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Vom Vampyr zum Positronenhirn. Alte phantastische Literatur im Verbrauchertest: Teil 11: Jules Verne: 20000 Meilen unter den Meeren

Vom Vampyr zum Positronenhirn. Alte phantastische Literatur im VerbrauchertestTeil 11:
Jules Verne: 20000 Meilen unter den Meeren
(1869-70)

„Sollte ich dieses Buch verhauen, wird mich nichts darüber hinwegtrösten können!“ notiert der Vater der modernen Science Fiction 1869.

Jules Verne hat zwar schon einige Bestseller verfasst. Doch dieses Buch hier scheint der größte Wurf seines bisherigen Lebens zu werden.


„Ich bereite eine Reise unter dem Meer  vor...“

20.000 Meilen unter dem Meer (Hartleben-Ausgabe)Nach langem Hin und Her und vielen Experimenten hat der 35jährige Jules Verne seinen Stil und seine Masche gefunden – er will mit dem Verleger Hetzel eine gigantische Heft-Fortsetzungs-Serie kreieren. „Voyages Extraordinaires“, Außergewöhnliche Reisen soll und wird sie heißen. Dabei ist der Phantasie keine Grenze gesetzt, je verrückter die Reisen sind, desto besser. Es soll keinen durchgängigen Serienhelden geben, aber eine Geschichte darf sich auch schon mal über längere Phasen erstrecken (In den späteren Buchausgaben ca. 3 Bände. )
Allerdings gibt’s da einen Haken – der Verlag ist für Jugendliche konzipiert. Er will nicht nur unterhalten, sondern auch belehren. Das große Konzept ist, durch spannende Geschichten mit leichter Hand auch Unmassen von geographischen, historischen, astronomischen und biologischen Fakten zu vermitteln. Lehrbuch plus Spannungsliteratur heißt die neue Formel.
Heute erscheint uns das vielleicht recht zeigefinger-pädagogisch, damals war die Idee neu und zündete.

Jules Verne schien nichts falsch machen zu können. Nach dem Sensationserfolg des Erstlings Fünf Wochen im Ballon (1863) folgten vier Romane in Folge, die heute noch jedem geläufig sind, der sich für Literatur interessiert: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864), Von der Erde zum Mond (1865), Die Abenteuer des Kapitän Hatteras (1866), Die Kinder des Kapitän Grant (1867/1868). Der Erfolg schien nicht mehr steigerbar – und was solle bitte nach Reisen zum Erdmittelpunkt und dem Mond noch kommen? Was an Spannung die fieberhafte Rettungsmission der Grant-Kinder überbieten?

Jules Verne brachte noch ein Thema ins Spiel, das sich anbot – eine Reise unter Wasser in einem U-Boot.

Die Grundzüge der Geschichte sind schnell erzählt: In den 1860er Jahren macht ein Seeungeheuer die Meere unsicher – ein in den Medien vielbesprochenes Phänomen. Der Meeresbiologe Prof. Aronnax wird beauftragt, das Ding zu sichten und zu klassifizieren. Auf der Expedition stellt sich aber bald heraus, dass es sich um ein künstliches Gebilde handelt. Aronnax, sein Diener Conseil und der kanadische Harpunier Ned Land geraten beim Scharmützel ins Wasser und werden vom U-Boot Nautilus aufgesammelt, nachdem sie beinahe ertrunken wären. Der Kapitän des unheimlichen Unterwasserschiffes nennt sich Nemo, zu deutsch Niemand. Er ist ein undurchsichtiger Abenteurer und technisches Genie, das mit der Welt hadert und sich in die Meere zurückgezogen hat. Um das Geheimnis der Erfindung bewahren zu können, betrachtet Nemo seine unfreiwilligen Gäste als Gefangene, die für immer auf dem Schiff leben müssen. Bald bahnt sich ein Konflikt zwischen Ned Land und Aronnax an: Während der Harpunier immer wildere Fluchtpläne schmiedet, entfaltet sich bei Aronnax das schönste Stockholm-Syndrom. Er beginnt seinen Entführer zu verehren, genießt die Gefangenschaft und die damit verbundenen Abenteuer unter Wasser mehr und mehr und verschiebt Fluchtpläne immer weiter. Doch der mysteriöse Kapitän wird ständig finsterer und wohl auch – das wird nur subtil angedeutet – wahnsinnig(er). Schließlich muss auch Prof. Aronnax einräumen, dass es an Selbstmord grenzt, weiter im U-boot zu bleiben. Nachdem die Insassen fast unter dem Eis der Antarktis erstickt wären, manövriert der Kapitän das Schiff freiwillig in den (schon bei E.A.Poe so schön schaurig beschriebenen) Malstrom in der Nähe Norwegens. Fast wie durch ein Wunder können sich die Gefangenen grade noch retten – U-Boot, Mannschaft und Kapitän verschwinden (zumindest in diesem Buch) für  immer im Nichts. Der Name „Nemo“ ist Programm...

