Blonde Köder für den Mörder - Mondäne Mörderjagd
Blonde Köder für den Mörder
Mondäne Mörderjagd
Dean Reeds (1938-1986) Karriere war dank ihrer zahlreichen Höhen und Tiefen und einer insgesamt höchst chaotischen Ausrichtung selbst filmreif. In der Tat drehte Leopold Grün 2007 den Dokumentarfilm „Der rote Elvis“ über das Phänomen Dean Reed, der im US-amerikanischen Denver geboren wurde und in den 1950er Jahren Ambitionen hegte, in die Fußstapfen von Elvis Presley zu treten. Mangels Talent blieb ihm dies aber verwehrt, weswegen er zunächst in Mexiko und ab 1967 schließlich in Italien als Schauspieler reüssierte. In den römischen Filmstudios stand er in Italo-Western, Mantel- und Degen- und Korsarenfilmen vor der Kamera, dazwischen drehte er mit „Blonde Köder für den Mörder“ auch so etwas wie einen Eurospy-Film. 1972 übersiedelte er dann in die DDR, wo er vom SED-Regime als „geläuterter, antikapitalistischer und antiimperialistischer US-Amerikaner“ verkauft und kurze Zeit zu einem großen Star wurde. Doch auch im sozialistischen Teil Deutschlands lag seine Karriere schließlich brach, und mit 47 Jahren wählte er dort 1986 den Freitod. Auch die Wahl des Regisseurs bei diesem Film ist mit Harald Philipp ungewöhnlich ausgefallen. Der Hamburger hatte in den 1960er Jahren dank seiner Beiträge zu den kommerziell überaus erfolgreichen Edgar-Wallace, Jerry-Cotton- und Winnetou-Filmreihen sein Standing ausgebaut. Mit „Liebesnächte in der Taiga“ verfilmte er dann den gleichnamigen Heinz-G.-Konsalik-Roman aus dem Kalten Krieg und nach „Köder“ inszenierte er mit „Un hombre solo“ auch noch einen spanischen Film.
Am Strand wird die Leiche der Industriellen-Gattin Mabel Simmons (Femi Benussi) gefunden. Deren Witwer Lionel Simmons (Renato Baldini) wendet sich an die Continental Detective Agency, deren Mitarbeiter Pepe Mangano (Leon Askin) seinen Freund Bob Martin (Dean Reed) mit den Recherchen betraut. Der Privatdetektiv soll vor Ort die Nachforschungen anstellen, und um dem Mörder auf die Schliche zu kommen, setzt Martin seine eigene Freundin Ellen (Ini Assmann) als Köder ein. Denn die Blondine hat große Ähnlichkeit mit dem Mordopfer. Als Täter vermutet man den gut aussehenden Maler Francesco di Villaverde (Fabio Testi), der noch am Mordabend mit Mabel Simmons zusammen am Strand gesehen wurde. Aber die Zeugen haben selbst keinen allzu guten Leumund. Sowohl Riccardo Beni (Mario Brega) als auch Amato Locatelli (Riccardo Garrone) stehen im Dienst des zwielichtigen Charly Hollmann (Werner Peters), der ein Casino-Boot vor der Küste leitet und gerade eine gewaltige Summe der lukrativen Einnahmen veruntreut hat. Deswegen sind ihm Prof. Max Spiegler (Adolfo Celi) und Sophia Ferretti (Anita Ekberg) vom Syndikat auf der Spur, da sie ihren Teil vom Geld abhaben wollen. Mit den Syndikatsbossen ist nicht zu spaßen, weshalb Hollmann innerhalb kürzester Zeit das veruntreute Geld wieder flüssigmachen muss.
Harald Philipp war ein inszenatorischer Routinier, dessen Filme handwerklich zumeist solide, aber selten originell oder mit eigener Handschrift gefertigt waren. Bei „Blonde Köder für den Mörder“ wird ihm das ein Stückweit zum Verhängnis, denn das verworrene und stellenweise auch ziemlich unlogische Drehbuch wird unter Philipps Inszenierung fast vollkommen unverständlich. Zu viel wurde in die Verfilmung des Romans „Falle für einsame Herzen“ von Max Pierre Schaeffer hineingepackt, zu viele Figuren mit zu vielen eigenen Problemen bevölkern die Handlung, die sich in ihrer Machart an das seinerzeit noch höchst beliebte Agentenkino anzuhängen versucht. Dean Reed bleibt in der Hauptrolle denkbar blass, Fabio Testi kann da schon viel eindrücklicher Akzente setzen. Auch die zahlreichen Gaststars (auch Nadja Tiller ist als Schwester des Mordverdächtigen mit von der Partie) sind einen Blick wert, aber insgesamt ist der Film doch eher enttäuschend ausgefallen. Für die DVD-Erstveröffentlichung hat man „verschiedene Filmmaterialien und Quellen verwendet“, wie es auch auf dem Cover heißt. Das sieht man leider deutlich, denn dieser Mischmasch im Vollbildformat 1,33:1 (eigentlich wurde der Film im Widescreen-Format 1,66:1 gedreht) ist immer wieder sehr unscharf (auf schlechtem VHS-Niveau), mitunter so ausgeblichen, dass es fast wie Schwarz-Weiß aussieht, dann wieder sehr scharf und mit kräftigen Farben. Der Ton (Deutsch, Italienisch und Englisch in Dolby Digital 2.0) geht soweit in Ordnung, ist aber leider in der deutschen Synchronfassung im ersten Akt einige Minuten asynchron angelegt. Als Extras hat man den US-Trailer, ein italienisches Interview mit Drehbuchautor Sergio Garrone (26 Minuten, leider ohne Untertitel), in dem dieser über den Film und weitere Highlights seiner Karriere spricht, sowie eine größere animierte Bildergalerie (in der einige Fotos seltsam beschnitten angezeigt werden) mit aufgespielt.



