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Ein Abend bei Gaisbauers (Teil 19)

Teestunde mit Rolf...Moin Rolf, die 19. Runde im Gaisbauer’schen Interview. Der Tee ist serviert …

Ein Abend bei Gaisbauers (Teil 19)

Wie inzwischen bekannt sein dürfte, geht die Teestunde in die Zielgerade. Ab Mai gehts mit einem Fortsetzungs-Roman in die römische Antike und die Vorbereitungen laufen bei mir schon. Zwar ist Einiges an Wissen sofort griffbereit im Großhirn, aber bei kleinen Details muss man denn noch noch mal nachsehen.Und so gucke ich nicht nur die ins Deutsche übersetzten Originalwerke der römischen Historiker nach betreffenden Stellen durch sondern auch meine Nachschlagewerke.


Die Zeit der Kaiser von Tiberius bis Domitian ist von den zeitgenössischen Historikern sehr gut dokumentiert - allerdings muss ich mich auch mir dem Bürgerkrieg, Cäsar und Augustus befassen, die zwar 17 n.Chr. schon Geschichte sind, aber die Einflüsse der Ereignisse ab 100 v. Chr. - also die Zeit Marius und Sulla, reichen bis in die Epoche, in der meine Handlung spielt.

Derzeit liegen bei mir keine Unger-Western oder Fernseh-Zeitschriften auf dem Esstisch sondern drei Standard-Nachschlagewerke zur Antike, ein Buch über griechisch-römische Dichtung und Theater, über Küche und Essen, über den Aufbau und die Strategien der Legionen, über römische Bautechnik und Maschinen sowie die Werke von Sueton und Tacitus samt der Äneis von Vergil. Und natürlich (soweit erhalten) das "Satyricon" des Gajus Petronius. Es ist kein direktes Lesen sondern ich weiß dann wieder, wo ich im entscheidenden Moment  Detailfakten nachsehen kann.

Also muss ich jetzt sehe, das wir das Interview im Hause von Gustav Gaisbauer in den nächsten beiden Monaten noch durch bekommen. In den Kommentaren zur letzten Teestunde und zu Hermanns Beitrag über den 1.000der Zyklus beim Zamorra habe ich so viele Kommentare dazu gesetzt, das es eine eigenständige Teestunde wäre. Und teilweise sind Dinge dabei, die so in dieser offenen Form hier noch nie gesagt habe.

Aber jetzt geht es hier erst mal mit einer Sache weiter, auf die sicher viele Ren Dhark-Fans schon warten - auch wenn ich leider nicht mehr dazu kommen werde, die Ren-Dhark Stories von Hans Klipp noch mal abzuschreiben. Die nächsten Fragen im Interview betreffen unsere Freundschaft und unsere Zeit mit Kurt Brand.  Und - bitte Bedenken - jedes Wort, das ich hier schreibe, ist vor ca. 25 Jahren tatsächlich so gesprochen worden. Das kann man durch die Festschrift zum 500sten "Zamorra" überprüfen. Kurze Hinweise zum bessere Verständnis ohne lange Kommentare setze ich in Klammern dazu.

