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Fantasy, Asmodis und die ›grüne Hölle‹

Teestunde mit RolfMoin Rolf, heute gibt es wieder Tee. Zuerst noch ein paar Bemerkungen zur Fantasy und deinen Welten und dann bestimmt auch noch zu asmodis und der Hölle im Zamorra. Leg mal los. Der Tee ist serviert …

Fantasy, Asmodis und die ›grüne Hölle‹

In der letzten Woche gab es ja als ›Alternative Teestunde‹ einige als Interview gefasste Erklärungen zu meinen Fantasy-Romanen aus der Bastei-»Fantasy«-Serie, die jetzt alle 14 Tage kapitelweise im Zauberspiegel erscheint.


»Visionia - Welt der Träume« wechselt sich also pro Woche ab mit »Chrysalitas - Die Adamanten-Welt« und Hochrechnungen haben ergeben, dass ein gewisser Lesestoff für Leute mit nicht gerade üppigen Geldbeutel hier ungefähr bis Ende 2015 vorhanden ist. Jedenfalls gilt das für ›Chrysalitas‹ - ›Visionia‹ wird länger laufen ...


Dass diese Stories nicht jedem gefallen werden, liegt auf der Hand. Auch ein Weltbestseller wie der »Herr der Ringe« wurde von W.K.Giesa damals als ›totaler Langweiler‹ empfunden, der ›lesbar‹ wäre‹, wenn man ihn ›auf die Länge eines Heft-Romans runter kürzen würde‹. So sind eben die Geschmäcker verschieden - obwohl in meinen beiden Zyklen die ›große Vielfalt‹ vorhanden ist. In ›Visionia‹ sicher noch mehr, weil ich da völlig frei und ohne Vorgaben schreiben kann - und auch in ›Weird‹ und ›Horror‹ gehen kann, was in ›Chrysalitas‹ damals in der Heft-Form als ›Straße der Götter‹ nicht so ganz möglich war. Es war ja immerhin eine Fantasy-Serie - und sollte den damaligen ›Horror-Serien‹ wie »John Sinclair«, »Tony Ballard« und »Professor Zamorra« nicht die Leser weg nehmen.

Diese ›große Vielfalt‹ in Chrysalitas entstand übrigens auf einen Wunsch von Dr. Helmut Pesch (der heute im Übrigen Geburtstag und die runde 60 feiert, Herzlichen Glückwunsch), der als »Helmbrecht, der Redaktions-Hobbit« auf der LKS von Bastei-Fantasy den Kontakt mit den Lesern hatte. Er war auch Redakteur der Serie - Chef-Redakteur war jedoch Michael Görden, der dann in dem doppelten Konzept ›Straße der Götter‹ / ›Drei Schwerter für Salassar‹ eine ganze Menge eigener Vorstellungen verwirklicht haben wollte, die weder W.K.Giesa noch mir so richtig gefielen. Aber es war der Wunsch/Befehl vom ›Big Boss‹ - entweder du sagst auf gut Japanisch: »Hai, Daymio«, auf Englisch: »Yes, Mylord« oder besser auf Deutsch: »Ja, hoher Herr« und tust es - bevor man dich höflich verabschiedet und ein anderer Autor ›verlags-konform schreibt‹ und so die Wünsche der Chef-Etage erfüllt.

Ja, die große Vielfalt in ›Chysalitas‹ und dann auch in ›Visionia‹, was ja de facto eine Weiterentwicklung ist. Im Verlauf der Handlungen werden sich ja nach Überlegungen hatte, die ich nach dem Interview hatte, Tore und Brücken zwischen den beiden Welten finden und immer Verbindungen gezogen. Immerhin hat Sabrina diese Romane gelesen - und in ihrer eigenen Fantasy sind in der Welt, in der sie sich befindet, viele Strukturen von Chrysalitas zu finden, die sie kennt.

