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John Klings Abenteuer - Auftrag angenommen!

John Klings Abenteuer

Auftrag angenommen!

 

Basierend auf einer Groschenromanserie, die sich in den 1920er und 1930er Jahren großer Beliebtheit erfreute, schuf man für das ZDF 1965 die dreizehnteilige Serie „John Klings Abenteuer“ mit Hellmut Lange und Uwe Friedrichsen. Der Erfolg zog vier Jahre später eine zweite Staffel mit weiteren dreizehn Folgen nach sich. Nun sind die 24 erhaltenen Episoden der Kultserie wieder neu auf DVD erschienen, im schmucken Schuber von Fernsehjuwelen.

Mitte der 1960er Jahre war die Zeit reif für eine audiovisuelle Adaption der Groschenheftreihe um John Kling, die es in den Jahren 1926 bis 1939 auf rund 600 Ausgaben gebracht hatte. Die Autoren der Pulp-Geschichten waren Heinz Krafft, Paul Pitt, Max Wing und Hermann Falk. Als das ZDF 1965 die TV-Union Berlin mit der Produktion von zunächst dreizehn Folgen à 25 Minuten beauftragte, war als Autor der Drehbücher einzig und allein Karl Heinz Zeitler verantwortlich, der diese unter seinem üblichen Pseudonym C.M. Sharland verfasste. Der Erfolg gab den abenteuerlichen Spionagegeschichten, die sich auch durch einen damals noch recht unüblichen Humor auszeichneten, recht, weswegen eine Fortsetzung der Serie schnell beschlossene Sache war. Da die beiden vor der Kamera so famos harmonierenden Hauptdarsteller Hellmut Lange (1923-2011; „Die Lederstrumpf-Erzählungen“) und Uwe Friedrichsen (1934-2016; „Schwarz Rot Gold“)  aber jeweils durch andere Arbeiten eingespannt waren, dauerte es bis 1969, ehe man mit den Dreharbeiten von dreizehn weiteren Folgen für die zweite Staffel beginnen konnte. Diese entstanden ebenfalls noch in Schwarz-Weiß, waren aber ungleich aufwändiger hergestellt, da man hier jetzt nicht mehr nur in den Atelierbetrieben Bendestorf bei Hamburg drehte und dabei so tat, als würde man die beiden Hauptdarsteller rund um den Globus schicken. Stattdessen entstanden einige der Folgen nun tatsächlich on location, wofür man mit jugoslawischen Filmschaffenden zusammenarbeitete und dazu insbesondere in und um das heute slowenische Piran drehte. Die Drehbücher stammten nun alle aus der Feder von Rolf Honold („Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“) und wurden entweder von Karl Heinz Zeitler oder von B. Gofman bearbeitet.

John Kling (Hellmut Lange) und Jones Burte (Uwe Friedrichsen) könnten zwar kaum unterschiedlicher sein, verstehen sich aber beruflich und privat ausgezeichnet. Die beiden Männer sind auf internationaler Ebene als waghalsige Problemlöser tätig, reisen im Auftrag der unterschiedlichsten Klienten (Professoren, Inspektoren, Geheimdienstleiter, Firmenchefs, etc.) rund um den Globus und stellen sich dabei immer wieder den brenzligsten Situationen und den gefährlichsten Fallen und Hinterhalten. Casanova Jones Burte ist darüber hinaus kein Kostverächter und schlägt aus so ziemlich jedem Spionageauftrag auch seinen persönlichen Nutzen, weil er den Reizen des weiblichen Geschlechts einfach nicht widerstehen kann. Mal engagiert man das Duo, um Wertvolles persönlich mit dem Zug von einem Ort an den anderen zu begleiten, mal werden sie engagiert, weil ein ungarischer Funktionär der kommunistischen Partei unter mysteriösen Umständen ums Leben kam, mal sollen sie verhindern, dass einem arabischen Monarchen bei seinem Besuch in Hamburg dasselbe geschieht, mal sind sie in Südfrankreich Drogenschmugglern auf der Spur oder versuchen, der geheimnisvollen Katzenbande das Handwerk zu legen. In den ersten 13 Episoden genügten den Filmemachern dazu Archivaufnahmen aus internationalen Weltstädten, um die eigentliche Handlung dann in den Studiokulissen in Bendestorf nachzustellen. Dadurch, dass man in Staffel 2 teilweise on location in Jugoslawien drehte, wurden die Geschichten hier zum einen tatsächlich exotischer, zum anderen natürlich auch ein gutes Stück authentischer. Das tat der Serie sicherlich gut, wenngleich ab dann fast komplett nachsynchronisiert werden musste, da sich unter den Nebendarstellern auch etliche jugoslawische Schauspieler befanden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass „John Klings Abenteuer“ Westentaschen-Bond-Geschichten erzählte, Räuberpistolen, deren Groschenroman-Ursprung man anhand der naiven und oftmals auch komplett unglaubwürdigen Vorkommnisse schnell erkannte. Dass man an die Realisierung aber mit einem Augenzwinkern heranging und den grandiosen Hauptdarstellern auch gestattete, die Dialoge mit eigens improvisierten Sprüchen aufzupeppen, macht die Serie auch heute noch charmant und unterhaltsam. Anachronismen wie das ständige Rauchen (insbesondere in Staffel 1) oder den altmodischen Brauch des Händeküssens muss man dabei akzeptieren oder als nostalgische Referenzen an die Entstehungszeit werten. Wer die Darsteller mag, dürfte bei diesen mal mehr, mal weniger gelungenen kurzen Folgen sicherlich noch angemessen auf seine Kosten kommen. Die DVD-Wiederveröffentlichung der 24 noch erhaltenen Episoden (zwei scheinen unwiederbringlich verloren gegangen zu sein) auf vier DVDs bei Filmjuwelen entspricht auch hinsichtlich des Masterings der Erstveröffentlichung aus dem Jahr 2008 von Polar Film, deren Logo auf der ersten DVD sogar noch im Menü zu sehen ist. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist unrestauriert und weist deswegen etliche Altersspuren und Aktmarker auf. Zudem kommt es aufgrund der Kompression auch immer wieder zu Unschärfen und Artefakten. Der deutsche Ton (in Dolby Digital 2.0) ist durchweg gut zu verstehen und entspricht den Möglichkeiten der Entstehungszeit. Als Extras gibt es auch hier wieder die beiden 2008 entstandenen Retro-Interviews mit Hellmut Lange (24 Minuten) und Uwe Friedrichsen (26 Minuten), die von Johannes Haneke geführt wurden. Online ist ein 32seitiges Booklet mit einem Text von Oliver Bayan, vielen Fotos und einem kompletten Episodenführer abrufbar.

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