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In memoriam: Horst Frank - Der Bösewicht vom Dienst

In memoriamHorst Frank
Der Bösewicht vom Dienst

Die Rolle des Bösen und Unheimlichen, die des Mörders und Bandenchefs waren ihm offenbar auf den Leib geschrieben. Horst Frank zählte trotz seiner unsympathischen Rollenparts zu den beliebtesten und gefragtesten Schauspieler der 60er, 70er und 80er Jahre.

Sein eigenes Leben liest sich dabei wie ein unverfilmtes Buch.


Stern von Afrika Seine Schauspielausbildung finanzierte er sich durch Jobs als Babysitter und Nachtwächter. Er wollte unbedingt Schauspieler werden. Er fiel dann jedoch durch die Abschlussprüfung. Dies hielt ihn jedoch nicht von seinem ersten Arrangement am Theater ab. Wie viele seiner Kollegen war er mit dem Theater eng verbunden.

Im wahren Leben hieß er Horst Bernhard Wilhelm Frank und ist am 28 . Mai 1929 in Lübeck geboren. Sein Filmdebüt feierte er 1957 mit "Ein Stern in Afrika".Für den "Stern von Afrika" suchte Regisseur Alfred Weidenmann noch unverbrauchte Gesichter. So debütierte er ort zusammen mit Hansjörg Felmy und Joachim Hansen.
 
Deutschland 1939: Der junge Hans-Joachim Marseille (Joachim Hansen) ist ein Flieger-As. Er und sein Freund Robert (Hansjörg Felmy) werden bei Ausbruch des Krieges nach Afrika versetzt. Nach dem hundertsten Abschuss wird der Soldat in Berlin gefeiert: Dort verliebt er sich in die junge Lehrerin Brigitte (Marianne Koch), die in Marseille große Zweifel über den sinnlosen Krieg weckt, der eine gemeinsame Zukunft unmöglich mache. Von seinem nächsten Einsatz in Afrika kehrt Marseille jedoch nicht mehr zurück: Sein Fallschirm verfängt sich am Leitwerk des abstürzenden Flugzeugs.
 
Um Null Uhr schnappt die FalleNach seinem Filmerfolg im "Stern in Afrika" ist auch im Ausland gefragt. Unter anderem in Frankreich und Italien. In den sechsziger Jahren dreht eine Menge Kinofilme wie "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Der Greifer",  oder "Fabrik der Offiziere" um nur wenige zu nennen. Auch der Jerry Cotton-Krimi "Um null Uhr schnappt die Falle zu " (1966),  fällt in diese Zeit:
 
Lew Hutton und Fat Krusky stehlen einen Lastwagen mit Nitroglycerin. Bei einen fingierten Unfall vor einem Juweliergeschäft kann ihre Komplizin Maureen eine Million Dollar Beute machen. Den Inhalt des Lastwagens, 20 Kanister Nitroglycerin, hat Lew Hutton vorher versteckt.
Larry Link lässt Hutton und Krusky ausschalten und gelangt durch Maureens Hilfe in den Besitz der Kanister. Mit der Drohung, große Teile Manhattans in die Luft zu sprengen, will Larry Link vom New Yorker FBI fünf Millionen Dollar erpressen.
 
In einem Interview, das Frank kurz vor seinem Tode gab, sagte er: "In dem Film habe ich irgendwas mit Nitroglycerin gemacht" (1). Es war der dritte Jerry Cotton-Film und für mich persönlich auch der Beste.

Horst Frank als Kelly in "Die Flusspiraten vom MississippiAuch im Western, vor allen in Italien wurde Horst Frank gern besetzt. Zum Beispiel "Die Flusspiraten vom Missisippi" (1963):
 
Die kleine Stadt Helena am Mississippi wird von Flusspiraten unsicher gemacht. Gemeinsam mit den Cherokee-Indianern terrorisiert ihr Anführer Kelly (Horst Frank) die Bewohner. Nur der neue Sheriff (Hansjörg Felmy) stellt sich den Banditen entgegen.
 
Auch in einigen Django-Adaptionen war er dabei. Weitere Filme, auch für das Fernsehen folgten in den 70er Jahren.
 
Gast war er auch in Krimiserien wie "Der Kommissar", "Der Alte", "Derrick", "Tatort" und "Soko 5113". Nicht zu vergessen ist seine Paraderolle als geheimnisvoller Baron, der "Timm Thaler" sein Lachen abkauft.
 
