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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Lassiter und Lady Di (Lassiter 533)

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Lassiter und Lady Di«
Lassiter 533 von Jack Slade (hier wohl Rainer Delfs)

Zeit für einen schönen harmonischen Jahresanfang! Einer mit vielen Toten, okay? Gut, dann kann ich ja zum Silvestertag meinen kleinen Western-Sidestep starten und die unverwüstliche Lassiter-Serie aus dem Basteiverlag mal kurz antesten, die ich außer einem Testroman im Urlaub vor 25 Jahren nicht mehr angerührt hatte, vorzugsweise auch, weil mein Vater Fan von Unger war und daher andere Serie nur eher selten anrührte.

„Lassiter“ war in meiner Wahrnehmung immer der eisenharte Einzelgänger, der sich am Ende nach allerlei Gegenwehr und Todesgefahr dann doch durchsetzte, wenn er nicht fleißig die prallen Schönen des Wilden Westens durchpflügte, wie auch die nicht selten recht reizvollen Titelbilder voll halbnackter oder angenehm dekorierter Damen verhießen.

Und auch wenn ich mir nicht extra so ein „großhupiges“ Cover ausgesucht habe, so lässt schon der Titel vermuten, dass da mit erheblichem Fraueneinsatz zu rechnen ist.

Eine leichte Überschlagsrechnung (Serie 1972 gestartet und seither bei dieser Nummernzahl ungefähr 10 Jahre vergangen) führt dann zusätzlich zu dem Schluss, dass die Sache mit „Lady Di“ anno 1982/83 wohl ein beabsichtigter Marketinggag gewesen ist, den Rainer Delfs, der Autor, damals bewusst zugelassen hatte. Tatsächlich ist dann die Lady im Roman auch eine waschechte adelige Britin, insofern trägt das den Erwartungen Rechnung.

Und sonst so?

Na gut, ich erzähle den zumeist männlichen Westernfans wohl nichts Neues, wenn ich mit Blick auf 35 Jahre früher das Fazit ziehe, dass hier das beliebte Klischeemodell aus dem Hut gezogen wird, von der talentierten, aber widerborstigen Frau mit Geld, die erst kratzt und beißt und sich dann dem gestählten Recken hingibt, als man es schon gar nicht mehr erwartet und es auch nicht mehr so richtig passt. Also weniger die Diana aus „Candle in the Wind“, mehr so „Dirty Diana“ (wobei, wen meinte Michael Jackson da eigentlich…?).

Dazwischen reichlich unfähige oder fiese oder missgünstige Vertreter des männlichen Geschlechts, womit die Pferde gesattelt wären.

Klar, die Emanzipation lag noch ein paar Jahre in der Zukunft, doch Anhänger des klassischen Rollenmodells dürften sich bei dieser Serie wie zuhause gefühlt haben, dazu dann aber nach der Synopsis mehr.

Erfreulich finde ich, dass ich diesem raren Fall (ein Zufall übrigens) tatsächlich mal den Autor hinter dem Pseudonym enttarnen konnte, weil Rainer Delfs seine Lassiterromane von damals in der E-Book-Reihe „Laycock“ später erneut veröffentlicht hat, natürlich leicht bis mittelschwer umgeschrieben, damit sich auch niemand beschwert.

Delfs, ein mehr als versierter Autor des Westerngenres, der auch im Krimi und in Abenteuerserien reüssierte (kleinere Ausflüge in den Horror wie bei „Dämonenkiller“ inbegriffen), hat aus meiner Sicht hier auch sein Metier mehr als im Griff. Kompetent geschrieben, ein schöner Potboiler von einem Western, der eben nur angesichts des angeschlagenen Tons heute nicht mehr die „political correctness“-Richtlinien erfüllt und gerade deswegen vielleicht immer noch von so vielen gemocht wird.

Aber – und soviel muss ich nochmals betonen – ich habe mich bei keiner Zeile in meinem Sessel winden müssen; wenn ich hier mal mit den Äuglein gerollt habe, dann bei den üblichen Allmachtsphantasieanwandlungen männlicher Westerncharaktere des späten 19.Jahrhunderts…

Lassiter und Lady Di»Sie schien vergessen zu haben, dass ihr Unterleib nackt war. Ihre dunkelblauen Augen waren auf das Gesicht des großen, wilden Mannes gerichtet, dessen Hände so zärtlich sein konnten.«
Wir starten gleich mittendrin.