Klingt erstmal nach einem richtig guten Buch, und der Plot brachte dem Autor auch großen Ruhm ein, der bis heute, auch verstärkt durch zahlreiche Verfilmungen und Hörspiele, anhält. Entgegen urbaner Legenden bestand der Reiz für die Zeitgenossen aber nicht so sehr in der Einführung eines U-Boots selbst. Die Projekte von Unterwasserfahrzeugen geisterten schon seit Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder durch Zeitschriften und später auch die Massenpresse. Eine U-Boot-Geschichte in der Literatur war 1870, wie Jules Verne auch in einem Interview kurz vor seinem Tode bekräftigte, keine Sensation mehr. Zwei Aspekte elektrisierten die Zeitgenossen im buchstäblichen Sinne weit mehr. Das Boot fuhr nicht nur mit elektrischem Strom, was schon aufregend genug für 1870 war – es bezog diesen Strom auch noch komplett aus dem Meer! Diese Art-Öko-Antrieb war revolutionär in der Literatur und fasziniert noch heute.

Der andere Aufreger war die Figur des Kapitäns, eine völlig neue Mischung aus Abenteurer, Rächer und (leicht) wahnsinnigem Genie. Natürlich kam Nemo nicht ohne Vorbilder aus. Der menschenfeindliche Individualist, der aus seiner Schrulligkeit eine dämonische Kraft macht, um dann am Ende im großen Show-Down unterzugehen – das ist ja eigentlich der Faust-Mythos, neu gewendet ins Moderne. (Faust war lange vor Goethe als Volksbuch populär, und in den 1860er Jahren waren faustische Typen besonders in Frankreich in der Oper Superstars, fast jeder kannte Meyerbeers Robert le Diable oder Gounods Faust.)  Doch vor allem stand ein Mann Pate, ohne den Vernes Käptn kaum denkbar ist: Alexandre Dumas' „Graf von Monte Christo“. Tatsächlich ist Nemo eine Art Monte Christo mit technischen Talenten.

Die Figur selbst ist gar nicht so präsent im Roman, agiert wohldosiert als Spinne im Netz aus dem Hintergrund. Vernes Vision vom mysteriösen Genie war ein zentraler Punkt fürs Gelingen des Buchs, wenn nicht sogar DER Anreiz fürs Schreiben des Romans schlechthin. Überliefert sind heftige briefliche Raufereien mit dem Verleger, der immer wieder versuchte, Verne zu überreden, dem Kapitän mehr Konturen zu geben; er sollte zunächst polnischer Freiheitskämpfer sein, dann ein amerikanischer Yankee, der von gedungenen Südstaatler-Mördern verfolgt wird. Verne weigerte sich standhaft, seinem Helden einen solchen Hintergrund zu verpassen.

Daraus, aus dem Mythischen, Uneindeutigen, bezieht dieser alte, zuweilen extrem geschwätzige Roman immer noch seine unheimliche Kraft.

Jules VerneLeider hat Jules Verne später den Zauber seines großen Romans leichtfertig zerstört, indem er ihn ohne Not fortschrieb. In der halbseidenen Fortsetzung „Die geheimnisvolle Insel“, wo alles, was hier so schön in der Schwebe bleibt, nach Schundromanart „enthüllt“ wird, ist Nemo auf einmal Inder, was nicht zum ersten Roman passt. Zum Beispiel suggierierten die Illustrationen der Erstausgabe einen eher europäischen/nordamerikanischen Mann.  Ganz zu schwiegen von zeitlichen Ungereimtheiten – der Roman spielt merkwürdigerweise VOR den Ereignissen von „20000 Meilen unter dem Meer“, taugt aber nicht als „Episode 1“, weil dann einfach gar nichts mehr stimmt...

