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Good Bye, New York - Leseprobe Jerry Cotton Band 3000

1Good Bye, New York
Leseprobe Jerry Cotton Band 3000

Den Mann an der Stirnseite des Tisches kannte jeder FBI-Agent, obwohl die wenigsten ihn während ihrer Laufbahn je zu Gesicht bekommen. Es war Director James E. Fuller – unser oberster Chef.

Zu seiner Linken saßen drei Herren, die ich nicht kannte. Aber auf dem Weg zum Tisch raunte Mr High Phil und mir zu, dass dies die Chefs der anderen drei Field Operation Sections wären.


Good Bye New York„Willkommen, Assistant Director High. Vielen Dank, dass Sie es so schnell möglich machen konnte“, begrüßte Director Fuller unseren Chef. „Special Agents…“ Damit waren wohl Phil und ich gemeint.

„Kein Problem, Director Fuller. Selbstverständlich sind wir sofort gekommen.“

Mit einer kurzen Handbewegung forderte der Director uns auf, den drei Herren gegenüber an der Längsseite des Tisches Platz zu nehmen.

„Darf ich vorstellen“, begann Director Fuller nachdem wir saßen. „Assistant Director Segal, Field Operation Section Midwest, Asssitant Director Sheckley, Field Operation Section Mountain und Assistant Director Gardner, Field Operation Section Pazific.“

Wir nickten unisono den drei Herren zu und warteten ab. Mr High blickte den Director fragend an.

„Ja, Sie vermissen Assistant Director Homer“, fuhr Fuller fort, „und genau das ist unser Problem, denn wir vermissen ihn auch.“

Jetzt blickten wir drei den Chef des FBI erstaunt an.

Director Fuller griff zu einem dünnen Aktenhefter, in dem sich eine Reihe von Computerausdrucken befand.

„Ich bringe Sie kurz auf den Stand unseres Wissens,“ begann Director Fuller. „Vor einer Woche, exakt am 30.6., stellte Assistant Director Homer einen Dienstreiseantrag nach Jackson, Mississippi, um einen Termin in dem dortigen Field Office wahrzunehmen. Er trat diese Reise einen Tag später, am 1.7 an. Er nahm den Linienflug AA601 mit American Airlines vom Dulles Flughafen. Abflug 11.45, Ankunft in Jackson 16.00.“ Fuller blickte in die Runde. „Und bevor Sie nachfragen: Er war definitiv an Bord der Maschine.“

Trotzdem schauten Phil und ich uns fragend an. Mr High schien äußerlich völlig ungerührt.

„Nach 16.00 Uhr am 1. Juli gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm, nur ein Hinweis aus dem Field Office in Little Rock, Arkansas, dass sich Edward G. Homer bei ihnen telefonisch für den 3. Juli angemeldet hätte. Das Field Office hielt daraufhin Rücksprache mit Assistant Director Segal, der ja der zuständige Leiter der Field Operation Section Midwest ist. Eine Kontaktaufnahme mit Assistant Director Homer war bislang nicht möglich. Die üblichen Nachforschungen des Field Office vor Ort haben auch zu keinem Ergebnis geführt…“

„Denken Sie an einer Entführung?“, platze ich betroffen in die Ausführungen des Directors.

Fuller hob eine Augenbraue, kommentierte meine Unverschämtheit aber nicht. Er dachte einen Moment nach und meinte dann: „Bis jetzt haben wir keine Hinweise darauf, aber wir haben auch keine Hinweise auf irgendein Verbrechen, einen Unfall oder…“ Der Chef des FBI führte den Satz nicht zu Ende.

„Das glauben Sie nicht wirklich, Director Fuller“, meldete sich Mr High zu Wort.

Ich schaute Phil an und hatte keine Ahnung, was Mr High damit andeuten wollte. Anscheinend wussten alle anderen, was damit gemeint war, nur wir beide standen auf dem Schlauch, wie ich dem Schulterzucken meines Partner unschwer entnehmen konnte.