Gustav Gaisbauer: Wie kamt ihr alle mit Kurt Brand in Kontakt?
W.K.Giesa: Durch Krach und Streit. Ich war Kurt Brand Fan und las Ren Dhark - nein, ich fraß ihn! Ich kenne die Serie halb auswendig. Ich weiß mehr über Ren Dhark, als Kurt Brand jemals wusste. Ich war der absolute Super-Fan und Hans Klipp war ebenfalls hundertprozentiger Ren Dhark-Fan.
Irgendwann war ich so frech, einen Leserbrief an den Kelter-Verlag zu schreiben, worauf ich von Kurt Brand persönlich eine Antwort bekam.
Als meine "Jörn-Munro"-Serie erschien (im Eigenverlag Terra-Press mit Spititus-Umdruck) schickte ich, weil ich ja in Kontakt mit Kurt Brand war, ihm den ersten Band aus meinem Privat-Verlag zu. Kurt Brand erboste sich fürchterlich, weil er - sicherlich zu Recht - Ähnlichkeiten zu Ren Dhark sah.
Man mag mir diese Ähnlichkeit entschuldigen, weil ich eben ein derartiger Fan von Ren-Dhark war. Ich musste jedenfalls verschiedene Sachen an "Jörn Munro" ändern. Um meine Leser nicht vor den Kopf zu stoßen, wollte er eine Leserbrief für "Jörn Munro" schreiben, um dort zu erklären, warum er diese Änderungen von mir forderte. Mittlerweile kann er dieses Statement nicht mehr bringen, weil er tot ist.
Wir liefen jahrelang aneinander vorbei. Auf dem Con in Kleve, 1977, sahen wir uns zwar, unterhielten uns aber nicht, sondern saßen an zwei benachbarten Tischen und guckten starr in die eigene Suppe. Aber beim Perry-Rhodan Con 1980 in Mannheim gingen wir endlich aufeinander zu, tranken ein paar Bierchen miteinander und wurden und einig, das alles andere Schnee von gestern war - und von diesem Moment an waren wir Freunde.
Wir unterhielten uns über Ren Dhark. Damals lief gerade die zweite Auflage aus. Sie hätte von Verlagsseite angeblich fortgesetzt werden sollen. Kurt sagte damals, dass er selbst nicht mehr so viel schreiben wolle. Vielleicht noch an die zehn Romane, dann wolle er die Serie abgeben. Wir hatten bereits ein Autoren-Team zusammen gestellt, das Rahmen-Exposè stand - und dann kam die Entscheidung des Verlages, das auch die zweite Auflage mit Band 98 eingestellt würde.
Zurück zum Mannheim-Con. Wir irrten durch Mannheim auf der vergeblichen Suche nach einer offenen Kneipe. Alle hatten geschlossen bis auf ein Studenten-Lokal. Wir gingen rein - dieser zerknitterte, lustige Mann, alt aber vital, körperlich fitter als mancher Zwanzigjährige und ein junger Spund im weißen Anzug (aus diesem Markenzeichen Werners entwickelte sich dann der "Zamorra-Look" mit dem weißen Anzug).Wir waren sofort der Blickfang für alle Anwesenden.Wir setzten uns fest, tranken und quasselten.
Schließlich kamen wir zurück zum Kongresszentrum und ich werde von einem Kollegen empfangen: "Mensch, wo bleibst du? Die Mythor-Konferenz läuft seit einer halben Stunde."
Ich hatte der Termin völlig verschwitzt, weil mich Kurt völlig gefangen hatte. Früher als Autor und von diesem Tag an als Mensch. Von da an waren wir ganz hervorragende Freunde.
R.Michael: Eines Tages war Kurt Brand samt seiner Tochter Doris bei Werner zu Gast. Werner rief Hans Klipp an und sagte, wenn wir Kurt kennen lernen wollten, dann sollten wir nach Lippstadt kommen. Wir fuhren hin und unterhielten uns mit Kurt über alles Mögliche..."
W.K.Giesa: Vor allem über die Lippstädter Verkehrspolizei.
R.Michael: Ich will das hier nicht vertiefen. Das wurde an anderer Stelle schon genug erwähnt. Gegen Abend sagte Kurt zu mir: "Jetzt lass mal den Herrn Brand beiseite. Ich bin der Kurt!"

Das hat er nicht nur zu mir gesagt, sondern zu uns allen. Und das war der Beginn einer wundervollen Freundschaft.  In den Teestunden ist ja viel darüber berichtet worden. Auch wie das war, als wir Kurt in Dan Shockers Kellerbar zum "Reichsbaron von Helleb" erhoben. Der "Sternen-Baron" wie wir ihn nach einem seiner Romane nannten.

