sind, gibt es keine moralischen Probleme, dass Thorven und Tyrkir die Situation reichlich ausnutzen.

Ansgar jedoch trägt die romantische Vorstellung der "großen Liebe" im Herzen. Gerade er wird in die Kammer von Linya, der 18jährigen neu "gefundenen" Oberpriesterin der Vulkangöttin geführt. Beide verlieben sich ineinander und so rast der Zorn der Vulkan-Göttin empor. Sie erscheint als glühendes Magma-Weib, Ansgar und Linya sollen in ihren Armen verbrennen.

Mit Thors Hammer, der als ein inzwischen unbekannter Votiv-Gegenstand in einer Nische des Vulkan-Tempels aufbewahrt wird, zerschmettert Ansgar die Göttin. Doch im Tode zerfließt sie und ihre glutflüssige Lava-Substanz breitet sich über die gesamte Insel aus. Dazu gibt es Erdbeben und einen Ausbruch des Vulkans, bei dem Lyonesse in den Fluten des Meeres versinkt.

Es gelingt Ansgar, während des Untergangs-Infernos seine Gefährten zu finden und mit Linya und den "Freundinnen" von Thorven und Thyrkir zu fliehen. Die drei geretteten Mädchen werden an der Küste Britanniens abgesetzt, wo sie das Geheimnis von Lyonesse für die Nachwelt bewahren.

Bei der Eroberung vom "Schwert des Achilles" sind die drei Wikinger im Ägypten ca. 1200 v. Chr. Ramses III hat im Delta des Nil eine Niederlage gegen die 'Seevölker' erlitten und sammelt seine versprengten Barken. Ausgelassen feiern die Seevölker ihren Sieg. Ansgar und seine Freunde mischen sich unter die feiernden Nordmänner und stellen fest, dass ihr 'König' das Siegesschwert besitzt.

Ansgar fordert es im Namen Odins zurück, den diese "Wikinger" nicht mehr (oder noch nicht) kennen.

Im Kampf unterwirft sich Tyrs Schwert der Zauberkraft von Odins Speer. So gelingt es Ansgar, den "König" zu besiegen und das Schwert an Tyrkir zu geben. Im gleichen Moment greifen die Schiffe des Pharao wieder an und erringen den bekannten Sieg. Ohne ihren Anführer und das Siegesschwert bricht der Widerstand der nordischen Invasionsflotte zusammen - und damit ist der historische Verlauf korrekt.

Doch durch den "Kampf" des Speeres Odins gegen das Schwert Tyrs wurde das magische Weltgefüge erschüttert und Loki aufmerksam. Der Gott des Feuers erkennt zu gut, dass seine Pläne scheitern, wenn die Waffen rechtzeitig nach Walhall kommen. Doch da er inzwischen schon die Scharen von Surts Feuerriesen anführt, hat er keine Zeit, persönlich einzugreifen.

Auf magischem Wege sorgt er dafür, dass die drei Wikinger mit Freyers Schiff nicht in Asgard, sondern in Helheim landen. Hier geraten sie mitten in den Wirbel des Aufbruchs. Denn das Totenheer besteigt soeben das Schiff "Nagelfahr", um gegen die Götter zu fahren. Ansgar und seine Freunde kämpfen sich durch zur Halle der Hel. Die Totengöttin erzählt ihnen, dass sie nur an der Weltesche hinauf nach Asgard steigen können.

Auf dem Weg zu den Wurzeln von Yggdrassil erscheint ihnen die Urmutter Erda und verkündet ihnen das Geheimnis der Nornen und des Ringes. Noch hat Alberich den Ring und der Zwerg wird durch ihn der Sieger sein, wenn sich Götter und Riesen gegenseitig vernichtet haben.

Alberich kann man nur durch eine List fangen, da er überall Verstecke hat. So bauen die Wikinger einen Altar für den neuen "Gott Alberich", den sie mit lauter Stimme "anbeten". Neugierig kommt der Zwergenkönig herbei. Als ihn die Wikinger zu fangen versuchen, können sie ihn aber nicht packen, da sein Körper durch die Macht des Ringes wie mit elektrischer Energie aufgeladen ist.

Ansgar wirft den Speer und trifft den Finger, an dem Alberich den Ring trägt. Der Finger wird abgeschnitten, der Ring fällt zu Boden und heulend flieht Alberich in seine Felsklüfte.

An den Wurzeln der Weltesche gibt es Probleme mit Nidhöggr, dem Neiddrachen. Doch hier greift Oberon, der Elbenkönig ein. Er gibt Ansgar eine Flöte, deren Töne den Drachen so lange besänftigen, bis man an ihm vorbei ist.

