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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Occu - die Stimme aus dem Jenseits Nr. 51: »Kreatur aus dem Zwischenreich«

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Kreatur aus dem Zwischenreich«
Occu - die Stimme aus dem Jenseits Nr. 51

„Occu“ macht neugierig!
 
Das zumindest war das leise Fazit, was ich nach der ersten Blindverkostung eines Occu-Romans (Nr.
46: »Geheimnis des magischen Rubins«), ohne Vorabinformationen eingezogen zu haben, ziehen konnte.


Mehr esoterische Tiefe, nicht nur ein typischer Standard in der Handlung; brauchbarer Stil, wenn auch mehr Plot als Atmosphäre konnte ich konstatieren, musste mir aber eingestehen, dass ich ja den eigentlichen Schöpfer der Serie, den Österreicher Hademar Bankhofer, noch gar nicht kennengelernt hatte – ich war an einen Gastroman Uwe Antons geraten.

Mit Nr.51 war diese Lücke schon mal zu füllen und die Neugier stieg, als ich mir des Schöpfers Biographie mal als kleine Vorspeise antat: Bankhofer ist ein durchaus kontroverser und streitbarer Mann, der von Koch- und Gesundheitsbüchern bis zu Jugend- und Gruselbüchern schon ein breites Spektrum bedient hatte und schon häufiger unter Beschuss stand. Das kann ja was werden.
 
Da er aber wohl kein gelernter Vielschreiber war, hatte er bei „Occu“ Terminprobleme bekommen und musste Gastromane akzeptieren. Hier also jetzt ein Exemplar aus der Spätphase der Serie...


Kreatur aus dem ZwischenreichZum Inhalt:
Ort der Handlung ist diesmal die Stadt Waukie bei Denver und es brennt vom Start weg praktisch gleichzeitig an drei Handlungsorten. Da wäre zunächst ein von hechelnden Unbekannten (oder Ungesehenen) verfolgter Mann namens Tellington, der seine Verfolger zwar zunächst abschütteln kann, der aber nach einer kleinen Raserei in seinem Haus alsbald an Altersschwäche dahinstirbt, zum Entsetzen seiner Angetrauten und der gerufenen Polizeibeamten Ising und Flues. 
 
Derweil hat ein Mann namens Mattingly ganz andere Sorgen: frisch von einer Gehirntumor-OP entlassen, ist er nun wegen der langen Rekonvaleszenzzeit seinen Job los – hat dafür aber ein Extra dazu gewonnen, denn er kann am hellen Tage düstere Geisterkutschen im Straßenverkehr beobachten, die sich problemlos DURCH andere Fahrzeuge lenken lassen.
 
Entsprechend durch den Wind läßt er sich per Taxi heimwärts kutschieren (der Kaugummi kauende Chauffeur James W. Coburn wird zu einer permanenten Nebenfigur) und findet daheim die liebe Gattin rittlings auf ihrem Teilzeitlover. Die Ehe wäre damit beendet und Mattingly lässt sich daraufhin natürlich ordentlich voll laufen. Später wird er dann bei einem Fotoreporter namens Rod Gomolla abgeliefert, der offenbar eine Art Kumpel ist (das wird nicht näher erläutert) und sich mit ihm auf Kutschenjagd begibt.
 
Der dritte Handlungsort ist für das „Parapsychologic Department von Interpol“ reserviert, diesmal ausschließlich in Gestalt von Hauptkommissar Joe Baxter, der sich mittels Linienmaschine zu einem alten Ex-Kollegen namens Hiskins aufmacht, der aus dem PSI-Business vor zehn Jahren überstürzt verschwunden ist. Hiskins hat um Baxters Hilfe gebeten und offenbar ist es dringend, denn Baxter empfängt schon vor der Landung ein mediales Signal und belauscht zwei unbekannte Wesen, die sich über reichhaltige Beute austauschen.
 
Nach problemloser Ankunft informiert Hiskins Baxter über die Motive seines Ausstiegs: vor genau zehn Jahren hatte er während eines paranormalen Geistesausflugs die Offenbarung, dass ihm nur noch eben diese kommende Dekade bis zu seinem Ableben an Lebenszeit bliebe. Der Zeitpunkt ist nur noch zwei Tage entfernt und dementsprechend steigt der Paniklevel exponentiell.
 
Während Baxter also auf medialem Weg einen Zusammenhang zu seiner Vision aus dem Flugzeug herstellt und die Stadt Waukie als Ziel ausmacht, graben die ermittelnden Polizeibehörden vor Ort langsam aber sicher eine ganze Reihe von Todesfällen aus, die alle im unmittelbaren Umfeld eines Bauprojekts stattgefunden haben. Dieses liegt in einem Vorort namens „Darkhill Homes“ (oha!) und ist so unter behördlichen Druck zwecks Fertigstellung geraten, dass die Verantwortlichen die Vorgänge – und die Leichen – unter den sprichwörtlichen Teppich gekehrt haben. Mit etwas Nachdruck lässt sich der Morast dann aber auflockern, was zu einigen Verhaftungen führt.
 
