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Around The Corner - Engel sind keine Puten oder doch? – Angel Sanctuary und WISH

Around The CornerEngel sind keine Putten, oder doch? 
Angel Sanctuary und WISH

Schon lange hat sich die westliche Welt davon verabschiedet, jene Himmelsboten, die wir Engel nennen, als kleine süße Putten zu sehen.

Die Welt von Kunst, Literatur und Film hat sie schon seit geraumer Zeit in allen ihren möglichen Facetten dargestellt, liess sie uns Gottes Gunst neiden, uns hassen, uns lieben.

 

Liess sie unseren Untergang vorbereiten, im eigenen Bestreben die Welt zu reinigen oder dem Wunsch eines rachsüchtigen Herren nach. Liess sie uns beschützen, uns verfallen, für uns ihre Flügel aufgeben.

Auch in Anime und Manga hat das Engel-Motiv bereits lange Fuß gefasst und hat eine mehr als kontroverse Exploration erfahren. Die wohl prominentesten Beispiele im europäischen Raum sind Angel Sanctuary von Kaori Yuki und WISH von CLAMP.

Angel Sanctuary DeluxeDüster, Grausam, Vertrackt
Erstveröffentlicht im Jahr 2000 legt Carlsen Manga wie bereits vorgestellt Yukis Erfolgsserie im Deluxe-Format seit Anfang 2011 neu auf.

Es ist eine Geschichte um Verrat, Hass und eine verbotene Liebe, die es in sich hat. Der Anfang ist noch übersichtlich, wenn auch nicht besonders einfach von der Thematik her:

Setsuna ist ein gesellschaftlicher Querschläger, er prügelt sich durch das Leben und hat keinen Funken Respekt für die Obrigkeit. Seine Mutter hat ihn verstoßen, seine Eltern sind getrennt. Nur zwei Menschen können ihn immer noch zur Besinnung rufen, sein Freund und fast-Mentor Kira und seine Zwillingsschwester Sera, für die er mehr empfindet als nur geschwisterliche Zuneigung.

Während er an dieser Stelle noch dachte, sein Leben wäre kompliziert, ändert sich das schlagartig, als übersinnliche Kräfte seiner gewahr werden. Denn Setsuna ist nicht alleine in seinem Körper. In ihm eingeschlossen ist die Seele des Engels Alexiel, einstige Heerführerin von Gottes Armee.

Im letzten Kampf gegen ihren Zwilling Rosiel verbannte sie diesen, als Strafe wurde ihre Seele von ihrem Körper getrennt. Dieser wurde in Kristall eingeschlossen und für alle Zeit weggesperrt, ihre Seele verflucht, auf ewig auf Erden wiedergeboren zu werden und Reinkarnation für Reinkarnation einen grausamen und jungen Tod zu sterben.

Satsuna und saraAls dann noch Dämonen auf der Bildfläche erscheinen, ein Mord erfolgt, eine Droge ihren Umlauf macht, Rosiels Handlanger seine Finger im Spiel hat und Sera schwer verletzt wird, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen, und Setsuna muss die Kraft in sich annehmen, um das zu retten, was ihm lieb und teuer ist. Wenn es denn nur so einfach wäre.

Angel Sanctuary ist eine lange und wirklich verzweigte Geschichte, die in 20 Bänden alles über den Haufen wirft, was man über den Himmel zu wissen glauben mag und auch über die zahlreichen Figuren. Denn jeder hat eine versteckte Agenda oder handelt aus einer Motivation heraus, die erst später ersichtlich wird. Freund und Feind bleiben nicht Freund und Feind, sondern wechseln munter die Seiten, bis man sich fragt, wem man noch wirklich vertrauen kann und will.

In seinem Bestreben, Sera zu retten, wird Setsuna immer tiefer in die Vergangenheit und die komplexen Beziehungen von Alexiel gezogen und muss sich irgendwann fragen, für wen oder was er am Ende wirklich kämpft.

RosielYukis Gothic-Novelle über Engel, die bald mehr Teufel sind, lässt in meinen Augen den Leser nicht mehr wirklich los. Man will einfach wissen, wie es nun weiter geht und wohin das noch alles führen soll. Wichtig ist jedoch, das man ein gutes Gedächtnis für Figuren, Handlungsstränge und Namen mitbringt, sonst ist man sehr schnell im Wirrwarr des Geschehens verloren.

Doch was noch mehr fasziniert ist Kaori Yukis unglaublicher Zeichenstil. Jede Figur hat ihr eigenes Aussehen, seine eigene Kleidung, seinen eigenen Stil. An Details wird in keinster Weise gespart, an Grimassen auch nicht. Die Hintergründe und Umgebungen sind, wenn sie zu sehen sind, sicher und detailreich gezeichnet.

Je weiter der Manga voranschreitet, um so sicherer und schärfer wird Yukis Federführung und manifestiert so auch ihren eigenen Stil, der in späteren Werken (auch bei Carlsen Manga) eine Rolle spielt.

Die Himmelwelt ist mit viel Fantasie und Vorstellungsgabe ausgestaltet, wenn auch grausamer als sich manch Bibelgetreuer das vorstellen mag. Die Hierarchie der Engel, sofern man sich denn auf eine einigen könnte, wird von Yuki aufrecht erhalten und nur auf ihre eigene Weise interpretiert.