Bei der Überarbeitung der alten Romane habe ich da in Chrysalitas schon einige Dinge eingebaut - in einer kurzen Szene wird Kerstin als die wilde Kriegerin Kerry vom Sturmland auf in einem Traum nach Chrysalitas versetzt, um die von einer feindlichen Übermacht bedrängten Sina und Ferrol mit ihrem Langschwert raus zu hauen.

Beim ersten Anruf, den ich von Helmut Pesch erhielt und der sozusagen die ›Berufung zu Bastei-Fantasy‹ darstellte, sagte er mir: »Ich habe einen, der wie Tolkien schreibt« (sicher der erste ›Märchen-Roman‹) »und einer schreibt wie Howard« (damit meinte er Alfred Wallon mit seinem Barbaren-Helden). »Was kannst du machen?« Meine Antwort: »Ich mache aus allem eine Synthese«. - »Gut!« war die Antwort von Helmut Pesch. »Und ich will auch Riesen und Zwerge, Elfen und Trolle - und Drachen drin haben!« Nur das Einbauen von ›Hobbits‹ wurde ausdrücklich abgelehnt.

Da ich am Schreibtisch im Rathaus saß, notierte ich mir die Wünsche kurz. Und so wurde aus dem, was mir sonst für das Konzept ›Drei Schwerter für Salassar‹ vorschwebte keine reine Sword- and Sorcery-Story, sondern das, was ihr in den nächsten Monaten alle zwei Wochen hier im Zauberspiegel lesen könnt. Ohne diese Vorgabe von Helmut Pesch wäre es wohl mehr ein schön blutiges Conan-Steak geworden - so wurde es ein echter Fantasy-Eintopf, wo alle Zutaten drin sind, die Fantasy schmackhaft machen.

Die Vision, dass plötzlich an einem stinklangweiligen Nachmittag im Amt vor meinen geistigen Augen drei Personen auftauchten, die mir ihre Namen nannten und erklärten, sie kämen aus der Stadt Salassar und ich solle ihre Abenteuer schreiben, die hatte ich ca. einen Monat vorher, als von ›Bastei-Fantasy‹ noch nichts bekannt war.

Das hört sich jetzt nach Seemanns-Garn an - ist aber tatsächlich so. Auch Robert E. Howard hat ja mal geschrieben, dass Conan völlig fertig neben ihm stand und er nur noch zu schreiben brauchte. Und schon beim Zamorra, ich habe das einige Male schon erzählt, gab es Momente, wo ich wild drauf los gehämmert habe, ohne mir Gedanken zu machen. Getrieben von irgendetwas, das ich nicht kenne. Und dann stand plötzlich ein Text da, den ich so nicht geplant hatte - aber der genau passte. Ja, was tut man dann. Ich habe einfach nur laut: ›Danke‹ gesagt.  

So viel also mal dazu, was es ausmachen kann, wenn man gezwungen ist, die Wünsche der Verlagsleute zu berücksichtigen. Die sehen es natürlich nach dem allgemeinen Trend, was sich verkauft.

Die Tolkien-Elben und die Kuschel-Vampire scheinen jetzt nach dem Tausendsten Aufguss langsam ausgelaugt und in den deutschen Verlagen guckt man sicher gespannt über den großen Teich, was als nächstes kommt. Dass ich 1982 im Professor Zamorra mit dem »Disco-Vampir« schon mal einen Kuschel-Vampir hatte - wer weißt das schon noch. Zumal Jason Dark als Redakteur diesen Roman zuerst ablehnen wollte - nur war gerade der Vorlauf knapp geworden und deswegen konnte dieser damals mehr als außergewöhnliche Roman erscheinen.

Mag sein, dass das mit den Verlags-Vorgaben heute anders ist - vielleicht bei ›engagierten Kleinverlagen‹. Aber ich habe es nicht nur bei Bastei erlebt, sondern später auch bei den historischen Novellen für Wartberg. Der Verlagsleiter war zwar in keiner Weise historisch kompetent - aber ich hatte gefälligst das reinzubringen, was er wollte.