Ansgar und die Freunde finden die Nornen und geben ihnen den Ring zurück. Sofort erkennen die Schicksalsschwestern ihre Fehler und ordnen das Gespinst neu. So wird Odin aus dem Rachen des Fenris-Wolfs von Widar gerettet und Thor stirbt nicht im Gifthauch der Midgard-Schlange, weil die nach dem Hammerschlag flieht. Tyr verjagt Garm, den Höllenhund und Heimdall wehrt Lokis Flammenspeer mit dem Schwert ab.

Dennoch müssen sich die Götter in die Halle zurück ziehen, während alle Einherier auf den Stufen von Walhall fallen und nun entgültig tot sind.

Auf Geheiß der Nornen werden Ansgar und seine Freunde vom Adler der Weltesche hinauf nach Asgard getragen, wo Loki eben Walhall in Brand setzt, in dem die Götter in todesverachtendem Stolz ihre Hochsitze eingenommen haben.

Mit den Götterwaffen vernichten sie, wie bereits beschrieben, den Intriganten Loki. Die Riesen und die Toten versinken, Loki verbindet sich mit den Flammen des Feuerriesen Surt.

Durch die Flammen, die Walhall umgeben, vernehmen die Wikinger Odins Stimme. Wie einst den Walkürenfelsen, so hüllt das Feuer jetzt die Wohnstatt der alten Götter so lange ein, bis die Zeit gekommen ist, dass sie wieder erscheinen dürfen.

Balder, der gütige Gott der Versöhnung, ist aus dem Reiche der Hel von den Toten auferstanden und bietet Ansgar und seinen Freunden den Friedensgruß. Vieles, was der Gott der Versöhnung ihnen sagt, kennt Ansgar bereits von den "Kreuzpriestern".

Mit Freyers Schiff kommen die drei Wikinger in ihre eigene Zeit zurück und landen mit Freyers Schiff unmittelbar vor dem "Seeschäumer". Die alten Gefährten glauben an ihre Erzählung, zumal sie Freyers Schiff in 'eine Hand' zusammenlegen, wie es die Sage erzählt.

Ansgar wird zum neuen Jarl gewählt und befiehlt, zurück zu kehren und die geplünderte Kirche mit dem Kloster wieder aufzubauen. Denn Christus ist für ihn Balder und da Odin und die alten Götter entrückt sind, wollen die Wikinger nun im 'hellen Christ' dem Gott der Versöhnung dienen.

Kassel-Helleb im Juni 1993
bearbeitet in Felsberg-Rhünda im Februar 2000
"Letzte Hand" in Borken-Nassenerfurth am 29.03.2013
Rolf W. Michael

Kommentare  

#16 Kaffee-Charly 2013-04-05 16:43
zitiere Kerstin:
Charly,

glaube einer alten Seele mit gutem Gedächtnis, die sich außerdem auf historische Kampftechnik versteht: So verkehrt war Rolfs Beschreibung gar nicht. Nur haben die Germanen darüber nichts aufgeschrieben, was der geschönten Geschichtsschreibung der Römer hätte widersprechen können.

In unserer Gegend, mit großen Wäldern, sumpfigen Flusstälern und steilen Hängen funktionierte die römische Kampftaktik mit der geregelten Schlachtordnung und den ausgeklügelten Formationen kaum. Dafür hatten die Germanen mit ihrer Guerilla-Taktik viele kleine Erfolge, die die Römer zermürbt haben, aber nie in den Geschichtsbüchern aufgetaucht sind. Natürlich hätten die Germanen langfristig besser abschneiden können, wenn sie nicht in erster Linie Einzelkämpfer gewesen und als Heer organisiert gewesen wären. Aber das wiederum passt nicht zu ihrer Mentalität und ihrem Glauben, denn nach dem ist jeder für sich selber verantwortlich und kein freier Mann wollte sich mehr als unbedingt nötig von einem anderen kommandieren lassen, wie es in einem Heer nun mal notwendig ist.

Diese Erkenntnisse werden eigentich erst seit wenigen Jahren auch durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt.

Liebe Kerstin,
meine Kritik bezog sich nicht auf die Kampftaktiken der Römer und Germanen in der Schlacht, sondern auf die unrealistische Darstellung der als "körperlich überlegenen" dargestellten Germanen bei einer 'normalen' Prügelei.
Und auf die Szene, in der ein einzelner Germane eine ganze Formation zu Klump haut. Das kann es nie gegeben haben - höchstens bei Asterix und Obelix.

Im Übrigen war ich jahrelang in einem Kendo-Verein aktiv und kenne mich zudem auch mit den in Europa angewandten Schwertkampftechniken ganz gut aus. Vor allem mit dem kurzen Gladius kann ich sehr gut umgehen (Ich besitze nämlich einen - allerdings einen Nachbau aus richtigem Stahl - ist sogar gefährlicher als ein Langschwert - weil viel schneller...).

