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Sub- und Miniserien in Terra und Utopia: Flaggschiffe, Flottenkadetten und Flops - Komet in der Sternennacht - Captain Future

Mini- und Subserien bei Terra und UtopiaFlaggschiffe, Flottenkadetten und Flops
Folge 4:
Komet in der Sternennacht - CAPTAIN FUTURE

Von den Fünfzigern bis in die Achtziger hinein gab es SF auch in zahlreichen Reihen. Herausragend dabei die ›Marken‹ »Utopia« und »Terra«. Für viele der erste Kontakt mit der Science Fiction bzw. dem ›utopischen Roman‹. In diesen Reihen erschienen zahlreiche Sub- und Miniserien. Diese werden in den kommenden Wochen einmal etwas genauer betrachtet ...


Kennen Sie ein Universum, in dem alle Helden übermenschlich tapfer, alle Schurken abgrundtief böse und alle Frauen schöne, gesittete Nebenfiguren sind? Ein Universum, das von Leben geradezu wimmelt, in dem unsere benachbarten Planeten und Monde im Sonnensystem von intelligenten Zivilisationen bewohnt werden? Wo man sich keine Gedanken über lästige Dinge wie Biosphären oder Himmelsmechanik machen muss? Wo man zahllose Abenteuer in Zeit und Raum erleben kann? Wenn ja, dann haben Sie Captain Future schon gelesen. Wenn nein, dann müssen Sie ihn lesen!

Captain FutureDas Wissenschaftler-Ehepaar Roger und Elaine Newton arbeitet zusammen mit seinem Kollegen Simon Wright, der nur noch als Gehirn in einem lebenserhaltenden Behälter existiert, weil es von seinem todkranken Körper getrennt werden musste, an künstlichem Leben. Sie erschaffen den Roboter Grag und den Androiden Otho, der seine Körperform ändern kann. Nach der Geburt ihres Sohnes Curtis werden die Eltern von einem Verbrecher ermordet. Curt wird von Simon, Grag und Otho aufgezogen und ausgebildet. Als Erwachsener nimmt er den Tarnnamen „Captain Future“ an und widmet sich mit seinen drei Freunden dem Kampf gegen das Verbrechen, der Verteidigung der Menschheit gegen außerirdische Invasoren und der Erforschung des Universums in seinem Raumschiff COMET. Dabei kämpft er gegen einen selbst ernannten Weltraumherrscher, rettet die Erde vor einem riesigen Planeten, der auf sie zu stürzen droht, sichert die Produktion des unverzichtbaren Treibstoffes Gravium für die Raumschiffe, lüftet das Geheimnis der sieben Weltraumsteine, reist in die ferne Vergangenheit, um die Bevölkerung eines dem Untergang geweihten Planeten zu retten und und und … Er macht sich sogar auf die Spur der Materiequellen, die ein anderer deutscher Serienheld Jahre später wieder aufnimmt, und kehrt schließlich sogar vom Ursprüng der Schöpfung zurück. Wunder über Wunder!

Startling StoriesCaptain Future wurde in den USA ab 1940 ein eigenes Magazin gewidmet, in dem ein Roman um unseren Helden den Hauptteil der Seiten belegte, ergänzt um Hintergrundmaterial und die eine oder andere Kurzgeschichte, die nichts mit dem CF-Universum zu tun hatte. Immerhin kamen siebzehn Folgen heraus, bis dieses Magazin 1944 wie viele andere zu dieser Zeit des Zweiten Weltkrieges als Folge der Papierknappheit das Erscheinen einstellen musste. Drei weitere Romane erschienen dann noch im Schwestermagazin „Startling Stories“. Dann war für einige Jahre Schluss, bevor 1950/51 noch weitere sieben kürzere Erzählungen herauskamen, ebenfalls in „Startling Stories“.

Captain Zukunft greift einIn deutschen Landen wurde unser Weltraumheld bekannt, als er 1961/62 immerhin vierzehn Abenteuer in Utopia-Heften, eingedenglischt als „Captain Zukunft“, erleben durfte. Zuerst erschienen sechs Titel in Utopia-Großbänden, was den Vorteil hatte, dass die Originaltexte in dieser Reihe, die immerhin 96 Textseiten gestattete, praktisch ungekürzt wiedergegeben werden konnten. Im Gegensatz dazu standen die nachher im Utopia Zukunftsroman erschienenen acht Hefte mit nur 68 Seiten, wie bei den meisten Heftromanen üblich.

