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Österreichische Raritäten - Heftreihen der Jahre 1945 bis 1965 - Klub der Abenteurer (2. Teil)

Österreichische Raritäten - Heftreihen der Jahre 1945 bis 1965Österreichische Raritäten
Heftreihen der Jahre 1945 bis 1965
Klub der Abenteurer (2. Teil)

In den 1940er bis 60er Jahren haben sich mehrere österreichische Heftromanverlage auf allen möglichen Gebieten der Unterhaltungsliteratur versucht - wobei diese Reihen im Laufe der Zeit weitgehend, meiner Meinung nach zu Unrecht, in Vergessenheit geraten sind. Sie dürften letztlich der übermächtigen Konkurrenz der deutschen Verlage erlegen sein; auch sind die Autoren meist unbekannt.

Diese Reihe von Abenteuerromanen ist in den Jahren 1949/51 im Metropol Verlag in insgesamt 19 Heften erschienen. Der Klub der Abenteurer ist eine Vereinigung unter dem Präsidenten Saint Denis, die verzweifelten Menschen die Möglichkeit bietet, statt nutzlos zu sterben, vorher etwas für die Menschheit zu tun.

Die beiden Autoren firmieren unter den Pseudonymen Hel Reiner und Lenardo Piccozza, die auch mehrere Kriminal-Romane im Metropol und anderen Verlagen verfaßt haben.

Die ersten neun Titel findet der Leser in Teil 1. Hier kommen die restlichen Heftchen:

Der Berg der VernichtungBand 10: Der Berg der Vernichtung
(Lenardo Piccozza,1950)
Marcel Barrè, ein ehemaliger Offizier, wird vom Klub in den Jemen geschickt, um die Vernichtung der Stadt Singar zu verhindern. Sie soll von einem Bergbauunternehmen gesprengt werden, um ungestört Bodenschätze abzubauen. Die Sprengung soll als Unglücksfall getarnt werden. Marcel reist durch den unruhigen Jemen, wo wieder einmal Aufstände gegen den König stattfinden und jeder gegen jeden kämpft. Es gelingt ihm, sich unter die Arbeiter zu mischen und die meisten Sprengkabel zu zerschneiden. Als man ihn als Europäer erkennt, muß er flüchten und versteckt sich in einer Ruinenstadt, wo er einen versteckten Zugang in den Palast des Stadtherrschers findet. Er kann dabei die Schwester seines arabischen Begleiters aus dem Harem befreien und flieht mit ihr nach Kairo, wo er einen Job als Pilot annimmt. Die Sprengung gelingt nur teilweise, nur die Zitadelle wird zerstört. Der Bergbau wird auch deshalb gestoppt, weil die Erzvorkommen nicht ergiebig genug waren.


Einer muß der Mörder seinBand 11: Einer muß der Mörder sein
(Lenardo Piccozza,1951)
Muriel Lug sucht in Paris nach ihrer Freundin Aurelie, mit der sie aus Amerika reisend, in Le Havre an Land ging. Aurelies Cousin wendet sich an den Klub um Hilfe, der wieder Inspektor Tourneur von der Surete zu Hilfe ruft. Aurelie und ihr Gepäck bleiben verschwunden, nur ihr Paß wird am Seineufer gefunden. Aurelie hätte eine Erbschaft antreten sollen, daher werden ihre Verwandten verdächtigt, sie ermordet zu haben. Tourneur muß einen nach dem anderen der Verdächtigten ausschließen, bis niemand mehr übrig bleibt. Doch einer muß doch der Mörder sein! Zuletzt wird doch das Rätsel von Aurelies Verschwinden aufgeklärt; es war ein PR-Gag, mit dem sie Werbung für ihren Auftritt als Sängerin in Paris machen wollte. In der Zwischenzeit gab sie sich als ihre Freundin Muriel aus.


Befehl aus dem DunkelBand 12: Befehl aus dem Dunkel
(Lenardo Piccozza,1951)
Direktor Voizard erfährt von seinem Buchhalter, daß ein Scheck nicht honoriert wurde, weil das Konto nicht gedeckt war. Es fehlt 1 Million, die mittels Scheck behoben wurde; die Unterschrift stammte von Voizard, der sich an nichts erinnerte. Inspektor Rivet soll den Fall untersuchen, da auch wichtige Forschungsergebnisse verschwunden sind. Die Firma arbeitet an Drogen für eine Narco-Analyse, mit denen man Menschen willenlos machen kann; sie führen dann jeden Befehl aus. Der Klub wird dazugezogen, um den Fall aufzuklären. Es scheint sich um einen Fall von Werksspionage zu handeln. Der Mann, der für den Firmentresor verantwortlich ist, begeht Selbstmord unter dem Einfluß von Drogen und der Fall wird immer verwirrender, bis Saint Denis den Fall klären kann.