Parallel dazu stöbern Mattingly, Gomolla und Watson die Kutsche wieder auf, die sie nach Darkhill Homes verfolgen, wo schon eine tiefe und düstere Baugrube auf Schlimmeres wartet. Und kaum sind diese Handlungsstränge miteinander verbunden, schließt sich auch schon eine unsichtbare Mauer um den Vorort. Baxters Auto verunglückt, Hiskins stirbt (pünktlich!) und Baxter wird auf die letzte Sekunde in den Ort des Geschehens katapultiert.
Dort entfleuchen der Baugrube dann auch schnellstmöglich Tausende von geflügelten, augenlosen Kreaturen, die den Menschen in einer brachialen Attacke die Lebenskraft absaugen und sie an Altersschwäche sterben lassen. Panik bricht aus, der Belagerungszustand ist erreicht und die Lösung liegt wie immer ganz tief unter unseren Füßen...


Eindrücke:
Heidewitzka, das geht ja auch in diesem Roman wieder ordentlich zur Sache, wobei ich anfügen muss, dass an dieser Stelle gerade mal die Mitte des Heftes erreicht ist.
 
Kurz darauf gerät die Chose zu einer kraftvollen Monsterhatz, die „Under The Dome“ von Stephen King vermutlich zu etwas mehr Nachdruck verholfen hätte. Wo auch immer die Vogelwesen hinschauen und ihren Schnabel öffnen (das Wörtchen „schauen“ ist bei augenlosen Angreifern vielleicht falsch gewählt), altert organisches und anorganisches Material in Rekordzeit, Ausnahmen gibt es nur bei Stahl und Glas (wieso auch immer...). Zum Glück sind die Viecher nicht kugelsicher, aber falls jemand überleben will, führt der Weg für alle unsere Helden nur nach unten, wo die Lösung samt neuer namenloser Schrecken auf sie wartet.
 
Ich muss sagen, auch bei Bankhofer kann man die Story bequem und flüssig genießen, offenbar war ein Übermaß an Exposition und Plot nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.
Geschickt bewegt man sich aus drei Richtungen auf einen Punkt zu, der die Handlung dann zentriert. Von da an wird auf Action fokussiert.
 
Das liest zwar gut weg, wirkt aber nach dem Triptychon an Plotsträngen zu Beginn doch stark vereinfacht. Von da an wird ordentlich auf die Pauke gehauen, bis sich alles am Ende dann aufklären muss, was aber den handelnden Figuren nicht gerecht wird. Mindestens sieben Figuren müssen sich erst in der Stadt und dann in den Tiefen der Höhlen unter der Baugrube bewähren und Bankhofer ist offenbar entschlossen, nicht auf eine davon zu verzichten. Und weil die restlichen 30 Seiten nicht nur mit Monsterflugshow gefüllt werden können, setzt sich das Panoptikums des Schreckens in der Tiefe fort: bleiche Gnome, Riesenratten, schließlich ein Tempel mit einer amorphen Masse.
 
Wer jetzt an Lovecraft denkt, liegt leider falsch. Zwar fällt der Name der „Großen Alten“ noch mehrfach auf den Heftromanseiten, doch liegen diese erzählerisch außerhalb des Budgets. Also würzt der Autor die Aufklärung noch mit etwas dämonischem Einfluss und bringt das alles dann zu einem unerwartet segensreichen Ende.
 
Nun ja...
Einerseits bin ich ja ganz froh, wenn man mir nicht Schema F immer und immer wieder aufbereitet, andererseits habe ich den dringenden Verdacht, dass Bankhofer unter dem Problem der guten Idee, des abstrahierenden Trailers und des bekannten Schlusses leidet, bei dem dazwischen immer noch gut dreißig Heftseiten gefüllt sein wollen.
 
Ich kann nicht behaupten, Bankhofer würde komplett daran scheitern, aber die Erwartungen der ersten 20 Seiten kann er nicht erfüllen.  
 
Da wäre zum einen die ominöse Geisterkutsche, die offenbar so eine Art „Bote“ der Unterirdischen sein soll. Warum sie unerkannt im Verkehr rumdüst, wird nicht erklärt, offenbar brauchte Bankhofer nur einen Ansatz, um mehr handelnde Personen in den Plot zu bekommen.  
 
Da die Unterirdischen auch nur alle tausend Jahre ausschwärmen, scheint die Wahl einer Kutsche auch nicht recht motiviert – außer man nimmt an, der Autor hätte die Inspiration dazu bei der „Leichenwagen“-Episode der berühmten Filmanthologie „Traum ohne Ende/Dead of Night“ entliehen, weil sie ihm so gut gefiel.
 
Gomollas Zugehörigkeit zu Mattingly bleibt genauso unerwähnt wie seine Bereitschaft, die Visionen seines Kumpels widerspruchsarm zu schlucken und mit ihm zu suchen rätselhaft bleibt. Der Taxifahrer Watson ist sogar gänzlich überflüssig und soll wohl softes „comic foil“ sein, produziert aber null Humor.
 
