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Glockenraub mit Schlips und Kragen

StoryGlockenraub mit Schlips und Kragen

Das Dorf ist so klein, dass man keine langen Wege hat, um von A nach B zu kommen, auch wenn beide Punkte an entgegengesetzten Enden liegen. Trotzdem brauche ich bei schönem Wetter manchmal eine halbe Stunde, um beispielsweise die Milchkanne zu holen, eine Strecke von nicht einmal 300 m. Bei Regen geht es wesentlich schneller. Das liegt nicht daran, dass ich aus Angst nass zu werden rennen würde. Ich renne nie. Ich bin ein Kämpfer und kein Flüchtling. Nein, bei schönem Wetter sind die anderen Leute auch draußen, auf der Straße, auf dem Hof, im Garten oder einfach nur am offenen Fenster. Und jeder spricht mich an, will etwas wissen oder selber was mitteilen. Ein Problem, das knurrige und unbeliebte Leute wohl nicht haben, vermute ich. Dabei bin ich nicht mal hinter den Gerüchten her. Mir hilft die Information nicht weiter, wer sich gestern mit seiner Schwiegermutter gezankt hat oder wer mit einem Husten unpässlich ist.

 

Komischerweise oder gerade deswegen stehe ich in dem Ruf, gelehrt zu sein. Nicht selten bin ich daher Ansprechpartner für Kinder, die sich mit einem Schulprojekt herumschlagen, und denen die Eltern dabei nicht helfen können. So habe ich schon vielen bei Aufsätzen Infos geliefert zu verschiedenen Themen. Ich habe keinen Fernseher und kein Handy, aber viele Bücher, die in einem Durchschnittshaushalt nicht zu finden sind, darunter viele Sachbücher, hauptsächlich über Natur und Geschichte. Und was ich nicht weiß, weiß Herr Google.

Selten kommt es vor, dass es bei den Schulaufgaben um die Geschichte des Dorfes oder der näheren Umgebung geht. Die Lehrer sind meist von weiter weg zugezogen. Oder sie glauben, dass Landluft nicht geeignet ist für die geistige Elite und wohnen in Kassel, was einer Großstadt noch am nächsten kommt. Dann reisen sie Tag für Tag an, hin und zurück über 100 km, außer in den Ferien, da sind sie auf Reisen in anderen Ländern, und sie wählen grün, wegen des Umweltschutzes und der Luftverschmutzung.

Jedenfalls haben die Lehrer meist weder das Wissen um die hiesige Geschichte und noch Interesse, dieses zu erwerben. Deshalb wählen sie oft unverfängliche Themen, die sie bequem aus einem Lehrbuch rezitieren können und wo sie sich nicht selber um Material bemühen müssen. Die meisten zumindest.

Daher war ich ganz erstaunt, als Susi und Fabian mit Heften und Stiften vor mir standen und was über unsere alte Alrafter Schulglocke hören wollten. Die hat es gegeben, das wusste Susis Vater noch, aber dann hörte seine historische Bildung schon auf. Er ist jünger als ich und hat die nicht mehr bewusst läuten hören. Ich kramte im Gedächtnis, was ich den Kindern erzählen konnte. Sie machten sich eifrig Notizen und fragten auch nach, wenn sie meinten, ich ließe etwas aus. Ob ich die Glocke noch gehört hätte? Was für einen Ton hatte sie gehabt?

Naja, da kann ich mich auch nicht mehr so wirklich dran erinnern. Ich war ja noch sehr klein, als die Gebietsreform Anfang der 70er kam und uns zu einem Stadtteil von Waldeck machte, Verwaltungssitz Sachsenhausen. Nicht lange danach wurde die einklassige Dorfschule geschlossen, seitdem fahren die Kinder mit dem Bus nach Sachsenhausen in die Mittelpunktschule, ein hässlicher Bau mit Waschbetonplatten, typische Bausünde der frühen 70er. Das Flachdach wurde wegen ständiger Wasserschäden inzwischen mit einem Satteldach aufgestockt. Kein Vergleich mit dem imposanten, aber bodenständigen Bruchsteinbau in Alraft.