Horst Frank und Thommy Ohrner in "Timm Thaler"Der dreizehnjährige Timm Thaler besitzt ein unwiderstehliches Lachen und ist bei allen beliebt. Der geheimnisvolle Baron de Lefouet (in der Romanvorlage Lefuet, ein Ananym für „Teufel“), ein griesgrämiger Geschäftsmann, der stets eine schwarze Nelke im Knopfloch trägt, versucht zunächst vergeblich, Timm dieses Lachen abzukaufen. Timms Vater ist Fluglehrer und kommt während eines Auftragfluges für den Baron ums Leben. Der Baron hatte bei diesem Absturz seine Finger im Spiel. Dadurch, dass Timm sein Liebstes verloren hat, ist er nun leicht durch den Baron manipulierbar.
Um seiner Stiefmutter finanziell unter die Arme greifen zu können, widersetzt sich Timm nicht länger den Forderungen des Barons und verkauft ihm schließlich sein Lachen. Im Gegenzug sichert der Baron Timm zu, künftig jede Wette zu gewinnen, sei sie noch so absurd und abwegig. Der Pakt hat für beide Seiten Gültigkeit, solange beide Stillschweigen darüber bewahren. Bricht nur ein Partner das Schweigen, so verliert nur er die Rechte aus dem Vertrag. Der Baron und sein Diener Anatol nutzen die neue Gabe ausgiebig und haben erste geschäftliche Erfolge. Timm dagegen wird immer unglücklicher. Er beschließt, sich sein Lachen zurückzuholen. Er versucht allerlei Tricks, um schließlich festzustellen, dass er es nur durch eine Wette zurückerhalten kann.
 
Auch als Dämon in der Serie "Mandara" wurde er von den jüngeren Zuschauern bewundert und gefürchtet. Er drehte mit Atze Brauner, Rolf Thiele und anderen Regiegrößen.
 
Horst FrankFrank war stets einer der Sorte "Gerade heraus". Er zögerte auch nicht andere Schauspieler zu kritisieren. George Nader (Jerry Cotton), sagte er nach, dass er ohne Richard Münch und Heinz Weiss als Partner an seiner Seite, kaum beachtet worden wäre.
Er fand es auch eine kluge Entscheidung von Tommi Ohrner in die Moderation zu wechseln, da er glaubte, die Schauspielerei sei nichts für ihn, obwohl er vom Typ her ein gut ausgesuchter Kinderstar war.
Heinz Drache hat er laut eigener Aussage einmal 25 Mark für ein Bordell geliehen: "Das habe ich aber nur erzählt, weil mir Heinz Drache diesen Betrag immer schuldig geblieben ist" (2)
 
Helmuth Ashley bezeichnete er als guten Kameraman, aber als schlechten Regisseur. Und über Klaus Kinski sagt er:
"Mein Freund Klaus! Ich hatte mit ihm immer ein ganz kleines, fast kollegiales, Verhältnis. Man kann sogar sagen, daß wir für kurze Zeit befreundet waren. Ich machte zwei Filme mit Klaus, und immer, wenn ich eincheckte, hörte ich, daß sie Kinski gestern erst aus dem Hotel geworfen hatten.Ich wohnte in Rom gleich neben ihm, und wir unternahmen damals viel gemeinsam. Später ist er, glaube ich, dann wirklich krank gewesen."(3)
 
Das Fernsehprogramm fand Horst Frank 1999 "Schrecklich! Furchtbar! Kommt mal ein gut gemachter Film, der den Zuschauer zu fesseln weiß, wird er just in dem Moment unterbrochen. Und man muß Werbung ertragen für Damenbinden oder Pepsodent. Das Resultat ist: Die Leute schauen gar nicht mehr hin."(4)
 
Irrfahrt der SkeletteAb den 80er Jahren trat Horst Frank häufig in Hörspielen auf. Vor allem beim Label EUROPA sprach er unter Heikedine Körting bekannte Rollen in Die drei ???, Dämonenkiller und Larry Brent. Bei den drei ??? War er in einigen Folgen der Hauptkommissar Reynolds, der den drei Detektiven bei den besonders heiklen Fällen zur Seite stand.Bei Larry Brent sprach er zweimal den Gegenspieler des PSA-Agenten in Irrfahrt der Skelette und Im Kabinett des Grauens. Auch in Macabros nahm er zweimal finstere Rollen ein. Im Dämonenkiller und bei Flash Gordon war er der Erzähler. In der Edgar Wallace-Serie von  EUROPA sprach zweimal den Ermittler: Folge 4 "Das Gasthaus an der Themse" und Folge 8 "Der Engel des Schreckens"
 