Dass die Römer nur in Schlachtordnung starke Gegner waren, ist übrigens ein Irrglaube!
Römische Legionäre lernten schon in ihrer Grundausbildung nicht nur das Kämpfen in der Formation, sondern wurden auch für den Schwertkampf Mann gegen Mann trainiert.
Ihr Kurzschwert war ja vor allem für den Kampf auf kürzeste Distanz konstruiert.
(Kann man alles in den entsprechenden Fachbüchern nachlesen!)
Die römischen Legionäre konnten also auch als Einzelkämpfer mit dem Gladius hervorragend umgehend - viel besser als die Germanen mit ihren Spießen und Beilen. (Schwerter besaßen nämlich zu jener Zeit nur die allerwenigsten Germanen, denn ein römisches Schwert war so teuer wie das Schwert eines germanischen Häuptlings. Die meisten konnten sich so eine Waffe gar nicht leisten.)
In den Kriegen gegen die Griechen, deren Taktik die makedonische Phalanx aus Alexanders Zeiten war, waren es römische Schwertkämpfer, die sich als Einzelkämpfer zwischen die Lanzenreihen der Griechen drängten und diese in Einzelkämpfe auf kurze Distanz verwickelten, sodass sich die Phalanx auflöste.
Hätten die Römer nur in Schlachtreihen kämpfen können, hätten sie die Griechen nicht besiegen könne.

Die Varus-Schlacht haben die Germanen auch nicht durch Überlegenheit im Einzelkampf gewonnen (was auch immer wieder falsch dargestellt wird), sondern mit Täuschungen, Hinterhalten und Zermürbungsattacken - Guerilla-Taktik eben. Und auch durch den Verrat der Reiterei (Germanen!), die eigentlich die Flanken der römischen Marschkolonnen sichern sollte.
Vor Gegenangriffen - die es mit Sicherheit gegeben hat - sind die Germanenkrieger einfach schnell und hurtig davongelaufen. Das haben sie so lange gemacht, bis die Römer so erschöpft waren, dass sie keine große Gegenwehr mehr leisten konnten.
Erst als sie leichtes Spiel mit den erschöpften Gegnern hatten, sind die Germanen zum entscheidenden Schlussgefecht angetreten, weil sie ganz genau wussten, dass sie es gegen ausgeruhte Legionäre viel schwerer gehabt hätten - auch im Einzelkampf!
Besonders heroisch waren die Germanen dabei ganz bestimmt nicht - wäre ja auch schön blöd gewesen.
Im Grunde genommen haben sie das Gleiche gemacht wie die Taliban in Afghanistan gegen die ausländischen Truppen. Die nennt man heute allerdings nicht Freiheitskämpfer, sondern Terroristen.
Aus Sicht der Römer waren die Germanen aber eigentlich nichts anderes.

Zum Schluss sei gesagt, dass ich es in historischen Romanen nicht leiden kann, wenn darin die eine Seite (meist natürlich die "eigene") hochgejubelt und die andere Seite abgewertet wird.
Das aber ist in dem Chatten-Buch geschehen und deshalb hat es mir auch nicht gefallen.

Zu den Wikingern:
Hier empfehle ich das Buch "Die Abenteuer des Röde Orm" von Frans G. Bengtsson.
Das ist ein wirklich toller Historienroman, in dem die Wikinger so beschrieben werden, wie sie wahrscheinlich wirklich waren.
(Dass der Autor Skandinavier ist und somit ein Nachfahre der Wikinger, macht es natürlich besonders glaubwürdig.)
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#17 Kerstin 2013-04-05 17:19
Ja, Röde Orm, das habe ich mehrmals mit Vergnügen gelesen. Das gehörte auch zu den ersten Büchern, die ich in meiner Aufbauphase wieder gekauft habe.

Die Kämpfe zwischen Römern und Germanen hast du schon ganz treffend wiedergegeben, aber wirklich ein Widerspruch ist das nicht zu Rolfs Buch. Weil es eben doch die vielen kleinen Scharmützel gab, die mal so und mal so ausgingen. Die Germanen waren nun mal im Schnitt größer und kräftiger, hatten dadurch auch eine größere Reichweite bei Schlägen und Tritten. Dazu hatten sie den Vorteil der Ortskenntnis, konnten in Ruhe Fallen stellen und die Römer reintappen lassen - oder auf langen Beinen davonlaufen, mit deutlich weniger Ballast auf dem Leib als ein Legionär mit Rüstung herumzuschleppen hatte.