Wie auch immer – der "20000 Meilen" wäre ohne die Fortsetzung besser dran – und die Literaturwelt vielleicht auch ohne die „Geheimnisvolle Insel“, einem der schwächsten Bücher Vernes überhaupt.

Aber auch unser berühmter Roman hat von Anfang an Konstruktionsschwächen. Seine zuweilen sehr zähe Schreibweise läßt sich nicht nur auf das Alter des Buchs zurückführen, wie das heute oft bei früher Phantastik behauptet wird aus Gründen, die Tucholsky mal als „Kleinzeitlertum“ bezeichnet hat (Leute halten ihre Epoche für wichtiger und besser als frühere, nur weil sie in ihr geboren wurden, ähnlich wie manche Kleinstädter ihre Stadt aus denselben Gründen für wichtiger halten als alle andren).

Nein, der Roman war in großen Strecken schon langweilig, als er druckfrisch ausgeliefert wurde. Und das hat mit der Gesamtkonzeption der Serie „Außergewöhnliche Reisen“ zu tun. Die Unterwasser-Welt samt Fischen, Mollusken, Inseln, Entdeckern und Meerestemperaturen wird in einer epischen Breite geschildert, die sich, trotz aller Versuche Vernes, sie interessant zu gestalten, doch immer wieder wie Schullektionen ausnehmen und nicht selten papieren wirken. Die Handlungsteile sind oft packend, manch ein Abenteuer, wie ein Hai-Zweikampf oder der Angriff eines Killer-Oktopus sind zwar Meisterstückchen der klassischen Spannungsliteratur, retten aber den Roman insgesamt nicht komplett über den lehrbuchhaften Gestus hinweg.

Deswegen gab es, wie so oft bei Jules-Verne-Romanen, immer wieder Kürzungsversuche und Bearbeitungen. Aber die leiden dann unter oft genauso schlechtem Timing, denn nicht immer wird ein Roman dadurch besser, indem man seine epischen Längen beschneidet. Manchmal wird er dann nur dünnblütiger und asthmatischer.

20.000 Meilen unter dem MeerLesenswert bleibt er trotzdem, auch wegen seiner zeitgebundenen Absonderlichkeiten. Vor allem hat mich bei der neuen Lektüre fasziniert, wie gut schon Mitte des 19. Jahrhunderts  bekannt war, dass eine Überfischung der Meere früher oder später zu einer Aussterbewelle von Tierarten führen wird. Interessanterweise plädiert Nemo – gewiß als Alter Ego Jules Vernes – dafür, „gute“ Tierarten zu schützen, zum Beispiel harmlose oder nützliche Tiere nur mäßig zu jagen und zu fischen, metzelt aber „böse“ Tiere gradezu sadistisch nieder, und zwar so splattermäßig, dass selbst seinem Bewunderer Prof. Aronnax übel davon wird.  So wütet die Nautilus in einem Rudel Pottwale, in einer Manier, die auch Jack the Ripper Spaß gemacht hätte:

Die Nautilus warf sich gegen die Fleischmassen und schnitt sie entzwei, so daß hinter ihm zwei gesonderte Hälften des Tieres zappelten. Die fürchterlichen Schläge der Wal-Schwänze, die trafen, spürte sie nicht; ebenso wenig die Stöße. War ein Pottfisch vernichtet, so drang sie auf einen anderen ein, wendete an der Stelle, daß er ihm nicht entgehe, schoß vorwärts oder zog sich zurück, nach der Weisung seines Steuerers, tauchte unter, wenn sein Gegner die Tiefe suchte, kam wieder mit ihm zur Oberfläche, traf ihn geradeaus oder schräg, zerschnitt oder zerfleischte, und wohin er sich wendete und drehte, mit seinem fürchterlichen Sporn ihn durchbohrend.
Welch Gemetzel! Welches Getöse auf der Oberfläche der Fluten! Welch scharfes Pfeifen und eigentümliches Schnarchen der von Entsetzen ergriffenen Tiere!
Eine ganze Stunde lang dauerte das Blutbad, dem die Wale nicht entrinnen konnten. Einigemal machten zehn bis zwölf zusammen den Versuch, die  Nautilus durch ihre Masse zu zerdrücken. Man sah durchs Fenster ihren ungeheuren, mit Zähnen umzäunten Rachen, ihr fürchterliches Auge. (...)
Endlich lichtete sich die Schar der Gegner; die aufgeregten Wogen wurden wieder ruhig. Ich fühlte, daß wir wieder zur Oberfläche kamen. Die Luke wurde geöffnet, und wir stürzten auf die Plattform.
Das Meer war mit verstümmelten Leichnamen bedeckt. Eine fürchterliche Explosion hätte nicht ärger zerrissen, zerschnitten, zerfetzt, wie hier mit diesen Massen geschehen war. Wir schwammen mitten durch die Riesenkörper mit bläulichem Rücken und weißlichem Bauch. Einige Pottfische flohen voll Entsetzen zum Horizont. Einige Meilen weit waren die Wogen rot gefärbt, und die  Nautilus schwamm durch ein Blutmeer.