Das Problem des PSI-Fachmanns Hiskins besteht lediglich darin, Baxter in die Handlung zu holen, der für den Rest des Romans seltsam ineffektiv auftritt. Die meisten Actionssequenzen bleiben für den Rekonvaleszenten Mattingly und die drei Polizisten reserviert.
 
(Das Auftauchen Baxters im Gewimmel liefert dann auch meinen Lieblingssatz im ganzen Roman, wenn der Beamte Ising angesichts unseres Helden denkt: „Wer war dieser Blondschopf, von dem eine schwer identifizierbare Aura der Macht ausging?“ - Ein Schelm, der da an Star Wars denkt! Und macht er was aus seiner Macht? Macht er nicht! Macht aber nichts!)
 
Immerhin gibt es seitenlang solides Monsterspektakel, wobei der Autor sich immer neue Hakenschläge einfallen lassen muss, um die Wirkung der Altersstrahlen wieder runter zu tönen, die zwischendurch superfatal in Sekunden töten und später dann nicht mehr so zielsicher abgefeuert werden. Warum der am Romananfang betroffene Tellington erst nach Stunden dahin altert, wird übrigens auch nicht erklärt.
 
Die unbegrenzte Feuerkraft amerikanischer Waffenvorräte schafft aber die nötige Entlastung für den finalen Höhlengang (hier riecht dann wieder etwas stärker nach dem seligen Howard Philips Lovecraft), welcher wiederum in einer seitenlangen Genesis eines Wesens mündet, dass ja dann doch gar nicht so böse sein will, wie es die Visionen Baxter immer vorgemacht haben.
Interessant ist das schon, das finale Resultat dann aber ein bisschen zu sehr hollywoodesk versöhnlich.
 
Als Fazit würde ich sagen, dass ich auch diesen Roman mehr genossen als durchlitten habe, größtenteils wegen seiner Erzählfülle und trotz seiner Fehler und nicht ausgereiften Ideen.
Man spürt, dass Bankhofer mit guten Einfällen an die Sache gegangen ist, diese aber dann nicht strukturiert genug umsetzen konnte. Schön aber, dass nicht immer nur der Held von der Stange die Welt retten muss; störend dagegen, dass hinten dran immer noch ein Dämon seine Finger im Spiel haben muss, wenn die Fremdwesen doch viel interessanter sind (und die augenlosen Flugwesen sind an sich ein Knaller).
 
Die Esoterikquote ist im Vergleich zum letzten Test übrigens deutlich runtergefahren, was sehr angenehm ist, aber gleichzeitig den Helden praktisch zur normalmenschlichen Figur reduziert, der die Lösung praktisch präsentiert und angeboten werden muss. Das war schon beim „magischen Rubin“ ähnlich, wo die ein Großteil der finalen Drecksarbeit von einer Nebenfigur erledigt werden musste, weil sämtliche Heroen am Schlafittchen gepackt worden waren.
 
Dennoch: „Occu“ bleibt auch nach zwei Versuchen noch recht reizvoll, weil es eben einen halben bis ganzen Schritt neben die Standardware geschrieben scheint, bei der es sich oftmals schon als reizvoll entpuppte, wenn der Dämonenjäger seinen Kontrahenten mal mit dem Bratenwender statt mit Peitsche, Kreuz, Dolch oder Silberkugel erlegte.
 
Dass Bankhofer dabei als Schreiber nicht sonderlich routiniert erscheint, sondern sich seine Visionen sichtlich erkämpft hat, macht irgendwie Spaß.
 
Darauf gleich noch einen Bankhofer...mit Teufelsfratze....

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2015-12-08 11:01
Vom Konzept her war Occu schon einen Tick anders als die Konkurrenz.

Man darf aber nicht vergessen, dass die Serie schon die Mitte erreicht hatte, als der actionbetonte Sinclair als eigenständige Serie ausgekoppelt wurde. Danach war anders bald nicht mehr gefragt.

Heute wundert es einen, dass Zauberkreis so viele Serien nur im Monatsrhythmus unters Volk brachte. Ob das wirklich so verkaufsfördernd war?

Ich habe mal einen Blick in Bankhofers "Sachbuch" über Okkultismus heute geworfen. Da werden eigentlich nur Spukgeschichten im betont schlichten Stil kurz nacherzählt. Unkommentiert und ohne jede Analyse. Auf seine Weise ist das kompetent gemacht, aber als informatives Sachbuch doch ziemlich schwach.
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#2 Toni 2015-12-08 16:45
Ich habe immer gedacht, dass Occu ein ähnliches Nischenprodukt wie der Geister-Western war, aber die Dinger hatten scheinbar doch mehr mit den gängigen Grusel-Serien zu tun als vermutet. Bankhofers Leserseite (zumindest die 54) liest sich ein wenig wie "Turn mit" für Okkultisten. Mal was anderes...

Schön, dass du die Nr.54 auch noch bringst. Vielleicht schaffe ich es ja auch mal etwas anderes als die "Vampire" zu lesen... Obwohl es hier genug Abwechslung gibt.
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