Deshalb wurde die ›Chatten-Saga‹ nicht, wie ich es geplant hatte, ein Stimmungsbild, wie die germanischen Vorfahren in unserer Region in Frieden und Krieg lebten - sondern eine Prügel-Oper, in der im ersten Kapitel eine gewünschte Schlägerei a la Asterix gebracht werden musste. Und natürlich auch die Schlacht im Teutoburger Wald - was den historischen und von Tacitus bestätigten Kampf an der Eder zwangsweise nach sich zog. Das kann alles im ›Zauberspiegel‹ nachgelesen werden. Die Chatten-Sage ist dort zu finden, weil nach einigen Jahren die Rechte an mich zurück fielen.

Die beiden anderen Bände der ›Chatten-Saga‹, in denen ich doch noch mehr vom Leben der Chatten schreiben wollte, wenn sie mal nicht soffen, prügelten oder die Framen schwangen, wurden dann nicht mehr realisiert. Genau so wie bei den Mittelalter-Geschichten noch einige Exposès nicht ausgearbeitet wurden, weil das Buch eben voll war.

Und diese Einmischungen von Verlagen sind eben der Grund, warum ihr Visionia hier im Zauberspiegel lesen und nicht für Geld kaufen könnt. Gut, ich räume ein, hätte sich in den zwölf Jahren, die das Konzept existierte, ein Verlag dafür interessiert, wäre ich zu Kompromissen bereit gewesen. Aber heute bin ich eigentlich ganz froh darüber, dass es nicht der Fall war.

Die Verlage hatten ihre Chance, vielleicht Geld zu verdienen. Und jetzt haben die Leser die Chance, das Geld, was die Verlage verdient hätten, selbst zu behalten. In der heutigen Zeit der schmalen Geldbeutel wird sich manch einer drüber freuen.

Dennoch, liegen die Copyright alles hier im Zauberspiegel veröffentlichen Novellen und Romane bei mir und Hermann als meinem Agenten. Irgendwelche Veröffentlichungen durch Raub-Drucke, die uns bekannt werden, beschäftigen dann sofort unseren Anwalt und danach vermutlich das Gericht.

Aber eigentlich wollte ich ja heute was ganz anderes bringen - wie sind ja noch bei der Betrachtung von Hölle, Teufel und Asmodis. Und ich hatte versprochen, mal etwas Text über die Art und Weise zu bringen, wie Asmodis seinerzeit mit ›Untergebenen‹ verhandelt hat. Vielleicht ist es für den einen oder anderen noch mal empfehlenswert, das letzte Drittel der Teestunde vor zwei Wochen zu lesen, um den Hintergrund zu haben.

Dieses Gespräch, das jetzt gleich kommt, war damals der Anfang der ›Höllen-Bürokratie‹, die man nicht so ganz ›bier-ernst‹ nehmen darf und die ich gerne noch viel weiter ausgebaut hätte. Für die heutigen Zamorra-Leser ist es vielleicht mal interessant, wie damals das Verhältnis unter Dämonen innerhalb der ›Firma‹ so war. Immerhin war ich ja selbst Beamter und die Zustände und Umgangsformen in einer großen Behörde waren mir nur zu gut bekannt.

Wir erinnern uns, ein eigentlich ganz friedlicher und fauler Dämon, der sich Huitzilopochtli nannte. Genau wie der Dämon, der bei den Azteken als Kriegsgott verehrt wurde. Reste der Azteken waren nach dem Sieg der Spanier nach Süden geflohen und hatte sich im brasilianischen Dschungel angesiedelt. Der Höllen-Dämon, den man auf diesen Posten ›abgeschoben hatte‹ ließt sich als Gott Huitzilopochtli verehren lassen, weil er in den Gedanken der Menschen las, dass sie an diesen Gott glaubten.