In den Neunziger Jahren wurden seine Fernsehauftritte seltener. Ab und an sah man ihn noch in Nebenrollen. Mit zunehmenden Alter und klappernden Gebiss fiel ihm auch das Sprechen immer schwerer, so dass er auch dem Hörspiel fern blieb.
Dracula trifft FrankensteinEr war in vierter Ehe mit Brigitte Kollecker verheiratet, die ebnfalls Schauspielerin ist. Mit ihr sprach er zusammen das Reporterehepaar Tom Fox und Eireen in den Hörspielen"Das Ungeheuer von Loch Ness", "Das Duell mit dem Vampir" und "Dracula trifft Frankenstein",
 
Ein Mann stürzt von einem Balkon, zu dem es seit Jahren keinen Zugang mehr gibt, und der Kopf des Toten verschwindet. Wer verunsichert das düstere Land, in dem anscheinend alle Angst haben? Ist es jene Macht, die Tote verschwinden läßt, als wären sie nie dagewesen? Was hat das Schloß Mordabrunn damit zu tun?
Die beiden Reporter Eireen Fox und Tom Fawley sind einem unheimlichen Geschehen auf der Spur. Sie gehen in das Labor des Dr. Stein, der an einem gefährlichen Experiment arbeitet - und plötzlich glaubt Eireen, die Wahrheit zu kennen.
Als Blut entwendet wird, dämmert es ihr - DRACULA war hier ...
 
Horst Frank starb am 25. Mai 1999 kurz vor seinem 70. Geburtstag. Wenige Monate zuvor hatte er auf der Bühne einen Schwächeanfall erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte.
 
Kinofilme mit Horst Frank
1957: Haie und kleine Fische
1957: Der Stern von Afrika
1958: Blitzmädels an die Front
1958: Das Mädchen vom Moorhof
1958: Der Greifer
1958: Schwarze Nylons – heiße Nächte
1958: Hunde, wollt ihr ewig leben
 1958: Meine 99 Bräute
1958: Das Mädchen Rosemarie
1959: Bumerang
1959: Abschied von den Wolken
1959: Die Nackte und der Satan
1960: Le Bois des amants
1960: La Chatte sort ses griffes
1960: Fabrik der Offiziere
1960: Kein Engel ist so rein
1960: Die Zornigen jungen Männer
1961: Treibjagd auf ein Leben
1961: Tu ne tueras point 1
961: Die Liebe ist ein seltsames Spiel
1961: Unser Haus in Kamerun
1962: Der Schwarze Panther von Ratana
1962: Zwischen Schanghai und St. Pauli 
1962: Heißer Hafen Hong Kong
1962: Hass ohne Gnade
1963: Die Flusspiraten vom Mississippi
1963: Mein Onkel, der Gangster
 1963: Die Weiße Spinne
1964: Die Schwarzen Adler von Santa Fe
1964: Das Geheimnis der chinesischen Nelke
1964: Die Tote von Beverly Hills
1964: Winnetou – 2. Teil
1964: Die Goldsucher von Arkansas
1964: Diamantenhölle am Mekong
1964: Die Letzten Zwei vom Rio Bravo
1964: Weiße Fracht für Hongkong
1965: Der Spion, der in die Hölle ging
1965: Der Fluch des schwarzen Rubins
1965: Das Geheimnis der drei Dschunken
 1966: Fünf vor zwölf in Caracas
1966: I Deal In Danger
1966: Um Null Uhr schnappt die Falle zu
1966: Für eine Handvoll Diamanten
1967: Fünf gegen Casablanca
1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
1967: Die Rache des Dr. Fu Man Chu
1967: Eine Handvoll Helden
1968: Catherine
1968: Django – Ein Sarg voll Blut
1968: Viva Django
1968: Odia il prossimo tuo
1968: That Dirty Story of the West
1969: So Sweet… So Perverse
1969: Marquis de Sade: Justine
1969: Porta del cannone
1969: Jaque mate
1969: Die Engel von St. Pauli
1970: Frisch, fromm, fröhlich, frei
1970: Das Glöcklein unterm Himmelbett
1971: Und Jimmy ging zum Regenbogen
1971: Carlos
1971: Die Neunschwänzige Katze
1971: Heiße Spur St. Pauli
1972: Das Geheimnis des gelben Grabes
1971: Der Scharfe Heinrich
1972: Drei Vaterunser für vier Halunken
1973: Carambola
1975: Auch Mimosen wollen blühen
1975: Das Amulett des Todes
1976: Der Flüsternde Tod
1976: Rosemaries Tochter
1976: Die Elixiere des Teufels
1977: Operation Ganymed
1977: Das Gesetz des Clans
1980: Das Traumhaus
1998: Die Menschen sind kalt

Zitate:

1-4: Terrorverlag, Michael Cholewa

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