Der Mann mit dem TeufelshirnBand 13: Der Mann mit dem Teufelshirn
(Lenardo Piccozza,1951)
Dieser Fall ist ziemlich gruselig. Dem todkranken Nydon wird in einer riskanten Operation ein Teil des Gehirns entfernt und Teile des Gehirns eines hingerichteten Mörders transplantiert. Das hat einige Nebenwirkungen, Nydon kann sich an mehrere Dinge erinnern, die er nie selbst erlebt hat. Das führt zur Verhaftung als Komplize des Mörders und zum Streit unter den Juristen, ob der Mann mit dem hingerichteten Mörder Bertin ident ist. Aber Saint Denis verfolgt auf Grund der Erinnerungen eine andere Spur und findet heraus, daß Bertin unschuldig war und der Mord von einem abgewiesenen Nebenbuhler begangen wurde.

Der Tod auf Schloß MonteferroBand 14: Der Tod auf Schloß Monteferro
(Lenardo Piccozza,1951)
Mister Henderson und seine Tochter Emely kaufen das alte Schloß Montefero trotz diverser Warnungen. Er bekommt Probleme mit dem Bürgermeister, als er das Schloß renovieren möchte und die Wege durch sein Grundstück durch Zäune sperrt. Es kommt zu Zwischenfällen, der Architekt stirbt plötzlich, ein Gast stürzt in eine Schlucht und stirbt, ebenso ein Gast kurz nach der Ankunft, alle an Herzlähmung. Die Polizei ist ratlos und verdächtigt Henderson, da beim letzten Toten Gift entdeckt wurde, aber das erklärt nicht die diversen Todesfälle im Schloß während der letzten Jahrhunderte. Der Klub schickt Mr. Drew, um die Sache aufzuklären. Dieser findet heraus, daß eine alte Schmugglerroute über das Schloßgelände führte und Mr. Henderson im Schloß eine Funkstation eingerichtet hatte, um Spionage zu betreiben. Auch die Vergiftungen kann er klären, denn ein Vorfahre des früheren Besitzers hatte einen Stuhl präpariert. Wer sich setzte, wurde von einer versteckten Giftnadel gestochen. (Das Schloß Monteferro heißt im Roman Montefero!)

 Die gelbe Pest Band 15: Die gelbe Pest
(Lenardo Piccozza,1951)
In China wütet die Cholera. Dr. Passon versteckt eine Probe des Erregers in einem Teeballen, um diesen in Europa untersuchen zu lassen. Das Transportschiff wird von chinesischen Piraten überfallen, die die Ladung mit dem tödlichen Inhalt rauben. Dr. Passon wendet sich an den Klub um Hilfe. Dieser schickt Herrn Hilmer nach China, um den Teeballen mit den Erregern wiederzubeschaffen. Durch Kontakte mit der dortigen Mafia versucht er den Ballen von den Piraten zu kaufen, diese werden jedoch mißtrauisch und vermuten Schätze darin versteckt. Der Anführer sägt den Ballen auseinander und zerbricht den Glasbehälter mit den Erregern. Hilmer kommt zu spät, legt Feuer an das Gebäude und verbrennt die Leiche samt Erregern. Er kann noch eine gefangene Europäerin befreien und mit ihr zusammen fliehen.

Der Narr von KilfenoroBand 16: Der Narr von Kilfenoro
(Lenardo Piccozza,1951)
Mehrere Flugzeuge stürzen vor der Küste Irlands ins Meer, weil die Motoren plötzlich aussetzen. Man wendet sich deshalb an Professor Farrel, einen Strahlenspezialisten; dieser kann aber nicht helfen. Er verweist aber auf einen anderen Strahlenforscher namens O'Toole, der in einem Turm bei Kilfenoro wohnt. Der Klub stellt mit Mr. Benkhoff einen Piloten zur Verfügung, der die Probeflüge riskieren will. Er fliegt mehrmals unter Überwachung durch die Polizei, bis auf einmal der Motor streikt und das Flugzeug abstürzt; nur der Fallschirm rettet Benkhoff. Die Polizei stellt ein Boot, von dem aus die verderbliche Strahlung kam. Es war Professor Farrel selbst, der eine neuartige Strahlenart testete, bevor er die Erfindung an eine fremde Macht verkaufen konnte.