WishKlein, aber Oho!
Anders als Yukis majestätische aber rachsüchtige Gestalten sind CLAMP's Engel aus WISH.

Eigentlich will sich Kohaku nur dafür revanchieren, gerettet worden zu sein. Doch wie revanchiert man sich bei einem Mensch, dem es nach nichts zu wünschen scheint? Kurzerhand quartiert sie sich bei dem etwas mürrischen Shuichiro ein und versucht ihm einen Teil der täglichen Arbeiten abzunehmen.
Leider stellt sie sich als etwas zu tolpatschig heraus, denn anders als andere Engel in den Geschichten kann Kohaku ihre Form nicht dauerhaft erhalten und über Nacht wird sie zu einer kleinen süßen Putte.

Nach und nach gesellen sich andere Engel und ein paar Dämonen zu Shuichiros Haushalt, was ihn nur leicht irritiert, denn alles in allem wünscht er sich nur eines, das...

WishCLAMP's wunderbare vierbändige Geschichte um Liebe und Vertrauen ist ein kleines Meisterwerk in sich. In totalen Kontrast zu Magic Knight Rayearth oder X-1999 zeigen die Manga-ka hier keine epische Schlachten oder einen ausladenden und verschwenderischen Zeichstil, sondern klare minimalistische Linien, die aber nicht weniger detailreich sind.

Die Geschichte selbst ist ruhig und mit wenigen Worten erzählt, die Darstellung dessen, was passiert, ist hier viel wichtiger und steht damit in totalem Kontrast zu Angel Sanctuary, das viel erzählen muss, um wirklich alle Hintergrundinformationen, die von Nöten sind, an den Leser zu bringen.

WISH ist Balsam für die Seele. Eine einfache Geschichte, die dennoch ihre überraschenden Momente hat, ihre Komik und ihre Tragik. Und auch ihre majestätischen Figuren. Denn die Engel sind in ihrer Nicht-Putten-Gestalt hochragende Figuren voller Licht und Grazie.

Kohaku in kleinIn erster Linie ist WISH eine Liebesgeschichte, ohne das die Protagonisten wissen, das es eigentlich darum geht. Kohaku strahlt dabei soviel Naivität aus, das es dem Leser fast schon schmerzhaft erscheint, aber nicht weniger wunderschön. Denn CLAMP geht sehr sensibel mit dem Thema um, ohne dabei in Klischees abzusinken oder Schmalz noch oben drauf zu schmieren.

Die Bände sind leider bereits vergriffen, werden aber zu normalen Preisen auf Amazon gehandelt.

Was bleibt
Engel und spezieller noch Flügel sind im Anime und Manga ein beliebtes Motiv, vor allem, wenn es auch um romantische Geschichten geht. Doch auch der grausamen Natur des Menschen selbst einen Ausdruck zu geben, wird diese über das Engelsmotiv, das uns vernichten will, ausgegeben.

Im Allgemeinen haben sie sich aber auch so, in der wenig christlich geprägten Kultur der Japaner, als übersinnliches Phänomen etabliert,. Noch mehr als in der westlichen Kultur werden sie dabei ihrer Rolle als Überbringer enthoben und neu interpretiert. Wie in zahlreichen Anime und Manga zu sehen: X-1999, Neon Genesis Evangelion, Haibane Reinmei, Ergo Proxy, D.N. Angel, Oh! My Goddess, Kuroshitsuji (Black Butler), Kamikaze Diebin Jeanne, Wedding Peach, Escaflown und vielen mehr.

Am Ende macht das ihren Reiz aus.
Angel Sanctuary Deluxe
Bibliographie
Angel Sanctuary
Manga-ka: Kaori Yuki
Bände: 20
Erscheinungsjahr: 2000 (dt., Neuauflage 2011) / 1994-2000 (jap.)
Verlag: Carlsen Manga
Status: abgeschlossen

WishWISH
Manga-ka: CLAMP
Bände: 4
Erscheinungsjahr: 2002 (dt.) / 1996-1998 (jap.)
Verlag: Carlsen Manga
Status: abgeschlossen


In zwei Wochen: Die bunte Anime-Welt – Aussichten 2012

 

Kommentare  

#1 Loxagon 2012-03-01 23:39
AS hat mich entgültig zum Manga-Fan gemacht. Vorher fand ich Mangas nur "nett", aber nicht besonders. AS ebenso. Band 1-3 waren zwar "nett" und man wollte schon weiterlesen, aber schon nichts besonderes. Ab Band 4 gings dann richtig los: Großminister Sevotharte metzelte sich durch den Himmel, es zeigte sich das Engel und Dämon dringend einen Termin beim Arzt brauchen könnten und es wurde immer spannender und komplexer. Schon früh wurde kräftig mit dem Zaunpfahl gewunken wer der Endboss ist (Astraroth/Astarade waren da ja deutlich genug) und so kams dann auch. Schade nur das Sefie dann sterben musste wobei ich nie erwartet hätte dass grade diese Person eben Sefie sein würde. Ihr Werdegang zu Sevotharte ist aber sehr nachvollziehbar. Wobei IMO Sandalphon beim Wahn Sefies ein "wenig" nachhalf. AS sollte jeder lesen der gute, komplexe Geschichten mag. Der Anfang lahmt wie gesagt, aber ab dem vierten Band gehts entgültig los.
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