Der wurde in Privatbesitz verkauft und umgebaut. Wenn ich da heute zu Gast bin im Wohnzimmer, der ehemaligen Schulstube, wundere ich mich über die Dimensionen. Es ist zugegeben ein recht großes Wohnzimmer mit Kamin und einer Bücherwand, aber als Saal würde ich diesen geschmackvoll eingerichteten Raum nicht empfinden. Ich bin da zwar nicht mehr zur Schule gegangen, aber in der Zeit meiner frühen Kindheit wurde der Raum auch als Kirchsaal genutzt und so habe ich ihn mehrfach gesehen. Heiligabend war alles proppevoll, auch die Garderobe im Flur war überfüllt mit Mänteln. Ich hatte jedenfalls die Schulstube viel größer in Erinnerung als der Raum wirklich ist. Ob da die Glocke noch geläutet hat? Ja, hat sie, kurz bevor die Kirche anfing. 

Weg gekommen ist sie erst mit dem Verkauf der Schule. Schon damals, Anfang der 70er, war die Rede davon, auf dem Friedhof eine kleine Kapelle mit Sargkammer zu errichten, weil es  nicht jedem gefällt, den Opa drei Tage im Hause aufzubahren, zumal im Sommer. Zwar meinte einer, dazu täte es doch auch die Garage, aber das löste Empörung aus. Heute überlege ich, ob die Empörung sich darauf bezog, dass das gute, teuere Auto dann etwa bei Wind und Wetter auf dem Hof stehen und den Elementen und womöglich gar Diebstahl ausgesetzt sein sollte. Jedenfalls sollte die Glocke in der Friedhofskappelle weiter über das Dorf läuten. Einige gestandene Haus- und Hofbesitzer des Dorfes erklärten sich sofort bereit, das gute Stück in ihrer Scheune bis zur Einweihung der Kapelle zu verwahren. Aber nein, hieß es aus dem Rathaus, das geht nicht, Verwaltungssitz ist Sachsenhausen, also müssen auch alle Sachen, die ehemals den einzelnen Gemeinden gehört hatten, dort eingelagert werden. Darauf bestanden die Herren mit den Schlipsen.

Die Glocke war nicht die erste, die das Dorf hatte. Eine Schule gab es schon seit ungefähr 1700, das ist in alten Akten vermerkt. Die ersten Hinweise auf eine Glocke finden sich erst viel später. In diversen Kriegen musste auch Alraft seine Glocke hergeben. Später, wenn wieder Frieden war, wurde eine neue Glocke angeschafft. Es war meines Wissens die dritte, versehen mit einer Widmung für das Dorf, die da eines Tages so sang- und vor allem klanglos abtransportiert wurde in Richtung Verwaltungssitz. Die Alrafter Bürgerschaft kochte, kam aber nicht dagegen an.

Es dauerte noch bis zur Mitte der 80er, bis wir endlich die Friedhofskapelle hatten. Als sie fertig war, forderten wir die Glocke aus Sachsenhausen zurück, um sie im Türmchen aufzuhängen. Doch die Glocke kam nicht. Sie war nicht aufzufinden. Angeblich konnte sich keiner mehr erinnern, wo die eingelagert war. Schriftliches über den Verbleib war genauso wenig zu finden wie die Glocke selbst.

Der Unmut der Alrafter war groß, nützte aber gar nichts. Die Glocke erscholl nicht, sie blieb verschollen. Eilig wurde Geld bereitge- und eine neue Glocke bestellt. Nach einigen Monaten kam dann auch eine, aber die hat nicht wirklich einen schönen Klang. Sie ist klein und scheppert ein bisschen. Die alten Leute sagen, die alte Glocke hätte viel schöner geklungen.

Keiner glaubt mehr ernsthaft daran, dass wir je wieder von unserer Glocke hören würden. Wir haben sie abgeschrieben für alle Zeiten. Es ist allen klar, dass kein Mysterium dahinter steckt, sondern die Raffgier und der Größenwahn eines Volksvertreters niederen Ranges. Der muss dann aber auch einige Helfer gehabt haben, denn auch eine so kleine Glocke wiegt doch deutlich mehr, als ein einzelner Mann tragen kann. Und allerlei Gerätschaften werden gebraucht, ein Trecker mit Frontlader zum Beispiel. Der ist natürlich auf dem Lande leicht zu haben, entweder man hat selber einen oder man borgt ihn eben beim Nachbarn.

