Bullets over Broadway - Gangster und Künstler
Bullets over Broadway
Gangster und Künstler
Zu Woody Allens Steckenpferden zählen zweifellos auch Filme, die in nostalgischen Zeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt sind. Da der Filmemacher ein Faible hat für die Jazzklänge jener Ära, aber auch die anderen Medien dieser Zeit abgöttisch liebt, hat er im Laufe seiner Karriere immer wieder Filme inszeniert, die in den 1930er oder 1940er Jahren angesiedelt waren. Einen frühen Vorstoß markiert seine Mockumentary „Zelig“, in der er selbst einen Verwandlungskünstler in der Frühzeit der Filmindustrie darstellte. Schon kurz darauf folgte der 1935 während der Depression spielende „The Purple Rose of Cairo“, in dem ein Filmstar von der Leinwand direkt hinunter in den Zuschauerraum steigt und auf seinen größten weiblichen Fan trifft. 1987 folgte „Radio Days“, der in den 1940er Jahren spielt und Woody Allens Liebe zum Medium Radio thematisiert, mit dem er seinerzeit in New York aufgewachsen war. Fast ein Jahrzehnt lang widmete sich der Filmemacher dann wieder eher zeitgenössischen Themen, ehe er mit „Bullets over Broadway“ 1994 zurückkehrte in das Goldene Zeitalter des Entertainments. Dieses Mal standen dabei nicht Film oder Radio im Mittelpunkt, sondern die Theaterszene New Yorks, die rund um den Broadway ihr Zuhause hat und als die beste und innovativste der Welt gilt. Allen hat in seinem Film aber nicht nur einen Blick auf die exaltierten und neurotischen Theatermenschen geworfen, die während der Proben- und Aufführungszeiten aneinandergeschweißt sind, sondern beschäftigt sich zugleich auch mit den Mobstern seiner Stadt, den im organisierten Verbrechen zusammengeschlossenen Gangstern, die sich durch ihren Einfluss auch ein Mitspracherecht im Entertainmentbereich erkaufen.
Der aufstrebende Nachwuchsautor David Shayne (John Cusack) hat mit „God of Our Fathers“ ein neues Bühnenstück geschrieben, das er nun auch selbst am Broadway inszenieren möchte. Da es seinem Agenten Julian Marx (Jack Warden) gelingt, von Mafiaboss Nick Valenti (Joe Viterelli) eine ordentliche Finanzspritze für die Produktion des Stücks klarzumachen, geht dieser Wunsch in Erfüllung. Valenti knüpft an seine finanzielle Unterstützung allerdings eine Bedingung: seine junge Geliebte Olive Neal (Jennifer Tilly) soll eine Rolle im Stück bekommen. Olive ist zwar hoffnungslos untalentiert und hat eine furchtbare Kieksstimme, aber Shayne lässt sich auf den Deal ein, um seinen eigenen Traum zu realisieren. Immerhin gelingt es ihm, die Diva Helen Sinclair (Dianne Wiest) und den renommierten Warner Purcell (Jim Broadbent) für die Hauptrollen zu engagieren. Deren Namen dürften nach wie vor etliche Besucher ins Theater locken. Da verschmerzt Shayne auch die dunklen Nebeneffekte, dass Sinclair eine astreine Alkoholikerin ist und Purcell ununterbrochenen isst, weswegen sein Leibesumfang schon während der Proben gewaltig zunimmt. Damit keiner Olive zu nahe kommt, schickt Valenti den Aufpasser und Bodyguard Cheech (Chazz Palminteri) mit ins Theater. Der beobachtet das Einstudieren sehr genau und hat bald eigene Ideen, wie man die Figuren vielschichtiger und die Geschichte spannender gestalten könnte.
Woody Allen at his best! Der geniale Filmemacher taucht diesmal nicht selbst in seinem Film auf, hat dafür aber John Cusack die Rolle eines jungen Alter Egos auf den Leib geschrieben, die dieser mit Bravour meistert. Wer Allen kennt, wird in Cusacks Darstellung immer wieder Nuancen entdecken, die an den Regisseur und dessen Marotten erinnern. Schauspielerisch wird hier generell wieder einiges geboten, bis in die Nebenrollen ist der Film überragend besetzt. So verwundert es nicht, dass nicht nur Dianne Wiest mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, sondern auch Chazz Palminteri und Jennifer Tilly für den wichtigen Filmpreis nominiert waren. Die glänzenden Dialoge (von Allen gemeinsam mit dem Komiker Douglas McGrath verfasst, ebenfalls Oscar-nominiert) machen allerdings am meisten Spaß, wenn sie von Dianne Wiest interpretiert werden. Nachdem der Film 2013 in einer Woody-Allen-Collection erstmals auf BluRay veröffentlicht worden war, ist er nun bei OneGate zum ersten Mal alleine auf BluRay im Handel erhältlich. Das Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) ist okay, aber nicht überragend scharf ausgefallen. Auch der Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Stereo) könnte besser sein, insbesondere zu Beginn klingt die deutsche Synchronfassung doch etwas rauschend. Auf Bonusmaterial hat man komplett verzichtet.