In dem Band, der der EDFC über Kurt Brand heraus gegeben hat, habe ich einen taschenbuchlangen Beitrag unter dem Titel "Requiem für einen Freund" geschrieben, wo wirklich alle Erinnerungen an die Zeit mit Kurt Brand drin sind. Denn es waren immerhin fast 10 Jahre, die unsere Lebenswege gemeinsam liefen. Und wie bekannt ist, waren Hermann und ich die letzten, die Kurt lebend und einigermaßen klar gesehen haben. Zwei oder drei Stunden, nachdem wir abgefahren sind, fiel Kurt Brand ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte.  

Leider habe ich in den Teestunden bei raschen durchsehen keinen Beitrag gefunden, die sich speziell mit Kurt Brand beschäftigt und ich habe hier ja keine chronologische Biographie von Werner Kurt Giesa geschrieben (das sollen andere tun) sondern nur etwas über Menschen geplaudert, die ich gekannt habe und von Dingen, die ich selbst gesehen und erlebt habe. Auch wenn Kurt Brand und Jürgen Grasmück, die Werner und mich auch gewissermaßen beflügelten, hier nicht den Stellenwert bekommen haben, den sie in unserem Leben hatten.

Einige Kleinigkeiten kommen ja noch im Interview. Und wenn dann noch eine oder zwei Teestunden übrig sind, kann ich noch mal einige Sachen aus den Tagen mit Kurt Brand erzählen.

Nur - Werners Einwurf mit der Lippstädter Verkehrspolizei war nicht unbedingt ein Gesprächsthema mit Kurt Brand sondern... nun gut, ich erzähle es einfach mal... zumal es das Wochenende war, an dem der Magier erfunden wurde. Vielleicht weiß Uwe Schnabel noch die Jahreszahl - als Dan Shockers Privat-Sekretär war er mit dabei - wenn ich mich recht erinnere.

Werner hatte uns zu seinem Geburtstag eingeladen - der 30ste müsste das gewesen sein. Jürgen hatte das Ganze gleich als Agentur-Konferenz  angesetzt, wo auch über verschiedene geschäftliche Dinge geredet werden sollte. Jedenfalls konnte er das so von der Steuer absetzen.

Ich fuhr also mit Hans Klipp in Richtung Lippstadt. Wie üblich damals mit Cowboy-Hüten, Rodeo-Hemden und was wir damals eben so mehr oder weniger an prächtigen Klamotten trugen. Die "Glarelion", mein 200ter Daimler, hatte sich auf der Autobahn so richtig wohl gefühlt. Dann kam nach der Abfahrt Lippstadt ein sehr, sehr langer Zubringer zur Autobahn.

Nur Crom weiß, warum man da Tempo 80 gemacht hatte. So 120 konnte man locker fahren - und bin ich auch gefahren. Bei der Abfahrt auf die Bundesstraße sah ich dann die Kelle. Also Aussteigen, mit rüber in den VW-Bus, Protokoll und der Hinweis auf ca. 250 Mark Bußgeld und einem dicken Punktekonto. Da ich aber bei der "Polente" schon einen Deckel hatte, brachte mir die Sache noch ein Fahrverbot von einem Monat ein. Was nicht so schlimm war, denn ich wohnte ja in Kassel und der Bus in Richtung Innenstadt und Rathaus hielt neben dem "Turm des Schreckens".

Nachdem der "Bürokram" beendet war konnte ich weiter fahren. Bei Werner habe ich dann meinem Zorn richtig Luft gemacht - und Werner hatte ja zeitlebens eine besondere Vorliebe für die Polizei. So schimpften wir also wie zwei Raben - und nebenher schaltete Werner im Radio den Polizeifunk ein. So was konnte er nämlich - auch wenn das verboten war und ist. Aber auf diese Weise wusste W.K.Giesa immer, wo "sie" waren, wenn er für seinen "Gleiter" Start-Freigabe machte. Denn wie bekannt, ist Werner ja immer "sehr zügig" gefahren.

