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Action zum Auftakt - PR, Band 2500

Perry Rhodan ... das Universum und ichAction zum Auftakt
»Perry Rhodan« startet in den neuen Zyklus
PR, Band 2500

Da ist sie also, die lange erwartete, schon im Vorfeld heiß diskutierte Nummer 2500.

Man muss sich diese Zahl einmal auf der Zunge zergehen lassen. 2500 Hefte PR. In einer Zeit, in der die meisten Heftromanserien noch vor Erreichen der 50-Hefte-Grenze eingestellt werden, eine schier unvorstellbare Zahl. Und die 2500 bezieht sich einzig und alleine auf die Romane der EA. Nachdrucke, Buchversionen, Spin-Offs und ähnliches sind da noch gar nicht miteingerechnet ...

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch an PR und das gesamte Team, das sich für das Perryversum verantwortlich zeichnet!

 

Doch damit genug zum Jubiläum. Lobeshymnen auf die Reihe und Rückblicke auf die vielen Jahrzehnte kosmischer Abenteuer finden sich an anderer Stelle in rauen Mengen. In der heutigen Ausgabe der Zauberspiegel-PR-Kolumne möchte ich mich deshalb einzig und allein auf Band 2500 an sich konzentrieren, auf »Projekt Saturn«, über den es auch dann mehr als genug zu sagen gibt, wenn man einmal die Nummer, die er trägt, ignoriert.

Mit Frank Borsch und doppeltem Umfang in den neuen Zyklus
TRAITOR war gestern, jetzt kommt die Frequenz-Monarchie!
Frank BorschVier Jahre lang stand PR ganz im Zeichen der Terminalen Kolonne. 200 Hefte lang sorgten KOLTOROC und seine Truppen für Angst und Schrecken in der Milchstraße. Mit Band 2499 wurde das Kapitel „TRAITOR“ aber abgeschlossen – vorläufig zumindest, denn bekanntlicherweise existiert die Terminale Kolonne noch immer.

Doch das ist für die Geschehnisse von Band 2500 weitestgehend ohne Belang. Mit »Projekt Saturn« startet PR in den »Stardust«-Zyklus, und zumindest zu Beginn sieht es so aus, als sei für Perry Rhodan und die Menschheit tatsächlich eine neue Ära angebrochen. Eine Ära, in der TRAITOR der Vergangenheit angehört und stattdessen die Frequenz-Monarchie ihren großen Auftritt hat.
Doch der Reihe nach.

»Projekt Saturn«, Band 1 des »Stardust«-Zyklus, stammt aus der Feder von Frank Borsch. Nach einer längeren Pause meldet sich der erfolgreiche SF-Autor damit in der EA von PR zurück, nachdem er zuvor bereits Band 13 von PRA und Band 8 der PR-Extras verfasst hat.

Dass ausgerechnet Frank den Einstieg in den neuen Zyklus schreiben durfte, erweist sich in zweifacher Hinsicht als Glücksfall. Einmal natürlich für Frank selbst – es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass ein Autor einen solchen Jubelband verfassen darf. Auf der anderen Seite aber auch für die Leser der großen SF-Serie. Mit Band 13 von PRA hat Frank bewiesen, dass er den Einstieg in einen neuen Handlungsabschnitt erstklassig in Szene setzen kann. Insofern hätte die Wahl des Staffelauftakt-Autors kaum besser ausfallen können.

Mindestens ebenso erfreulich wie diese Wahl an sich ist die Tatsache, das Frank sich in seinem neusten Roman so richtig austoben durfte. Mit 105 eng bedruckten Seiten ist »Projekt Saturn« quasi ein Doppelband geworden. Für den Autor bedeutet das: Mehr Platz, die Geschichte zu entwickeln und die Figuren lebendig zu gestalten. Für den Leser meint es doppelte Lesefreude zu Beginn des Zyklus.

