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Vom Vampyr zum Positronenhirn. Alte phantastische Literatur im Verbrauchertest: Teil 15: Joseph Sheridan Le Fanu: Carmilla (1873)

Vom Vampyr zum Positronenhirn. Alte phantastische Literatur im VerbrauchertestTeil 15:
Joseph Sheridan Le Fanu: Carmilla 
(1873)

Große Werke der phantastischen Literatur müssen nicht unbedingt immer spannend sein. Einige kommen mit erstaunlich wenig Thrill aus – und bestechen durch schöne Sprache und Atmosphäre. Zu dieser Art Phantastik gehört auch der erste bedeutende Vampirroman, der, wie sich herausstellt, dem heutigen Vampir-Mythos viel näher steht als Stokers Dracula.


Joseph Sheridan Le FanuDer Name des Verfassers klingt französisch. Und doch handelt es sich bei La Fanu um einen der bedeutendsten englischsprachigen Verfasser von unheimlicher Literatur. Seine Vorfahren waren Hugenotten, also französische Protestanten und wanderten nach Irland ein.

Das große Verdienst La Fanus war die Wiederbelebung der Gothic-Literatur und der damit verbundenen schaurig-schönen literarischen Schrecknisse. Ohne ihn würde zwischen den großen Horror-Romanen am Anfang des 19. Jahrhunderts und den modernen Gespenstergeschichten eines Arthur Machen eine gewaltige Lücke klaffen. Le Fanu ist schlichtweg der erste große Erneuerer der Gruselgeschichte. Er bereitete die moderne dunkle Phantastik  nicht nur vor – er hinterließ auch drei Meisterwerke: einen umfangreichen Neo-Gothic-Roman (Onkel Silas) eine legendäre Grusel-Kurzgeschichte (Grüner Tee) und den einflussreichen Vampir-Roman Carmilla.

Carmilla ist die erste wirklich große und großartige Vampir-Geschichte der Weltliteratur. Die etwa 90 Seiten lange Story ist schnell erzählt.

Sie spielt – nach guter alter englischer Gothic-Traditon – im deutschsprachigen Raum, genauer gesagt in der Steiermark. Die Ich-Erzählerin, Laura, ein junges Mädchen, lebt mit ihrem verwitweten Vater auf einem einsamen Gut. Sie langweilt sich. Da ereignet sich auf der nahen Straße ein Kutschenunfall. Eine Mutter mit ihrer Tochter wird aus den Trümmern geborgen – die schöne Tochter Carmilla ist etwa im selben Alter wie Laura. Mutter und Tochter sind unverletzt, das Mädchen steht aber unter Schock. Da die Mutter dringend weiterreisen muss, versprechen Laura und ihr Vater, auf Carmilla aufzupassen, bis sie von ihrer Geschäftsreise zurückkehrt. Laura ist begeistert – endlich kommt Abwechslung ihr eintöniges Leben, und schnell freunden sich die beiden Mädchen an. So anziehend Carmilla auch ist – sie hat sonderbare Eigenschaften, sie schreckt z.B. vor christlichen Ritualen zurück und ist einigemale nicht im Haus zu finden, um dann plötzlich aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Auch plagen Laura bald schreckliche Alpträume, in denen ihr von Raubtieren wie riesigen Katzen die Brust aufgerissen wird. Eine dramatische Wende bekommt die Geschichte, als ein befreundeter alter General die Familie besucht, dessen Tochter vor kurzem gestorben ist. Voller Entsetzen erkennt er in Carmilla genau dieselbe Frau, die auch seiner Tochter Gesellschaft leistete, und die kurz nach ihrer Bekanntschaft tödlich erkrankte. Dieses Mädchen, das dann auf unheimliche Weise spurlos verschwand, nannte sich Millarca – ein Anagramm von Carmilla; ohne Zweifel handelt es sich um ein und dieselbe junge Frau! Und auch Laura zeigt erste Anzeichen einer seltsamen Schwäche...

Vollends als Vampirin enttarnt wird Carmilla, als die Ähnlichkeit mit einem alten Porträt der Gräfin Karnstein in der Halle ins Auge fällt – einer uralten entfernten Verwandten, deren Geschlecht auf einem Nachbargut lebte, das jetzt verfallen ist. Der General und der Vater Lauras steigen in die Gruft des alten Karnstein-Anwesens hinab und finden Carmilla im Grab vor – sie töten sie, indem sie ihr einen Holzpfahl durchs Herz schlagen und ihr den Kopf abschlagen.

