Der Alte - neu betrachtet: Folge 2 - Jack Braun
Der Alte - neu betrachtet: Folge 2 - Jack Braun
Alles beginnt mit einem scheinbar eindeutigen Fall: Zwei junge Männer überfahren mit einem gestohlenen Auto einen Rentner und fliehen vom Unfallort. Das Fahrzeug gehört dem angesehenen Arzt Dr. Margolis, der dadurch schnell ins Zentrum der Ermittlungen rückt. Doch Kommissar Köster zweifelt von Anfang an an dessen Schuld.
Je tiefer er sich in den Fall hineinarbeitet, desto deutlicher wird, dass hier jemand ein Verbrechen sorgfältig geplant und die Spuren bewusst gelegt hat. Aus einer vermeintlichen Fahrerflucht entwickelt sich eine vielschichtige Geschichte um alte Verbindungen, verborgene Motive und einen geheimnisvollen Mann aus Amerika, der im Hintergrund die Fäden zu ziehen scheint.
Besonders reizvoll ist dabei, wie die Handlung ihre Geheimnisse nur nach und nach preisgibt. Jede neue Erkenntnis wirft weitere Fragen auf und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht.
Wie so oft verlässt sich Köster nicht ausschließlich auf die Arbeit seiner Mitarbeiter. Er verfolgt eigene Spuren, setzt Verdächtige unter Druck und bringt sich damit mehrfach selbst in Gefahr. Gerade dieser persönliche Einsatz macht einen großen Teil des Reizes der frühen Folgen aus.
Die gefährlichen Begegnungen mit den Tätern gehören zu den Höhepunkten der Episode. Der Zuschauer spürt jederzeit, dass Köster es mit skrupellosen Gegnern zu tun hat. Die Spannung entsteht dabei weniger durch spektakuläre Action als durch die ständige Bedrohung und die Frage, ob der Kommissar seinen Gegenspielern diesmal einen Schritt voraus bleibt.
Visuell gehört „Jack Braun“ zu den beeindruckenderen Folgen der frühen Serie. Die Außenaufnahmen verleihen der Handlung Größe und Authentizität. Insbesondere die Szenen am Starnberger See sorgen für ein stimmungsvolles Ambiente, das perfekt zur Geschichte passt.
Die Kameraarbeit fängt sowohl die idyllischen Landschaften als auch die bedrohlichen Momente der Handlung überzeugend ein. Dadurch entsteht ein fast filmischer Eindruck, der die Folge deutlich aufwertet.
Bemerkenswert ist auch die Einführung von Figuren, die später zu festen Bestandteilen der Serie werden sollten. Jan Hendriks überzeugt bereits bei seinem ersten Auftritt als Assistent Brenner mit einer sympathischen und natürlichen Präsenz.
Eine besondere Bereicherung sind die Szenen zwischen Köster und seiner Lebensgefährtin Anna Gautier. Die Dialoge wirken locker, humorvoll und glaubwürdig. Sie vermitteln einen Blick auf die private Seite des Ermittlers und lockern die Krimihandlung auf, ohne ihren Spannungsbogen zu beeinträchtigen. So agieren neben Siegfried Lowitz Karl Renar, Peter Passetti und der erst kürzlich (2026) verstorbene Günter Maria Halmer. Peter Bollag spielt Jack braun, der in schwarz gekleidet mit Hut auf hohen Absätzen durchs Bild wandert und wie ein unheimliches Gespenst wirkt. Klasse auch die Szenen in der S-Bahn, in der Köster dem Killer scheinbar hilflos ausgeliefert ist.
Das Drehbuch von Karl-Heinz Willschrei und Peter Berneis zeichnet sich durch einen sorgfältigen Aufbau und eine kluge Figurenführung aus.
Regisseur Wolfgang Becker, den man in Fachkreisen als Schauspieler-Regisseur bezeichnet, inszeniert die Handlung mit sicherem Gespür für Tempo und Atmosphäre. Er nimmt sich die Zeit, Figuren und Schauplätze wirken zu lassen, und schafft damit eine dichte, glaubwürdige Krimiwelt. Seine ruhige, präzise Erzählweise passt hervorragend zur Figur des Kommissars Köster und verleiht der Folge ihre besondere Wirkung.
Auch musikalisch hebt sich „Jack Braun“ von vielen zeitgenössischen Krimis ab. Im Abspann erklingt Supertramps "Crime of the Century". Dessen markantes Klavierstakkato wird bereits während der Handlung mehrfach eingesetzt und verstärkt die geheimnisvolle und bedrohliche Grundstimmung der Episode. Die Musik trägt erheblich zur Atmosphäre bei und verleiht dem Film einen für die Zeit ungewöhnlich modernen Klang.
„Jack Braun“ ist ein hervorragendes Beispiel für die Qualitäten der frühen Jahre der Reihe. Die Folge überzeugt durch ihre intelligente Kriminalgeschichte, eine spannende Inszenierung, starke Darsteller und eine außergewöhnlich dichte Atmosphäre. Hinzu kommen gelungene Dialoge, attraktive Schauplätze und ein musikalischer Abspann, der noch lange nachwirkt.
Eine Folge, die zeigt, warum Kommissar Köster bis heute zu den beliebtesten Ermittlerfiguren des deutschen Fernsehens zählt.
SIEGFRIED LOWITZ Erwin Köster; MICHAEL ANDE Gerd Heyman; JAN HENDRIKS Martin Brenner; HENNING SCHLÜTER Millinger; PETER BOLLAG Jack Braun; PETER PASETTI Dr. Margolis; KARL RENAR Hans Kraus; GÜNTHER MARIA HALMER Peter Engel; UDO THOMER Beier; HANS BEERHENKE Paul Dieckmann; URSULA GRABLEY Gerda Maurer, Dieckmanns Schwester; XENIA PÖRTNER Anna Gautier u.v.a.
© by author 08/26
mit freundlicher Unterstützung von Roland Koch