Sheckley von der Field Operation Section Mountain übernahm es, Mr High zu antworten. „Nun, man kann den Leiter einer Field Operation Section schon als hochkarätigen Geheimnisträger einstufen. Er verfügt über ein Wissen, dass in bestimmten Kreisen ein Vermögen wert ist. Diese Kreise sind auch bereit, ein Vermögen zu zahlen, um an diese Informationen heranzukommen und möglicherweise, ich betone möglicherweise, bewahrheitet sich wieder einmal, dass jeder seinen Preis hat.“

Unser Chef schaute den Kollegen auf der anderen Seite des Tisches entgeistert an. „Das glauben Sie doch nicht wirklich.“

Es erfolgte keine Reaktion.

„Ich kenne Assistant Director Homer nun schon ziemlich lange und wenn ich für jemanden die Hand ins Feuer legen müsste, dann für ihn. Er ist…“

Director Fuller hob beschwichtigend die Hände. „Natürlich ist es bei uns genauso, aber Sie wissen so gut wie ich, dass wir bei unseren Nachforschungen keine Möglichkeit außer Acht lassen dürfen.“

Betroffen nickten wir drei aus New York etwas unwillig. Er hatte recht, leider hatte das unsere Berufspraxis immer wieder gezeigt. Trotzdem konnte auch ich nicht daran glauben.

„Nun“, fuhr Fuller fort, „wenn der Leiter einer Field Operation Section verschwindet können wir nicht untätig herumsitzen, oder die Sache den Agents vor Ort, vielleicht sogar den dortigen Polizeikräften, überlassen. Wir müssen handeln. Assistant Director Homer hat Sie, Assistant Director High, immer in den höchsten Tönen gelobt und als Leiter des größten Field Office in den USA ist es keine Frage, dass wir Ihnen die Leitung der Field Operation Section East anvertrauen,“ dabei lächelte er Mr High an und erklärte fast wie zur Beruhigung, „natürlich nur kommissarisch bis Assistant Director Homer wieder seinen Dienst versehen kann.“

Mr High nickte zur Bestätigung.

„Wir wollen die Sache mit dem Verschwinden eines Leiter einer Field Operation Section solange es nur geht, beziehungsweise bis wir irgendeine Gewissheit haben, unter dem Deckel halten, auch damit uns die Homeland Security nicht auf den Pelz rückt. Bis jetzt ist das eine interne FBI-Angelegenheit, ist das klar, meine Herren?“ Dabei schaute er mich und Phil mit einem so kalten Blick an, als ob wir potentielle Verräter wären.

„Selbstverständlich, Sir“, befleißigten wir uns sofort zu versichern.  

„Sie haben einen Stellvertreter, der innerhalb von 24 Stunden die Geschäfte in New York übernehmen kann?“ Es klang wie eine Frage, erweckte aber nicht den Anschein, eine zu sein.

„Kein Problem, Sir“, gab Mr High zurück.

„Gut, dann erwarte ich Sie morgen zur gleichen Zeit hier in Ihrem neuen Büro.“

Automatisch schob ich meinen Stuhl nach hinten und wollte aufstehen, da die Sache für mich durchgestanden schien.

„Agents.“

Die schneidende Stimme des Directors nagelte mich auf meinem Stuhl fest. Inzwischen war mir klar, warum dieser Mann das FBI leitete und, wie man so sagte, manchmal auch den Justizminister.

„Agents“, sein Ton war von einer Sekunde zur anderen deutlich umgänglicher geworden, „Sie sind nicht hier, weil ich der Meinung bin, dass Assistant Director High eine Eskorte braucht. Auch Sie wurden von Assistant Director Homer in den höchsten Tönen gelobt, ja man könnte fast meinen, dass er ein freundschaftliches Verhältnis mit Ihnen gepflegt hat. Sie haben ja auch einige gemeinsame Einsätze gehabt.“

Ich nickte und musste innerliche grinsen. Das einzige freundschaftliche Verhältnis, dass Homer pflegte, war das zu den Dienstvorschriften. Anscheinend war mein Grinsen doch nicht ganz innerlich gewesen.