Die lange Erzählung brachte Le Fanu mit einigen wenigen weiteren Klassikern (u.a. auch Grüner Tee) in einem Sammelband mit dem Titel „In a glass darkly“ unter – das wurde sein literarisches Testament, sein letztes und einflussreichstes Buch. „In a glass darkly“ gehört bis heute zu den großen Würfen der englischsprachigen Gruselliteratur.

Carmilla (Englische Edition)Carmilla konnten einige aufmerksame Freunde des Phantastischen schon etwas früher, 1871 in der Zeitschrift „The dark blue“ als Fortsetzungsabdruck finden. Die Gattung der Vampirgeschichte war damals nicht ganz neu – obwohl man von einer Gattung im heutigen Sinne eigentlich noch nicht sprechen konnte, geschweige denn von einer Manie. Immerhin gab es berühmte Kurz-Geschichten von E.T.A. Hofmann und John Polidori, und der Vampir-Mythenschatz war zumindest informierten Autoren bekannt. Schon hier spielt La Fanu mit gewissen Klischees, die freilich damals noch nicht so ausgeleiert waren – wie dem Holzpfahl, der dem Vampir den Garaus macht. Aber der Tonfall, in dem Le Fanu seinen Lesern vom Vampirunwesen erzählt, suggeriert, dass er glaubte, vielen von ihnen etwas Neues zu vermitteln.

Viel auffälliger als die Gemeinsamkeiten mit späteren Vampir-Klischees sind die Abweichungen davon. So kann Carmilla durchaus bei Tag im Sonnenlicht wandeln. Sie ist auch nicht seelenlos und ausschließlich blutdürstig, sondern ein recht sinnliches, erotisches Wesen. Subtil angedeutet werden auch einige Vampir-Mythen, die heute (fast) vergessen sind – etwa, dass ein Vampir stets ausdrücklich in ein Haus eingeladen werden muss, um es betreten zu können. Verblüffend ist auch das völlige Fehlen des Gleichnispaares Vampir = Fledermaus. Vielmehr wird hier die Katze als das Wandlungstier des Vampirs geschildert.

Warum erscheint uns heute Le Fanus Vampir-Figur gleichzeitig erfrischend modern und irritierend aus der Art geschlagen?

Weil die Literaturwelt jahrzehntelang einfach den Bahnen folgte, die später in Bram Stokers Dracula-Roman (1897) etabliert wurden.

Bram Stoker, der Le Fanus Geschichte kannte und von ihr sehr beeindruckt war, nutzte sie zwar als Vorlage, baute sich aber im Grunde sein eigenes Vampir-Regelwerk auf, das für die Horror-Szene lange ebenso monolithisch und unanfechtbar war wie Tolkiens ästhetische Ideen für die Fantasy-Zunft.

Hier sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der populäre Vampirkult, wie er von 1897 bis in die 1960er Jahre von Literatur und Film betrieben wurde, nur wenige äußerliche Züge mit dem heutigen Vampir-Mythos gemeinsam hat. Stoker prägte das Bild vom bösen, ruhelosen Vampir, der um jeden Preis ausgerottet werden muss wie ein schädliches Insekt, er ist eine Bedrohung des festgefügten viktorianisch-christlichen Weltbildes. Der heutige Vampirtyp, wie er spätestens durch Ann Rices Roman „Interview mit einem Vampir“ (1994) geprägt wurde, ist eher so etwas wie eine ethnische Minderheit, die sich tapfer aus der Dämonen-Schäme-Ecke herausbegeben hat und nun nicht nur positive, sondern sogar erträumenswerte Eigenschaften besitzt (Unsterblichkeit etwa ist weniger ein Fluch als ein Segen.). Superkräfte hatte zwar schon Dracula (er kann z.B. wie eine Fliege an Mauern hinauf- und hinunterklettern), doch die comichaften Hero-Eigenschaften des modernen Vampirs sind Attribute, die den heutigen Vampir für junge Leser nicht zum Gegenstand des Abscheus, sondern im Gegenteil zum Gegenstand der Sehnsucht machen. Eine Vorstellung, die einen Horror-Autor um 1900, gelinde gesagt, befremdet hätte.

Auch das Konzept der Erotik hat sich in der Weiter-Entwiclung des Vampir-Mythos um 180 Grad gedreht.

