The Long Walk - Todesmarsch - Schritt für Schritt
The Long Walk – Todesmarsch
Schritt für Schritt
„The Long Walk“ war einer der ersten Romane, den Stephen King (Jahrgang 1947) noch im Teenageralter während des Vietnamkriegs verfasste. Einige Jahre blieb er noch in der Schublade liegen, bis der 27jährige für „Carrie“ 1974 einen Verlag fand und seinen internationalen Durchbruch zum Bestsellerautor erlebte. Schlag auf Schlag folgten Meilensteine wie „Brennen muss Salem“, „Shining“ und „The Stand – Das letzte Gefecht“. Von deren Erfolg angestachelt, holte Stephen King auch einige frühere Arbeiten aus der Schublade. Seine dystopische Gewaltallegorie „The Long Walk“ (die in Deutschland den Titel „Todesmarsch“ erhielt) erschien erstmals 1979 unter dem Pseudonym Richard Bachman. Einige Jahre später wurde öffentlich bekannt, wer sich hinter dem Namen wirklich verbirgt, und dann wurden auch Kings Pseudonym-Arbeiten (u.a. auch „The Running Man“ und „Der Fluch“) zu Sensationserfolgen. Etliche Male hatte die Filmindustrie versucht, „Todesmarsch“ für die Leinwand zu adaptieren. Als Regisseur wurde in den 1980er Jahren der King-Freund George A. Romero („Stephen Kings Stark“) gehandelt, zwei Jahrzehnte später war Frank Darabont („Die Verurteilten“) für diesen Posten vorgesehen. Die Projekte zerschlugen sich allerdings immer wieder, auch der Versuch des Norwegers André Øvredal („Die letzte Fahrt der Demeter“) im Jahr 2019 versandete wieder. 2025 ist es Francis Lawrence („I Am Legend“, „Die Tribute von Panem“) nun endlich gelungen, die kompakte und nach wie vor erschreckend aktuelle Gesellschaftskritik Stephen Kings in eine kongeniale visuelle Form zu bringen und der geschriebenen Vorlage des Horrorautors über weite Strecken penibel treu zu bleiben.
Der Film ist in einer nicht näher bestimmten Zeit angesiedelt, die noch wie die ausgehenden 1970er Jahre anmutet, aber nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der USA spielt. Die Menschen leben in bitterer Armut und werden von einer Militärregierung auf Kurs gehalten. Einmal im Jahr findet mit 50 heranwachsenden jungen Männern ein „langer Marsch“ quer durchs Land statt, für den sich zigtausende bewerben, die per Losverfahren ermittelt werden. Die Teilnehmer müssen pausenlos gehen, dürfen dabei nicht langsamer als vier Meilen in der Stunde werden, ansonsten bekommen sie eine Verwarnung. Wenn sie drei Verwarnungen erhalten haben und ein viertes Mal gegen die Regeln verstoßen, werden sie erschossen. Der Marsch endet erst, wenn nur noch ein Teilnehmer am Leben ist. Ray Garraty (Cooper Hoffman) hat sich gegen den Willen seiner Mutter (Judy Greer) für die Teilnahme entschieden, denn dem Sieger winkt ein Leben im Wohlstand. Unterwegs freundet sich Ray mit seinen Kontrahenten Peter (David Jonsson), Arthur (Tut Nyuot) und Hank (Ben Wang) an. Die vier bezeichnen sich als „Musketiere“ und helfen sich gegenseitig weiter, wenn sich Erschöpfung und Mutlosigkeit breitmachen. Barkovitch (Charlie Plummer) und Stebbins (Garrett Wareing) sind hingegen Einzelgänger, die von den anderen misstrauisch beäugt werden. Und Meile für Meile lässt der sinistre Major (Mark Hamill) von seinen Soldaten einen Teilnehmer nach dem anderen aufgrund von Regelverstößen eliminieren…
Francis Lawrence hat sich über weite Strecken akribisch an die Romanvorlage von Stephen King gehalten, sowohl was die Atmosphäre und die Dialoge als auch die Erzählperspektive angeht. Lediglich in den letzten Minuten weicht das Drehbuch von JT Mollner unerklärlicherweise von der gedruckten Vorlage ab, was der Geschichte ein anderes und leider weniger glaubwürdiges Ende beschert. Davon abgesehen ist dies aber eine sehr gelungene und spannende King-Adaption, die wenig mit den übernatürlichen Arbeiten des Autors gemeinsam hat und dennoch ein raues und nachdenklich stimmendes Gesellschaftsbild zeichnet. Für King-Fans unbedingt zu empfehlen und trotz der Änderungen sehenswert. Die 4KUHD-Veröffentlichung im Steelbook beinhaltet eine 4KUHD und eine BluRay, die den Film in exzellentem Bild (im Widescreen-Format 2,39:1) präsentiert. Auch der Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Atmos, optional mit deutschen Untertiteln) ist sehr überzeugend, wenngleich überwiegend unspektakulär ausgefallen. Komischerweise hat man auf ein Kapitelmenü verzichtet. Die Extras befinden sich auf der ebenfalls beiliegenden BluRay des Hauptfilms. Sie umfassen ein fünfteiliges Making-Of (Gesamtdauer: 77 Minuten) sowie den deutschen Kinotrailer des Films.




Kommentare
Definitiv unter den Top-Fünf der King-Verfilmungen.
Und einer der besten Filme von 2025.
Unheimlich beeindruckend, visuell und dramaturgisch.
Wenn man sich die Preise für einen Kinobesuch ansieht.