Perry Rhodan Band 2500 -Projejt Saturn von Frank Borsch»Projekt Saturn« - Titelbild, Poster und Design
Bevor wir zum Roman an sich kommen, lasst mich noch einige Worte über den visuellen Teil des Hefts verlieren.

Punkt 1: Das Titelbild. Der Jubiläumsband wartet mit einem umlaufenden Cover auf. Auf der Vorderseite sind Perry Rhodan und Mondra Diamond zu sehen, die auf einem Gesteinsbrocken aus den Ringen des Saturns stehen bzw. hocken. Der Planet selbst ist goldstrahlend im Hintergrund zu erblicken. Die Coverrückseite dagegen hat Illustrator Dirk Schulz mit einer Abbildung des Transporthofs GALILEO – welcher den zentralen Schauplatz des Romans darstellt – und des Tenders GALILEO GALILEI versehen.

Ganz ehrlich: Umgekehrt wäre es mit lieber gewesen. Das Bild der Raumstation gefällt mir deutlich besser als das der beiden versonnen nach rechts oben blickenden Terraner. Insofern hätte ich persönlich eher diesen Teil des Covers als Titelbild gewählt.

Aber die Verantwortlichen in der PR-Redaktion werden schon ihren Grund dafür gehabt haben, die Titelillustration so anzulegen, wie sie nun eben zu sehen ist.

Punkt 2: Das Poster. Eine weitere Darstellung der Transporthofs, diesmal ohne Perry und Mondra. Ein nettes Gimmick, doch da ich kein wahrer Fan von Postern und Plakaten bin, kann und will ich dazu nichts weiter sagen.

Punkt 3: Das neue Design. Betroffen hiervon sind die Rota-Seite, der »Perry Rhodan Kommentar«, die LKS und das Glossar. Die Rota-Seite wirkt deutlich voller als zuvor, ist aber auch sehr angenehm anzuschauen. Der Transporthof oben rechts im Bild, der markante Kopf von Perry links, das alles vor schwarzem Hintergrund ... Also mir gefällt's. Auch wenn man sich über die Lesbarkeit von weißer Schrift auf schwarzem Grund streiten kann. Doch das ist ein Thema für ein andermal ...

In eine andere Richtung geht das neue Design von Kommentar, LKS und Glossar. Dieses wirkt deutlich sachlicher und nüchterner als das vorherige. Es strahlt mehr Ernst aus, spiegelt aber auch den SF-Charakter des Serie deutlicher wieder. Insofern finde ich das neue Design äußerst passend und bin gespannt, ob die neue Gestaltung beibehalten wird.

Kommen wir aber endlich mal zur Geschichte an sich.

»Projekt Saturn« - Worum geht es eigentlich?
Man schreibt das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Rund einhundert Jahre sind seit dem Abzug der Terminalen Kolonne aus der Milchstraße vergangen. Einhundert Jahre, in denen das Leben in den von den Terranern und ihren Verbündeten besiedelten Sternensystemen weitestgehend friedlich und ohne größere Zwischenfälle ablief. Noch sind zwar nicht alle Wunden, die TRAITOR geschlagen hat, geheilt, doch man arbeitet fleißig daran und macht immer neue Fortschritte.

Die Liga Freier Terraner und ihr Vorsitzender, Perry Rhodan, haben sich neben dem Wiederaufbau auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Insbesondere die Überwindung der Hyperimpedanz-Folgen, aufgrund derer intergalaktische Reisen derzeit unmöglich sind, stand und steht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Bemühungen.

Knapp sechzig Jahre vor Handlungsbeginn von »Projekt Saturn« machen Raumfahrer eine unglaubliche Entdeckung: Mitten im Raum treibend, nicht weit entfernt von einem unbedeutenden Sonnensystem, finden sie einen Transporthof der Halbspur-Changeure, ein uraltes Artefakt aus den Fertigungshallen der Mächtigen. Die gewaltige Raumstation könnte die Lösung des intergalaktischen Reiseproblems bedeuten, dient sie doch genau dem Zweck des Transports zwischen Orten, die Abertausende von Lichtjahren voneinander entfernt sind.