Ansonsten hatte diese Dschungel-Dämon sich von den zu ›Wilden‹ und ›Kannibalen‹ degenerierten Azteken anbeten lassen, fröhlich in den Tag gelebt und den ›lieben Gott einen guten Mann sein lassen‹. Das änderte sich, als in der Nähe des Dorfes, wo er sich verehren ließ, ein Flugzeug abstürzte in dem sich Professor Zamorra, Nicole Duval und Michael Ullich saßen, der in diesem Roman (PZ. 204 - Herr der Grünen Hölle) seinen ersten Auftritt in der Serie hatte.

Und so kam es, dass Asmodis, dessen zwei ›Hilfsdämonen‹ den Flieger zum Absturz brachten, sich in der brasilianischen Dschungel in der Nähe des Rio Negro verfügte, um den dortigen ›Sachbearbeiter der Hölle‹ an seine Pflichten zu erinnern.

Im Roman liest sich das dann so:

"Der Chef schickt mich!"
Die hagere Gestalt mit dem übertrieben blassen Gesicht, dem strähnigen, vor Fett triefendem schwarzen Haar und den grünlich funkelnden Augen sagte es schnurrend wie eine Katze, bevor sie die Krallen ausstreckt. Das blütenweiße Diner-Jackett, die weinrote Samtfliege und die schwarze Hose mit tadelloser Bügelfalte passte zweifellos in jeden der eleganten Clubs von London, Paris oder New York. Da, wo Leute verkehren, bei denen Geld keine Rolle spielt.
Aber in einer roh zusammen gezimmerten Hütte mitten im brasilianischen Busch wirkte diese Aufmachung deplaziert. Auch wenn das Gebäude immerhin das Erste Haus am Platz im Kannibalen-Dorf war. Genauer gesagt, das Heiligtum der Indios, das hier Huitzilopochtli, den Blutgötzen ihrer Ahnen verehrte.
Der Hausherr saß derzeit auf einem roh zusammen geschichteten Altar und hatte so etwas wie menschliche Gestalt angenommen. Dass sich die mächtigen Eckzähne aus dem Unterkiefer nach oben bogen, dass die Finger Klauen besaßen, die jedem Tiger Respekt eingeflößt hätten und dass der Unterleib die Form einer mächtigen Schlange hatte störte den Besucher nicht im Geringsten.
Der Angesprochene tat das, was man bei einem menschlichen Wesen mit "tief durchatmen" betituliert.
"Wer?" kam es grollend.
"Nun stell dich bloß nicht so an und tu so, als ob du nicht weißt, unter welchem Befehl du stehst!" entgegnete die adrette Person süffisant. "Seit wann weiß den ein Angestellter bei der Firma 'Satanas & Co' nicht mehr den Namen seines Ressort-Leiters?"
"Doch nicht etwa... doch nicht etwa dieser Asmodis, der mir diesen lausigen Job hier zugeordnet hat?" kam es fragend.
"Richtig geraten." lobte der Urwald-Playboy. "Der Fürst der Finsternis persönlich. Und er hat Arbeit für dich, die..."
"Sterblicher, was wagst du!" donnerte der Dämon und seine ganze Gestalt begann, vor Erregung bläulichen Rauch auszustoßen. "Noch ein solches Wort und ich breche dir eigenhändig das Genick, Oder du landest im Kochtopf der Leute, die mich hier anbeten. Ein Wort von mir... ah, sie haben Möglichkeiten, einem Menschen das Sterben schwer zu mache... sehr schwer...!"
"Asmodis wäre sehr ungehalten, wenn er sich so abgewertet wüsste!" mahnte der Mann im weißen Diner-Jacket und zündete sich gemächlich einen Zigarillo an. Genüsslich formte sein gespitzter Mund Ringe von Rauch, die langsam größer werdend zur Decke trieben.
"Ich habe den Eindruck du benimmst dich hier wie das, was die Gegenseite einen 'kleinen Herrgott' nennen würde. Nein, nein, das würde dem Fürsten der Finsternis sicher nicht gefallen.
"Weißt du, was mich dein Asmodis kann?" fauchte der Dämon und benutzte dann eins der meist zitierten Wörter klassischer Dichtkunst, mit dem bewiesen wurde, dass auch Goethes unsterbliche Werke im Volk bekannt und beliebt sind.
"Asmodis kann mich...!"
Im gleichen Moment heulte Huitzilopochtli aus wie zwanzig Kriegsgaleeren voll mit verlorenen Seelen. In dem Maße, wie die geschniegelte Gestalt zu zerfließen begann wurde der Dämon von unsichtbaren, glühenden Ruten ausgepeitscht. Und die Streiche, gegen die es weder Gegenwehr noch Ausweichen gab, fielen hageldicht.
Aber keiner der Schreie im Gebrüll des Dämons war draußen vor der Hütte zu hören, wo sich der Schamane verzweifelt bemühte den unsichtbaren Energiemantel zu zerbrechen, den die Mächte des Bösen um die Hütte gelegt hatten.
Fürchterlich strafte der Fürst der Finsternis seinen Diener für die Miss-Achtung...
Danach wird im damals erschienenen Roman erst mal ein Kapitel eingeschoben, wo Professor Zamorra den Elementar-Geist des Wassers beschwört.