Captain Zukunft letztes AbenteuerEs wurde eine Auswahl aus den zwanzig amerikanischen Romanen getroffen, welche in wild durcheinander gewürfelter Reihenfolge erschien. Durch etliche Hefte aus dieser Ausgabe machte auch ich die erste Bekanntschaft mit Curt und seinem Team, und war traurig, als ich in Utopia 369 „Captain Zukunfts letztes Abenteuer“ lesen musste. Das Thema „Übersetzungen und Kürzungen von fremdsprachigen Originaltexten“ werden wir übrigens in einer späteren Folge dieser Artikelserie am Beispiel der „Lensmen“ genauer unter die Lupe nehmen.

The Comet Kings1968/69 kam eine amerikanische Taschenbuchausgabe von Captain Future heraus, die dreizehn Bände umfasste. Dies wäre keine Erwähnung wert, wenn nicht nicht neun dieser Taschenbücher mit Titelbildern des PR-Illustrators Johnny Bruck ausgestattet worden worden. Aber was macht das – zugegebenermaßen grandiose - Cover von PR 200, auf dem Icho Tolot mit Perry und Atlan auf den Schultern auf dem Planeten im Twin-System zwischen den Galaxien dem planetenfressenden Atombrand davongaloppiert, auf einem Captain Future-Roman?

Das AnimeeEinen gewaltigen Popularitätsschub erfuhr Captain Future, als sich in den Siebzigern die japanische Filmindustrie des für Kinder geradezu prädestinierten Stoffs annahm und auf Basis von dreizehn der Romane eine 52-teilige Anime-Zeichentrickserie für das Fernsehen herausbrachte. In der deutschen Synchronisation wurde diese leider auf 40 Folgen zusammengeschnitten und die Reihenfolge der Ausstrahlung verändert. Wie bei Verfilmungen von literarischen Vorlagen üblich, gab es zum Teil deutliche Änderungen in der Handlung. Es wurden auch etliche Namen von Hauptpersonen umbenannt, so wurde z. B. Joan Randall, Curts Verehrerin, auf Joan Landor umgetauft. Nicht nur Kinder verfolgten gerne die Folgen, sondern auch viele Väter, die heuchlerisch vorgaben, überprüfen zu müssen, was ihre Sprösslinge da so anschauten, aber dann heimlich im Dachboden wieder in den alten amerikanischen Magazinen oder Utopia-Heften blätterten. Weil wir aber uns bei dieser Artikelserie auf Geschriebenes konzentrieren, wenden wir uns von der Fernsehserie wieder den Büchern zu.

Notruf aus dem AllDer Erfolg der Zeichentrickserie machte natürlich auch die Buchbranche aufmerksam, und so war es kein Wunder, dass im Bastei-Verlag neben einer auf den Animes aufbauenden Comicserie 1981 – 1984 eine deutsche Taschenbuchausgabe mit immerhin fünfzehn ungekürzten Romanen in der Reihenfolge der Originalserie herauskam, bis auch dieser Boom abebbte. Damit ging Curt in den Ruhestand. Aber da gibt im kleinen, aber feinen Golkonda-Verlag in Berlin Leute, die mit gleich viel Liebe wie Kenntnis der phantastischen Genres wunderbare Bücher herausbringen. Diese kamen auf die geniale Idee, die bisher unpublizierten kürzeren Erzählungen über Captain Future dem deutschen Publikum in zwei klasse aufgemachten Bänden vorzustellen. Der Titel des ersten Bandes "Die Rückkehr von Captain Future" hat doppelte Bedeutung, denn Captain Future kehrt sowohl handlungstechnisch nach langer Abwesenheit ins Solsystem zurück als auch, was den langen Zeitraum seit der letzten vorher publizierten Erzählung betrifft. Dies gilt sowohl für die amerikanische wie auch für die deutsche Ausgabe.