Um die Raumstation ungestört zu erforschen, wird sie von der LFT in den Orbit des Saturn verlegt, wo hochqualifizierte Fachkräfte versuchen, der geheimnisvollen Bastion, der sie den Namen GALILEO geben, ihre Geheimnisse zu entlocken.

Am 03. Januar 1463 NGZ machen sich Perry Rhodan und Mondra Diamond auf, der Station einen Besuch abzustatten. Anlass für ihre Reise ist ein erster Durchbruch, der den Forschern gelungen zu sein scheint. Und tatsächlich: Die verantwortlichen Wissenschaftler haben es geschafft, mit einem Hilfsprogramm des Hofs in Kontakt zu treten.

Rhodan und Mondra sind kaum einen Tag an Bord, als das Chaos ausbricht.

Eigentlich beginnt alles ganz harmlos. Immer mehr Gerätschaften der Station laden sich plötzlich auf. Dann empfangen die Terraner einen Funkspruch, in dem ein ihnen unbekannter Halbspur-Changeur um Hilfe bittet. Seine Heimat, ein anderer Transporthof, wird von der sogenannten Frequenz-Monarchie angegriffen. Dank des schier unerschöpflichen Vorrats an Darkurta, einer eigens für den Kampf gezüchteten Kriegerrasse, gelingt der Monarchie die Eroberung des fremden Transporthofs, noch bevor Rhodan entscheiden kann, was nun zu tun ist.

Und dann beginnt der Angriff auf die GALILEO. Mit Hilfe des Transportmechanismus im Innern der Station ist es der Frequenz-Monarchie möglich, eine beträchtliche Truppe an Kriegern in die Station im Saturn-Orbit zu schleusen. Ein gnadenloser Kampf um Leben und Tod entbrennt. Mit den Darkurta und ihrem Anführer, dem Frequenzfolger Sinnafoch, ist kein Verhandeln möglich. Die Außerirdischen kennen nur ein Ziel: Die Eroberung des Transporthofs – und zwar um jeden Preis!

Kritik

»Projekt Saturn« ist in vielerlei Hinsicht anders, als ich es erwartet habe. Das beginnt schon damit, dass ich der Überzeugung war, die Story würde damit anfangen, dass Rhodan und Co die mysteriöse Raumstation in der Umlaufbahn um den sechsten Planeten des Solsystems entdecken. Dem ist nicht der Fall; dieses Ereignis fand, wie erwähnt, bereits sechzig Jahre zuvor weit entfernt von Terra statt. Auch der weitere Verlauf der Story weiß immer wieder zu überraschen. Die Attacke der Frequenz-Monarchie auf GALILEO ist nur der Auftakt für eine Kette von Ereignissen, die so manch unerwartete Wendung bereithalten. Actionreich und mit von Frank in gewohnt starker Weise geschilderten Charaktermomenten rast die Story von einer Seite zur nächsten und bietet dem Leser ein temporeiches SF-Abenteuer, in dem es mitunter ordentlich zur Sache geht.

Doch, mal wieder, der Reihe nach.