Harte Passagen für Tierfreunde! Ein Bewußtsein dafür, dass auch Raubtiere schützenswert seien, gab es anscheinend noch nicht.

20.000 Meilen unter dem Meer (Innenillustration)Interessant ist auch eine weitere Eigenart dieser Jugendbücher – da die Liebe ein kitzliges Thema war, ließ man in diesen Schriften erst gar keine Versuchung aufkommen. Sprich: Frauen spielten keine Rolle. Heute wäre solch eine Plotführung Kassengift. Doch diese aus der Jugendbuchbewegung heraus entstandene Ausblendung des weiblichen Geschlechts mutet heute fast schon wieder originell an. Gar nicht so einfach, Romane von 700 Seiten komplett ohne die andre Hälfte der Spezies  Mensch anzulegen! Der große Einfluß Jules Vernes auf die Abenteuerliteratur der folgenden Jahrzehnte  wird in dieser Hinsicht allerdings verderblich sein – auch bei andern großen Klassikern des Genres wird das weibliche Geschlecht zu einer Art Staffage herabgesetzt. Man denke an Karl May.

Zwar gibt es durchaus ein paar bemerkenswerte Verne-Romane, in denen Frauen eine Hauptrolle haben, die 20000 Meilen sind ein perfektes Beispiel für einen berühmten Abenteuer-Roman, in dem Frauen überhaupt keine Rolle spielen und auch gar nicht zu existieren scheinen, Motivationen, die in irgendeiner Art von Frauen beeinflußt sind, gibt es nicht – im Gegenteil, die intime Symbiose von Herr und Diener, Nemo und Gefolgschaft nehmen schon die latent homoerotische Welt Karl Mays vorweg oder rücken doch (für wen das zu extrem interpretiert ist) das Ganze in eine seltsam künstlich heroische Welt, in der amouröse Tendenzen radikal verdrängt werden. Eine Frau Aronnax gibt es ebenso wenig wie eine Mrs. Land. Der Diener lebt nur für den Herrn, und Nemo nur für sein Schiff. 

Die harte Männerwelt im engen Schiff, umgeben von Fremde und Lebensfeindlichkeit – dies maskuline Setting hatte darüber hinaus fatalen Einfluß auf die SF des 20. Jahrhunderts. Wie viele martialische frauenlose Raumschiffbesatzungen sind der Nautilus-Atmosphäre nachempfunden! (Wobei sich diese Tendenz auch schon im berühmten Moby Dick von Melville knapp 20 Jahre früher ankündigt...)

Ein Artikel über den legendären Kapitän kann nicht enden ohne Exkurs über die Verwirrung, die der sperrige Titel gestiftet hat. Viele Leser (und Filmegucker) glauben bis heute, der Titel beziehe sich auf die Tiefe des Meeres. Zwar macht Nemo im Roman auch einen spektakulären Ausflug in die Tiefsee. Aber zwanzigtausend französische Meilen entsprechen ca. 80.000 Kilometern. So tief ist kein Meer. Gemeint ist die (horizontale) Reiseroute, die das Schiff zurücklegt. Auch das läßt aber stutzen – beträgt doch der Gesamtumfang der Erde am Äquator nur etwa die Hälfte, ca. 10000 Meilen. Es handelt sich also – recht visionär - um die Angabe einer Art Entfernungszählers, der anzeigt, wieviel Meilen die Nautilus innerhalb des Romans zurückgelegt hat.

Warum bei so viel Verwirrung nicht einfach alles umtaufen? „80000 Kilometer unter dem Meer“ klingt doch viel imposanter! Tja, leider hat Verne die Zahl 20000 so berühmt gemacht wie kaum eine andre im fünfstelligen Bereich. Sie ist aus der Kulturgeschichte ebensowenig wegzudenken wie die Zahl 80 im Zusammenhang mit Weltreisen.