Also richtig mittendrin. Der Held ist schon drin. Tief drin in der...na, sie wissen schon.
Irgendwo in einem mittelprächtig schäbigen Holzkabuff tackert Held Lassiter gerade eine pralle Navajo namens „Appearing Day“, als ihr Zuhälter/Lebensabschnittsbegleiter/professioneller Suffkopp namens Ross McMillan versucht, neben den Bezügen seine Kollegin gleich noch ganz abzuräumen und dem Freier die Fontanelle einzudellen. Das verhindert Lassiter trotz laufender Vögelei mit einem Streifschuss, um sich anschließend über den Trunkenbold moralisch zu erheben. Und ein wenig auch über das Mädchen, weil sie a) mit diesem Saukerl zusammen bleibt und b) überhaupt eine „Käufliche“ ist – denn so gerade wie alle von der Brigade 7 sind, hat er natürlich nur gefragt, ob sie zufällig „Lust drauf gehabt“ hat und das hatte sie bei diesem Prachtkerl natürlich sowieso und sofort. Bezahlt hätte er sie laut eigener Aussage dennoch recht ordentlich, insofern sind die Vorstellungen von Moral und Anstand bei Lassiter dann doch wieder etwas zwiespältig.

Nun ja, die Holde kriegt 10 Dollar und eine Jobempfehlung (Verlass den Kerl!) und Ross ist natürlich nicht angetan, aber nun auch kein Killer. Vor der Tür trifft Lassiter dann einen ziemlich unfreundlichen Sergeant Hurley, den er abkanzelt, offenbar weil er kleiner und etwas aufgeblasen ist.

Bevor Lassiter also den Leiter des Fort Wingate, Colonel Virden, aufsuchen kann, muss er noch einen Schlafplatz suchen, findet stattdessen jedoch einen alten Freund in Tate Wallace, einem „Navajo-Killer“ genannten Schlächter, den er schon mal um zwei Schneidezähne erleichtert hatte.

Wallace ist nicht eben hocherfreut (Lassiter ist an der Waffe besser als er), hat aber ein gutes Geschäft in Aussicht, wie er berichtet, weswegen er noch zwei weitere Galgenvögel im Schlepptau hat.

Am nächsten Morgen trifft Lassiter vor der Kommandantur dann den aufgeblasenen Sergeant Hurley wieder, den er wegen seines rabiaten Aufplusterns natürlich (wie es sich für Helden gehört) erst mal tüchtig durchbeleidigt, bis dieser sich entblödet, noch im Chefbüro seine Waffe zu ziehen.
Das hat natürlich keine guten Karrierefolgen für ihn.

Von Virden, der ihn angefordert hat, freundlich begrüßt, sieht sich Lassiter in dessen Büro zwei typischen Engländern gegenüber, die den weiteren Rahmen der Story feststecken. Im Zentrum steht natürlich Lady Diana Wiltshire, die so ihr ganz persönliches Klassenbewusstsein in die Staaten exportiert hat und ihn recht schnell als aufmüpfigen Wilden einstuft. Dummerweise ist sie – als Britin fast schon sensationell – natürlich ein mehr als üppiges Rasseweib mit klassischer Knochenstruktur und Augen wie Bergseen oder so, weswegen er fortan zunehmend parallel von ihr genervt und aufgegeilt wird. Ihr Begleiter, dem britischen pomadigen Adelsklischee entsprechend, ist dann Ronald Price, der Earl of Collingham.

Nach allerlei anzüglichem (und für den Leser eher befremdenden) Angeglotze durch Lassiter ist die Stimmung natürlich schon mal im Eimer, noch bevor der Auftrag überhaupt vorgetragen wurde.
Nach fleißigem Gezicke beiderseits kommt immerhin heraus, dass die beiden auf der Suche nach Lord Andrew Wiltshire sind, einem Anthropologen, der im Navajogebiet gern ein paar alte Knochen von Steinzeitmenschen gesucht hat, bis er trotz seines Scouts Canyon-Kelly von der Bande des Banditen Beau Kendrick gefangen wurde.