Will man darüber nun urteilen? Wäre ich Germanenfürst, ich würde es genauso machen, wenn Invasoren in großer Zahl in mein Gebiet einfielen und ich die anders nicht schlagen könnte.
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#18 Kaffee-Charly 2013-04-05 21:29
zitiere Kerstin:
Ja, Röde Orm, das habe ich mehrmals mit Vergnügen gelesen. Das gehörte auch zu den ersten Büchern, die ich in meiner Aufbauphase wieder gekauft habe.

Ich habe das damals in der Buchhandlung gegenüber dem Bahnhof in Stockholm gekauft - bevor ich weiter gen Norden reiste, wo ich hinter dem Polarkreis (Sarek-Nationalpark) auf Trekkingtour ging.
In der Stockholmer Bücherei war ich eigentlich nur, um dort die neuesten Karten zu kaufen, die ich für meine Wildnis-Tour brauchte, um mich nicht zu verlaufen. GPS gab's damals noch nicht - da brauchte man noch aktuelle Karten (wegen der jährlichen Veränderung des Magnetischen Nordpols - beim Wandern im Norden besonders zu beachten!) und den Kompass. Als ich dann ein Regal mit deutschsprachigen Taschenbüchern fand, hab' ich zugegriffen.
War ein toller Lesestoff für den Abend, wenn ich vor meinem Zelt gesessen und die Mitternachtssonne genossen habe.

zitiere Kerstin:

(...)
Die Germanen waren nun mal im Schnitt größer und kräftiger, hatten dadurch auch eine größere Reichweite bei Schlägen und Tritten.
(...)

Genau das ist aber falsch!
Ein immer wieder aufs Neue vorgekautes urbanes Märchen.
Dabei wird nämlich immer wieder vergessen, dass die römischen Legionen in Germanien kaum aus Süditalienern bestanden, sondern größtenteils mit Männern aus Norditalien (=italische Kelten), Gallien (=Kelten), Südgermanien (=Germanen) und Nord-Iberien (= Kelten/Basken) gebildet wurden. Diese Legionäre waren eben nicht kleiner und schwächer als die mitteleuropäischen Germanen, sondern von ähnlichem Körperwuchs.
Im "Tacitus" werden die Germanen zwar als besonders groß und kräftig beschrieben, aber das war vor allem Propaganda.
(Wenn der Gegner als besonders stark und furchteinflößend dargestellt wird, erhöht das die Siege der eigenen Seite oder beschönigt deren Niederlagen. Das wurde Jahrhunderte später nach der Niederlage gegen die Hunnen übrigens auch gemacht - da wurde in römischen Berichten die Anzahl der Feinde mal eben vervielfacht, um die eigene Niederlage zu rechtfertigen. Propaganda und Falschinformation sind eben keine Erfindung der Neuzeit.)
zitiere Kerstin:

Will man darüber nun urteilen? Wäre ich Germanenfürst, ich würde es genauso machen, wenn Invasoren in großer Zahl in mein Gebiet einfielen und ich die anders nicht schlagen könnte.

Ich habe darüber auch keinerlei Urteil abgeben, denn ich wäre an Arminius' Stelle auch nicht anders vorgegangen - vorausgesetzt, ich wäre so clever wie dieser gewesen.
Ich wollte nur deutlich machen, dass die Germanen nicht wie die aufrechten stolzen Recken gegen die Römer angetreten sind, weil sie dann verloren hätten - trotz der Geländevorteile auf ihrer Seite, denn die Römer verstanden sich auch auf den Kampf im unwegsamen Gelände.
Sie haben jede Chance und damit logischerweise auch jede fiese Gemeinheit und jede Hinterhältigkeit gegen eine überlegene Invasoren-Streitmacht genutzt, weil ihnen gar nichts anderes übrig blieb, um diese zu besiegen.
Das war ein gnadenloses, brutales und blutiges Gemetzel, in dem glanz- und ehrenvolle Heldenauftritte völlig fehl am Platz waren.
Man kann auch mit Sicherheit davon ausgehen, dass nicht nur römische Legionäre, sondern auch eine ganze Menge germanischer Krieger in der Varus-Schlacht getötet wurden.
Wahrscheinlich sind dabei sogar ganze Sippen der Germanen ausgelöscht worden (es haben nach neueren Erkenntnissen wohl auch Frauen bei den Germanen mitgekämpft) - aber über deren trauriges Schicksal wird man leider nie mehr etwas erfahren.

Dass die germanischen Stämme nach der Varus-Schlacht noch eine ganze Zeit lang unter den Rache-Feldzügen des "Germanicus" bitter zu leiden hatten, wird auch gerne verschwiegen.
Nach den Feldzügen des "Germanicus" haben einige kleinere Stämme der Germanen sogar einfach aufgehört zu existieren!
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