Der Tod von Captain FutureIm zweiten Band wurde als Draufgabe noch die bitterböse Erzählung "Der Tod von Captain Future" von Allen Steele aufgenommen, die titelgebend ist und gleichzeitig als Hommage wie als Persiflage dient. Die Hauptfigur, ein Antiheld, der als Raumschiffkapitän seine Mannschaft drangsaliert, selbst Fan der Serie ist und sich von seiner Besatzung als Captain Future ansprechen lässt, wird posthum unverdient als Retter gefeiert. Eine würdige Ergänzung des Captain Future-Universums, die einen über Heldentum nachdenken lässt und auch den „Hugo Award“ für die beste Kurzgeschichte des Jahres erhielt. Von der Resonanz zu diesen beiden Bänden ermutigt, starteten die Golkonda-Leute im Anschluss eine Captain Future-Gesamtausgabe, in der nach den Erzählungen auch die Romane in neuen, ungekürzten Übersetzungen samt Begleitmaterial und mit den Titelbildern der Originalausgaben vorgestellt werden und so dieser Klassiker seine verdiente Würdigung erfährt. Leider ist die Publikationsfolge etwas ins Stocken gekommen, und so wartet man noch auf den bereits angekündigten sechsten Band. Leute, kauft – es zahlt sich aus! Ich will den bisher einzigen noch nicht auf Deutsch erschienenen Roman „Magic Moon“ (Episode 16) auch noch in meiner Muttersprache lesen.

Edmond Hamilton (1904 - 1977), der Hauptautor von Captain Future, war von Kind auf selbst von SF begeistert und konnte bereits als Zweiundzwanzigjähriger seine erste publizierte Erzählung in den Händen halten. Mit seiner Serie über die „Interstellar Patrol“ machte er sich einen Namen als Weltenretter und Weltenzerstörer, und so ist es kein Wunder, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen Edward E. Smith, John W. Campbell und Jack Williamson als einer der Ahnherren und Hauptautoren der Space Opera in der frühen SF-Geschichte angesehen wird.

Mit seiner Frau Leigh Brackett bildete Edmond Hamilton ein Traumpaar, denn Leigh war auch schriftstellerisch tätig und lieferte im SF-Genre einige starke Werke ab, darunter die erste Drehbuchfassung von „The Empire Strikes Back“, des ursprünglich zweiten Star-Wars-Filmes. Deshalb werden wir ihrem Helden Eric John Stark in einer späteren Folge auch einige Zeilen widmen.

Herrscher im Weltenraum1949 erschien Hamiltons berühmtestes Werk: „The Star Kings“, auf Deutsch mehrfach unter dem Ehrfurcht gebietenden Titel „Herrscher im Weltenraum“ und später als „Die Sternenkönige“ erschienen. Ein gewaltiges Weltraumepos, das 200000 Jahre an Zeitreise und viele Tausende von Lichtjahren kosmischer Distanz umspannt. Es handelt vom Erdmenschen John Gordon, der glaubt, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben, als ihn nachts im Bett ein telepathischer Ruf erreicht:

„Kannst du mich hören, John Gordon? … Wenn du mich hören kannst, versuche meinem Ruf zu antworten! … Ich bin Zarth Arn, ein Prinz aus dem Reiche der Mittleren Milchstraße. Ich spreche zu dir aus der Zukunft, zweihunderttausend Jahre deiner Zeit voraus.“

(zitiert aus: Edmond Hamilton, Herrscher im Weltenraum, Gebrüder Weiß Verlag, Berlin – München 1952)

An den Ufern der UnendlichkeitZarth Arn ist als Forscher an der irdischen Geschichte interessiert und schlägt Gordon einen Körpertausch für sechs Wochen vor, um seine Studien vor Ort durchführen zu können, weil die Zeitreise in die tiefe Vergangenheit nur für den Geist möglich ist. John willigt ein. Ein grandioser Auftakt zu Abenteuern im Sternenkönigreich! Der Erfolg des Buches verlangte natürlich nach einer Fortsetzung, und so wurden weitere Kurzgeschichten publiziert, die dann später zu einem Episodenroman vereinigt wurden. In seinen irdischen Körper zurückgekehrt, hat John Gordon lange Jahre unerfüllte Sehnsucht nach dem galaktischen Reich, bis es durch eine neue Erfindung möglich wird, dass er mit seinem eigenen Körper in seine künftige Sternenheimat aufbrechen und dort seine geliebte Lianna in die Arme schließen darf.