  • Die Perspektive
    »Projekt Saturn« wird aus der Sicht dreier Charaktere erzählt, aus der von Perry, der von Mondra (beides Male jeweils in Ich-Form) und aus der des Frequenzfolgers Sinnafoch (in Er-Form). Eine Entscheidung, mit der ich persönlich sehr zufrieden bin. Die Passagen aus den Blickwinkeln von Rhodan und Mondra erlauben einen sehr persönlichen Blick auf die Geschehnisse, und allen voran jene Szenen, in denen es zu Kampfhandlungen kommt, wirken dramatischer und erschreckender, als sie es getan hätten, wären sie in Er-Form erzählt worden. Die Passagen aus Sicht Sinnafochs hingegen zeigen in einzigartiger Weise, wie fremd die terranische Kultur doch auf andere Spezies wirkt, die ihrerseits über eine sehr eigenwillige, den Terranern unverständliche Kultur verfügen.
  1. Die Story an sich
    Trotz der bereits angesprochenen Wendungen und einiger hochinteressanter Entwicklungen und Enthüllungen ist »Projekt Saturn« storytechnisch nicht hundertprozentig gelungen. Der Auftakt des Hefts ist recht behäbig geraten, es dauert zu lange, bis Schwung in die Erzählung kommt. Wenn es dann aber soweit ist, geht es so richtig rund. Seit den frühen Heften von PRA hat es wohl in keinem anderen Werk aus dem Perryversum derart laut und oft gekracht wie in »Projekt Saturn«. Autor Frank Borsch lässt die Post abgehen, wie es so schön heißt, und zündet ein spektakuläres Actionfeuerwerk.
Gerade das dürfte dem Roman zum Verhängnis werden, zumindest in den Augen eines Teils der Leserschaft. »Projekt Saturn« verfügt über eine ganze Reihe von erstklassigen Charaktermomenten, doch was einem nach dem Lesen hauptsächlich im Gedächtnis bleibt, sind die (zugegebenermaßen großartig choreographierten) Kampfsequenzen. Wem die Auftaktbände von PRA zu actionlastig waren, der wird auch mit dem 2500sten PR-Roman seine liebe Not haben; durch die Gegend fliegende Protagonisten, endlose Schießereien und Unmengen zerdepperter Roboter finden sich hier wie da.

Jenseits der Action ist die Story spannend und flüssig erzählt, es fehlt ihr aber an echten Höhepunkten. Wie gesagt, was hängen bleibt, ist der Kampf Terraner gegen Darkurta. Erst auf den letzten Seiten des Romans ändert sich das. Dann aber mit aller Macht, und es fällt einem schwer, sich zu gedulden, bis endlich der Folgeband erscheint.

Kurzum: Vom Hocker haut einen die Story wahrlich nicht; kurzweilig unterhalten und den Wunsch nach der Fortsetzung zu wecken tut sie aber in jedem Fall.
  • Die neuen Feinde
    Allzu viel kann ich verständlicherweise noch nicht über die Frequenz-Monarchie sagen. Dennoch möchte ich versuchen, meinen bisherigen Eindruck der neuen Gegner Rhodans zusammenzufassen.
Zuallererst einmal: Die Frequenz-Monarchie ist nicht TRAITOR. Diese Feststellung mag jetzt reichlich lächerlich klingen und im Grunde genommen selbstverständlich erscheinen, ist sie aber beides nicht. Man nehme nur mal die TV-Serie »Stargate«. Hier wurden die Goa'uld als Hauptfeinde irgendwann abgelöst von den Ori. Die waren aber letzten Endes nichts anderes als stärkere Goa'uld, sodass hier nicht wirklich von einem komplett anderen Gegenspieler gesprochen werden konnte.
Anders sieht dies bei PR aus. Die Frequenz-Monarchie und TRAITOR scheinen, soweit ich das bisher beurteilen kann, vollkommen verschieden zu sein. Andere Werte, andere Ziele, andere Strukturen ... Die Exposéautoren haben sich eindeutig Mühe gegeben, TRAITOR hinter sich zu lassen.
Was die Frequenz-Monarchie und ihre Vertreter an sich angeht, so hat es seine Zeit gedauert, bis ich mit ihnen warm geworden bin. Zu Beginn hat es noch den Anschein, als bekämen es Perry und Co mit einer monarchischen Kastengesellschaft zu tun, die sich auf Eroberungsfeldzug befindet und sich nun das Solsystem einverleiben will. Nach einem so undurchschaubaren, unverständlichen, dadurch aber auch enorm faszinierenden Gegner wie TRAITOR hat mich das neue Feindbild zunächst doch reichlich enttäuscht. Es kam mir furchtbar altbacken vor (schönes Wort, oder?) Allen voran Sinnafoch konnte mich bei seinem ersten Auftritt so gar nicht begeistern. Der typisch überhebliche SF-Neo-Adlige, hab ich bei mir gedacht und den Charakter eigentlich schon abgeschrieben.
Dann allerdings wurde ich dankenswerterweise eines Bessern belehrt.