Zwar gibt es auch in Dracula einige bemerkenswert erotische Details, doch im Grunde agiert Dracula selbst unerotisch und in der Traditon altehrwürdiger Monster. Der Film macht das besonders plastisch klar - bei Murnau in den 1920er Jahren gerinnt die symbolische Vergewaltigung des weiblichen Opfers Nosferatus zu unvergesslichen Schattenspielen des Grauens. Regisseur Coppola musste dem blutsaugenden Monster, um es für das Kinopublikum der 1990er Jahre interessant zu machen, die im Original nicht vorhandene Erotik erst neu auf den Leid schneidern, sogar eine Gegenliebe Minas ist nun plötzlich in seiner Filmversion vorhanden, Draculas Opfer wandelt sich zu einer reinkarnierten früheren Liebe. (Eigentlich, wenn ich so darüber nachdenke, ist das zwar nett überlegt, aber auch ziemlich trashig.) 

Heute ist Erotik ein fester, wenn nicht sogar zentraler Bestandteil der Vampir-Literatur und des Vampir-Films.

Doch Moment – wie passt da Carmilla ins Bild?

Gar nicht – und das macht das Werk so spannend und zeigt, wie zeitlos gute phantastische Literatur sein kann. Dadurch, dass sich Carmilla allen Vampir-Klischees entzieht, wirkt das Buch heute faszinierender als Stokers dickleibiger Brief-Roman. Carmilla vereint höchst moderne, vorausweisende Züge mit einigen uralten, die in den Gothic-Bereich gehören.

Carmilla (Innenillustration)Ironischerweise würde sich also ein Teenager heute mit Stokers Originalroman wohl sehr langweilen, könnte aber mit der 25 Jahre älteren Carmilla-Geschichte wesentlich mehr anfangen.

Denn zunächst ist Carmilla nicht negativ dargestellt. Ihre Vernichtung scheint ein tragischer, bedauerlicher Akt, und Lauras Trauma rühmt am Ende wohl nicht so sehr von der Entdeckung her, dass ihre beste Freundin eine Vampirin gewesen sei, sondern dass sie sie auf so schreckliche Weise verloren hat.

Den lesbischen/homoerotischen Aspekt der Story haben schon viele Literaturkenner zu Recht zwischen den Zeilen des Werks entdeckt – ich kann nur hinzufügen, dass hier eine eigenartig schwerelose, unaufdringliche Erotik vorherrscht, nicht die schwüle, dunkle Sinnlichkeit der Dekadenz der späteren 1890er Jahre. Die Verliebtheit der beiden jungen Frauen wirkt zwar mitunter etwas pathetisch, scheint aber echt zu sein und ist, wie im realen Leben, voller ambivalenter Unterströmungen:   

„Um die Wahrheit zu sagen – ich war mir meiner Gefühle gegenüber der schönen Fremden nicht sicher. Ich fühlte mich, wie sie sagte, zu ihr hingezogen, doch ich spürte auch einen gewissen Widerwillen, wenngleich dieser bei weitem nicht so stark war wie die Anziehung, die sie auf mich ausübte. Sie fesselte und faszinierte mich; wie war so schön...“

„Sie pflegte ihre schönen Arme um meinen Hals zu legen, mich an sich zu ziehen, ihre Wange an die meine zu legen und mir ins Ohr zu flüstern: Liebste, ist dein kleines Herz verwundet?“

Carmilla (bei Diogenes)Besonders gelungen ist die Ich-Perspektive der naiven, aber feinfühligen Laura, und, wie eingangs erwähnt, die sonderbare Atmosphäre des Werks. Man könnte sich fast vorstellen, dass Rod Serling die Geschichte anmoderiert und darauf verweist, dass sie weder in der Realität noch im Märchen zuhause ist, sondern in der „Twillight Zone“. Balancierend zwischen leichtem Grusel und hauchzart verfremdeter Idylle (so als sehe man eine Szenerie durch einen nicht gefährlichen Fieberschleier), gehört der Roman zu den großen Meisterwerken der Phantastik allein schon durch diese Stimmungswelt.

Es ist, als ob Le Fanu die Motive der finsteren Gothic-Autoren der Vergangenheit nicht wie üblich mit starken schwarzen Federstrichen, sondern mit Aquarellfarben wiederholte. Das ist ein Ton, um den sich Stoker bemühte (etwa in den später verworfenen Anfangskapiteln des ersten Entwurfs zu Dracula), der ihm aber nicht gelang. (Dass ihm schließlich etwas anderes, ebenso Beeindruckendes, Fahleres gelang, steht auf einem anderen Blatt).

Merkwürdigerweise haben einige moderne deutsche Übersetzungen sich bemüht, diesen Zauber zu zerstören und das Werk auf ihren Plot zu reduzieren. So streicht Helmut Degner in seiner Übersetzung im Diogenes-Verlag genau da, wo die Stärken der Prosa liegen. Es folgt eine Passage aus einer stimmungsvollen alten Übertragung. In eckigen Klammern sind die Striche der Diogenes-Ausgabe angegeben.