Das einzig Unerklärliche an der Sache ist, dass diese Mitwisser auch alle dicht gehalten haben. Viele Untaten kommen irgendwann nach langen Jahren ans Licht, weil einer der Beteiligten dann doch davon spricht. Aber hier waren alle so stumm wie die Glocke selbst.

Es gibt einige alte Sagen aus der Umgebung, die auch von Glockenraub handeln. Meist werden die im 30jährigen Krieg angesiedelt oder noch früher. Jedenfalls ist all diesen Sagen gemein, dass die Täter übel bestraft werden für ihren Frevel. Fast immer heißt es, der Wagen mit der Beute ist zur Strafe mit Mann und Maus, respektive Pferden, im Moor versunken und an bestimmten Feiertagen könnte man ein dumpfes Läuten aus der Tiefe vernehmen, sofern man reinen Herzens ist.

Nun ja, die Moore der Gegend sind schon vor langen, langen Jahren trockengelegt und in Weideland verwandelt worden. Da bimmelt heute höchstens mal eine Kuhglocke drüber oder Handys, aber die machen alle möglichen Töne, nur nicht bim-bam wie eine Glocke. Ich höre kein Geläut. Ich bin nicht ja auch nicht reinen Herzens. Ich habe nämlich Rachephantasien, wenn mir einer was tut. Naja, wer sagt denn, dass es bei der Phantasie bleiben muss? Erstens verstehe ich zu hauen, wenn es sein muss. Und zweiten gibt es eben doch manchmal noch Gerechtigkeit auf der Welt, ohne dass man haut. Wenn das auch eher selten der Fall ist. Das Wunderbare an Wundern ist, dass sie geschehen, hieß neulich der Kalenderspruch.

***

Staubig wars. Der alte Mann wich aber nicht aus der Scheune, sondern blieb, auf seinen Stock gestützt, auf der Tenne stehen und sah den Arbeitern zu. Es macht viel Arbeit, eine alte Scheune in ein modernes Wohnhaus umzubauen. Jeden Schritt verfolgte der Alte mit Argusaugen. Sein Sohn war tagsüber auf der Arbeit und hatte keine Zeit, sich mit der Bauleitung zu befassen.

Die Scheune hatte viele Jahre leergestanden. Die Landwirtschaft hatte die Familie längst aufgegeben. Der ehemalige Rübenkeller war mal Partyraum gewesen, aber schon seit Jahren feierten sie wieder im Wohnzimmer. Das war gemütlicher und hatte nicht soviel Lauferei über den Hof zur Folge. Hin und wieder war etwas auf der Tenne abgestellt worden, aber oben auf dem ehemaligen Heuboden war schon seit Jahren keiner mehr gewesen. Der Holzboden war morsch, und was hätte einer da oben suchen sollen? Staub und Spinnweben, mehr gab es nicht

Der Sohn, dem das Anwesen aus steuerlichen Gründen bereits überschrieben worden war, hatte beschlossen, in dieser Scheune eine Wohnung für sich und seine Familie einzurichten. Der Alte hatte davon nichts wissen wollen und sich mit Händen und Füßen gesträubt. Aber seit dem Schlaganfall wirkten seine Drohungen nicht mehr so wie früher – er war ein hohes Tier gewesen - und er hatte eine Niederlage einstecken müssen. Und jetzt musste er die Arbeiten beaufsichtigen.

Als erstes galt es, die Berge von Gerümpel herauszuschaffen. Der Sohn hatte sich strikt geweigert, den Kram nur umzulagern an eine andere Stelle, wo es auch stören, aber niemandem nützen würde, und über das Gebrüll des Alten hinweg eine Firma für die Entsorgung bestellt. Sie waren auch pünktlich angerückt, mit einem Pick-Up, einem Containerlaster und Arbeitshandschuhen.

Benno, Udo und Ali packten tüchtig an und allerhand staubiger Kram flog zur Freude der Nachbarkinder im hohen Bogen in den Container. Einige wenige Teile waren noch brauchbar, die landeten auf der Pritsche des Pick-Up, um sie noch zu Geld machen zu können. So war es mit dem Sohn vereinbart, der Alte konnte es nicht verhindern. Der seit Jahren kaputte alte Rasenmäher wurde rausgeschafft und die Gartenstühle aus Plastik, deren ursprüngliche Farbe man nicht einmal mehr am Tageslicht erkennen konnte. So ging das weiter, bis die Tenne leer war.

