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Das große Krabbeln - »Die Wiese – Ein Paradies nebenan«

Die Wiese – Ein Paradies nebenanDas große Krabbeln
»Die Wiese – Ein Paradies nebenan«

Jan Haft ist derzeit einer der umtriebigsten und erfolgreichsten deutschen Naturfilmer. Als veritabler Nachfolger von Heinz Sielmann hat er mit seinen Kinofilmen „Das grüne Wunder – Unser Wald“, „Die Nordsee – Unser Meer“ oder „Magie der Moore“ interessante Einblicke in die uns in Deutschland unmittelbar umgebende Natur geliefert. Nun erweitert er dieses Portfolio durch die Dokumentation „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“.  

Die Wiese – Ein Paradies nebenanAuf den ersten Blick fragt man sich vielleicht, was an einer Wiese denn schon so besonders sein kann. Viele von uns sind mit den verwilderten Grünflecken in der näheren Umgebung aufgewachsen, in der sich kein Mensch um die Bewirtschaftung kümmerte und Fauna und Flora gedeihen konnten, wie es ihnen gefiel. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Auch, wenn es heute noch rund 6,5 Millionen Hektar Wiesen in Deutschland gibt, wie Jan Haft in seinem Film anführt, ist das nur noch ein Bruchteil dessen, was es einst war. In Zeiten der zunehmend in den Mittelpunkt rückenden Rentabilität lässt kaum mehr ein Bauer seine Flächen einfach brachliegen. Selbst Wiesen dienen der Gewinnmaximierung, weil sie geerntet und das Heu als Futtermittel verkauft wird. Um das immer lukrativer zu machen, arbeitet man mit Wagenladungen an Fäkaldünger, der den Artenreichtum jedoch im Keim erstickt und nur noch den robustesten Vertretern (wie beispielsweise dem Löwenzahn) ein Überleben ermöglicht.

Die Wiese – Ein Paradies nebenanJan Haft zeigt uns in seinem Film zunächst eine deutsche Wiese, wie sie im bestmöglichen Fall aussehen kann. Er schildert darin das Leben des vom Aussterben bedrohten Brachvogels, verfolgt mit der Kamera die Geburt zweier Rehkitze und zeigt uns in Folge auch deren Aufwachsen, das überwiegend in der Wiese und nicht im Wald stattfindet. Seltene Pflanzenarten, die man in Deutschland kaum für möglich gehalten hätte, wie der Fliegen-Ragwurz und der Hummel-Ragwurz, beides Orchideengewächse, versetzen den Zuschauer genauso in Erstaunen wie eine Krabbenspinne, die sich gut getarnt durch Blütenblätter auf Raubzug befindet. Selbst ein einstmals so häufiger Vertreter wie die Feldlerche ist in ihrem Bestand gefährdet, da sie ihre Nester auf dem Boden einer Wiese anlegt, wo sie vor Raubvögeln geschützt sind, andererseits aber auch Freiräume bestehen, die bei dichten Löwenzahnwiesen nicht mehr gegeben sind. Jan Hafts Film orientiert sich grob an den Jahreszeiten, beginnt im Frühling und endet im Winter, verlagert seinen Schwerpunkt im Laufe der anderthalb Stunden aber zusehends auch auf die Veränderungen, die hierzulande mit Wiesenlandschaften vonstattengegangen sind. Immer wieder wird der Bezug zur menschlichen Bewirtschaftung hergestellt, und wie die kapitalistischen Bestrebungen der Artenvielfalt schaden.

Die Wiese – Ein Paradies nebenanMan braucht also nicht bis zu den Regenwäldern des Amazonas-Gebiets gehen, um festzustellen, dass Monokulturen die Vielfalt von Pflanzen und Tieren nachhaltig einschränken und schließlich sogar zum Aussterben ganzer Arten führen. Jan Hafts Film geht eine gelungene Mischung aus beeindruckenden Naturaufnahmen und Denkanstößen ein, die im Erzähltext vermittelt werden. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf das Ankreiden von Missständen, sondern zeigt auch Lösungsstrategien, mit denen man diesem fatalen Trend entgegenwirken kann. Ein interessantes Dokument für Naturliebhaber und ein wunderbar bebildertes Plädoyer gegen Profitstreben und für das Leben im Einklang mit einer naturbelassenen Umwelt. Die BluRay-Erstveröffentlichung, die ab 11. Oktober 2019 erhältlich ist, präsentiert den Film in einem sehr guten HD-Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) und mit adäquatem Sound (im DTS HD Master Audio 5.1, optional gibt es im DTS HD Master Audio 2.0 eine Tonspur der Effekte und Musik ohne den Sprechertext). Als Extras enthält die Veröffentlichung ein sechzehnseitiges Booklet (mit Hintergrundinformationen zur Produktion und einem gedruckten Interview mit den Machern) sowie auf der Scheibe selbst Interviews mit Jan Haft (5 Minuten), Melanie Haft (1 Minute), beiden zusammen (4 Minuten), sechs kurze Clips unter dem Titel „Auf einen Kaffee mit Melanie und Jan Haft“ (zusammen ca. 7 Minuten) sowie zwei deutsche Kinotrailer zum Film.

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