Madame Perrodon, beleibt, in mittleren Jahren und romantisch veranlagt, gab poetische Ergüsse und Seufzer von sich, Mademoiselle De Lafontaine - die echte Tochter eines Deutschen, der, wie es hieß, in der Psychologie und Metaphysik bewandert und selbst so etwas wie ein Mystiker war - erklärte, daß der Mondschein von solcher Intensität spirituellen Vorgängen bekanntlich ungemein förderlich sei.[Die Auswirkungen eines derart gleißenden Vollmondes seien vielfältig.] Er beeinflusse Träume ebenso wie mondsüchtige und nervöse Menschen, und stehe in wunderbarem Zusammenhang mit dem Leben auf der Erde.[ Mademoiselle erzählte, ihr Cousin, Matrose auf einem Handelsschiff, sei in einer Nacht wie dieser auf Deck eingeschlafen, auf dem Rücken liegend, das Gesicht dem Mond zugekehrt, und habe geträumt, eine alte Frau habe sich in seine Wange verkrallt. Als er erwachte, sei sein Gesicht furchtbar verzerrt gewesen, und bis heute habe es sein Ebenmaß nicht ganz zurückgewonnen.
"Der Mond", sagte sie, "hat heute nacht starke odylische und magnetische Kräfte. Sehen Sie nur, wie die Schloßfenster in seinem Silberglanz funkeln und blitzen! Ist es nicht, als hätten unsichtbare Hände die Zimmer für Gäste aus dem Elfenreich erleuchtet?"
Es gibt Augenblicke, in denen wir uns nicht aufraffen können, an einer Unterhaltung teilzunehmen, in denen jedoch die Gespräche anderer unserem trägen Geist wohltun. So sah ich, während ich der angenehm plätschernden Konversation der Damen lauschte, stumm in die Nacht hinaus.]
"Ich bin heute abend wieder einmal recht trübsinnig", sagte mein Vater nach langem Schweigen.

Carmilla (Hörspiel)Von solchen, im Deutschen mitunter leider fehlenden Passagen lebt das Werk – nicht nur Carmilla, sondern das Gesamtwerk Le Fanus. Man sollte ihm wieder mehr Respekt entgegenbringen.

Kleines Kuriosum am Rande – Marc Gruppes inzwischen legendäre Hörspiel-Reihe „Gruselkabinett“ (Titania-Medien) eröffnete 2004 mit „Carmilla“. In dieser ersten Folge waren große Sprecher wie Christian Rode, Daniela Hoffmann und Regina Lemnitz mit von der Partie.

Nächste Folgen:
Friedrich de la Motte Fouqué: Undine (1811) (10. August)
Clark Ashton Smith: Die phantastischen Erzählungen (1926-35) (24. August)

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2015-07-27 10:46
Wie immer ein hervorragender Artikel!

Ich stimme dir zu, was Le Fanus Bedeutung angeht. Ich stimme dir auch zu, dass die damaligen Autoren beim heutigen Vampirbild absolut befremdet wären.

Aber in anderen Dingen muss ich dir widersprechen. Ich habe gerade noch einmal den Dracula als Hörbuch genossen, und was die Mythenauslegung angeht, ist er im Regelwerk nicht weit von Carmilla entfernt. Spätere Autoren haben sich konzeptemäßig immer gerade das genommen, was sie gerade für ihren Vampir brauchten. Falls sie sich überhaupt je an der Literaturvorlage orientierten und nicht gleich an den völlig verwässerten Filmvorlagen. Bei Stoker wandelt Dracula am Tag, muss erst eingeladen werden, kann fließendes Wasser sehr wohl überqueren, wenn auch nur zu bestimmten Zeiten, etc.

Das Element, das wohl am konsequentesten von den Folgegenerationen bei der Vampirthematik rausgeixt wurde, ist die Religion. (Was ein faszinierendes, schwieriges Thema ist, der Konflikt zwischen Protestantismus und Katholizismus im England zur Entstehungszeit. Stoker schwelgt förmlich im katholischen Symbolismus, was in so offensichtlichem Widerspruch zu seinem Umfeld steht. Unser Held Harker sinniert gleich zu Anfang nicht ohne Grund, dass das Kruzifix für ihn als Anglikaner eigentlich etwas Götzendienerisches ist.) Draculas Opfer sind im biblischen Sinn "unrein", und der Kampf um sie ist der Kampf um ihre Seele.

Verständlich und folgerichtig, dass man in der Populärkultur heute damit nicht mehr umgehen kann und will.

