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Eine unmögliche Liebe - »Hurricane« (1979)

HurricaneEine unmögliche Liebe
»Hurricane« (1979)

In den 1970er Jahren erfreuten sich im Hollywoodkino Katastrophenfilme anhaltender Beliebtheit. Schiffsunglücke („Die Höllenfahrt der Poseidon“), Flugzeugkatastrophen (die „Airport“-Filme) oder die tödliche Falle Hochhaus („Erdbeben“, „Flammendes Inferno“) stellten einige der Blaupausen für diese Filme dar. Auch „Hurricane“ von Jan Troell zählt dazu, wobei dies kein reiner Katastrophenfilm ist, sondern über weite Strecken erst einmal ein Liebesdrama.

HurricaneDen Film „Hurricane“ sollte ursprünglich Roman Polanski inszenieren, bevor dann am Ende der Schwede Jan Troell („Raus bist du“) den Zuschlag erhielt. Der brachte mit Sven Nykvist den langjährigen Kameramann seines Landsmannes Ingmar Bergman in das Projekt ein, genau wie den schwedischen Superstar Max von Sydow, der ebenfalls durch Bergman bekannt geworden war. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Autorenduos Charles Nordhoff und James Norman Hall, dessen bekanntestes Werk sicherlich das mehrfach verfilmte Buch „Meuterei auf der Bounty“ ist, zu dem es in „Hurricane“ auch einige Parallelen gibt. Die Bücher der Schriftsteller waren überwiegend auf malerischen Inseln angesiedelt, und auch in „Meuterei auf der Bounty“ gibt es einen nicht unerheblichen Handlungsstrang, der sich mit der Romanze zwischen Fletcher Christian und einem Eingeborenenmädchen auseinandersetzt. In „Hurricane“ sind die Zeichen nun umgekehrt, hier ist es eine junge amerikanische Frau, die sich in einen schmucken Eingeborenenhäuptling verliebt, was von Anfang an schwerwiegende Probleme mit sich bringt.

Hurricane„Hurricane“ spielt in den 1920er Jahren auf Amerikanisch-Samoa, einer Inselgruppe im südlichen Pazifik in der Nähe der Fidschi-Inseln, die unter US-amerikanischer Jurisdiktion steht. Die junge Charlotte Bruckner (Mia Farrow) kehrt nach einem Besuch bei ihrer geschiedenen Mutter nach Pago Pago zurück. In der Hauptstadt von Amerikanisch-Samoa führt Charlottes Vater (Jason Robards jr.) als Gouverneur sein strenges Regiment. Schon kurz nach ihrer Rückkehr lernt Charlotte den gutaussehenden Matangi (Dayton Ka’ne) kennen, der von Governor Bruckner wie ein eigener Sohn erzogen wurde und fließend Englisch spricht. Nach dem Tod seines Vaters muss Matangi die Hauptstadt allerdings verlassen, weil er in dessen Fußstapfen treten und der Häuptling seines Stammes werden soll. Die Bruckners und Charlottes zukünftiger Verlobter Jack Sanford (Timothy Bottoms) reisen gemeinsam auf die kleinere Insel, um den Feierlichkeiten für den neuen Häuptling beizuwohnen. Vor Ort arbeiten der Arzt Dr. Danielsson (Max von Sydow) und Vater Malone (Trevor Howard), beide darum bemüht, den Eingeborenen westliche Werte zu vermitteln. Charlotte, die sich Hals über Kopf in Matangi verliebt hat, möchte auf der Insel bleiben und nicht mit den anderen nach Pago Pago zurückkehren. Die Probleme sind vorprogrammiert, da Matangi eigentlich Moana (Ariirau Tekurarere) heiraten soll, und Governor Bruckner seine Tochter niemals in die Hände eines Eingeborenen entlassen würde.

HurricaneÜber weite Strecken ist Jan Troells Film eine kitschige Südsee-Liebesgeschichte, die dem Genre nichts Neues abzugewinnen versteht und nur leidlich unterhält. Immerhin ist es Sven Nykvist gelungen, die Natur auf Bora Bora (wo der Film tatsächlich entstand) bildgewaltig und schön einzufangen. Auch Dayton Ka’ne und die noch sehr junge Mia Farrow sind sicherlich ein Blickfang. Wirklich interessant wird die Geschichte dann erst im letzten Viertel, wenn der Titel gebende Hurricane über die Insel hereinbricht und alles verwüstet. Obwohl hier auch mit Modellen gearbeitet wurde, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Katastrophenfilmfans kommen dennoch weniger auf ihre Kosten, dieser „Hurricane“ dürfte wohl eher Romantikern und Schnulzenfans gefallen. Der hierzulande nun erstmals auf DVD erschienene Film aus dem Jahr 1979 bietet ein gutes Bild (im Widescreen-Format 2,35:1) und einen der Entstehungszeit angemessenen Ton (Deutsch bzw. Englisch in Dolby Digital 2.0), der den meisten Ansprüchen genügen dürfte. Als Extra hat man den verkleinerten Nachdruck des zwölfseitigen „Neuen Film-Kuriers“ (Nr. 253) zum Film als Booklet beigefügt, in dem sich etliche Fotos, eine ausführliche Inhaltsangabe, Credits sowie einige Hintergrundinformationen zum Film finden.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-05-31 10:42
Der Film des Schweden Jan Troell ist allerdings nicht die erste Verfilmung. Es gab bereits eine aus dem Jahre 1937, die von John Ford inszeniert wurde. Den alten Streifen habe ich in den 1970ern irgendwann mal im TV gesehen.

Zudem ist der 1979er-Film eine "Dino de Laurentiis"-Produktion, da kann man eigenlich eh nicht viel erwarten. Bekanntlich war Laurentiis auch Produzent der 1976er "King Kong-Verfilmung", und ein paar Mitarbeiter (u.a. Drehbuchautor Lorenzo Semple und FX-Mann Frank van der Veer ..) aus dem "Kong-Team" hat er bei "Hurricane" auch wieder beschäftigt.

Kameramnn Sven Nykvist ist hier auch irgendwie völlig verschenkt - seine Arbeit können den Streifen eigentlich auch nicht retten.
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