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Eine Frau mit Prinzipien - »Die Journalistin«

Die JournalistinEine Frau mit Prinzipien
»Die Journalistin«

Die Karriere von Marianne Koch, die im nächsten Jahr 90 Jahre alt wird, ist so beeindruckend wie vielfältig. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde sie zunächst eine beliebte Schauspielerin im deutschen Film, um schon kurz danach auch in englischsprachigen Produktionen neben Stars wie Gregory Peck, George Nader oder June Allyson vor der Kamera zu stehen. 1970 übernahm sie die Titelrolle in der deutschen Fernsehserie „Die Journalistin“, um sich schon kurz darauf von ihrer Schauspielkarriere zu verabschieden.

Die JournalistinDenn 1971 nahm Marianne Koch ihr Medizinstudium wieder auf, das sie zwei Jahrzehnte zuvor aufgrund ihrer Bühnenlaufbahn unterbrochen hatte. Sie promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität mit „summa cum laude“ und widmete sich anschließend bis 1997 in ihrer eigenen Praxis als Internistin den Problemen ihrer Patienten. Nach ihrer erfolgreichen Laufbahn als Ärztin schrieb Dr. Marianne Koch einige publikumswirksame Medizin-Bestseller wie „Mein Gesundheitsbuch“, „Tief einatmen – Eine Entdeckungsreise in den Körper“ oder „Das Vorsorgebuch“. Dass in der Reihe „Pidax Serien-Klassiker“ mit „Die Journalistin“ nun die letzte größere Schauspielrolle Marianne Kochs wieder zugänglich gemacht wird, ist deswegen gleich mehrfach interessant. Denn neben dieser Schlüsselrolle in der Karriere Kochs ist die Serie heute insbesondere aufgrund ihrer zeitgeschichtlichen Einblicke interessant, denn Regisseur Georg Tressler („Die Halbstarken“) hat in seine Arbeiten stets einen dokumentarischen Blick einfließen lassen, der in der Retrospektive nun viel über die damalige Zeit auszusagen versteht.

Die JournalistinEigentlich hat Renate Albrecht (Marianne Koch) genug von ihrer Tätigkeit als Journalistin für die wöchentliche Illustrierte „Prisma“, denn es ist schon allzu oft vorgekommen, dass ihre mühsam recherchierten und geschriebenen Artikel am Ende ungedruckt in der Schublade versauerten. Doch Chefredakteur Becker (Wolfram Schaerf) und Albrechts unmittelbarer Vorgesetzter Konrad Schmitt-Hansen (Bruce Low) wissen nur allzu gut, was sie an der tüchtigen und charmanten Mitarbeiterin haben, weswegen sie alles daransetzen, diese nicht zu verlieren. Neu ins Redaktionsteam kommt der Fotograf Pit Schaffer (Horst Frank), der ebenfalls einen großen Dickkopf hat und sich mit Renate bald gewaltig kabbelt. Dennoch verstehen sich die beiden gut und können sich professionell und menschlich ergänzen. Renates Job bringt sie mit den unterschiedlichsten Menschen und Themen in Kontakt, und sie hat schließlich sehr freie Hand darin, ein spannendes Sujet zu entdecken und für die Leser von „Prisma“ aufzubereiten. So berichtet sie von einem Rentner (Camillo Gadiel), an den vom Staat unmenschliche Forderungen gestellt werden, von einem jungen Formel-1-Rennfahrer (Thomas Astan), der sich reichlich überheblich gebärdet, oder von einem ebensolchen holländischen Rockstar (Willem Nijholt). Auf Sizilien geraten sie und Pit Schaffer in die Auseinandersetzungen zweier befeindeter Familien, und eines Tages liegt plötzlich ein ausgesetztes Baby in Renates Cabrio…

Die Journalistin„Frauen im Beruf sind immer so ungeheuer ehrgeizig“, sagt Vorzeige-Macho Horst Frank gleich zu Beginn der Serie und gibt damit die Richtung vor, wie die Gesellschaft zu Beginn der 1970er Jahre noch in weiten Teilen gestrickt war. Aber es wird ein Wandel ersichtlich, und die emanzipierte Journalistin kann in ihrer Perfektion schnell für viele Frauen der Entstehungszeit zum Vorbild werden. Zeichen der Zeit werden beispielsweise auch in der Folge „Ein Sohn für Renate“ deutlich, wenn Teile der Story um ein hippiemäßiges Happening kreisen, in dem sich die Jugend von der Elterngeneration abzugrenzen versucht. Da die einzelnen Episoden von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden, sind sie qualitativ auch recht unterschiedlich geraten. Überaus spannende Folgen („Gesetz ohne Gnade“ und „Ein Unfall wie tausend andere“) wechseln sich mit eher drögen Geschichten („Eskapaden in Seefeld“ oder „Interview in Amsterdam“) ab. Trotzdem ist „Die Journalistin“ auch heute noch interessant und auch aufgrund der Besetzung sehenswert. Die DVD-Erstveröffentlichung der dreizehnteiligen Serie (45 Minuten pro Episode) erfolgt auf vier DVDs, bei der das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) exzellent vom Filmmaterial digitalisiert wurde und eine hervorragende Schärfe aufweist, die Farben sind allerdings ein wenig verblasst. Der Ton (Deutsch in Dolby Digital 2.0 Stereo) ist stets gut zu verstehen und nicht zu beanstanden. Extras sind keine vorhanden.

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