Die verhängnisvollen DiamantenBand 17: Die verhängnisvollen Diamanten
(Lenardo Piccozza,1951)
Der Pilot Combes entdeckt in der Steppe Kenias ein Diamantenvorkommen, kann es aber nicht allein ausbeuten. Keine Firma will jedoch für den Fundort zahlen, er verliert seinen Job als Pilot und muß Kenia verlassen. Er wendet sich nun an Saint Denis um Hilfe. Der Klub stellt Mr. Lagrot, der vorgeblich eine Safari unternehmen will und Combes als Pilot anheuert. Der Diamantentrust versucht mit allen Mitteln, die Reise zu verhindern und läßt sogar das Flugzeug der beiden abschießen. Sie retten sich mit Fallschirmen und ziehen zu Fuß weiter, verfolgt von Agenten des Trusts. Sie erreichen die Fundstelle, ein ausgetrocknetes Flußbett, und finden auch ein paar Rohdiamanten. Die Agenten des Trusts sprengen eine Barriere des Flusses und zerstören so die Fundstelle. Letztlich kehren sie beiden mit einigen Diamanten und einem von den Eingeborenen befreiten Mädchen nach Paris zurück.

Die Schatzkammer des TodesBand 18: Die Schatzkammer des Todes
(Lenardo Piccozza,1951/52)
Mr. Rover möchte das Grab eines ägyptischen Statthalters im Grenzgebiet zwischen Algerien und Tunesien erforschen. Auch Konkurrenz stellt sich dort ein, als sie das Grab öffnen. Sie finden eine Vorkammer mit enormen Schätzen, aber als ein Arbeiter  verunglückt, vermuten die abergläubischen Arbeiter einen Fluch, der sie treffen könnte. Die Schatzkammer ist über einem Abgrund angelegt und der Boden morsch. So können sie vorerst nicht zur Grabkammer gelangen. Dafür wird ein Wächter ermordet, der Zeichner der Expedition verunglückt tödlich und Räuber stehlen Teile des Schatzes aus der Kammer. Es gibt weitere tödliche Unfälle, bis sie die Grabkammer öffnen und den goldenen Schrein des Statthalters finden. Der Klub schickt Mr. Bellmann, um die unerklärlichen Todesfälle aufzuklären. Auch Saint Denis überprüft dann persönlich mittels Telepathie die Teilnehmer der Expedition und entlarvt den Schuldigen. Der flüchtet ins Grab und sprengt den Zugang; das ist auch das Ende des Täters. Die Expedition verläßt dann das zerstörte Grab.

Der schwarze CitroenBand 19: Der schwarze Citroen
(Lenardo Piccozza,1952)
In den Guimet-Werken wird ein Nachtwächter ermordet und Unterlagen gestohlen. Saint Denis schickt den Erfinder und arbeitslosen Chemiker Martin zu Nachforschungen in die Guimet-Werke. Er vertreibt einen Tresorknacker und muß feststellen, daß es sich bei den Unterlagen im Tresor um eine ihm gestohlene Erfindung handelt. Mit Hilfe der Polizei stellen sie eine Falle und entlarven den Direktor der Firma als Täter. Er wollte die militärisch wichtige Erfindung, einen neuen Werkstoff, ins Ausland verkaufen.
Eigentlich ein klassischer Kriminalroman. Danach wurde die Reihe ohne Angabe von Gründen einfach eingestellt.

Wenn diese Romane auch nicht zu meinem Sammelgebiet gehören, kann man sie auch nach fast 70 Jahren lesen. Falls man überhaupt so ein Heft bekommen kann (einige Nummern notieren mit einem zwei- bis dreistelligen Eurobetrag), kann ich diese Heftchen aber empfehlen.

Es waren anscheinend keine weiteren Hefte geplant, mehr als diese 19 Romane sind nicht erschienen und die Reihe wurde einfach eingestellt. Das typische Schicksal, wie ich sagen muß, vieler österr. Kleinserien.

Das Konzept dieser Reihe war zwar etwas außergewöhnlich, krankte aber daran, daß nur zwei Autoren diese Romane schrieben und ihnen anscheinend die spektakulären bzw. zündenden Ideen ausgingen.

Vielleicht waren die Romane auch für den Umfang von 32 und später 48 Seiten bei einem Preis von 1,30 bzw. 1,5. Schilling zu teuer und daher auch kein kommerzieller Erfolg, wenn man das damalige Preisniveau 1949/51 berücksichtigt. Ich persönlich glaube aber, daß es wohl kein besonderer kommerzieller Erfolg war.

Zur Einleitung - Zum 1. Teil


Kommentare  

#1 harro 2018-03-13 14:00
Immer wieder nett zu lesen, was es in unserem
nachbarland an interessanter Triviallliteratur gegeben hat. Auch die nostalgischen titelbilder gefallen.
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