20.000 Meilen unter dem Meer - HörbuchEingebürgert in Deutschland hat sich der Titel „20000 Meilen unter dem Meer“. Leider! Denn der Originaltitel ist präziser und verwendet  den Plural: „Vingt mille lieues sous les mers“ also „unter den Meeren“. So lautet der Titel denn auch in den schönen ungekürzten Neuübersetzungen von Martin Schoske (1997) und Volker Dehs (2007).   

Erwähnenswert sind unbedingt noch die herrlichen stimmungsvollen Illustrationen der Erstausgabe – und das ungekürzte Hörbuch bei Audible, liebevoll vorgelesen von Stimmlegende Jürgen Kluckert. Das Hörbuch basiert auf der ersten Übersetzung des Hartleben-Verlags aus dem 19. Jahrhundert, ein Fest für alle Nostalgie-Freaks.

Nächste Folge: Traute Mahn : Der Unheimliche vom Todesschloß (Gespenster-Krimi 2, 1973)

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2015-06-01 10:12
Schöner Artikel.

Ja, die Nautilus. Die "Enterprise" ihrer Zeit. Wenn man bedenkt, dass die Amis ihr erstes Atom-U-Boot so nannten, das unter dem Nordpol hindurchfuhr. Da hat ein Buch schon lange Schatten geworfen.

Ein paar Anmerkungen:

Verne hat es genau richtig gemacht, dass er seinen ominösen Kapitän hier nicht mehr ins Rampenlicht gesetzt hat. Er funktioniert einfach besser so.

So schlecht ist "die Geheimnisvolle Insel" auch nicht. Natürlich ist das Buch pures Wishfulfilment in puncto Männertatkraft und Ingenieurskunst. Die Jungs kommen mit leeren Händen an und züchten am Ende ihren eigenen Tabak, wenn ich mich recht erinnere. Und es ist auch ein Continuity-Albtraum ;-) Aber die Nemo-Geschichte hatte etwas Rührendes. Damals Anfang der 70er, als ich ihn las, hat der Roman als Abenteuer funktioniert. Heute dürfte es aber für junge Leser so überholt sein wie ein Heinlein, der auf dem Mond spielt. Da funktioniert die Nautilus wesentlich besser.

Ich weiß nicht, ob Melville da ein so gutes Beispiel ist. Ich weiß, was du meinst, aber im Vergleich zum futuristischen Verne war Melville reine Gegenwartsliteratur. Und das "keine Frauen an Bord" war sowohl in Melvilles wie auch noch Vernes Kultur völlig selbstverständlich. Das "Kleinzeitlertum" ist gerade heute zu einer ernsthaften Kurzsichtigkeit geworden, was solche Dinge angeht.

Die DDR-Ausgabe hier im Scan habe ich auch noch :-)
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#2 Toni 2015-06-01 18:45
Ein klasse Beitrag!
Mich hat es als Kind nicht gestört, dass keine Frauen an Bord waren. Die wollten eh nur gerettet werden.
Die Stelle mit den Walen muss ich wohl überlesen haben, krasse Sache...
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#3 Matzekaether 2015-06-04 23:00
Danke fürs Feedback wie immer! @ Andreas: Diese Nummer mit den leeren Händen und den Selfmadeleuten, die wüste Inseln urbar machen - das stimmt zwar, aber ich finde dies oft bei Verne varrieirte Thema anderswo stärker, etwa in "Zwei Jahre Ferien" oder "Die Schule der Robinsons"....
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#4 Mainstream 2015-06-04 23:25
-
Ein wunderbar geschriebener, und höchst informativer
Artikel. Herzlichen Dank dafür. Er nimmt etwas vom scheinbar
unumstösslichen Mythos des Jules Verne, ohne diesen
wirklich zu demontieren. Eine unverklärte Betrachtung,
die gerade deshalb Lust darauf macht endlich einmal
diese Klassiker zu lesen.
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#5 Larandil 2015-06-06 12:09
Das allererste U-Boot mit dem Namen "Nautilus" baute der amerikanische Erfinder Robert Fulton für die französische Marine - von 1793 bis 1797.

en.wikipedia.org/wiki/Nautilus_%281800_submarine%29
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