Jetzt, wo ich die Passage noch mal lese, erscheint sie mit interessant, sie hier in der Teestunde noch mal zu bringen. Schon deshalb, weil diese Schlüssel-Szene schon früh erkennen lässt, wie ich innerhalb der Zamorra-Serie meinen etwas eigenwilligen Stil entwickelte.

Werner ist auch mit den Elementar-Geistern nie klar gekommen. Er hat sie nie benutzt oder angesprochen und so verschwanden sie klammheimlich von der Bildfläche. Für mich wären die Elementar-Geister im Konzept ›Das Kommen der Alten‹ einer der wichtigsten Faktoren gewesen - aber seit Werner den Ju-Ju-Stab diesem Voll-Trottel Ombre in die Hand gegeben hat (der normalerweise bei einer Berührung mit diesem Stab verdampft wäre) war dieses Konzept sowieso im Eimer.

Natürlich hatte ich mir beim Schreiben des 666er Zyklus schon Gedanken gemacht, durch ein anderes Relikt gegen die ›Namenlosen Alten‹ den von Werner zur Prügel herabgestuften Ju-Ju-Stab zu ersetzen. Ich hatte ja damals gehofft, dass ich durch den Text, den ich Werner noch dazu geschenkt habe, weil ich annahm, dass der Zamorra seine einige Einnahme-Quelle war und er das Geld für jeden Roman brauchte.

Aber vor diesem ›Kommen der Alten‹ hat Werner die neue Generation der Zamorra-Leser ja bewahrt - im Heft wie im Hard-Cover.

Also, in der nächsten Tee-Stunde kommt also ein Abdruck des ersten Zusammentreffens von Professor Zamorra mit einem Elementar-Geist. Und jetzt machen wir weiter mit der kleinen ›Unterredung‹ des Asmodis mit Huitzilopochtli. Noch dazu - ich weiß, dass Astaroth für den amerikanischen Doppelkontinent als Statthalter der Hölle zuständig ist. Aber bei dem zweiten Roman, dem letzten Versuch, doch noch mal etwas zu schreiben, was angekauft und gedruckt wird, musste ich da Zugeständnisse an die laufende Handlung machen. Das Astaroth für Amerika zuständig ist, habe ich dennoch in den Dialog mit eingebaut.

Also nun aber - Asmodis und Huitzilopochtli - zweiter Akt...