Als nächstes war der alte Partyraum dran. Die Tür war verzogen und klemmte. Benno musste sich anstrengen, die überhaupt aufzubekommen. Die Beleuchtung war trüb. Erstens war sie immer ziemlich dämmrig gewesen, zweitens waren die wenigen bunten Glühbirnen, die noch funktionierten, dick eingestaubt. Udo hängte eine Kabellampe an einen Haken. Auf dem Rückweg nahm er gleich zwei wacklige Barhocker mit zum Container.

In den nächsten Stunden erlebte Ali, der noch nicht lange in Deutschland war, einen Kulturschock. Er hatte seit er für Benno arbeitete, schon einige Merkwürdigkeiten gesehen, die gerade alte Leute in ihren Wohnungen horteten, aber ein Partyraum aus den 70ern war noch nicht dabei gewesen.

Gerahmte und ungerahmte Bilder von Männern mit langen Kragen und Frauen in Miniröcken, eine etwas schon etwas ramponierte Etagere für Bonbons, ein eingerissener Karton mit diversen Näpfchen für Knabberzeug, einige bunte Kuchenplatten aus Porzellan, ein Plastikpilz mit kleinen Löchern im Hut. Benno erklärte: „Da drauf hatte man mit Zahnstochern Käsehäppchen und Weintrauben gespießt.“ Als nächstes flogen ein paar ehemals wohl silberfarbene Servierplatten in Form von Hasen und Schweinen usw. in den Container.

„Was das für komische Zeug? Wofür gut?“ rief Ali. Benno lachte. „Wirklich gut ist das wohl zu gar nix. Aber meine  Mutter hat auch einen ganzen Schrank voll von dem Kram. Das haben die Alten vor Jahren alles nötig gehabt für Partys. Anstatt Grill und ein Fässchen Bier haben sie sich eben so ein Zeug gehortet und sogar im Wettbewerb gelegen, wer am meisten von dem albernen Krempel hatte. Pass auf, jetzt kommt die Deko!“ Krachend schlug ein unechtes Schiffslenkrad vor Ali auf den Boden, gefolgt von einem Messingteil, das wohl aussehen sollte wie ein Gerät zur Navigation. Damit kannten die Arbeiter sich nicht aus. Ein Stapel verrosteter Blechreklameschilder folgte und noch so manches, was den jungen Ausländer am Niveau der deutschen Kultur zweifeln ließ.

Der alte Aufpasser war mehrfach zwischendurch eilig ins Haus geschlurft. „Scheißerei.“ hatte Udo schadenfroh gegrinst. Die missbilligende Miene, die sich immer mal leidend verzog, war ihnen von Anfang an auf die Nerven gegangen. Ohne den alten Mann konnten sie freier arbeiten, zumal er ihnen auch dauernd vor den Füßen zu stehen pflegte.

Dass die Schallplatten in den klimatischen Verhältnissen hier unten kaputt gegangen waren, bedauerte keiner. Diese Musik hätten auch die inzwischen auf dem Hof versammelten Nachbarn, die auf die Sammlung aufmerksam geworden waren, nicht hören mögen. In Kartons verpackt standen Biergläser, auf denen sehr dürftig bekleidete bajuwarische Mädchen und krachlederne Burschen abgebildet waren. Ein Stapel Teller mit grellbuntem Blumenmuster ließ fraglich erscheinen, ob da jemals einer von hatte essen können, ohne  Appetit und Sehkraft zu verlieren. Die Lampions in allen Farben des Regenbogens wirkten dagegen harmlos. An der Wand hing ein Anker. Udo und Benno, die das schwere Teil zusammen anheben wollten, fielen fast zu Boden, weil sie soviel Kraft in das Heben gelegt hatten und der Anker sich als leichte Plastikattrappe erwies, die bei der Aktion hochflog und gegen die Decke krachte. 

Staubige Plastikblumenketten im Stile Hawaiis ringelten sich um die Theke und feuchte Girlanden hatten unter der Decke Schimmel angesetzt. Udo wischte sie mit dem Handschuh fort. „Die haben hier aber wohl keine Stilrichtung ausgelassen, was?“ grinste er. „Nee, wirklich nicht.“ meinte Benno und hängte die Saloon-Schwingtüren aus, die die Theke vom Gastraum trennten. Muscheln waren auf die Außenseite geklebt. Zwei Schürzen mit nacktem Torso eines Mannes und einer Frau hingen am Haken.
 