„Darf ich Ihrer Mimik entnehmen, dass Sie anderer Meinung sind, Agent Cotton?“

„Nun“, begann ich und versuchte mir eine gute Antwort auszudenken. „Nun, der Ausdruck ‚freundschaftliches Verhältnis‘ hat eine weite Auslegungsbreite…“

„Schon gut, spielt jetzt keine Rolle, das können Sie gegebenenfalls mit Assistant Director Homer persönlich klären. Sie und Agent Decker werden in dem Fall ermitteln. Sie begeben sich vor Ort und finden heraus, was mit Assistant Director Homer in den letzten fünf Tagen passiert ist. Dazu werden Sie auf Zeit in den Rang von Inspektoren erhoben und sind mir persönlich unterstellt, ihre Aktionen werden Sie allerdings mit Ihrem bisherigen Vorgesetzten, Assistant Director High, abstimmen, der außer mir als einziger Ihnen gegenüber weisungsbefugt ist. Alles klar, Agents?“

Phil und ich brachten es tatsächlich fertig, zu nicken. Wir beide FBI-Inspektoren! Das war vielleicht ein Karrieresprung. Die Inspektoren waren so etwas wie die letzte Eingreiftruppe des FBI, wenn die Field Offices nicht mehr weiterkamen. Normalerweise waren sie dem Headquarter direkt unterstellt und hatten weitgehende Machtbefugnisse, selbst die Leiter der Field Offices kamen da nicht mit. Genau das bereitete mir ein ungutes Gefühl und zeigte deutlich, dass hier die Kacke am dampfen war.

„Sie fliegen jetzt wieder zurück nach New York, regeln Ihre Angelegenheiten und morgen erwarte ich Sie um elf Uhr in meinem Büro zu einem letzten Briefing. Vielen Dank.“

Kommentare  

#1 Larandil 2014-12-16 10:32
Wer es nicht schon gefunden hat: das "Heft" ist doppelt so groß wie sonst, also im Zeitschriftenformat, und paßt deswegen nicht gut in den Ständer zu seinen Kollegen ...
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#2 Des Romero 2014-12-16 20:10
Gott bewahre, dass man bei Pabel auf die Schnapsidee verfällt, PR 3000 im Zeitschriftenformat herauszubringen. Ich erinnere mich daran, dass kurz vor Erscheinen von Band 1000 die Angst umging, der Jubiläumsband könne im Taschenbuchformat gedruckt werden. Die Befürchtungen haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.
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#3 joe p. 2014-12-17 13:44
Was soll ich denn mit einer Jerry Cotton Illu? Die passt nicht zwischen die Hefte, weder in der Stangen-Sammelmappe noch in der Sammelbox. Sie wäre also andernorts zu lagern, wo man sie nicht wiederfindet.
JC 3000 ist bereits mein - in elektronischer Form. :-)
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#4 Advok 2014-12-17 16:32
joe p.:
Jerry Cotton 3000 gehört zu Band 500 gestellt. Daneben die alten Bravos mit dem Jerry-Cotton-Fortsetzungsroman. Und hat es nicht auch einmal tatsächlich eine Jerry-Cotton-Zeitschrift gegeben?

Wenn ich Band 500 recht im Gedächtnis habe, hat er der Nummer 3000 etwas voraus! Band 501 (im normalen Format) erschien zeitgleich ... ;-)
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#5 Andreas Decker 2014-12-18 12:32
Ist schon irgendwie schräg, das Teil. Die im Text eingestreuten Jubelarien aus Leserbriefen ganz im Sinclair-Stil sind eher peinlich, das mit den skurrilsten Titeln aus der Seriengeschichte finde ich witzig. (Ehrlich gesagt machen die meisten davon mehr Lust, in das Heft reinzusehen, als das dröge Zeug von heute.)

Dass die Schriftgröße dem Sehvermögen des vermutlichen Zielpublikums angepasst ist, ist aber eine nette Geste. :lol:
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#6 Andreas Decker 2014-12-18 12:34
zitiere Larandil:
Wer es nicht schon gefunden hat: das "Heft" ist doppelt so groß wie sonst, also im Zeitschriftenformat, und paßt deswegen nicht gut in den Ständer zu seinen Kollegen ...


Da musst du aber erst mal einen Laden finden, die ihn überhaupt noch führen bzw einen Ständer haben. :-)
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