"Wurm! Spüre die Strafe, die den trifft, der es wagt, über den Fürst der Finsternis zu spotten!"
Wie fern verhaltenes Donnergrollen vernahm der von wahnsinnigen Schmerzen gepeinigt Dämon die Stimme seines Herrn und Gebieters.  Es war ihm, als würde er in Strömen flüssigen Feuers gebadet um gleich darauf in die unergründlichen Tiefen des Eismeeres gerissen zu werden!"
"Nun, wie gefallen dir die von Doktor Asmodis verordneten Wechselbäder?" kam es höhnisch. Aber das, was sich Huitzilopochtli nannte, was zu keiner Entgegnung mehr fähig. Nur das was man mit einiger Phantasie als Stimme bezeichnen konnte, wimmerte tonlos um Gnade.
Endlich - endlich. Die Pein ließ nach. Es dauerte eine geraume Zeit, bevor bei dem Dämon das einsetzte, was man wieder besseren Wissens als Denkprozess bezeichnen könnte.
Und aus weit aufgerissenen Augen starrte er auf die Gestalt, die in majestätisch drohender Haltung vor ihm aufbaute, während er sich auf dem fest gestampften Lehmboden der Hütte wandte.
Eisgraues Haar kräuselte sich um ein Angesicht, aus dem die Weisheit des Sokrates, die Überheblichkeit des vierzehnten Ludwig von Frankreich und der Wahnsinn des römischen Kaisers Caligula sprach.
Das bis zu den Schultern herab wallende Haar wurde durch ein rotes Stirnband gebändigt, in das unverständliche, goldblitzende Zeichen und Symbol eingearbeitet waren.
Ein langes Gewand umhüllte in mächtigen Falten die hochgewachsene Gestalt. Der Stoff, sofern man von Stoff reden kann, den die Umhüllung des Wesens trug alle Anzeichen, dass es sich hier um lebendige Materie handelte, spiegelte vom hellen Grau bis zum düsteren Schwarz alle Farben der Finsternis wieder. Diese Farben waren aber nicht konstant, sondern schienen immer wieder einander zu fließen.
Der Mächtige, der hier Gestalt angenommen hatte, hob einen silbernen, matt schimmernden Krummstab, in den allerlei unheilige Symbole eingegraben waren . Symbole, deren bloßer Anblick schon den Verstand eines sterblichen Menschen verwirren konnte.
Wie ein Götzenpriester aus den Tagen, die längst dem Vergessen anheim gefallen sind, manifestierte sich ein Großer aus dem Reich der Tiefe vor dem Dämon.
"Kennst du mich?" grollte es durch die Hütte. "Kennst du mich, Narr, der du dir den Namen Huitzilopochtli gabst und dich hier verehren lässt, wie es deinem niedrigen Stand niemals zukommt!"
"Asmodis!" keuchte der gestrafte Dämon. "Mächtiger Gebieter! Vergib, dass dich dein treuer Diener nicht sofort erkannte und...!"
"In das ewige Nichts sollte ich dich stoßen für deine Beleidigung!" kam es furchtbar zurück. "Musste dir deine verfluchte Seele nicht sagen, wer vor dir stand? Ist dein Blick so getrübt, dass du nicht den Vorhang beiseite schieben kannst, der mich umgibt, wenn ich leibhaftig unter den Sterblichen wandele. Als Mensch unter Menschen!
Aber nun, die Ungläubiger, so erkenne mich denn in der Gestalt, in der ich vor dem Thron des allmächtigen Kaisers Luzifer meine Huldigung entgegen bringe und in der ich vor Lucifuge Rofocale trete.
Siehe in mir den Fürsten der Finsternis! Erkenne in mir den überaus mächtigen Groß-Prinz der falschen Hierarchie und den Erzkanzler vom Orden des Feuermolchs.
Erkenne, dass du weniger bist als ein unnützer Sklave. Denn vor meiner Macht bist zu Gewürm, dass ich zertrete, wenn es mir in den Sinn kommt.
Erzittere, Dämon!"    
