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Phantom des großen Zeltes - Tote, Tiere, Sensationen

Phantom des großen Zeltes

Tote, Tiere, Sensationen

 

In den 1950er Jahren entstand nach einer Novelle von Egon Eis mit „Phantom des großen Zeltes“ eine ungewöhnliche Mischung aus Zirkusdrama und Kriminalfilm, die schon Parallelen zu den einige Jahre später populären deutschen Edgar-Wallace-Filmen aufweist. Nun ist der Schwarz-Weiß-Film aus den Archiven geholt und bei „Pidax Film-Klassiker“ auf BluRay veröffentlicht worden.

Die Parallelen zu den Edgar-Wallace-Filmen der Rialto-Filmproduktion, die ab 1959 geradezu am Fließband hergestellt wurden, kommt nicht von Ungefähr. Denn der Schriftsteller Egon Eis (1910-1994), auf dessen Novelle „Phantom des großen Zeltes“ basiert und der auch gemeinsam mit Walter F. Fichelscher die Drehbuchadaption verfasst hat, war einige Jahre später an etlichen Wallace-Drehbüchern beteiligt. Unter dem Pseudonym Trygve Larsen schrieb er beispielsweise mit an „Der Frosch mit der Maske“, „Der rote Kreis“, „Die toten Augen von London“, „Das Rätsel der roten Orchidee“ oder „Das Geheimnis der gelben Narzissen“. Einige dieser Beiträge haben den Tenor der Wallace-Reihe maßgeblich mitgeprägt, so dass es nicht verwundert, dass auch schon fünf Jahre zuvor in Paul Mays Film einiges davon spürbar ist. May (1909-1976) befand sich gerade selbst auf dem Höhepunkt seiner Karriere, hatte wenige Monate zuvor die Hans-Hellmut-Kirst-Verfilmung „08/15“ in die Kinos gebracht, die sich als Sensationserfolg erwies und innerhalb kürzester Zeit zwei Fortsetzungen nach sich zog und Hauptdarsteller Joachim Fuchsberger zum Publikumsliebling machte. In „Phantom des großen Zeltes“ spielt Egon Eis mit dem Mythos Zirkus, der beispielsweise auch im Wallace-Film „Das Rätsel des silbernen Dreiecks“ oder in Filmen wie „Der rote Schatten“ und „Circus der Vampire“ als Grundlage für Spannungs- oder Horrorstories genutzt wurde.

Alfredo Capelli (René Deltgen) leitet gemeinsam mit Geronimo Rossi einen italienischen Wanderzirkus, als sich ein schlimmes Unglück ereignet. Die kleine Lilly (Heidi Becker), Tochter Rossis, gerät im Löwenkäfig in tödliche Gefahr. Ihr Vater wirft sich zwischen das Tier und sein Kind und büßt seinen Mut mit dem Leben ein. Jahre später: Capelli hat Lilly alleine großgezogen und als Lolita (Angelika Hauff) brilliert die junge Frau im Zirkus ihres Adoptivvaters als Kunstreiterin. Als die Zelte wieder in Neapel aufgeschlagen werden, wo sich vor Jahren der tödliche Zwischenfall ereignete, häufen sich erneut seltsame Vorkommnisse. Kapitän Nemo (Helmut vom Hofe) verunglückt bei seiner tollkühnen Motorradfahrt in der Manege, eine Zuschauertribüne bricht zusammen und eine Besucherin (Roma Bahn) schwört Stein auf Bein, ein Phantom im Zirkus gesehen zu haben. Capellis Umsätze brechen ein, weswegen die Löwenbändigerin Dolores (Ilse Steppat) wieder auf der Bildfläche erscheint, um ihrem alten Freund aus der Patsche zu helfen. Lolita hat sich mittlerweile verliebt und denkt über eine Hochzeit nach, wovon ihr Adoptivvater nichts wissen will. Als auch einigen der Verehrer Lolitas Unfälle zustoßen, mag keiner mehr so recht an Zufälle glauben. Gibt es dieses Phantom wirklich, ist es der Geist von Lolitas auf tragische Weise verstorbenem Vater oder haben die Vorkommnisse doch eine ganz rationale Ursache?

Aus heutiger Sicht wirkt die Story von „Phantom des großen Zeltes“ einigermaßen trivial und naiv. Zu viele ähnlich gelagerte Geschichten hat man mittlerweile gesehen, so dass sich die Originalität doch deutlich in Grenzen hält. Außerdem wird hier ein sehr fragwürdiges Männerbild gezeichnet, über das man sich aber wohl Mitte der 1950er Jahre noch keine ernstzunehmenden Gedanken gemacht haben dürfte. Auch die Tierdressuren und -vorführungen gibt es in dieser Form heutzutage gottseidank nur noch selten, für den Unterhaltungswert des Films sind sie aber nicht unerheblich, weil sie doch mitunter staunen machen und zum Sensationsfaktor beitragen. Auf der Habenseite des Films steht auch noch Charakterdarsteller Hans Christian Blech („Morituri“), den man unter seinem Clowns-Make-up zwar kaum erkennen kann, der seiner komplexen und spannenden Figur aber jede Menge Tiefgang verleiht. Eine kuriose Ausgrabung für Liebhaber deutscher Nachkriegsunterhaltung. Die BluRay-Erstveröffentlichung bietet ein sehr gutes Schwarz-Weiß-Bild (im Vollbildformat 1,37:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (im DTS HD Master Audio 2.0). Als Extra hat man eine mittelgroße animierte Bildergalerie mit aufgespielt.

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