Im Laufe des Romans erfährt man noch nicht wirklich viel über die Frequenz-Monarchie, doch die Brocken, die man zwischendurch aufschnappt, reichen aus, um Rhodans neue Gegner – allen anfänglichen Bedenken zum Trotz – durchaus interessant erscheinen zu lassen. Allen voran die immer neuen Überraschungen, die Sinnafoch zu bieten hat, verleihen der Figur ein deutlich markanteres Profil, als es zunächst ausgesehen hat. Kein Zweifel, der Charakter des Frequenzfolgers hat Potenzial.

Zugegeben. Noch bin ich nicht hundertprozentig überzeugt davon, dass mit der Frequenz-Monarchie ein Feind kreiert wurde, der es tatsächlich mit TRAITOR aufnehmen kann. Noch wirkt mir der neue Feind zu einfach gestrickt. Ein (natürlich) vermeintlich übermächtiger Gegner mit nahezu unbezwingbaren Soldaten, an dessen Spitze ein Oberschurke droht, der im finalen Band des Zyklus besiegt werden muss ... Irgendwie hatte ich mir ein wenig mehr erhofft. Doch so manches Detail, das im Laufe der Lektüre offenbar wird, lässt durchblicken, dass tatsächlich mehr hinter der Frequenz-Monarchie stecken könnte als bloß ein weiteres Königreich, das mal eben auf Eroberungsfeldzug gegangen ist.

Ich bin gespannt, wie es in dieser Hinsicht weitergeht!
  • Action und Charaktermomente
    Zu diesem Punkt brauche ich nach meinen obigen Ausführungen wohl nicht mehr allzu viel zu sagen. Action gibt es reichlich, von Frank erstklassig und dramatisch in Szene gesetzt. Fans der ersten PRA-Hefte werden ihren Spaß an der Lektüre haben.
Auch bezüglich glaubhafter Charaktermomente herrscht kein Mangel. Gerade Mondras Darstellung ist mir zwar nicht immer sympathisch. Aber das muss sie auch nicht. Hauptsache, die Figur kommt lebendig und überzeugend rüber. Das ist hier der Fall und gilt auch für die übrigen Protagonisten des Romans.

Dennoch: Mit den fantastischen Actionsequenzen können die Charaktermomente, so stark sie zwischenzeitlich auch sein mögen, bestenfalls in Ansätzen mithalten.
  • Der kosmologische Überbau
    Wenn es eine Sache gibt, die PR von anderen SF-Serien unterscheidet (abgesehen von der Laufzeit, natürlich), dann ist es der überwältigende kosmologische Überbau. Der Kampf der Chaosmächte gegen die Kosmokraten und die Folgen, die Rhodans Verwicklungen in diesen nie enden wollenden Streit haben, haben die Serie geprägt wie wohl kaum ein anderes Element. Der gerade ausgelaufene »Negasphären«-Zyklus wäre ohne den kosmologischen Überbau gar nicht denkbar gewesen.
Doch wie sieht es damit in der neuen Staffel aus?

