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Geheime Wege - Hinter dem Eisernen Vorhang

Geheime Wege

Hinter dem Eisernen Vorhang

 

1961 besetzte sich Richard Widmark in seiner Position als Produzent in der Heldenrolle einer frühen Alistair-MacLean-Verfilmung. „Geheime Wege“ wurde zunächst von Phil Karlson inszeniert, der aber nicht bis zum Ende der Dreharbeiten an Bord blieb und schließlich durch Widmark ersetzt wurde. Nun ist der Kalte-Kriegs-Film auch in Deutschland zum ersten Mal auf BluRay erschienen.

Noch bevor die James-Bond-Filme Agentenschlachten zwischen Ost und West zu den großen Kassenschlagern in den 1960er Jahren werden ließen, widmeten sich einige kleinere, aber nicht weniger spannende Filme den Auswirkungen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Erstarken der Fronten zwischen dem Westen und den Ostblockländern. Da die Städte Berlin und Wien unter den Alliierten aufgeteilt worden waren, galten diese insbesondere als Tummelplatz der unterschiedlichsten Geheimdienste, was natürlich auch schnell die Filmemacher für sich entdeckten. Sir Carol Reed schuf mit „Der dritte Mann“ bereits 1949 einen Genreklassiker, der den Prater in Wien weltberühmt machte und nicht zuletzt durch Anton Karas‘ Zitherklänge auch musikalisch unvergessen bleibt. Vier Jahre später versuchte Reed das Konzept auf die ebenfalls geteilte Stadt Berlin zu übertragen. „Gefährlicher Urlaub“ kann die Intensität von „Der dritte Mann“ zwar nicht erreichen, ist aber ebenfalls ein spannender Kalter-Kriegs-Film mit überzeugenden Darstellerleistungen. Phil Karlson wagte sich in „Geheime Wege“ ebenfalls wieder nach Wien vor und verfilmte hiermit nach „Die Kanonen von Navarone“ erst den zweiten Roman des Bestsellerautors Alistair MacLean. Hauptdarsteller Richard Widmark agiert darin Seite an Seite mit einer ganzen Reihe deutschsprachiger Mimen, die mitunter häufiger in internationalen Produktionen reüssierten.

Von dem etwas dubiosen Bankchef Sheffler (Hubert von Meyerinck) erhält der US-Amerikaner Michael Reynolds (Richard Widmark) den Auftrag, den Untergrundführer Jansci (Walter Rilla) aus Ungarn nach Österreich zu bringen. Wo genau sich der Professor aufhält, soll er von dessen Tochter Julia (Sonja Ziemann) erfahren, die bereits als Flüchtling in Wien lebt. Zunächst ist Julia aber skeptisch und verschanzt sich hinter einem falschen Namen, geht aber dann doch überraschend auf Reynolds‘ Angebot ein und begleitet diesen über die Grenze hinter den Eisernen Vorhang. Schon im Zug setzen die Schergen der kommunistischen Regierung ihre Spitzel auf die beiden an. Vor Ort in Budapest gilt es deswegen, die Aufpasser abzuschütteln und unbemerkt zu Prof. Jansci zu gelangen. Reynolds ist sich aber schon bald nicht mehr sicher, ob er von Julia lediglich ausgenutzt wurde oder ob sie ihm tatsächlich dabei helfen wird, ihn zu ihrem Vater zu bringen. Und welche Rolle spielt der „Graf“ (Charles Regnier), der Reynolds bereits in Wien begegnet war und ihn quasi mit dem Tode bedrohte, und nun auch in Ungarn in den undurchsichtigen Machenschaften mitzumischen scheint?

Gleich zu Beginn verströmt „Geheime Wege“ sogar Hitchcock-Vibes, da der Titelvorspann ganz ähnlich wie die legendären Arbeiten von Saul Bass entworfen wurde und Johnny Williams‘ Kompositionen stark an Bernard Herrmanns Hitchcock-Klänge erinnern. Ganz so straff und packend ist der Film dann insgesamt zwar nicht geworden, aber Phil Karlsons Kalter-Kriegs-Thriller ist zu Unrecht nicht so bekannt wie einige andere Genreklassiker. Sämtliche Rollen sind mit exzellenten Darstellern besetzt (ebenfalls dabei sind beispielsweise Senta Berger, Heinz Moog, Reinhard Kolldehoff, Jochen Brockmann und der sinistre Howard Vernon, der nicht zuletzt durch seine Synchronstimme Gerd Martienzen sehr stark an den Super-Bösewicht Klaus Kinski erinnert), die stimmungsvolle Kameraführung von Max Greene (alias Mutz Greenbaum) kreiert einige fantastische Schwarz-Weiß-Aufnahmen und die Inszenierung ist ebenfalls kraftvoll und wird dem Thema gerecht. Eine hübsche Wiederentdeckung in angemessener Veröffentlichung. Denn die BluRay von Pidax bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) und einen dem Alter angemessenen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit englischen Untertiteln). Auch einige Extras hat die Scheibe zu bieten: zunächst einmal einen profunden Audiokommentar der beiden Filmhistoriker Howard S. Berger und Steve Mitchell, den englischen Originaltrailer des Films und eine recht umfangreiche animierte Bildergalerie mit Werbematerial aus vielen verschiedenen Ländern.

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