Doch Huitzilopochtli antwortete nicht. Kriechend, den hässlichen Kopf gesenkt, kroch er auf Asmodis zu und küsste den Saum seines Gewandes. Die zornblitzenden Augen des Herrn der Schwarzen Familie bekamen einen etwas freundlicheren Schimmer.
"Das hast du dir so gedacht!" sagte er leutselig, als der Dämon alle Symbole bedingungsloser Unterwerfung beendet hatte. "Wie ein Dorf-Fürst unter Wilden führst du dich hier auf. Wenn der wirkliche Huitzilopochtli das erfährt, dass du dich unter seinem Namen vergöttern lässt, dann möchte ich nicht in deiner Haut stecken."
Das, was sich hier Huitzilopochtli nannte, zuckte erschrocken zusammen. Asmodis amüsierte sich königlich über den Schrecken, den seine Worte verbreiteten.
"Es war doch nur... ich meine...." stammelte der Dämon. "Denn als in den längst vergessenen Tagen Astaroth, der große Höllenfürst, die Herrschaft über den Doppelkontinent zugesprochen bekam, den die Menschen Amerika nennen, da setzte er treue Dämonen als Unterpächter ein. Erinnere dich, großmächtiger Gebieter, dass du selbst im Auftrag des allmächtigen Kaisers die Urkunde aus der Haut eines Eisdrachen an Astaroth überreichtest."
"Ich erinnere mich!" kam es hoheitsvoll. "Und Asmodis ist stolz darauf, einen so fähigen höllischen Heerführer wie Astaroth in seinen Diensten zu wissen. Er ist eins unserer stärksten Bollwerke gegen die Gegenseite. Immer ist er bestrebt, Satans Reich auf Erden zu errichten und zu mehren. "
"Damals bekam ich von Xciatones, einem Unterteufel der Unterteufel des Astaroth, den Auftrag, diesen Flecken Erde hier zu verwalten und die Menschen, die sich hier aufhalten oder ansiedeln auf die Straße des Bösen zu führen.
Unzählige Male wechselten die Trockenzeiten mit dem Regenzeiten und ich hätte höchstens Schlangen, Vögel und Jaguare zur Sünde verführen können. Aber was weiß die Seele der unvernünftigen Kreatur zwischen Gut uns Böse zu unterscheiden.
Und dann endlich kamen sie. Menschen auf der Flucht vor ihren Artgenossen mit der weißen Haut, die mit Feuer und Schwert die Lehre ausbreiten wollten, die von der Gegenseite immer als die Religion der Nächstenliebe bezeichnet wird. Und die Menschen beschlossen, sich hier im Dschungel nieder zu lassen, wo er am unwirtlichsten ist. Hier hofften sie, sich vor den Donner-Rohren der Blass-Häutigen verstecken zu können.
Und sie trugen in ihrem Herzen ihre Götzen mit sich. Ich aber, der ich wie alle, denen du gebietest, hoch zu verehrender Fürst, die Gedanken der Menschen erkenne, ich hörte den Namen des überirdischen Wesens, da sie verehrten.
Huitzilopochtli, den Fürchterlichen. Huitzilopochtli, den Nehmer der Seelen. Doch diese Menschen, die hierher geflohen waren, hielten ihn für einen guten Gott. Und das war er sicher auch, bis diese Menschen es zuließen, dass bärtige und in bunten Stoff und blitzendes Metall gekleidete Männer auf der hochgetürmten Schlangen-Pyramide von Tenochtitlan das Symbol ihres eigenen Gottes errichteten. Da erst, so vermute ich, wandte Huitzilopochtli sich angewidert von ihnen ab.
Ich aber erschien aus dem Grün des Dschungels heraus vor diesen Menschen, die ihren Gott verloren hatten und gab Zeugnisse der Kraft, die mit von unserem Großen Vater in der Tiefe verliehen wurden. Und dabei gab ich mir den Namen Huitzilopochtli, damit ihr Glaube an mich stark wurde und das, was ich von ihnen verlangte, für sie gute Taten waren und sie nicht wankten, sie auszuführen.