Nun, im »Stardust«-Zyklus scheint man in Sachen Überbau mehr als nur einen Gang zurückgeschaltet zu haben. Ja, ES kommt vor, und ja, die Technologie der Mächtigen spielt eine elementare Rolle in »Projekt Saturn«. Davon abgesehen ist der Auftaktband jedoch reichlich bodenständig (für PR-Verhältnisse jedenfalls). Das zeigt sich etwa hinsichtlich der neuen Gegenspieler: Man mag vielleicht nicht jede Aktion der Frequenz-Monarchie in ihrer ganzen Breite nachvollziehen können. Vergleicht man das, was man im Laufe von Franks Roman alles über das mächtige Imperium erfährt, aber mit TRAITOR, so scheinen die „Neuen“ nach menschlichem Ermessen deutlich verständlicher und nachvollziehbarer zu handeln als die Terminale Kolonne.

Überhaupt scheint der kosmologische Überbau allenfalls am Rande ein Thema der neuen Staffel zu sein. Schon klar, mal wieder steht ein intergalaktischer Krieg auf der Tagesordnung. Doch anders als im vorangegangenen Zyklus scheint es diesmal nicht um den Kampf zweier das komplette Universum bestimmender Prinzipien zu gehen, sondern „nur“ um den Kampf verschiedener Sternenreiche.

Aber der Zyklus ist ja noch jung. Wer weiß, was da noch kommt. Die Andeutungen, die den kryptischen Äußerungen von ES zu entnehmen sind, lassen jedenfalls vermuten, dass auch das neuster Abenteuer von PR eine beträchtliche Dimension (oder vielleicht sogar mehrere) annehmen wird ...
  • Und wo bleibt das Stardust-System???
    Da heißt der neue Zyklus »Stardust«-Zyklus, und dann spielt der erste Roman (fast) komplett im Solsystems? Bitte??? Wo bleibt denn nun das Stardust-System?
Es ist auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen, was denn der Kampf gegen die Frequenz-Monarchie mit den Siedlern des Stardust-Systems zu tun haben soll. Doch glaubt mir, wenn ich Euch sage: Es gibt tatsächlich eine Verbindung zwischen den Geschehnissen diesen Romans und dem „Flüchtlingslager“ in der Galaxie Far Away.

Damit meine ich nicht, dass Perry mal eben kurz an die Kolonisten denkt und sich dann wieder dem aktuellen Tagesgeschehen zuwendet. Nein, das Stardust-System spielt tatsächlich eine aktive Rolle. Welche das ist, sei an dieser Stelle – der Überraschung wegen – aber nicht verraten ...
  • Für Neueinsteiger geeignet?
    Ein neuer Zyklus, ein völlig neuer Handlungsabschnitt, neue Gegner und neue Abenteuer – PR Band 2500 scheint die ideale Gelegenheit zum Einstieg in die große SF-Serie zu sein. Schon auf dem Cover des Hefts wird mit der Möglichkeit geworben, mit diesem Roman den Sprung ins Perryversum zu wagen. In dieser Hinsicht stellt sich die spannende Frage: Ist der Auftaktband für Neueinsteiger geeignet?
Die Antwort darauf ist Ja, wenn auch mit gewissen Einschränkungen.

Das „Ja“ lässt sich leicht erklären. Die Handlung des »Stardust«-Zyklus setzt hundert Jahre nach dem Ende des vorangegangenen Zyklus ein. Es tauchen neue Feinde auf, und neue Themen werden angesprochen. Insofern ist »Projekt Saturn« tatsächlich die ideale Gelegenheit, dem Rhodanschen Kosmos einen ersten Besuch abzustatten.

Ganz einfach wird es aber dennoch nicht.

Man sollte sich keine Illusionen machen: PR läuft seit 2500 Bänden. Dass mit dem aktuellen Roman kein vollkommener Neustart erfolgen würde, war doch klar, oder? PR verfügt über einen gewaltigen Background. Selbstverständlich wird dieser nicht einfach vergessen, sondern spielt auch in der neuen Staffel eine tragende Rolle.