Die Waffe der VhollanerGegen Ende seiner Karriere publizierte Hamilton noch den Dreiteiler um den Erdmenschen Morgan Chane, der als Kind von den außerirdischen Sternenwölfen geraubt worden war und deswegen auf einem Planeten mit hoher Schwerkraft aufwuchs, wodurch er über bärenstarke Kräfte verfügte. Wenn man in seinen Abenteuern die Sternenwölfe durch Rothäute und die Raumschiffe durch Pferde ersetzt sowie die eingestreuten SF-Gimmicks entfernt, kommen ganz passable Westernromane heraus. Gute Unterhaltung bieten diese Romane auch im SF-Gewand allemal.

Wieviele Autoren schrieben für Captain Future? Da kann man sich leicht die Finger verknoten, denn es wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Tatsächlich waren es für die „eigentlichen“ Captain Future-Erzählungen nur drei. Edmond Hamilton ist klar, er schrieb unter seinem Namen die ersten dreizehn Romane sowie Band 19 und die später erschienenen Erzählungen. Von Nr. 14 bis 18 erschienen die Romane unter dem Autorennamen Brett Sterling, der allerdings ein Pseudonym war, unter dem drei Romane von Hamilton und zwei von seinem Kollegen Joseph Samachson herauskamen. Samachson publizierte andere Erzählungen unter seinem zweiten Pseudonym William Morrison, deswegen kann man auch manchmal diesen Namen in Auflistungen finden. Einen Roman steuerte schließlich Manly Wade Wellmen bei. Letzten Endes gibt es dann noch noch die erwähnte Erzählung „The Death of Captain Future“ von Allen Steele, die allerdings nur am Rand zum Captain Future-Universum gehört. Hamilton war übrigens nicht der Erfinder des Captain Future-Universums, aber er hat die Idee, die ihm vorgelegt wurde, zum finalen Konzept weiterentwickelt und als Hauptautor zum Erfolg gebracht. Dass seine Werke zwar spannende Unterhaltung boten, aber keine höheren literarischen Ansprüche erfüllten, darüber war sich Hamilton klar:

„ … und ich bin sicher, dass die meisten von uns alten Burschen, begännen wir heute noch einmal mit dem Können von damals, keine einzige Zeile verkaufen würden.“

(zitiert aus: Alpers/Fuchs/Hahn/Jeschke, Lexikon der Science Fiction Literatur, Heyne Verlag, München 1987)

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Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2016-09-08 09:09
...die Utopiahefte wirken teilweise inhaltlich sehr lächerlich mit der Formulierung von Captain "Zukunft". Der Name Curd Newton allein zog eben nicht. Aber so war die Erzählung eben damals...die Fernsehserie fand ich trotz einiger Mängel sehr erbaulich (davon hat später auch Jan Tenner als Imitatio gelebt...). Besonders vertraut waren mir die Basteibände...aber grundsätzlich mochte ich Hamilton wegen seiner toll erzählten Space Operas...auch die gekürzten im TERRA-TB. ER war immerhin ein begnadeter Erzähler von herrlicher Abenteuer-Pulp-Literatur.
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#2 Heiko Langhans 2016-09-08 13:18
Von 1943 bis 1968 schrieb Hamilton für National/DC Comics zahlreiche Stories um Superman, Batman, Superboy, Tommy Tomorrow, Chris KL-99 (ein klarer CF-Vorläufer!), Jimmy Olsen, Lois Lane und vor allem gut dreißig Geschichten um die Legion of Super-Heroes - herrlicher Schund! Ich habe das Zeug geliebt!!
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#3 Yugoth 2016-09-13 09:15
Ich gehöre zu der Generation, welche durch die Fernsehfolgen total geflasht wurde. So was gab es für mich bis dato nicht, ich kannte nur Heidi, Biene Maja oder Pinocchio. Auch wenn es ab und zu durch Standbilder deutlich wurde, dass die Folgen gekürzt wurden, hat mir das als Kind nüscht ausgemacht. Später hab ich mir dann die Taschenbücher gekauft und so manche Lücke ergänzen können. Auch habe ich an einer Kinovorführung von "Die Quelle der Materie" teilnehmen können, was aber eine eher unfeiwillig komische Veranstaltung wurde, denn die Dialoge zwischen Curt und Joan kann man sich heute wirklich nur mit Humor antun.

Danke für den Artikel, an die neuen Ausgaben werd ich mich dann man dran machen.
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