Es geschah alles nur zum Besten unserer Sache, großmächtiger Gebieter. Und es geschah nur, um auch hier dem Bösen zum Sieg zu verhelfen. Denn die an Blutopfer gewöhnten Abkömmlinge der Azteken sind der festen Überzeugung, etwas Gutes zu tun, wenn sie ihre Gefangenen zu den Blutaltären schleifen, um sie dort den unterirdischen Mächten zu weihen."
"Diese Geschichte klingt glaubhaft." Asmodis nickte bedächtig. "Und so verzeihe ich dir die Beleidigung, sofern es in unseren Kreisen eine Art Verzeihung geben kann. Aber einen anderen Namen solltest du dir bals zulegen, wiewohl du dich noch einige zeit mit dem Namen Huitzilopochtli schmücken darfst. Denn im Moment mag das noch nützlich sein..."
"Wie soll ich das bestehen, großmächtiger Gebieter?" dienerte der Dämon.  
"Ach so, das kannst du ja nicht wissen." sagte Asmodis. " Der Dämon, dessen Namen du dir als Pseudonym zugelegt hast, wurde vor zehn Zeitspannen, deren Länge nur den drei Herren der Höllischen Majestäten bekannt sind, in Glut-Ketten in einen Strom roter, flüssiger Lava geschmiedet. Dort büßt er, dass er dem Lucifuge Rofocale einen Befehl verweigerte.
Aber diese Zeit geht dem Ende entgegen und bald wird der Bann gelöst sein. Sei dessen gewiss, dass Huitzilopochtli wüten wird wie ein gepeinigtes Raubtier.
Genug davon! Ich bin nicht gekommen, um mit dir Geschwätze zu führen. Öffne deine Ohren und hör mit ganz genau zu. Denn in deinem Herrschafts-Bezirk befindet sich eine Person, die unserem Großen Vater in der Tiefe gewissermaßen lästig ist. Du verstehst..."
"Ich verstehe!" rief der Dämon. "Und diese Person..."
"...muss sterben." vollendete Asmodis. "Aber hüte dich. Er ist stark und manch einer der Schwarzen Familie. der seinen Weg gekreuzt hat, verschwand im gestaltlosen Nichts. Du musst klug zu Werke gehen!"
"Verlass dich auf deinen treuen Diener, hoher Gebieter!"rief der Dämon und seine Stimme triefte vor Pathos. "Ich selbst werde dir seine Seele auf einer Silberschüssel bringen!"
Asmodis lächelte süffisant. Er kannte die Gefährlichkeit des Dämonenjägers besser, auf den er jetzt diesen Hochstapler des Dämonen-Reiches ansetzte. Seine übernatürlichen Kräfte spielten dem Huitzilopochtli das Bild dessen vor, den es zu jagen galt.
Plastisch da der Urwald-Dämon das Bild des Mannes mit dem sympathischen Gesicht und der athletischen Figur im weißen Jeans-Anzug vor sich. Und er bemerkte das Blitzen einer runden Silberscheibe auf der Brust des Mannes.
"Töten diesen," zischte Asmodis, " und ich will dich in den Kreisen der Hölle erhöhe und dir die Rechte eines Erb-Prinzen der absteigenden Linie und würde eines Präfekten der Verdammten Schar geben.
Versagst du... ah, es ist besser, ich lasse das ungesagt. Töte ihn! Töte Zamorra!"   
Und wie ein Nebelstreif sank Asmodis in die Erde....

Ich denke, ihr wisst jetzt ungefähr, wie ich mit Asmodis vorstellte - und finde vielleicht noch einige andere Szenen dieser Art, die bezeichnend sind. Beim nächsten Mal bringe ich die Kapitel-Teile aus dem gleichen Roman - wo es um die Elementar-Geister geht - und die sind so lang, dass ich nur noch kurze Erklärungen dazu geben kann.

So, und nun lest das neue Visionia-Kapitel - falls ihr es nicht schon vorher gelesen habt. Wir lesen uns in einer Woche ...

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