Was dennoch ein wenig überrascht, ist der starke Rückgriff auf die PR-eigene Mythologie in der Haupthandlung. Transporthöfe und Halbspur-Changeure, Mächtige und ein Wesen namens Homunk – wer das Perryversum nicht kennt, der stolpert des öfteren über Begriffe und Ereignisse, die ihn vor das ein oder andere Rätsel stellen werden. Die meisten unbekannten Fakten werden zwar erläutert (sehr schön ist in dieser Hinsicht das Glossar, das einige Basics klarstellt), dennoch machen sich mangelnde Vorkenntnisse mitunter spürbar bemerkbar.

Davon sollte sich allerdings kein Neuleser abschrecken lassen. Der Einstieg ist machbar, und er fällt deutlich leichter, als dies während des »Negasphären«-Zyklus der Fall gewesen ist. Daher kann ich jedem SF-Fan, der bislang noch kein PR-Heft gelesen hat, nur raten, der Serie eine Chance zu geben. Band 2500 ist trotz der ein oder anderen (kleineren) Schwierigkeit zweifelsohne der ideale Zeitpunkt, um ins Perryversum einzutauchen. So schnell bietet sich diese Gelegenheit nicht wieder.
  • Gesamteindruck
    »Projekt Saturn« ist ein spannender, gut geschriebener Einstieg in den neuen Zyklus geworden. Frank Borsch hat seine Sache mehr als ordentlich gemacht und sowohl die neuen Handlungsbögen als auch die neuen Gegner überzeugend eingeführt.
Aber, und diese Einschränkung muss erlaubt sein, ein absolutes Meisterwerk ist »Projekt Saturn« nicht. Dafür ist der Auftakt des Romans zu behäbig und die Story zu beliebig. Echte Höhepunkte gibt es allenfalls für all jene Leser, die es gerne haben, wenn ordentlich auf die Pauke gehauen wird.

Was aber alles nichts an einer Sache ändert: Die Lektüre von Franks Roman macht ungeheuer viel Spaß. Es gibt reichlich Action, interessante, teilweise wirklich überraschende Wendungen und gut gezeichnete Charaktere zu bestaunen. Die Handlung ist kurzweilig, und der Roman vergeht, trotz doppeltem Umfangs, wie im Flug. Gekonnt inszeniert ist zudem das Ende. Die Andeutungen, die hier fallen gelassen werden, lassen Großes vermuten für die kommenden Romane.

Ob zum Positiven oder zum Negativen wird sich zeigen ...

Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment gebe ich mich erst einmal damit zufrieden, einen höchst unterhaltsamen Auftakt in eine neue Runde PR gelesen zu haben. Hätte »Projekt Saturn« mehr sein können? Vielleicht. Hätte »Projekt Saturn« mehr sein müssen? Nein, warum auch? Spannende, mitreißende Unterhaltung bekommt man im Überfluss geboten – und was will man mehr von einem actionreichen SF-Abenteuer?
Damit soll es für heute genug sein. Die nächsten beiden Romane gehen auf das Konto von Christian Montillon. Ich bin gespannt, wie er die Handlung um die Frequenz-Monarchie fortschreibt...

 

Kommentare  

#16 Andrew P. Wolz 2009-07-24 01:44
Es stimmt, für den Inhalt haben sich die Medien nicht interessiert. Ich denke da an Stephen King, als er im Jahr 2000 seine Novelle RIDING THE BULLET exklusiv als eBook verkauft hat. Alle haben darüber berichtet, aber zu seinem Leidwesen hat sich niemand von den Berichterstattern für die eigentliche Geschichte interessiert.

Der Inhalt von 2500 ist stark geprägt von der medienwirksamen Zahl. So viele grundlegende Dinge, die jeder Fan kennt, werden hier erklärt, wodurch der Roman es mehr als deutlich macht, dass man die Chance nutzen wollte, diejenigen als Leser zu gewinnen, die nur wegen der Zahl 2500 zugegriffen haben. Ist ja auch legitim. Daher glaube ich aber nicht, dass der Stil dieses Heftes signifikant ist für den Zyklus.