Inzwischen ist Kelly mit der Forderung nach 100 Riesen Lösegeld zurück im Fort und die Kohle muss binnen 10 Tagen entweder von Lady Di oder von Kelly zu Kendricks Bande ins Navajo-Gebiet zurückgebracht werden, sonst ginge, wie so oft, die Geisel perdu. Dummerweise ist die natürlich Dianas Daddy.

Lassiter soll nun mit Diana das Geld überbringen, was er natürlich mit Frau und Anhang nicht tun will. Lieber würde er es mit Kelly tun, aber dem vertraut Diana genauso wenig wie Lassiter. Und außerdem hatte Kelly Kontakt mit einer „Navajo-Hure“ (aha!) und dabei ein Messer in die Rippen bekommen – weswegen er nicht reiten kann. McMillan steht zwar unter Verdacht, aber Lassiter traut dem Trinker einen Mordanschlag nicht zu.
Die Emotionen kochen also hoch (nicht zuletzt weil Sir Ronald ebenfalls mitreiten soll) und schon bald hat Lassiter rausbekommen, dass Lady Di noch einen Nebendeal mit Tate Wallace gemacht hat, der ihr natürlich für 10 Prozent von allem das Dollste versprochen hat. Das sagt eine Menge über die Menschenkenntnisse britischer Adeliger.
Als Virden davon erfährt, will er Wallace sicherheitshalber einsperren, doch der ist schon losgeritten. Weswegen Lassiter nun natürlich gar nicht mehr anders kann, auch wenn er nicht eben besondern gern will…

Lassiter besucht Canyon-Kelly, der im empfiehlt, einen Führer mitzunehmen, weil er das Gelände nicht kennt und verweist ihn auf Appearing Day, die von ihrem Stamm verstoßen wurde.
Also spielt Lassiter mit der knackigen Schönheit erst einmal Berufsberatung, die solange schief geht, bis er erwähnt, dass es gegen den Navajo-Killer geht – schon springen der Schönen die Knöpfe von der Bluse. Leider sprengt ein betrunkener McMillan das bevorstehende Nümmerchen und Lassiter verspricht, einiges für sie (und mit ihr) zu tun, sofern sie ihren alten Sack endlich mal in die Wüste schickt.

Am nächsten Tag bricht man dann – in angespannter Stimmung – auf. Lady Diana hat zumindest Reisemaske gemacht, doch Sir Ronald reitet mit Klamotten wie auf einer Fuchsjagd, während beide nicht eben mit einer Hure reisen möchten. Dieser Job missfällt auch Sergeant Hurley, der beim dritten Dazwischenfunken endlich was aufs Maul bekommt. Lassiter findet die Kombination besorgniserregend, vor allem, weil sich Wallace ihnen irgendwo anschließen wird.

Zunächst aber taucht McMillan auf, der als neuer und nüchterner Mann natürlich sofort geritten kommt, um „seine“ Frau zurück zu gewinnen. Notgedrungen darf er sich anschließen. Am nächsten Tag schließen sich dann Wallace mit seinen Begleitern Abe Maxwell und Floyd Clayton an.

Der Ritt durch das von der Sonne verglühte Gebirgsgebiet sorgt schon bald dafür, dass Sir Ronald sich alles Mögliche verbrennt und Lady sich einen Wolf reitet.
Lassiter spottet erst ordentlich, bleibt dann aber bei ihr zurück, um ihr mit einer speziellen Tinktur und Salbe zu helfen. Natürlich läuft diese Prozedur nicht ohne Statusherabsetzungen, Demütigungen und Nackigmachen ab (also für Adelige praktisch wie eine Vergewaltigung), bis er sie endlich passend eingecremt hat.

Diese erotische kleine Episode kostet Lassiter seine Führerin, denn er hat Wallace mit Appearing Day somit allein gelassen. Als er die Gruppe wieder eingeholt hat, ist Sir Ronald bewusstlos und Appearing Day geflohen, weil Wallace übergriffig geworden war. McMillan leidet zusätzlich langsam am Entzug.