Ali schauderte bei all der Vielfalt an Fröhlichkeits-Zubehör. „Großvater sagen: Junge, geh Deutschland, da gute Kultur. Großvater das hier nicht wissen!“ sagte er ingrimmig. Seine Kollegen lachten und stimmten ihm zu. „Stimmt, in diesem Keller ist der olle Goethe bestimmt nie gewesen und der Einstein auch nicht.“

Die Theke selbst war aus Spanplatten. Zwei gut gezielte Tritte Bennos und sie sank krachend in sich zusammen. Bald war der Keller leer. Nur hinten in einer Ecke, wo eine Luke zum Heuboden hoch führte, hing noch ein Seil herunter durch ein Loch zwischen den Brettern der Klappe. Das Scharnier der Luke war verrostet. Udo griff nach dem Riegel und musste beiseite springen, weil der Holzwurm ganze Arbeit geleistet hatte. Als sich die Staubwolke wieder etwas gelegt hatte, sahen die Männer durch das Loch nach oben. Udo zog die Maglite aus der Gürtelschlaufe. In ihrem Schein schimmerte matt die Unterseite einer Glocke samt Schlegel. Als Benno am Seil zog und der Klöppel auf die Glocke traf, hielten sie sich erschrocken die Ohren zu. Der Klang war zwar rein und klar, aber doch gedacht, um weit über die Dächer eines Dorfes und die umliegenden Wiesen und Felder zu erschallen, nicht, um in einem alten Scheunenkeller zu dröhnen.

„Wie sollen wir die hier rauskriegen?“ fragte Udo, als er seinen Ohren wieder zutraute, die Antwort seines Chefs aufnehmen zu können. Benno kratzte sich am Kopf. „Gucken wir mal eine Etage höher nach der Aufhängung. Die haben das Ding ja auch irgendwie hier reingeschleppt und aufgehangen.“ Die Leiter war auch nicht mehr die beste, aber sie hielt, und als die Männer auf dem Heubansen standen, der über dem Rübenkeller lag, wies Udo im Schein der Maglite auf die gusseiserne Rolle am Firstbalken. Teile des alten Heuaufzuges waren noch vorhanden. wenn auch der Motor schon lange nicht mehr da war. Aber die Führungen reichten ja aus, der Pick-Up hatte eine Winde. Damit sollte es gehen, vermutlich war das Monster mit dem Heuaufzug auch hochgeschafft worden. Ein stabiles Drahtseil war schnell beschafft und an der Aufhängeöse der Glocke befestigt, über die Rollen geführt und an der Seilwinde befestigt.

Tatsächlich, als Benno durch die Luke Anweisung gab, wie Udo rangieren sollte, ruckte die Glocke, und unter Ächzen und Stöhnen und dem Aufwirbeln gewaltiger Staubwolken hob sie sich langsam von ihrem Platz. Der Balken knarrte. Den Klöppel hatten sie ausgehangen, so dass sie nicht anschlug, als Benno und Ali sie in Richtung auf die Luke über der Tenne zuschoben.

Sie arbeiteten konzentriert und konnten nur einen Teil des Scheunenbodens unter sich sehen. So entging ihnen, wie die Nachbarn sich eilig davonmachten, als der griesgrämige alte Bauherr wieder angeschlurft kam und erst verdutzt, dann wütend die Aktion mit dem Drahtseil bemerkte. Er hob den Blick nach oben, sah ins Innere der Glocke. Er sah nicht, wie weiter oben unter dem Firstbalken die rostigen Schrauben aus dem Holz rissen und die beiden Arbeiter sich eben noch durch einen Sprung auf die Seite retteten. Über den ehemals lebenslustigen Gastgeber vieler rauschender Partys senkte sich der Tod wie eine dunkle Glocke.

Als das Getöse verklungen war, schlichen von allen Seiten Leute vorsichtig herbei und umringten die Leiche und die Scherben der Glocke. Ali schob mit dem Fuß eine der Scherben herum, so dass ein Teil der Aufschrift sichtbar wurde. „Was heißen ›Alraft‹

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