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Das Ende des Frontier-Bataillons - Leseprobe »Die Texas Rangers«

Die Texas Rangers: Die legendärste Polizeitruppe der WeltDas Ende des Frontier-Bataillons
Leseprobe »Die Texas Rangers«

„Gegen Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten die Rangers normalerweise in relativ kleinen Einheiten, manchmal wurden sie nur zeitweilig in bestimmten Gebieten ernannt. Sie operierten von festen Camps aus und führten Erkundungsritte gruppenweise durch, häufig unterstützt durch Helfer und Führer aus der Bevölkerung des Einsatzraums ... Generell war es so, dass die Rangers in rationaler Art und Weise mit anderen Gesetzeshütern zusammenwirkten und mit der Bevölkerung gut auskamen.

Dietmar KueglerGenerell war es so, dass die Rangers in rationaler Art und Weise mit anderen Gesetzeshütern zusammenwirkten und mit der Bevölkerung gut auskamen.
Oft überreichten Bürger einzelnen Rangers anerkennende Geschenke, wenn sie in fairer Weise mit örtlichen Sheriffs und Marshals zusammengearbeitet hatten ...
Viele Männer taten nur kurze Zeit Dienst. Freiwillige in den Spezial-Kompanien wurden immer nur solange verpflichtet, bis der jeweilige Einsatz beendet war. Auch die regulären Rangers konnten jederzeit mit einer kurzen schriftlichen Notiz ihren Dienst quittieren. Viele waren nur wenige Wochen oder Monate für die Rangers tätig, kehrten aber stets zurück, wenn sie gebraucht wurden. Die Texas Rangers hatten immer einen Überfluss an Bewerbern und konnten bei der Einstellung von Rekruten wählerisch sein.
Die Bezahlung betrug nur um die 40 Dollar im Monat, nebst Rationen, aber der Dienst hatte ein bemerkenswert hohes Ansehen, versprach Abenteuer und Ruhm.
Die Männer einer Kompanie akzeptierten noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass sie sich mit eigenen Pferden und Sätteln, sowie Decken und Revolvern ausrüsten mussten. Der Staat stellte Karabiner und Munition und zahlte 100 Dollar für ein Pferd, das im Dienst getötet wurde. ...
Operierten sie weitab von ihren Camps in kleinen Gruppen, demonstrierten die Rangers immer wieder höchste persönliche Initiative und Gewandtheit. Ihr Bild wandelte sich auch über mehrere Jahrzehnte hinweg nur wenig.“

Frank R. PrasselI, The Western Peace Officer, 1972

Das Frontier-Bataillon war bei seiner Gründung nicht als Polizei konzipiert gewesen. Daran sollte diese erfolgreiche und angesehene Truppe scheitern.

In dem Gesetz, das die Grundlage des Frontier-Bataillons gewesen war, hatte es geheißen:

„Jeder Offizier des Bataillons erhält die Befugnisse eines Gesetzesbeamten und es gehört zu seinen Pflichten, alle kriminellen Vergehen, die ihm zur Kenntnis gebracht werden, zu verfolgen und Verhaftungen mit Haftbefehlen – ob Einzelpersonen oder Gruppen – in jedem dieser Fälle vorzunehmen, bei denen offen gegen die Gesetze des Staates verstoßen wird.“

Die Offiziere hatten diese Befugnis - nicht die einzelnen Rangers. Dieser Formfehler, der dem texanischen Parlament 1874 unterlaufen war, führte dazu, dass zunehmend Anwälte mit Erfolg Mitglieder des Frontier-Bataillons wegen unrechtmäßiger Verhaftungen, Freiheitsberaubungen und Amtsanmaßungen verklagten. Eine Prüfung durch den texanischen Generalstaatsanwalt ergab, dass die Angehörigen des Frontier-Bataillons tatsächlich mehr als 25 Jahre lang ihre effektive Arbeit ohne umfassende Rechtsgrundlage ausgeführt hatten.

Am 26. Mai 1900 wurde das Frontier-Bataillon aufgelöst, eine Reform der Texas Rangers wurde eingeleitet.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hatten die Rangers das Grenzland von Texas, besonders die raue Big-Bend-Region, in der sich seit jeher Banditenverstecke befunden hatten, nachhaltig gesäubert. Dabei waren sie, besonders in den letzten Jahren des Jahrhunderts, stets unterbesetzt gewesen. Dieser Mangel an Mitteln, mehr Männer einzustellen, war die Ursache dafür, dass es keine dauerhafte Unterdrückung der Kriminalität in Texas gab, die allein durch die lange Grenze hier stets besonders virulent war. So gelangen den Rangers zwar immer wieder im Einzelfall große Erfolge, aber wenn sie den Flächenbrand der Kriminalität an einer Stelle austraten, flackerte er an einem anderen Ort wieder auf.

Captain Frank Jones schrieb 1893, als er ins El Paso County geschickt wurde, an seine Vorgesetzten:

„Ich hoffe, ich werde mir mehr als 4 Männer zu Hilfe nehmen können ... Zu der Bande, die hier für so viel Ärger sorgt, müssen wohl 50 Männer gehören, und sie sind gut organisiert.“

Wenig später war Jones tot. Ihm waren nur 5 Rangers zugeteilt worden. Als er versuchte, zwei mexikanische Banditen, die sich auf Pirate Island aufhielten, einer Art exterritorialem Gebiet, in dem sich ganze Scharen von Grenzbanditen verkrochen hatten, zu verhaften, wurde er von einem Kugelhagel empfangen. Dabei wurde Jones tödlich getroffen.

Mit dem Jahrhundert der Frontier endete auch die Existenz des Frontier-Bataillons, eine Bezeichnung, die ohnehin nicht mehr zutraf. Die Geschichte der Texas Rangers aber endete nicht: Sie hatten mitgeholfen, in einem Wildnis-Staat Rechtssicherheit herzustellen. Nun
musste sich - wieder einmal in der langen Geschichte der Rangers - ihre Organisationsform ändern. Nachdem sie seit über 25 Jahren als Polizisten arbeiteten, ohne so genannt zu werden, sollten sie es jetzt auch offiziell werden.

DIE TEXAS RANGERS
Die legendärste Polizeitruppe der Welt
von Dietmar Kuegler
244 Seiten.
s/w- und farbige Illustrationen.
Gebunden. 35,-- Euro
SEMITARIUS-VERLAG

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