Von nun an kennt sich Wallace leider als Einziger aus und führt die Gruppe in einen Canyon, wo man die Nacht verbringt. Lady Diana ist inzwischen schon ein wenig triebiger auf unseren Helden zu sprechen.
In der Nacht kommt es wie es kommen muss: Lassiter erwacht und ertappt Wallace, wie er Diana gerade vergewaltigen will. Weil er ihn leider noch braucht, kann er ihn nicht erschießen, prügelt aber in einem satten Gefecht die Scheiße aus dem Kerl raus. Danach ist Diana mehr als bereit für Lassiter.

Am nächsten Tag reitet man in den Bereich von Kendricks Bande und alsbald wird man von zwei Bandenmitgliedern aufgehalten. Doch Lady Diana knallt einen davon überraschend nieder, woraufhin Lassiter den Zweiten erschießen muss. So muss man also enttarnt zur sogenannten Massaker-Höhle eilen, auf dass der Wissenschaftler-Vati noch nicht erschossen worden ist.

Auf einem Hochplateau vor der Höhle angekommen, wird der eh schon verwundete Maxwell aus der Höhle heraus erschossen. Sie werden gezwungen, ihre Waffen niederzulegen, doch als einer der Banditen aus der Höhle kommt, um die Waffen zu sammeln, schießt Sir Ronald ihn nieder. Dann läuft er schießend auf die Höhle zu, wird aber von einer Ladung Schrot niedergestreckt.

Nun gibt die Gruppe auf, wird komplett entwaffnet und Kendrick gibt sich endlich die Ehre. Die Gefangenen müssen sich gegenseitig fesseln und Diana bemüht sich um den Austausch „Gefangener gegen Geld“. Kendrick lässt sich aber nichts befehlen und geht der Lady an die Satteltaschen, findet das Geld dort aber nicht. Diana behauptet, es bei der ersten Rast am Canyon versteckt zu haben, um sich abzusichern. Also wird Lord Wiltshire endlich zu seiner Tochter gelassen, denn die Geldgier überwiegt bei Kendrick.

Derweil hat Lassiter begriffen, dass außer Kendrick und einem Mann namens Pike niemand von der Bande mehr am Leben ist und sie die Banditen hätten überwältigen können. Der Lord zweifelt indessen an, dass sie das Geld je hätte besorgen können, was natürlich Wallace hellhörig werden lässt. Lassiter kann sich nach einer Weile befreien und als von draußen Dianas Schreie zu hören sind, den Wachmann Pike überwältigen.
Er stellt sich allein Kendrick, der auf ihn schießt aber verfehlt und dann mit einem Pferd flieht. Jedoch jagt er über die Plateaukante hinaus und stürzt ab. Lassiter klettert zu ihm und muss ihn dann in Notwehr endgültig erledigen.

Man macht sich also auf den Rückweg, aber Wallace ist jetzt sauer, da ihm 10 Prozent Prämie versprochen waren, das Geld aber nun eventuell gar nicht existieren könnte. Am Ort des angeblichen Verstecks kann er dann natürlich nichts finden. Als die Nacht hereinbricht, ist natürlich der dümmste Zeitpunkt für Diana und Lassiter gekommen, um mal deftig zu vögeln, aber probieren tun sie es trotzdem.
Da greifen plötzlich die Navajos an und Wallace und Clayton versuchen zu fliehen. Nur Wallace schafft es, der Rache der Indianer vorerst zu entgehen. Alarmiert wurden die Indianer natürlich von Appearing Day, die von ihrem Stamm wieder aufgenommen wurde.

Anschließend kann man gepflegt zurückkehren – denn tatsächlich hat die Schöne das Geld zusammen, nur eben woanders in den Satteltaschen versteckt gehabt. Aber Lady Diana würde vor dem Heimritt dann doch lieber noch etwas auf Lassiter herum reiten…

»Die Schmerzen sind wieder schlimmer geworden, Mr. Lassiter.« Lassiter lächelte, aber das war in der Dunkelheit nicht zu sehen. »Soll ich sie noch mal einreiben?«, fragte er. Sie stieß heftig den Atem aus. »Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie mir die Salbe und die Tinktur geben. Ich kann mich selbst einreiben!«
Wie schon gesagt, zum Plot muss man hier nicht so viel verlieren, der ist relativ zusammenhängend, auch wenn die meisten Schwierigkeiten daraus resultieren, das fast jeder Mann hier gerne mal bei Lady Di ordentlich „ranlangen“ möchte, und deswegen Schwierigkeiten verursacht.