Auch für meine Begriffe fing der Roman etwas sehr langsam an, ab der Gefangennahme von Sinnafoch kommt dann aber Würze in die Suppe. Mit Sicherheit wird der Zyklus viel im Stardust-System spielen. Es wurde ja auch angedeutet, dass die Pläne der Frequenz-Monarchie eine große Veränderung bedeuten. Also vielleicht steht uns das noch bevor, was viele von der 2500 erwartet haben, was man aber gerade wegen des prestige-trächtigen Jubiläums lieber später bringen wollte, um nicht neue Leser gleich wieder zu verschrecken. So lange die Polyport-Höfe nicht Perry Rhodan zu einer Art Stargate mutieren ...

An anderer Stelle hat Andreas Eschbach geschrieben, dass er auch noch nicht weiß, worauf der neue Zyklus hinauslaufen wird. Und er hat immerhin den vierten Roman schon geschrieben. Wir werden uns also wohl noch ein wenig gedulden müssen.
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#17 Cartwing 2009-07-24 08:20
Holzi: Die Frage ist nicht, was einen davon abhält, ein Poster aufzuhängen, sondern wer... ;-)
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#18 Larandil 2009-07-24 13:56
Ach ... irgendwo zwischen Suzi Quatro, Kiss, Roger Deans fliegenden Elefanten und Che paßt auch noch ein Polyporthof an die Wand ... :P
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#19 Holzi 2009-07-24 17:59
Zitat:
Holzi: Die Frage ist nicht, was einen davon abhält, ein Poster aufzuhängen, sondern wer?
Das Problem ist durch klare Abgrenzung territorialer Ansprüche leicht lösbar! :D
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#20 Laurin 2009-07-25 13:20
Mal abgesehen das jeder wohl weiß, das ich kein großer Fan des kosmischen Überbaus bin, sehe ich da auch ein anderes Problem. wenn ich so in den Spoilern zum letzten Zyklus reinsehe, war ein "Sieg" im eigendlichen Sinne kaum noch möglich und dann soll noch ne Schüppe draufgelegt werden? Wenn ich bei jedem Zyklus weiß, das die Menschheit eh nur der Spielball Komischer Mächte ist und die Rettung nur mal so eben bei Eierwürfen mitentschieden wird, dann wäre da kaum eine Chance von mir für PR rausgekommen, Jubelband hin oder her! Und das sie gleich an einem Oberschurken rumgeschnibbelt haben sehe ich nicht als negativ an sondern als weitsichtig und lernfähig im Angesicht der früheren Erfahrungen mit bösen Buben.
Ach ja, neben meinem KISS-Poster hängt nix, aber wer noch ein Poster von Suzi Quatro in jungen Jahren hat, der kanns mir gerne schicken ... :-*
Wie der weitere Verlauf des Zyklus sein könnte, da werde ich mal nix zu spekulieren weil ich aus der aktuellen Serie seit Band 1000 raus bin und mit den Drehungen und Wendungen in PR danach nicht gerade vertraut bin (womit ich wohl mit meinen Spekulationen Lichtjahre daneben liegen würde :P !)
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#21 Pisanelli 2010-03-27 12:38
Bin vor einigen Tagen in den "Stardust"-Zyklus eingestiegen, da ich durch Zufall an die aktuellen Hefte kam. Sind zwar nicht alle vollständig, aber da ich schon einige ältere Hefte gelesen habe, denke ich, dass ich irgendwie in die Materie reinkomme.
Habe jetzt Heft 2504 von A. Eschbach durch, hat mir sehr gut gefallen. Flott geschrieben, allerdings hatte das Technik-Geschwafel zwischendurch den Anschein von Vorlesung. Egal, hat das Lesevergnügen nur rudimentär eingeschränkt. Schön fand ich die Dialoge, und Bully war ansprechend geschildert. Mal schauen, wie es nun weitergeht...
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