Ja, und was mussten wir da im Polizeifunk hören? "...die haben einen ganz seltsamen Namen. Grasmück oder so ähnlich..." Ja, ich schrieb an anderer Stelle schon, das Karin Grasmück eine sehr rasante Fahrerin war die auf der gewundenen Straße in Kaltern hoch zum Penegal auch an einem Kurt Brand dran blieb. Und Kurt hätte so manches Mal statt des Lenkrades einen Steuerknüppel gebraucht, wenn er seine "Point Of" über die Straßen jagte. Der hätte bei einem "Wagenrennen" auch einen W.K.Giesa geschlagen.

So hatten wir also nach Eintreffen der "Gasmücken" erst mal ein gemeinsames Thema. Zumal wir alle hätten beschwören können, kein Schild gesehen zu haben. Aber wer glaubt das einem braven Bürger wenn das Wort von Polizisten dagegen steht.

Im Interview geht es jetzt mit einer anderen Thematik weiter und es ist zu vermuten, das Werner hier aus dem Text wieder was raus redigiert hat, was jemandem bei einem Verlag vielleicht  Bauchgrimmen bereitet hätte. Immerhin hatten wir schon ein paar Bierchen und die passenden Körnerchen eingefahren und achteten an diesem Tag nicht mehr so drauf, was wir sagten. Ob Gustav Gaisbauer oder Franz Schröpf das Original des Interviews noch haben, weiß ich nicht.

Und mit der neuen Thematik machen wir nächste Woche weiter. Bis dan also - ich verschwinde geistig wieder fast 2.000 Jahre in der Vergangenheit. Und wer wissen will, wie es damals in der "Ewigen Stadt" aussah, der sollte sich die beiden TV-Serien "Rom" ansehen. Da stimmen alle Hintergründe - selbst was Bauwerke, Kleidung, Gebräuche und andere Details angeht. Sogar die beiden "Helden" - mehr Anti-Helden dieser Serie - haben tatsächlich gelebt. Die Eingangs-Szene während der Schlacht bei Alesia, wo ein gewisser Titus Pullo vor lauter Kampfeseifer nicht auf das Kommando zum Zurückweichen hörte und von Lucius Verenus, seinem Centurio, rausgehauen wurde, ist durch Cäsar selbst im "Gallischen Krieg" für die Geschichte aufbewahrt worden.

Das Rom, in dem unsere Geschichte spielt, hat noch nicht die großartigen Bauwerke auf dem Palatin, die der Besucher heute sieht. Allerdings wird er nicht nur den Brand Roms miterleben, sondern auch die Einweihung des Colosseums.  Aber alles in allem ist die TV-Serie "Rom" von der Optik her wirklich das beste Vorbild für das Rom vor dem Brand zur Zeit Kaiser Neros. Das ich archäologische Pläne besitze, wie man sich das Forum Romanum der damaligen Zeit vorstellte, muss ich wohl nicht erwähnen. Und gerade die Gegenden rund um den Palatin, wo zu unserer Zeit im Roman die im Verhältnis nicht sehr großen Häuser der Kaiser standen, die Foren, das Kapitol, Forum Boarium, Largo Argentina, Circus Maximus und die umliegenden archäologischen Ausgrabungen sind mir bestens bekannt, weil ich mehrfach dort war - zwei Mal auch zusammen mit W.K.Giesa.

Doch davon habe ich ja in den Teestunden immer mal berichtet.  Zwei Busrundreisen mit fast der gleichen Route. Florenz, Rom und Paestum mit Neapel, Amalfi-Küste und Pompeji. Also, dann macht mal Teestunden-Archäologie und grabt diese Beiträge aus.

Wir lesen uns in einer Woche ...

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