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Geschichten von Reisenden - »Zwischen den Flügen«

Zwischen den FlügenGeschichten von Reisenden
»Zwischen den Flügen«

Im Jahr 1972 entstand für das ZDF eine Anthologienserie unter dem Titel „Zwischen den Flügen“, für deren Drehbücher man den Erfolgsautoren Horst Pillau („Der Kaiser vom Alexanderplatz“, „Dalli Dalli“) beauftragt hatte. Eine weise Entscheidung, denn schließlich war Pillau zu diesem Zeitpunkt bereits seit 16 Jahren leidenschaftlicher Hobbypilot und nicht zuletzt deswegen mit dem Metier bestens vertraut.

Zwischen den Flügen„Zwischen den Flügen“ ist eine insofern ungewöhnliche Serie rund ums Fliegen, Flugzeuge und Urlaube, als dass sie die Zuschauer kaum in fremde, exotische Länder entführt, sondern überwiegend in Deutschland und auf den größten Flughäfen hierzulande verweilt. Anders als in Urlaubsserien der 1980er und 1990er Jahre, wie „Schöne Ferien“ (1985) mit Simone Rethel, Claudia Rieschel und Sigmar Solbach oder „Glückliche Reise“ (1992-1993) mit Juraj Kukura, Conny Glogger und Volker Brandt, dreht es sich in Horst Pillaus Anthologienserie nicht um die Erlebnisse einer wiederkehrenden Flugcrew, die von der Kamera zu immer wieder anderen malerischen Urlaubszielen begleitet wird. Stattdessen wechseln die Protagonisten von Episode zu Episode, und die von Helmut Förnbacher („Großstadtrevier“, „Heimatgeschichten“) inszenierten Folgen spielen überwiegend in den Abflughallen, im Tower und am Boden, und kreisen dabei um die persönlichen und immer wieder komplett anderen Schicksale der Reisenden und gelegentlich Piloten, denen sich die Serie mit teilweise semi-dokumentarischem Anstrich und dementsprechend hohem Realitätsgehalt widmet.

Zwischen den FlügenDie erste Folge „Ein Wiedersehen“ beschäftigt sich mit den Film- und Fernsehstars Tom Hartmann (Götz George) und Iris Martin (die damalige George-Gattin Loni von Friedl), die zwar miteinander verheiratet sind, sich aufgrund ihrer vielen Engagements an den unterschiedlichsten Orten aber kaum sehen können. Höchstens mal am Flughafen, wenn sie beide auf der Durchreise sind und sich im Wartebereich zufällig begegnen. Doch auch ihre Künstleragenten (Wolfgang Kieling und Margot Hielscher) nutzen den Zwischenstopp, um mit ihren Klienten über neue Verträge und Verpflichtungen zu verhandeln. Andere Geschichten sind passionierten Hobbypiloten gewidmet, die Geschäftspartner trotz widriger Wetterbedingungen durch die Lüfte kutschieren (Wolfgang Völz in „Ein Pilot mit Erfahrung“), oder damit drohen, ihr Flugzeug in einer Menschenansammlung abstürzen zu lassen, wenn sie nicht Freundin und Job zurückerlangen (Regisseur Förnbacher selbst in der Folge „Die Drohung“). Jede Episode hält zumeist vollkommen andere Handlungen für die Zuschauer parat, denn es geht darüber hinaus auch um die illegale Flucht aus einem Ostblockstaat („Alexander kommt“), die Vorurteile gegenüber Menschen mit Contergan-Schädigung („Eltern und Kinder“) oder die Hürden, die es zu meistern gilt, wenn man als junger Mensch die Pilotenausbildung absolvieren möchte („Prüfungen“).

Zwischen den FlügenGenau diese Vielfältigkeit der Geschichten zeichnet die Serie „Zwischen den Flügen“ auch heute noch aus, zumal sich Horst Pillau stets bemüht hat, seine Bücher nah an der Alltagsrealität zu schreiben und dabei auch des Öfteren auf tatsächliche Vorkommnisse zurückgegriffen hat. Dies ist sogar bei der Folge „Magische Botschaft“ der Fall, die mit für eine deutsche Vorabendserie beeindruckenden On-Location-Aufnahmen in New York aufwarten kann und ansonsten eine Story entspinnt, die man wohl kaum für möglich gehalten hätte. Alle weiteren Episoden sind nah dran am realistisch gezeichneten Leben ihrer Protagonisten und geben uns heute, rund 50 Jahre nach der Produktion, darüber hinaus auch noch interessante Einblicke in den Betrieb auf deutschen Flughäfen (u.a. wurde in Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin gedreht), der uns heute in weiten Teilen nur noch naiv und unbeholfen anmuten kann. Die DVD-Erstveröffentlichung der dreizehn Folgen mit einer Laufzeit von je 25 Minuten erfolgt auf zwei DVDs in der Reihe „Pidax Serien-Klassiker“. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist okay, wenngleich mitunter doch recht grobkörnig und auch noch mit einigen Verunreinigungen. Der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist stets gut zu verstehen und nicht weiter zu beanstanden. Als Extras enthält die Box ein vierseitiges Booklet mit einem aktuellen Kurzinterview mit Autor Horst Pillau sowie das Drehbuch zur Folge „Eltern und Kinder“ als PDF-Datei (58 Seiten) im DVD-Rom-Teil der Scheibe.

Kommentare  

#1 Cartwing 2021-03-01 21:38
Immer wieder interessant, welche kleinen Schätze du hier zu Tage förderst.

Man meint immer, man hätte in seiner Kindheit alles gesehen, aber vieles hat man dann doch eher übersehen.
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