Wallace will und kriegt aufs Maul.

Kendrick will und wird erschossen.

Lassiter will und vergisst dadurch, welche eine explosive Personenkombination er mit sich durch die Wüste schleift. Aber lieber der wunden Holden mal die Hose ausziehen und die Rüschen von der Seidenunterwäsche abreißen, damit die Schöne gedemütigt von ihrem hohen Ross runter kommt, damit mal auf andere Art und Weise geritten wird.

Aber wenn ich richtig mosern muss, dann höchstens über das typische Maß an übersteigerter Virilität, die unser Held hier durch die Gegend tragen muss, um sich den souveränen Umgang mit der Realität zu erschweren.
Klar, ich weiß auch, wie Eastwood wortkarg gegen widerspenstige Frauen in seinen Western vorgegangen ist, nämlich mit der Prämisse „weniger ist mehr“. Hier jedoch scheint der Held mit boshafter Genugtuung zwischen den Polen hin- und her zu pendeln. Er pöbelt, provoziert und bietet kaum das Mindestmaß an Ehrenhaftigkeit. Mit Adeligen will er nicht reisen, mit Frauen schon gar nicht und absolut nicht mit gebildeten, wehrhaften Frauen. Außer natürlich, er hat sie eingeritten, weswegen er zumeist auch nur an ihre üppigen Hügel denkt.

Aber auch im Austausch mit den übrigen Männern dieses Romans, Kendrick, Wallace und McMillan, sowie dem maximal blasiert und manieriert auftretenden Sir Ronald, erweist er sich nicht als geschickt, sondern spielt mit der Methode tollwütiger Kettenhund: bloß nicht reizen.

Offenbar war Lassiter nie der Mann für die zwischenzeitliche Charmeoffensive und hielt seine angewandte Überlebensintelligenz eher im Geheimen für sich. Warum er hier überhaupt tätig wird (da er nicht müsste), wird nie ganz klar, aber wenn ich raten müsste, wäre es die Aussicht auf das Schäfterstündchen mit der eingerittenen Adeligen.

Und genau diese Motivation bringt ihn dann auch immer wieder in Schwierigkeiten.

Ansonsten scheint er – wenn es auch nicht explizit erzählt wird – andere Typen von Mensch eher abzulehnen: die Trinker, die Huren, die Killer, die Banditen, die Adeligen, die Affektierten und die Aufgeblasenen, die Schwächeren ganz allgemein – der Westen ist hier eine hässliche Welt ohne große Hoffnung auf Besserung.

Das „Hilf dir selbst, dann helf ich dir vielleicht auch!“-Prinzip ist seine große Nummer und wer damit nicht klar kommt, geht eben unter oder wird stehen und sitzen gelassen. Das ist zwar historisch gesehen vielleicht nicht die unrealistischste Einstellung, aber für einen Romanhelden schon ein wenig ernüchternd.

Charmant und geschickt ist also eher aus, dafür sind bei „Lassiter“ Schnelligkeit und Härte gefragt und das bekommt das Retro-Publikum ja auch ordentlich geliefert. Es gibt aufs Maul, es wird gestorben und ein paar brutale Überraschungen sind auch dabei. Die Objektifizierung der Frau wird ganz beachtlich betrieben, auch wenn sich die Gute wie die Hure durchaus zu wehren wissen.

Wichtig für das Publikum scheint nur, dass früher oder später die Oberteile kaputt gehen und die Brüste frische Luft bekommen.

Da wäre ich nun echt gespannt, ob knapp 2000 Bände später der Held immer noch nach dieser eher archaischen Methode durch den fiktiven Westen reitet – vielleicht widme ich dem modernen Lassiter ja irgendwann noch ein Rückspiel.

Diese historische Momentaufnahme aus den 80ern ist jedenfalls von einem soliden Sexismuscharme, wie ihn Westernliebhaber abseits des Edelwesterns sicher gern mal genießen oder genossen haben. Bleibt aber dennoch ein komischer Nachgeschmack zurück, da der Held zu keinem „role model“ so recht passen will.

Also mal wieder woanders reinschmecken...

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