In der Tat kann man Dracula nicht erotisch nennen, auch das ist eine Erfindung der Filmemacher. Stoker ist da für die Zeit schon recht eindeutig, wenn er ihn als Vergewaltiger darstellt. Aber schon Murnau hat das grundsätzlich umgekehrt.

Dass Diogenes, ein Verlag, der sich früher immer als das Bollwerk der gehobenen Literatur gab, seine Übersetzungen so massiv bearbeitet hat, entsetzt mich dann doch. Wer hätte das gedacht.

Der Coppola-Dracula gehört zu meinen Hassfilmen. ;-) Seine Bilder sind eine Freude, aus dem Monster einen weinerlichen Abklatsch von Karl Freunds "Die Mumie" zu machen, inklusiv hirnrissiger Inkarnationsgeschichte, ist hingegen nicht trashig, sondern unverzeihlich und zutiefst verlogen.
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#2 Matzekaether 2015-07-27 13:35
@Andreas Decker - Hörst du auch die Audible-Version? Find ich gut gemacht, auch mit den verschiedenen Sprechern, wobei ich Tanja fornaro nicht so mag.
Kann mich erinnern, dass Dracula zwar am Tag existieren kann, aber im Schloß und Innenräumen, aber nicht im direkten sonnelicht, aber vielleicht erinnere ich mich auch falsch, obder irgendein film verwässert die Erinnerung. Ja, das Religiöse ist in der fin-de-siecle-Horrorliteratur ja oft ikonenhaft-überbordend vorhanden, ich erinnere mich an ein Essay über Arthur Machen, wo erwähnt wird, wie dieser Autor, selbst streng religiös, massiv angefriffen wurde, weil er diese christliche symbolik durch heidnische ersetzte. Anscheinend wurde das religöse Brimborium von den Lesern/Kritikern erwartet. Carmilla jedenfalls ist fast frei davon - der religiöse Aspekt wird nur angedeutet.
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#3 Andreas Decker 2015-07-27 15:42
Ja, die Audible-Version mit Spier & Co. Ist recht gut mit den verschiedenen Sprechern, obwohl das bei einem Tagebuchroman ja so auf der Hand liegt. Scheint auch tatsächlich ungekürzt zu sein.

Ich hatte das mit dem Tageslicht auch nur verschwommen in Erinnerung, war aber überrascht, welchen Platz das im Roman einnimmt. Obwohl vorher ein recht kompliziertes Regelwerk aufgestellt wird, damit es funktionieren kann. Da gibt es eine lange Szene, in der die Jäger dem Grafen tagsüber in London eine Falle stellen, die ihn zurück in die Heimat treibt.

Die Filme überlagern die Erinnerung sehr stark. Ich hätte schwören können, dass auch im Roman direkt anfangs die Verbindung Mina und Dracula geknüpft wird, tatsächlich ist es dort ein reiner - zugegeben sehr konstruierter - Zufall, dass Mina in die Sache verwickelt wird.

Verglichen mit LeFanu, Machen und James ist Stoker wirklich das Gegenstück zum heutigen Massenmarktschreiber. Aber viele seiner Romane sind wie bei Doyle faszinierende Momentaufnahmen seiner Epoche. Frankenstein zu lesen ist harte Arbeit, aber wenn man mal das oft pathetische Melodram ignoriert, macht Dracula immer noch Spaß.
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#4 Laurin 2015-07-27 17:04
DRACULA von Stoker habe ich als Taschenbuch ja da, nur bin ich über die Hälfte des Buches nie hinaus gekommen. Diese Brief-Roman-Form ist eben nicht so mein Ding, da greife ich lieber zu den Verfilmungen. CARMILLA von Le Fanu habe ich aber schon mit der Zeit dreimal gelesen. Habe die Story im Taschenbuch DRACULAS TÖCHTER von Pam Keesey. In dem TB wurden ja mehrere Geschichten von nur weiblichen Vampiren zusammen gestellt. CARMILLA hat irgendwie etwas poetisches das einen mitreißen kann, was selbst die anderen Storys in diesem TB nicht hin bekommen, auch wenn sie auch nicht schlecht geschrieben sind. Ich glaube, ich werde mir nach diesem Artikel die Geschichte bald noch mal wieder vornehmen. :-)
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#5 Hermes 2015-07-29 22:11
Wieder ein sehr interessanter Beitrag.

Dickes Lob auch an Matthias für die Artikelserie! Gehört für mich zu den Highlights im ZS.
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#6 Matzekaether 2015-07-30 22:12
Danke, freut mich!
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